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Das Referendariat in Sachsen

Grundsätzliches zum Auswahlverfahren

Wenn du dich für das Referendariat in Sachsen bewirbst, musst du wissen, dass es nicht immer sofort einen Platz für jeden gibt. Das Ganze richtet sich nach den §§ 58 ff. SächsJAPO. Zunächst einmal wird geschaut, wie viele Plätze überhaupt da sind. Das hängt von den Haushaltsstellen und der Ausbildungskapazität ab, die nach einem recht komplizierten Schlüssel berechnet wird (da zählen zum Beispiel die Richterstellen an den Landgerichten mit einem Faktor von 1,5 oder 0,75 rein, je nachdem, was die genau machen, siehe § 59 SächsJAPO). Wenn es mehr Bewerber als Plätze gibt – was beim Termin im Mai 2026 zum Beispiel der Fall war – wird ein Auswahlverfahren nach § 61 SächsJAPO durchgeführt.

Das Herzstück dieses Verfahrens ist die gewichtete Bewerbungsliste gemäß § 62 SächsJAPO. Hier geht es nicht nur nach deiner Note im Ersten Staatsexamen, obwohl die natürlich die Basis bildet. Wenn du „befriedigend“ oder besser warst, zählt deine echte Punktzahl. Warst du darunter, wirst du pauschal mit 6,49 Punkten eingestuft. Auf diese Basisnote kannst du dann Zusatzpunkte sammeln. Für bestimmte Lebensumstände gibt es jeweils einen ganzen Punkt oben drauf. Dazu zählen zum Beispiel Wehrdienst, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sowie eine Schwerbehinderung (§ 62 Abs. 2 SächsJAPO). Auch die Wartezeit bringt Punkte – pro volle sechs Monate Warten gibt es einen Punkt.

Hast du am Ende mit jemand anderem die gleiche Punktzahl, entscheidet laut § 63 SächsJAPO erst die echte Note im Examen, dann das Alter (der Ältere gewinnt) und wenn dann immer noch Gleichstand herrscht, wird gelost. Es gibt aber noch ein Hintertürchen: Die Härtefallregelung nach § 64 SächsJAPO. Wenn es für dich eine „besondere Härte“ wäre, erst später dranzukommen (und dieser Grund nicht schon bei den Zusatzpunkten berücksichtigt wurde), kannst du bevorzugt eingestellt werden. Das musst du aber extra beantragen und natürlich knallhart belegen. Wenn Leute ihren Platz nicht annehmen, rücken die Nächsten auf der Liste nach (§ 61 Abs. 2 SächsJAPO). Dieses Nachrückverfahren endet spätestens zwei Wochen vor dem Startschuss. Wichtig: Wenn du eine Ablehnung kriegst, musst du bis zum 30. Juni bzw. 31. Dezember schriftlich bestätigen, dass du auf der Warteliste bleiben willst, sonst fliegst du komplett aus dem System (§ 61 Abs. 3 SächsJAPO).

Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte

In Sachsen gibt es zwei Einstellungstermine: jeweils zum 1. Mai und zum 1. November (§ 34 Abs. 1 SächsJAPO). Bevor es aber richtig losgeht, gibt es eine Einführungsveranstaltung, die meist so zwei bis drei Wochen vor dem Termin liegt. Da bekommst du dann feierlich deine Urkunde überreicht und wirst offiziell in den Dienst aufgenommen.

Wo du landest, entscheidet das Oberlandesgericht (OLG) Dresden, das für den gesamten Vorbereitungsdienst in Sachsen zuständig ist (§ 32 Abs. 1 SächsJAPO). Es gibt in Sachsen genau vier Ausbildungsgerichte, die auch als Stammdienststellen bezeichnet werden: Chemnitz, Dresden, Landgericht Görlitz (Standort Bautzen) und Leipzig.

LG Bautzen
LG Bautzen
LG Chemnitz
LG Chemnitz
LG Dresden
LG Dresden
LG Görlitz
LG Görlitz
LG Leipzig
LG Leipzig

An einem dieser Standorte wirst du dein „Zuhause“ für die Zeit der Zivil- und Strafstation haben. Du kannst bei der Bewerbung zwar Wünsche äußern, aber einen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Ort hast du nicht. Sachsen achtet darauf, die Referendare gleichmäßig auf die Gerichte zu verteilen. Wer im ersten Examen ein „vollbefriedigend“ oder besser hatte, wird bei der Ortswahl bevorzugt, ebenso Leute mit wichtigen Gründen wie Kinderbetreuung oder Pflege von Verwandten (§ 60 Abs. 2 SächsJAPO). Wenn du nach Leipzig willst, musst du stark sein: Die Nachfrage ist dort oft so hoch, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können.

Deine Stammdienststelle ist dann für fast alles Administrative zuständig: Dort sitzt dein Ausbildungsleiter, dort reichst du Urlaubsanträge ein und dort meldest du dich krank. Die praktische Ausbildung in der Zivil- und Strafstation findet dann entweder direkt am Landgericht oder an einem der zugehörigen Amtsgerichte in der Region statt. Ein Wechsel der Stammdienststelle während des Referendariats ist übrigens grundsätzlich nicht vorgesehen.

Wartezeit

Die Wartezeit ist in Sachsen ein ganz wesentlicher Faktor, um überhaupt einen Platz zu bekommen, wenn es mal wieder eng wird. Rechtlich ist das in § 62 Abs. 2 Nr. 7 SächsJAPO geregelt. Das Prinzip ist simpel: Wer länger wartet, bekommt mehr Punkte für die „gewichtete Bewerberliste“. Konkret heißt das: Für alle sechs Monate Wartezeit seit dem Ende der Bewerbungsfrist, in der du dich erstmals beworben hast, bekommst du einen Zusatzpunkt.

Wichtig ist das Timing: Wartezeiten werden berücksichtigt, wenn sie zwei Monate vor dem Einstellungstermin erreicht worden sind (§ 62 Abs. 3 SächsJAPO). Das kann in der Praxis den entscheidenden Unterschied machen. Wenn du zum Beispiel eine Examensnote von 6,49 (als Basiswert) hast, aber schon ein Jahr wartest, rutschst du mit 8,49 Punkten in der Liste nach oben und ziehst an Leuten mit besseren Examina vorbei, die gerade erst frisch aus dem Studium kommen.

Aber Achtung: Du darfst während der Wartezeit nicht einfach abtauchen. Wenn du nach einer Bewerbung eine Ablehnung erhalten hast, weil gerade alles voll war, musst du am Ball bleiben. Gemäß § 61 Abs. 3 SächsJAPO bist du verpflichtet, dem OLG jeweils bis zum 30. Juni (für den Mai-Termin) bzw. 31. Dezember (für den November-Termin) schriftlich mitzuteilen, ob du an deiner Bewerbung festhältst. Wenn du diese Frist verpennst oder sagst „Nö, hab jetzt was anderes“, wirst du aus dem Verfahren gestrichen und deine gesammelten Wartepunkte sind futsch. Willst du später doch wieder rein, musst du dich komplett neu bewerben und fängst bei der Wartezeit wieder bei Null an. Die Wartezeit soll also belohnen, dass du wirklich nach Sachsen willst, verlangt dir aber auch ein bisschen bürokratische Disziplin ab.

Bewerbung und Bewerbungsverfahren

Das Bewerbungsverfahren in Sachsen ist streng termingebunden. Du musst die Bewerbungsfristen unbedingt einhalten, denn es handelt sich um Ausschlussfristen (§ 60 Abs. 1 SächsJAPO). Für den Einstellungstermin am 1. Mai endet die Frist am 20. Februar. Für den Termin am 1. November ist der 31. Juli der Stichtag. Maßgeblich ist dabei der Eingang beim OLG Dresden, nicht der Poststempel.

Oberlandesgericht Dresden
Referat V.2
Schloßplatz 1
01067 Dresden

Hier ist die Checkliste der Bewerbungsunterlagen, die du einreichen musst:

  • Der schriftliche Antrag auf dem offiziellen Bewerbungsbogen.
  • Ein lückenloser, unterschriebener tabellarischer Lebenslauf.
  • Ein aktuelles Lichtbild (nicht älter als ein Jahr).
  • Die ausgefüllte und unterschriebene Belehrung über die Verpflichtung zur Verfassungstreue (Formular JV 6).
  • Die zugehörige Erklärung zur Verfassungstreue (Formular JV 6a).
  • Eine amtlich beglaubigte Kopie deines Gesamtzeugnisses über die Erste Juristische Prüfung (Achtung: Nur die staatliche Pflichtfachprüfung reicht nicht!).
  • Ein Nachweis der deutschen Staatsangehörigkeit (beglaubigte Kopie von Personalausweis oder Reisepass) oder entsprechende Nachweise für EU-Bürger bzw. andere Ausländer (ggf. mit Aufenthaltstitel).
  • Ein Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde (Belegart „OB“). Das musst du bei deiner Meldebehörde beantragen, und es wird direkt an das OLG geschickt. Es darf zum Einstellungstermin nicht älter als sechs Monate sein.
  • Ggf. Nachweise für besondere Umstände (FSJ-Bescheinigung, Geburtsurkunden von Kindern etc.), um Zusatzpunkte zu ergattern.

Die Bewerbung schickst du an das OLG Dresden. Sobald deine Unterlagen da sind, heißt es warten. Etwa drei Wochen nach Fristende gibt es einen Vorbescheid. Wenn du ein Angebot bekommst, musst du innerhalb von zehn Tagen erklären, ob du den Platz annimmst. Reagierst du nicht, ist der Platz weg und du musst dich für einen späteren Termin komplett neu bewerben (§ 60 Abs. 4 SächsJAPO). Eine Bestätigung über den Eingang deiner Bewerbung kriegst du übrigens frühestens vier Wochen vor Ablauf der Frist.

Unterhaltsbeihilfe und Krankenversicherung

In Sachsen hast du beim Geld ein echtes Wahlrecht (§ 8 Abs. 2 SächsJAG, § 34 Abs. 4 SächsJAPO): Du kannst das Referendariat entweder im Beamtenverhältnis auf Widerruf oder in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis ableisten. Dieses Wahlrecht gibt es aber nur, wenn du die Voraussetzungen für eine Verbeamtung erfüllst (u.a. Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates, Verfassungstreue und die Altersgrenze von 42 Jahren).

Was das Portemonnaie angeht, gibt es eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe bzw. Anwärterbezüge. Der Grundbetrag liegt derzeit bei 1.795,10 Euro (Stand Februar 2025). Dazu kommen je nach Lebenslage ein Familienzuschlag (für Verheiratete oder mit Kindern) und vermögenswirksame Leistungen. Aber Vorsicht: Die Bezüge können gekürzt werden, wenn du zum Beispiel das Examen beim ersten Mal nicht bestehst oder Gründe zu vertreten hast, warum sich dein Ref verlängert (§ 35 SächsJAPO).

Beim Thema Krankenversicherung gibt es gewaltige Unterschiede:

  • Im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis bist du sozialversicherungspflichtig. Das heißt, Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden direkt vom Brutto abgezogen. Du bist gesetzlich versichert und der Freistaat zahlt seinen Arbeitgeberanteil. Nettobleiben bei Ledigen ca. 1.449,00 Euro.
  • Im Beamtenverhältnis auf Widerruf bist du nicht sozialversicherungspflichtig, was erst mal mehr Netto bedeutet (ca. 1.685,00 Euro). Aber: Du musst dich selbst um deine Krankenversicherung kümmern. Du hast zwar Anspruch auf Beihilfe (der Freistaat übernimmt also einen Teil deiner Krankheitskosten, meist 50 %), musst aber den Rest über eine private Restkostenversicherung absichern. Alternativ kannst du eine freiwillige gesetzliche Versicherung wählen, kriegst dann aber in der Regel keinen Arbeitgeberanteil (außer du wählst die „pauschale Beihilfe“). Und ganz wichtig: Beamte haben nach dem Ref keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Gesetzliche oder Private Krankenversicherung

Angehende Rechtsreferendare müssen sich vor dem Start in den Vorbereitungsdienst Gedanken dazu machen, wie sie sich während des Referendariats krankenversichern. Wir haben alle relevanten Informationen zusammengetragen und auf einer speziellen Seite zum Thema Gesetzliche bzw. Private Krankenversicherung im Rechtsreferendariat für Dich aufbereitet.

Nebentätigkeiten und Stationsentgelte

Referendare sind zeitlich ziemlich eingespannt, deshalb ist das Thema Nebenjob in Sachsen streng geregelt. Grundsätzlich ist jede Nebentätigkeit anzeigepflichtig und muss spätestens zwei Wochen vor Beginn beim Dienstvorgesetzten gemeldet werden (§ 103 SächsBG). Nach der Verwaltungsvorschrift (VwV Rechtsreferendariat Ziff. III) werden Nebentätigkeiten in der Regel untersagt, wenn sie mehr als ein Fünftel der wöchentlichen Arbeitszeit (also etwa 8 Stunden) beanspruchen. In den ersten sechs Monaten ist man besonders streng: Wer im Ersten Examen weniger als 6,50 Punkte hatte, kriegt meist gar keine Genehmigung, weil man davon ausgeht, dass die Ausbildung erst mal Vorrang hat.

Besonders spannend ist das Zusatzentgelt in der Anwalts- oder Wahlstation. Wenn dich eine Kanzlei für deine Mitarbeit bezahlen will, ist das grundsätzlich möglich, aber es gibt bürokratische Hürden. Diese Zahlungen gelten steuerrechtlich als Arbeitslohn und sind sozialversicherungspflichtig. Damit das alles ordentlich abgerechnet werden kann, muss die Kanzlei ein spezielles Formular ausfüllen und sich verpflichten, die anfallenden Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung an den Freistaat Sachsen zu erstatten. Da der Freistaat für dich die Beiträge abführt, muss er wissen, wie viel du „nebenher“ verdienst.

Einnahmen aus Nebentätigkeiten können laut § 72 SächsBesG auf deine Ausbildungsbezüge angerechnet werden, wenn sie bestimmte Grenzen überschreiten. Du bist verpflichtet, jedes Jahr bis zum 1. März eine Abrechnung über deine Nebeneinkünfte des Vorjahres vorzulegen. Wenn du in der Anwaltsstation richtig absahnen willst, solltest du also vorher genau rechnen, ob dir am Ende nach Abzügen und Anrechnung wirklich mehr übrig bleibt. Das OLG hat dafür extra Ansprechpartner im Referat V.2.

Ablauf und Inhalt des Referendariats

Das Referendariat in Sachsen dauert insgesamt zwei Jahre und ist in verschiedene Stationen gegliedert (§ 36 SächsJAPO). Es geht darum, dich mit der ganzen Bandbreite juristischer Arbeit vertraut zu machen – vom Urteilsentwurf bis zur Anwaltsberatung.

Hier ist der klassische Fahrplan:

  1. Zivilstation (5 Monate): Du bist bei einem Zivilgericht (Landgericht oder Amtsgericht) und lernst, wie man Urteile schreibt und Verhandlungen leitet.
  2. Strafstation (3 Monate): Hier geht es entweder zur Staatsanwaltschaft (wo du auch Sitzungsdienst machen darfst) oder zu einem Strafgericht.
  3. Verwaltungsstation (4 Monate): Ab in die Behörde (z.B. Landesdirektion) oder ans Verwaltungsgericht. Hier kannst du auch bis zu drei Monate an die Uni Speyer gehen.
  4. Rechtsanwaltsstation (9 Monate): Der längste Block. Hier bist du bei einem Anwalt deiner Wahl und lernst die Praxis „auf der anderen Seite“ kennen. In dieser Zeit schreibst du auch dein schriftliches Examen.
  5. Wahlstation (3 Monate): Zum Abschluss darfst du dir einen Bereich aussuchen, der dich besonders interessiert (z.B. Notariat, Unternehmen oder auch Ausland).

Begleitet wird die Praxis von den Arbeitsgemeinschaften (AGs). Zu Beginn der ersten drei Stationen gibt es jeweils einen Einführungslehrgang, der dich fit für die praktische Arbeit macht (§ 38 SächsJAPO). Die Teilnahme ist Dienstpflicht!

Seit 2023 gibt es in Sachsen übrigens auch die Möglichkeit eines Teilzeitreferendariats (§ 36a SächsJAPO), wenn du Kinder betreust oder Angehörige pflegst. Das Ref dauert dann insgesamt 30 Monate, und die Arbeitszeit in der Praxis wird um ein Fünftel reduziert.

Weitere Leistungen und Fortbildungsangebote

Sachsen bietet über das Standardprogramm hinaus ein paar nette Extras an. Ein echtes Highlight ist die Möglichkeit, während der Anwalts- oder Verwaltungsstation ein Semester an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer zu verbringen (§ 36 Abs. 4 SächsJAPO). Das ist quasi das „Erasmus“ für Referendare. Du kriegst dort einen tiefen Einblick in Verwaltungsthemen, kannst aber auch Examensrepetitorien besuchen.

Für deine Mobilität gibt es das Deutschland-JobTicket. Der Freistaat Sachsen schießt hier einen Arbeitgeberzuschuss von 25 Prozent zu. Das ist vor allem dann praktisch, wenn deine Station mal etwas weiter weg von deiner Stammdienststelle liegt.

Digital ist Sachsen auch am Start: Du bekommst kostenlosen Zugang zu den Datenbanken juris und beck-online. Außerdem gibt es das elektronische Lernprogramm ELAN-REF, mit dem du dich am PC auf die verschiedenen Stationen vorbereiten kannst. Alles Organisatorische, wie Unterrichtspläne oder Klausurergebnisse, läuft über die moodle-basierte Plattform Justizcampus.

Zusätzlich zu den Pflicht-AGs gibt es oft fakultative Angebote:

  • Rhetorik- und Kommunikationskurse (Verhandlungsmanagement, Vernehmungstechnik etc.).
  • Einführungen ins Steuerrecht.
  • Besuche bei der Kriminalpolizei oder in der JVA (auf Antrag).
  • Die Teilnahme an einer AG-Fahrt (dafür kann man sogar Sonderurlaub unter Fortzahlung der Bezüge bekommen).

Klausurenkurse und Aktenvortragskurse

Damit du im Examen nicht untergehst, wirst du in Sachsen ordentlich gedrillt. Es gibt eine ganze Reihe von Aufsichts- und Übungsarbeiten, die du während der Stationen anfertigen musst (§ 38 Abs. 3 SächsJAPO).

  • Station Klausuren: Gegen Ende der Zivil-, Straf- und Verwaltungsstation sind jeweils zwei (bzw. eine in Straf) Aufsichtsarbeiten fällig.
  • Probeexamen: Im 15. oder 16. Monat wird es ernst – da schreibst du innerhalb einer Woche fünf Aufsichtsarbeiten unter echten Prüfungsbedingungen.
  • Fakultativer Klausurenkurs: Pro Kalenderjahr werden zusätzlich mindestens 26 Übungsarbeiten angeboten, die du freiwillig mitschreiben kannst.

Besonders intensiv ist der Intensivkurs im Zivil- und Strafrecht, der in der Rechtsanwaltsstation kurz vor dem schriftlichen Examen angeboten wird. Das sind 24 Stunden Zivilrecht und 8 Stunden Strafrecht, in denen erfahrene Dozenten (oft selbst Prüfer) den Stoff noch mal komprimiert durchkauen und die Fallbearbeitungsmethodik vertiefen.

Für die mündliche Prüfung gibt es in der Wahlstation einen speziellen Lehrgang für den Aktenvortrag. In kleinen Gruppen von bis zu 12 Leuten lernst du, wie man innerhalb von 60 Minuten Vorbereitungszeit einen Aktenfall so aufbereitet, dass man ihn in maximal 10 Minuten frei präsentieren kann – inklusive Entscheidungsvorschlag. Das Ziel ist, dass du lernst, sicher aufzutreten und deine juristische Argumentation mündlich auf den Punkt zu bringen.

Das zweite Staatsexamen in Sachsen

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil (§ 47 SächsJAPO). Im schriftlichen Teil musst du an acht Tagen jeweils fünfstündige Klausuren schreiben (§ 48 SächsJAPO). Die Verteilung ist:

  • 4 Klausuren Zivilrecht (Schwerpunkt Praxis, oft Urteil oder Anwaltsschriftsatz).
  • 2 Klausuren Strafrecht (Anklage, Urteil oder Revision).
  • 2 Klausuren Öffentliches Recht (Bescheid oder Urteil).

Die Klausuren werden grundsätzlich elektronisch (am Laptop) abgelegt, außer du beantragst rechtzeitig die handschriftliche Form. Um zur mündlichen Prüfung zugelassen zu werden, brauchst du einen Schnitt von mindestens 3,60 Punkten und musst in mindestens vier Klausuren mindestens 4,00 Punkte erreicht haben (§ 49 SächsJAPO).

Im schriftlichen Examen zugelassen sind 6 Kommentare (Grüneberg, Thomas/Putzo, Fischer, Meyer-Goßner, Kopp/Schenke und Kopp/Ramsauer). Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Sachsen findest Du hier...

Die mündliche Prüfung findet in Dresden statt (§ 45 SächsJAPO). Sie beginnt mit dem Aktenvortrag, für den du dir ein Rechtsgebiet (Zivil, Straf oder Öffentlich) aussuchen darfst (§ 50 SächsJAPO). Danach folgt das Prüfungsgespräch, das sich in vier Teile gliedert: Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht und dein gewähltes Wahlfach. Die Endnote berechnet sich zu 2/3 aus dem schriftlichen Teil und zu 1/3 aus der mündlichen Prüfung (§ 52 SächsJAPO). Wenn du bestanden hast, darfst du dich endlich „Assessorin“ oder „Assessor“ nennen. Wenn es beim ersten Mal schiefgeht, kannst du die Prüfung einmal wiederholen (§ 55 SächsJAPO).

Statistik zum zweiten Examen

Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Sachsen ergibt sich folgendes Bild:

Durchfallquote Sachsen
  • Sachsen
  • Bundesdurchschnitt
051015202015201620172018201920202021202220232024Sachsen 2015: 12,2Sachsen 2016: 10,0Sachsen 2017: 12,0Sachsen 2018: 8,0Sachsen 2019: 13,7Sachsen 2020: 11,1Sachsen 2021: 11,0Sachsen 2022: 11,1Sachsen 2023: 10,5Sachsen 2024: 9,89,8Bundesdurchschnitt 2015: 13,8Bundesdurchschnitt 2016: 14,2Bundesdurchschnitt 2017: 13,2Bundesdurchschnitt 2018: 12,8Bundesdurchschnitt 2019: 12,6Bundesdurchschnitt 2020: 11,6Bundesdurchschnitt 2021: 12,2Bundesdurchschnitt 2022: 12,3Bundesdurchschnitt 2023: 12,1Bundesdurchschnitt 2024: 12,512,5
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Sachsen12,210,012,08,013,711,111,011,110,59,8
Bundesdurchschnitt13,814,213,212,812,611,612,212,312,112,5
Prädikatsexamina Sachsen
  • Sachsen
  • Bundesdurchschnitt
05101520252015201620172018201920202021202220232024Sachsen 2015: 11,8Sachsen 2016: 15,7Sachsen 2017: 11,7Sachsen 2018: 14,6Sachsen 2019: 14,1Sachsen 2020: 18,3Sachsen 2021: 20,4Sachsen 2022: 21,0Sachsen 2023: 19,7Sachsen 2024: 22,122,1Bundesdurchschnitt 2015: 18,2Bundesdurchschnitt 2016: 18,3Bundesdurchschnitt 2017: 18,7Bundesdurchschnitt 2018: 19,5Bundesdurchschnitt 2019: 19,5Bundesdurchschnitt 2020: 21,3Bundesdurchschnitt 2021: 21,4Bundesdurchschnitt 2022: 21,0Bundesdurchschnitt 2023: 21,3Bundesdurchschnitt 2024: 21,721,7
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Sachsen11,815,711,714,614,118,320,421,019,722,1
Bundesdurchschnitt18,218,318,719,519,521,321,421,021,321,7

Notenverbesserung

Wenn du dein Examen zwar bestanden hast, aber mit der Note nicht ganz glücklich bist, gibt es in Sachsen die Chance auf einen zweiten Versuch. Die Notenverbesserung ist in § 56 SächsJAPO geregelt. Das ist quasi ein Joker für alle, die im Freistaat ihr Examen im Erstversuch bestanden haben.

Hier sind die Spielregeln:

  • Frist: Du kannst den Versuch nur beim nächsten oder übernächsten regulären Prüfungstermin nach deinem Bestehen wahrnehmen. Den Antrag musst du spätestens zwei Monate vor Beginn der schriftlichen Prüfung stellen.
  • Kosten: Der Spaß kostet eine Gebühr von 600 Euro (§ 56 Abs. 1 SächsJAPO).
  • Umfang: Du musst die Prüfung komplett noch mal machen, also alle acht Klausuren und die mündliche Prüfung (§ 30 Abs. 2 SächsJAPO). Es gibt kein „Rosinenpicken“ einzelner Noten.
  • Risiko: Es gibt eigentlich keines, außer für deinen Geldbeutel und deine Nerven. Gemäß § 31 Abs. 5 SächsJAPO gilt nämlich das Besserstellungsprinzip: Du entscheidest nach der mündlichen Prüfung, welches Ergebnis gelten soll. Wenn du dich nicht innerhalb einer Woche entscheidest, wird automatisch das bessere Ergebnis gewertet (bei Gleichstand das frühere).
  • Rücktritt: Du kannst bis zum Beginn der mündlichen Prüfung jederzeit auf die Fortsetzung verzichten, wenn du merkst, dass die Klausuren doch nicht so toll liefen (§ 31 Abs. 4 SächsJAPO).

Die Notenverbesserung ist also eine super Gelegenheit, um für die spätere Karriere (z.B. im Staatsdienst) noch mal ein paar Punkte rauszuholen, ohne das Risiko einzugehen, am Ende schlechter dazustehen als vorher.

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