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Wappen Mecklenburg-Vorpommern

Das Referendariat in Mecklenburg-Vorpommern

Grundsätzliches zum Auswahlverfahren

In Mecklenburg-Vorpommern (M-V) wird nichts dem Zufall überlassen, wenn es um die Vergabe der begehrten Referendariatsplätze geht. Die rechtliche Basis für das gesamte Prozedere bilden das Juristenausbildungsgesetz (JAG M-V), die Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung (JAPO M-V) und die Kapazitätsverordnung (KapVO). Da die Nachfrage oft das Angebot übersteigt, gibt es ein festgelegtes Punktesystem nach § 22 Abs. 2 JAG M-V, um die Plätze fair zu verteilen.

Zunächst einmal gehen 35 Prozent der Plätze an die „Leistungsträger“, also diejenigen, die im Ersten Staatsexamen besonders gut abgeschnitten haben. Hier zählt die nackte Note der staatlichen Pflichtfachprüfung bzw. die Gesamtnote der Ersten juristischen Prüfung. Weitere 10 Prozent sind für sogenannte Härtefälle reserviert. Das sind Bewerber, die aus besonderen persönlichen oder sozialen Gründen (etwa gesundheitliche Probleme oder familiäre Verpflichtungen) nicht länger auf einen Platz warten können. Die restlichen 55 Prozent der Plätze werden nach der klassischen Wartezeit vergeben. Hier gewinnt, wer am längsten geduldig in der Schlange steht, vorausgesetzt, man hat sich zu jedem Termin ununterbrochen gemeldet.

Wichtig ist: Am Auswahlverfahren nimmt nur teil, wer die Erste juristische Staatsprüfung bestanden und alle Unterlagen fristgerecht sowie „vorbehaltlos“ eingereicht hat. Man kann sich zwar schon vor dem Zeugnis bewerben, aber spätestens vier Wochen vor dem Einstellungstermin (Ausschlussfrist!) muss der Nachweis über das Bestehen vorliegen. Wer eine Note von 8,5 Punkten oder besser hat, bekommt übrigens oft eine „Vorabzusage“, sofern die Kapazitäten es zulassen. Das nimmt den Druck ein wenig raus. Grundsätzlich wird versucht, die Wünsche der Bewerber bezüglich des Standorts zu berücksichtigen, aber einen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Ort gibt es nicht. Das Ganze ist also eine Mischung aus Leistung, Geduld und einer Prise Glück bei der Standortwahl.

Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte

Wer in M-V ins Referendariat starten will, muss sich zwei Termine fett im Kalender markieren: Den 1. Juni und den 1. Dezember eines jeden Jahres. Das sind die magischen Daten, an denen die neuen „Durchgänge“ vereidigt werden. Die Ausbildung wird zentral vom Präsidenten des Oberlandesgerichts (OLG) Rostock geleitet.

Was die Standorte angeht, ist M-V in vier Landgerichtsbezirke unterteilt, die als Stammdienststellen fungieren. Hier eine explizite Auflistung aller relevanten Orte:

  • Landgerichtsbezirk Neubrandenburg: Dazu gehören das Landgericht Neubrandenburg sowie die Amtsgerichte Neubrandenburg, Pasewalk und Waren.
  • Landgerichtsbezirk Rostock: Hier finden wir das Landgericht Rostock und die Amtsgerichte Rostock sowie Güstrow.
  • Landgerichtsbezirk Schwerin: Dieser umfasst das Landgericht Schwerin sowie die Amtsgerichte Schwerin, Ludwigslust und Wismar.
  • Landgerichtsbezirk Stralsund: Hierzu zählen das Landgericht Stralsund sowie die Amtsgerichte Stralsund und Greifswald.
LG Neubrandenburg
LG Neubrandenburg
LG Rostock
LG Rostock
LG Schwerin
LG Schwerin
LG Stralsund
LG Stralsund

An diesen Standorten finden in der Regel auch die theoretischen Arbeitsgemeinschaften (AGs) statt. Während Rostock, Schwerin und Stralsund/Greifswald meist das volle Programm bieten, finden in Neubrandenburg derzeit oft nur AGs für die Zivil- und Strafrechtsstation statt. Wer Glück hat oder einen guten Grund vorbringt, wird seinem Wunsch-LG-Bezirk zugewiesen. In der Strafrechtsstation landet man vorrangig bei einer der Staatsanwaltschaften (Neubrandenburg, Rostock, Schwerin oder Stralsund), es sei denn, man äußert explizit den Wunsch nach einem Gericht. Die Justiz in M-V ist zwar „klein, aber fein“, aber die Wege zwischen den Gerichten können im Land zum Leben doch recht lang sein, also stell dich auf ein bisschen Pendelei ein!

Wartezeit

Geduld ist eine Tugend, besonders in der Juristenausbildung. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es aktuell Wartezeiten für die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst. Wie oben erwähnt, werden über die Hälfte der Plätze (55 %) rein über die Wartezeit vergeben. Die Wartezeit wird berechnet ab dem Zeitpunkt der ersten Antragstellung auf Aufnahme in den Vorbereitungsdienst.

Aber Achtung: Damit deine Wartezeit fleißig weiterzählt, musst du dich zu jedem folgenden Einstellungstermin ununterbrochen erneut bewerben bzw. deine Bewerbung aufrechterhalten. Wenn du einmal aussetzt, fängst du theoretisch wieder bei Null an. Das klingt hart, dient aber dazu, dass nur die Leute in der Schlange stehen, die auch wirklich zeitnah anfangen wollen.

Es gibt jedoch ein paar „Gutschriften“ für Leute, die sich gesellschaftlich engagiert haben. Ein Nachteil bei der Wartezeit darf dir laut § 22 Abs. 3 JAG M-V nicht entstehen durch:

  • Die Erfüllung der gesetzlichen Dienstpflicht (Wehrdienst/Zivildienst).
  • Einen mindestens einjährigen Dienst als Entwicklungshelfer.
  • Die Ableistung eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ), eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) oder eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD).

Diese Zeiten werden so behandelt, als hättest du dich bereits beworben. Das ist nur fair, schließlich hast du in dieser Zeit etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit getan. Wenn du also nach dem Examen erst mal ein Jahr zum BFD gehst, „wartest“ du quasi schon während deines Dienstes auf deinen Referendariatsplatz. Trotz der Wartezeit ist M-V bemüht, den Bewerberstau gering zu halten. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind die Wartezeiten hier oft noch moderat, aber eine gewisse Vorlaufzeit solltest du definitiv in deine Lebensplanung einrechnen.

Bewerbung und Bewerbungsverfahren

Der Weg ins Referendariat beginnt mit dem Papierkram. Den Antrag auf Aufnahme richtest du schriftlich oder elektronisch an den Präsidenten des OLG Rostock. Ganz wichtig: Bewerbungen rein per E-Mail sind ein No-Go und werden nicht akzeptiert. Nutze am besten das MV-Serviceportal für die Online-Bewerbung, das spart Zeit und schont die Umwelt. Aber auch bei einer Online-Bewerbung musst du bestimmte Dokumente wie das Examenszeugnis später noch im Original oder als beglaubigte Abschrift per Post nachreichen.

Der Präsident des Oberlandesgerichts Rostock
- Personalstelle für Referendare -
Wallstraße 3
18055 Rostock

Hier ist die ultimative Checkliste der Unterlagen, die du einreichen musst (§ 34 Abs. 4 JAPO M-V):

  1. Das Antragsformular (unterschrieben!).
  2. Ein tabellarischer Lebenslauf mit aktuellem Passbild.
  3. Eine beglaubigte Abschrift deines Examenszeugnisses (oder die vorläufige Bescheinigung des LJPA).
  4. Eine Kopie deines Personalausweises oder Reisepasses.
  5. Eine Erklärung über Straf- oder Ermittlungsverfahren und Disziplinarmaßnahmen.
  6. Eine Erklärung über deine wirtschaftlichen Verhältnisse (Stichwort: Schulden/Insolvenz).
  7. Nachweis über ein erweitertes Führungszeugnis (Belegart OE) oder die Bestätigung, dass du es beantragt hast. (Tipp: Das OLG schickt dir nach Antragseingang ein Schreiben, mit dem du das Zeugnis beim Amt beantragen kannst).
  8. Ggf. Bescheinigungen über abgeleistete Dienste (BFD etc.).
  9. Ggf. Nachweise für einen Härtefallantrag.

Falls du das Beamtenverhältnis auf Widerruf anstrebst (was in M-V der Regelfall ist), kommen noch dazu:

  • Beglaubigte Abschrift deiner Geburtsurkunde.
  • Ggf. Heiratsurkunde oder Urkunde über Lebenspartnerschaft.
  • Ggf. Geburtsurkunden deiner Kinder.
  • In Zweifelsfällen ein Staatsangehörigkeitsausweis.

Die Ausschlussfrist ist strikt: Vier Wochen vor dem Termin muss alles da sein. Wenn du also am 1. Juni anfangen willst, sollte Anfang Mai alles beim OLG in der Wallstraße 3 in Rostock liegen.

Unterhaltsbeihilfe und Krankenversicherung

Reden wir über Geld. In Mecklenburg-Vorpommern hast du das Privileg, im Beamtenverhältnis auf Widerruf ausgebildet zu werden. Das bedeutet, du bist quasi „Staatsdiener auf Zeit“. In diesem Status erhältst du Anwärterbezüge (Besoldungsgruppe A13R) in Höhe von aktuell 1.749,08 EUR brutto. Zusätzlich gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen Familienzuschlag, vermögenswirksame Leistungen und sogar eine jährliche Sonderzahlung (das gute alte Weihnachtsgeld).

Falls du die Voraussetzungen für das Beamtenverhältnis nicht erfüllst (z.B. wegen der Staatsangehörigkeit oder gesundheitlicher Gründe) oder es schlicht nicht willst, leistest du den Dienst in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis ab. Hier gibt es eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe. Diese fällt mit ca. 1.535,35 EUR brutto etwas geringer aus. Zudem fallen hier Sonderzahlungen und vermögenswirksame Leistungen flach.

Beim Thema Krankenversicherung gibt es einen riesigen Unterschied:

  • Als Beamter auf Widerruf bist du nicht gesetzlich versichert. Du musst dich privat versichern (meist über einen speziellen Referendartarif). Der Dienstherr gewährt dir dafür Beihilfe in Krankheitsfällen, d.h., er übernimmt einen Teil der Heilungskosten (meist 50 %). Die restlichen 50 % deckst du über deine private Versicherung ab. Informationen dazu gibt's beim Landesamt für Finanzen (LAF M-V).
  • Im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis bleibst du ganz normal in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Hier werden die Beiträge direkt von deiner Unterhaltsbeihilfe abgezogen.

In beiden Fällen gilt: Die Bezüge werden zum Monatsende gezahlt. 

Gesetzliche oder Private Krankenversicherung

Angehende Rechtsreferendare müssen sich vor dem Start in den Vorbereitungsdienst Gedanken dazu machen, wie sie sich während des Referendariats krankenversichern. Wir haben alle relevanten Informationen zusammengetragen und auf einer speziellen Seite zum Thema Gesetzliche bzw. Private Krankenversicherung im Rechtsreferendariat für Dich aufbereitet.

Nebentätigkeiten und Stationsentgelte

Du willst nebenbei noch ein bisschen was dazuverdienen? Das ist grundsätzlich möglich, aber es gibt Regeln. Eine Nebentätigkeit muss der Personalstelle beim OLG Rostock vorab schriftlich angezeigt werden. Du darfst erst damit anfangen, wenn ein Monat nach der Anzeige vergangen ist und keine Einwände kamen.

Die wichtigste Grenze: Deine Nebentätigkeit darf die Ausbildung nicht behindern. Das bedeutet konkret: Maximal 8 Stunden pro Woche sind erlaubt. Wenn deine Noten leiden oder du AG-Termine schwänzt, wird die Genehmigung ganz schnell widerrufen.

Spannend wird es bei der Vergütung. Es gibt Anrechnungsgrenzen (§ 3 RRefUBeihV MV):

  • Im Beamtenverhältnis: Alles, was du nebenbei verdienst, wird auf deine Bezüge angerechnet, sobald die Summe aus Gehalt und Bezügen das Grundgehalt eines fertigen A13-Beamten übersteigt. Dir bleiben aber immer mindestens 30 % des Anwärtergrundbetrags.
  • Im öffentlich-rechtlichen Verhältnis: Dein Nebenverdienst wird angerechnet, wenn er zusammen mit der Unterhaltsbeihilfe das 1,5-fache derselben übersteigt.

Ein Sonderfall ist das Stationsentgelt. Das ist Geld, das dir deine Ausbildungsstelle (z.B. eine Großkanzlei) direkt für die Arbeit in der Station zahlt. Damit das sauber läuft, muss eine Freistellungsvereinbarung zwischen dem Land und der Kanzlei geschlossen werden. Die Kanzlei zahlt das Geld dann ans Land M-V, und das Landesamt für Finanzen überweist es dir mit deinen normalen Bezügen zusammen. So bleibt steuerlich alles korrekt und du behältst deine Steuerklasse. Aber auch hier gilt: Reich werden ist schwer, da das Stationsentgelt wie ein normales Nebeneinkommen auf deine Bezüge angerechnet wird.

Ablauf und Inhalt des Referendariats

Das Referendariat in M-V dauert insgesamt 24 Monate. Es ist ein echter Marathon durch die verschiedenen Rechtsgebiete, unterteilt in fünf Stationen:

  1. Zivilrechtsstation (1. - 5. Monat): Los geht's mit einem zweiwöchigen Einführungslehrgang. Danach bist du bei einem Amts- oder Landgericht und lernst, wie man Urteile schreibt und Verhandlungen leitet. Begleitet wird das Ganze von einer wöchentlichen AG.
  2. Verwaltungsstation (6. - 8. Monat): Hier kannst du zu einer Behörde (z.B. Stadtverwaltung, Ministerium) oder zum Verwaltungsgericht gehen. Ein Highlight in M-V: Du kannst diese drei Monate auch an der Universität Speyer verbringen, was viele für den „Blick über den Tellerrand“ nutzen.
  3. Strafrechtsstation (9. - 12. Monat): In der Regel verbringst du diese Zeit bei der Staatsanwaltschaft und darfst dort oft sogar selbst die Anklage in der Sitzung vertreten. Alternativ geht es zu einem Strafrichter am Amts- oder Landgericht.
  4. Rechtsanwaltsstation (13. - 21. Monat): Das ist mit 9 Monaten der längste Brocken. Du suchst dir einen Anwalt (oder Notar für bis zu 3 Monate) und lernst das Handwerk der Rechtsberatung und Schriftsatzfertigung. Am Ende dieser Station (ca. im 21. Monat) schreibst du auch deine Examensklausuren.
  5. Wahlstation (22. - 24. Monat): Zum Abschluss darfst du dich in einem Schwerpunktbereich spezialisieren. Das kann bei Gerichten, Behörden oder auch im Ausland sein.

M-V ist sehr flexibel: Du kannst bis zu 12 Monate deines Referendariats (z.B. Anwalts- und Wahlstation) in einem anderen Bundesland oder sogar im Ausland verbringen. Nur Zivil- und Strafstation müssen zwingend im Land absolviert werden. Das gibt dir die Chance, mal richtig rauszukommen, bevor der Ernst des Lebens als Volljurist beginnt.

Weitere Leistungen und Fortbildungsangebote

Neben der Ausbildung in den Stationen bietet M-V noch einige „Extras“ an. Ein wichtiges Thema ist das Trennungsgeld. Wenn du für eine Station an einen anderen Ort geschickt wirst (z.B. von Rostock nach Schwerin), kannst du nach der Trennungsgeldverordnung (TGVO MV) Mehraufwendungen für Fahrtkosten oder Unterkunft erstattet bekommen. Aber Achtung: Hier gibt es eine Ausschlussfrist von sechs Monaten für die Anträge.

Ein besonderes Schmankerl ist die Justizassistenz. Wenn du im Ersten Examen mindestens 7,5 Punkte hattest, kannst du dich ab dem 6. Ausbildungsmonat als wissenschaftliche Hilfskraft beim OLG Rostock bewerben. Du arbeitest dann ca. 6 Stunden pro Woche in einem Senat oder in der Verwaltung mit und verdienst etwa 400 EUR im Monat dazu. Das ist super, um Kontakte in die Justiz zu knüpfen, falls du später mal Richter werden willst.

Für die persönliche Weiterentwicklung gibt es Angebote zum Erwerb von Soft Skills. Du kannst an Workshops zur Mediation oder an Fortbildungen der Fachhochschule Güstrow teilnehmen. Auch historisch-politische Bildung kommt nicht zu kurz, etwa durch Veranstaltungen zur Justizgeschichte der DDR oder im Dritten Reich.

Sogar eine Referendarfahrt ist möglich! Du kannst dafür bis zu 5 Tage Sonderurlaub bekommen, wenn die Fahrt Ausbildungszwecken dient. Und wenn es mal brennt: Es gibt eine Ombudsstelle, die als neutrale Ansprechpartnerin bei Konflikten in den Stationen hilft. Das alles zeigt: M-V kümmert sich um seinen juristischen Nachwuchs!

Klausurenkurse und Aktenvortragskurse

Die Vorbereitung auf das Examen ist das A und O. M-V lässt dich da nicht allein. Während des gesamten Referendariats wird ein freiwilliger Klausurenkurs angeboten. Über die Plattform ELAN-Ref kannst du monatlich Klausuren beziehen, die dann von erfahrenen Praktikern korrigiert und besprochen werden. Das ist das beste Training für den Ernstfall.

Richtig ernst wird es beim Probeexamen. Das findet ca. 4 Monate vor den echten Klausuren statt und simuliert die Prüfungssituation eins zu eins. Du schreibst vier Klausuren (2x Zivil, 1x Straf, 1x ÖffR) unter Zeitdruck. Ab Herbst 2025 wird das Probeexamen elektronisch am Laptop angeboten werden, damit du dich an die Technik für das E-Examen gewöhnen kannst. Die Teilnahme am Probeexamen ist übrigens Pflicht.

Für die mündliche Prüfung gibt es spezielle Aktenvortragskurse. Ein Aktenvortrag ist eine Kunst für sich: Du hast 90 Minuten Vorbereitungszeit und musst dann 10 Minuten lang frei über einen Fall referieren und einen Lösungsvorschlag präsentieren. In Intensivkursen in Rostock wird das unter realen Bedingungen geübt. Außerdem werden mündliche Probeexamen angeboten, bei denen du das Prüfungsgespräch in kleiner Gruppe trainieren kannst. Wer diese Angebote nutzt, muss vor der mündlichen Prüfung keine schlaflosen Nächte mehr haben.

Das zweite Staatsexamen in Mecklenburg-Vorpommern

Sie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Zuständig ist das Landesjustizprüfungsamt (LJPA) beim Justizministerium.

Der schriftliche Teil (Klausuren): Du musst acht Klausuren à fünf Stunden schreiben. Die Verteilung ist: vier Zivilrecht, zwei Strafrecht und zwei Öffentliches Recht. In M-V finden die Klausuren zweimal jährlich statt (Februar und August). Eine Revolution steht bevor: Seit Februar 2026 wird das Examen elektronisch am Laptop angeboten. Du darfst zwar wählen, ob du lieber tippst oder schreibst, aber wer nichts sagt, tippt automatisch. Um zur mündlichen Prüfung zugelassen zu werden, brauchst du im Schnitt mindestens 3,56 Punkte in den Klausuren und mindestens vier Klausuren müssen „bestanden“ (min. 4,00 Punkte) sein.

Im schriftlichen Examen zugelassen sind 7 Kommentare (Grüneberg, Thomas/Putzo, Fischer, Meyer-Goßner, Kopp/Schenke, Kopp/Ramsauer sowie Hopt). Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Mecklenburg-Vorpommern findest Du hier...

Der mündliche Teil: Die mündliche Prüfung findet meist im Juni oder Dezember statt. Sie beginnt mit dem Aktenvortrag (Gewichtung: 10 % der Gesamtnote). Danach folgen drei Prüfungsgespräche in den Pflichtfächern und eines in deinem gewählten Schwerpunktbereich. Die Gesamtnote berechnet sich zu 2/3 aus den Klausuren und zu 1/3 aus der mündlichen Prüfung. Sobald du bestanden hast, darfst du dich „Rechtsassessor“ oder „Rechtsassessorin“ nennen und hast die Befähigung zum Richteramt erworben. Ein großer Moment!

Statistik zum zweiten Examen

Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Mecklenburg-Vorpommern ergibt sich folgendes Bild:

Durchfallquote Mecklenburg-Vorpommern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Bundesdurchschnitt
051015202015201620172018201920202021202220232024Mecklenburg-Vorpommern 2015: 14,9Mecklenburg-Vorpommern 2016: 14,8Mecklenburg-Vorpommern 2017: 12,1Mecklenburg-Vorpommern 2018: 11,4Mecklenburg-Vorpommern 2019: 10,2Mecklenburg-Vorpommern 2020: 15,2Mecklenburg-Vorpommern 2021: 15,3Mecklenburg-Vorpommern 2022: 15,4Mecklenburg-Vorpommern 2023: 7,5Mecklenburg-Vorpommern 2024: 9,99,9Bundesdurchschnitt 2015: 13,8Bundesdurchschnitt 2016: 14,2Bundesdurchschnitt 2017: 13,2Bundesdurchschnitt 2018: 12,8Bundesdurchschnitt 2019: 12,6Bundesdurchschnitt 2020: 11,6Bundesdurchschnitt 2021: 12,2Bundesdurchschnitt 2022: 12,3Bundesdurchschnitt 2023: 12,1Bundesdurchschnitt 2024: 12,512,5
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Mecklenburg-Vorpommern14,914,812,111,410,215,215,315,47,59,9
Bundesdurchschnitt13,814,213,212,812,611,612,212,312,112,5
Prädikatsexamina Mecklenburg-Vorpommern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Bundesdurchschnitt
05101520252015201620172018201920202021202220232024Mecklenburg-Vorpommern 2015: 9,5Mecklenburg-Vorpommern 2016: 11,2Mecklenburg-Vorpommern 2017: 13,8Mecklenburg-Vorpommern 2018: 15,9Mecklenburg-Vorpommern 2019: 13,6Mecklenburg-Vorpommern 2020: 6,1Mecklenburg-Vorpommern 2021: 11,8Mecklenburg-Vorpommern 2022: 12,3Mecklenburg-Vorpommern 2023: 20,1Mecklenburg-Vorpommern 2024: 17,917,9Bundesdurchschnitt 2015: 18,2Bundesdurchschnitt 2016: 18,3Bundesdurchschnitt 2017: 18,7Bundesdurchschnitt 2018: 19,5Bundesdurchschnitt 2019: 19,5Bundesdurchschnitt 2020: 21,3Bundesdurchschnitt 2021: 21,4Bundesdurchschnitt 2022: 21,0Bundesdurchschnitt 2023: 21,3Bundesdurchschnitt 2024: 21,721,7
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Mecklenburg-Vorpommern9,511,213,815,913,66,111,812,320,117,9
Bundesdurchschnitt18,218,318,719,519,521,321,421,021,321,7

Notenverbesserung

Du hast das Examen bestanden, bist aber mit deinen Punkten unzufrieden? Keine Panik, M-V bietet einen Notenverbesserungsversuch (den sogenannten „Verbesserungsversuch“) an (§ 54a JAPO M-V). Diesen kannst du einmalig wahrnehmen, wenn du das Examen in M-V beim ersten Anlauf bestanden hast.

Dafür gibt es strenge Regeln:

  • Frist: Du musst den Antrag spätestens zwei Monate nach der mündlichen Prüfung stellen. Das ist eine Ausschlussfrist!
  • Kosten: Der Spaß ist nicht umsonst. Du musst einen Vorschuss von 450,00 EUR zahlen.
  • Ablauf: Du musst das gesamte Examen (alle 8 Klausuren und die mündliche Prüfung) im nächstmöglichen Termin wiederholen. Eine Anrechnung alter Leistungen gibt es nicht.
  • Chance: Du kannst beim Verbesserungsversuch sogar einmalig deinen Schwerpunktbereich wechseln.
  • Risiko: Es gibt keines! Wenn du dich verschlechterst, behältst du einfach deine alte, bessere Note. Der erste Versuch gilt nur dann als nicht unternommen, wenn du dich wirklich verbesserst.

Wer also noch Puste hat und seine Karrierechancen (z.B. für den Staatsdienst) steigern will, hat hier eine faire zweite Chance.

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