
Das Referendariat in Bayern
Grundsätzliches zum Auswahlverfahren
Der juristische Vorbereitungsdienst in Bayern wird gemäß § 5b des Deutschen Richtergesetzes (DRiG) in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis nach Maßgabe der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Juristen (JAPO) abgeleistet. Die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst erfolgt im Rahmen der jeweils verfügbaren Ausbildungskapazitäten in den einzelnen Oberlandesgerichtsbezirken. Ein zentraler Grundsatz des bayerischen Auswahlverfahrens ist, dass kein Rechtsanspruch auf die Aufnahme in einen ganz bestimmten Oberlandesgerichtsbezirk oder an einen spezifischen Ausbildungsort besteht, wie es auch durch die Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs bestätigt wurde. Die Einstellungsbehörden, namentlich die Präsidenten der Oberlandesgerichte München, Nürnberg und Bamberg, leiten die Gesamtausbildung und fungieren als Dienstvorgesetzte. Gemäß § 46 Abs. 4 Satz 4 JAPO soll die Zuweisung unter Berücksichtigung der Ausbildungserfordernisse bevorzugt in dem Bezirk ermöglicht werden, mit dem die Bewerber durch einen längeren Familienwohnsitz oder sonstige enge Beziehungen verbunden sind.
Dennoch sind die Anforderungen an die Mobilität und Flexibilität der Bewerber hoch, da die vorhandenen Kapazitäten bayernweit und flächendeckend genutzt werden müssen. Bei einer Ausschöpfung der Kapazitäten im besonders nachgefragten OLG-Bezirk München kann es daher zwingend zu einer Zuweisung in die Bezirke Bamberg oder Nürnberg kommen. Das Auswahlverfahren sieht vor, dass bei Kapazitätsengpässen soziale Kriterien wie der Familienstand oder die Betreuung von Kindern eine Rolle spielen können, wobei Bewerber ohne solche Bindungen eine geringere Priorität bei der Ortswahl haben. Die Referendare unterliegen während ihrer Ausbildung den für Beamte auf Widerruf geltenden Bestimmungen, was die Pflicht zur vollen Hingabe an die Ausbildung und die Einhaltung der Dienstpflichten einschließt.
Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte
Die Einstellung in den juristischen Vorbereitungsdienst erfolgt in Bayern turnusmäßig zweimal pro Jahr. Die Einstellungstermine sind jeweils der erste Werktag im April und der erste Werktag im Oktober. Ein pünktlicher Dienstantritt an diesen Tagen ist zwingend erforderlich. Die Ausbildung findet in den Bezirken der drei bayerischen Oberlandesgerichte statt, denen jeweils spezifische Landgerichte als Stammdienststellen zugeordnet sind:
OLG-Bezirk Bamberg
Landgerichte Bamberg, Bayreuth, Coburg (die theoretische Ausbildung findet am LG Bamberg statt), Hof (die theoretische Ausbildung findet am LG Bayreuth statt), Schweinfurt sowie das Landgericht Würzburg.






OLG-Bezirk München
Landgerichte Augsburg, Deggendorf, Ingolstadt, Kempten, Landshut, Memmingen, München I, München II, Passau sowie das Landgericht Traunstein.









OLG-Bezirk Nürnberg
Landgerichte Amberg, Ansbach, Nürnberg-Fürth, Regensburg sowie das Landgericht in Weiden in der Oberpfalz; für alle Landgerichte gilt: die Einführungslehrgänge in der Zivil- und Strafrechtsstation finden immer in Nürnberg und Regensburg statt.





Während der Ausbildung an diesen Gerichten sind die jeweiligen Präsidenten der Landgerichte (bzw. bei den Amtsgerichten deren Präsidenten) ebenfalls Dienstvorgesetzte der Referendare. In der Verwaltungsstation sowie in bestimmten Berufsfeldern des Pflichtwahlpraktikums (Verwaltung, Wirtschaft, Arbeits- und Sozialrecht, Steuerrecht) geht die Leitung der Ausbildung auf die jeweilige Regierung (z. B. Regierung von Oberbayern, Mittelfranken oder Oberpfalz) über, und die Regierungspräsidenten werden zu Dienstvorgesetzten. Ein Wechsel der Ausbildungsstelle ist ohne vorherige Genehmigung durch das zuständige OLG oder die Regierung nicht zulässig.
Wartezeit
Ein wesentlicher Vorteil des bayerischen Systems ist, dass es derzeit keine Wartezeiten für die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst gibt. Dieser Zustand wird dadurch ermöglicht, dass der Freistaat Bayern sämtliche vorhandenen Ausbildungskapazitäten im gesamten Landesgebiet bayernweit und flächendeckend voll ausnutzt. Jeder Bewerber, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, kann somit zum unmittelbar nächsten Einstellungstermin mit einem Platz rechnen.
Diese Garantie der Wartezeitfreiheit ist jedoch untrennbar mit der oben genannten Mobilitätspflicht verknüpft. Um die Einstellung aller Bewerber ohne Verzögerung zu gewährleisten, müssen Referendare bereit sein, ihren Dienst auch an Standorten anzutreten, die nicht ihren persönlichen Präferenzen entsprechen. Ortswünsche können insbesondere dann nicht berücksichtigt werden, wenn Bewerber keine enge Bindung zum gewünschten Ort durch einen Familienwohnsitz oder ähnliche soziale Kriterien nachweisen können.
Es wird auf den Seiten der Oberlandesgerichte explizit darauf hingewiesen, dass die Vermeidung von Wartezeiten eine hohe organisatorische Leistung darstellt, die von den Referendaren Flexibilität einfordert. Wer einen zugewiesenen Platz an einem fernen Ort ablehnt, muss sich für den nächsten Termin erneut bewerben, was de facto zu einer selbst gewählten Wartezeit führen kann. Die Zuweisungskriterien wurden zuletzt angepasst, um die Kapazitäten noch effizienter zu steuern. Insgesamt bleibt Bayern bestrebt, die Ausbildungskapazitäten so zu planen, dass jeder Absolvent der Ersten Juristischen Staatsprüfung ohne Zeitverlust in das Referendariat übertreten kann.
Bewerbung und Bewerbungsverfahren
Das Bewerbungsverfahren für den juristischen Vorbereitungsdienst in Bayern erfolgt gemäß § 46 Abs. 3 JAPO und dem Onlinezugangsgesetz (OZG) mittlerweile vollständig digital. Die Anmeldung muss über ein elektronisches Formular erfolgen, das von den Präsidenten der Oberlandesgerichte bereitgestellt wird. Für den Einstellungstermin April 2026 galt beispielsweise der 10. Februar 2026 als Ausschlussfrist für den Eingang der Bewerbung.
Bewerbungsunterlagen
Folgende Unterlagen sind für eine vollständige Bewerbung digital einzureichen:
- Das elektronische Anmeldeformular (Bewerbung).
- Die Belehrung über die Pflicht zur Verfassungstreue (JV006), welche handschriftlich unterzeichnet sein muss.
- Der Fragebogen zur Prüfung der Verfassungstreue (JV007), ebenfalls handschriftlich unterzeichnet.
- Die Erklärung zu Beziehungen zur Scientology-Organisation (JV007a), handschriftlich unterzeichnet.
- Ein aktueller Lebenslauf mit einem eingescannten digitalen Bewerbungsfoto (entgegen älterer Hinweise ist keine postalische Übersendung des Fotos mehr nötig).
- Eine Kopie des zum Zeitpunkt der Einstellung gültigen Personalausweises.
- Ggf. Nachweise über den Familienstand (z. B. Eheurkunde) oder Kinder (z. B. Geburtsurkunde).
- Für Bewerber ohne deutsche Staatsangehörigkeit eine Kopie des gültigen Aufenthaltstitels für den gesamten Ausbildungszeitraum.
Besonderheiten bei den Unterlagen:
- Prüfungszeugnis: Falls die Erste Juristische Prüfung außerhalb Bayerns abgelegt wurde, muss eine beglaubigte Kopie des Zeugnisses postalisch oder persönlich eingereicht werden; ein digitaler Scan wird hier nicht akzeptiert.
- Behördenführungszeugnis: Ein Zeugnis gemäß § 30 Abs. 5 BZRG zur Vorlage beim OLG-Präsidenten muss rechtzeitig beantragt werden. Es darf am Einstellungstag nicht älter als sechs Monate sein und muss von der Meldebehörde direkt an das OLG gesandt werden. Bei doppelter Staatsangehörigkeit ist ein europäisches Führungszeugnis erforderlich, dessen Ausstellung über sechs Wochen dauern kann.
- BayernID: Für den Zugang zum Anmeldeportal ist ein Nutzerkonto der BayernID (Registrierung mit Benutzername und Passwort genügt) zwingend erforderlich.
Alle notwendigen Nachweise müssen bis zum Ende der Bewerbungsfrist vorliegen. Änderungen der persönlichen Verhältnisse nach der Bewerbung (z. B. Adressänderung, Schwangerschaft) sind umgehend auf dem Dienstweg anzuzeigen. Eine Rücknahme der Bewerbung ist ebenfalls über ein Online-Portal möglich.
Anschriften
Sofern man ergänzende Unterlagen einreichen muss, sind diese an das OLG zu adressieren, in dessen Bezirk der Bewerber in den Referendardienst eingestellt werden möchte. Die Anschriften lauten:
Oberlandesgericht Bamberg
Wilhelmsplatz 1
96047 Bamberg
Oberlandesgericht München
Prielmayerstraße 5
80335 München
Oberlandesgericht Nürnberg
Fürther Straße 110
90429 Nürnberg
Das weitere Verfahren
Ca. 3 Wochen vor dem jeweiligen Einstellungstermin erhält man einen schriftlichen Bescheid, an welchem Gericht man eingestellt wird. Voraussetzung dafür ist, dass man seine Bewerbungsunterlagen vollständig eingereicht hatte. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass es Sache des Bewerbers ist, auf die Vollständigkeit zu achten. Einen Hinweis von der Referendarabteilung erhält man nicht!
Die sogenannten „Mehrfachbewerber“, die sich auch bei anderen OLG um die Einstellung in den Vorbereitungsdienst beworben haben, erhalten einen Einstellungsbescheid nur dann, wenn sie bis zu einem bestimmten Termin, der in den Merkblätter vermerkt ist, schriftlich angezeigt haben, dass sie die Bewerbungen bei den anderen Oberlandesgerichten zurückgenommen haben.
Berücksichtigung von Ortswünschen
Es wird versucht, Ortswünsche der Bewerber zu berücksichtigen. Deshalb sollte man in der Bewerbung nicht nur 3 Wunschgerichte nennen, an denen man ausgebildet werden möchte. Man muss darüber hinaus auch in der Bewerbung darlegen, warum man einem bestimmten Ort zugewiesen werden möchte. Gründe können zum Beispiel familiäre Dinge sein (Heirat; Kinder; Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen) oder aber sich daraus ergeben, dass man beispielsweise an der juristischen Fakultät einer Universität tätig ist und deshalb an das Gericht in dieser Stadt zugewiesen werden möchte.
Grundsätzlich wird aber darauf hingewiesen, dass Ortswünsche immer weniger berücksichtigt werden können. Das gilt vor allem für Bewerber, die mit den Ausbildungsorten nicht eng verbunden sind (z.B. längerer Familienwohnsitz).
Das OLG Bamberg weist in ihrem Merkblatt darauf hin, dass insbesondere für Würzburg mehr Ortswünsche eingehen als es Referendarplätze gibt. Möchte man sein Referendariat dennoch an diesem Landgericht absolvieren, muss man seine Gründe ausführlich darlegen und ggf. nachweisen.
Unterhaltsbeihilfe und Krankenversicherung
Rechtsreferendare in Bayern erhalten eine monatliche Unterhaltsbeihilfe, die nach dem Gesetz zur Sicherung des juristischen Vorbereitungsdienstes (SiGjurVD) gewährt wird. Diese besteht aus einem Grundbetrag, der derzeit 1.652,08 EUR brutto beträgt. Zusätzlich können ein Orts- und Familienzuschlag entsprechend den für Beamte auf Widerruf geltenden Vorschriften (Art. 3 Abs. 1 SiGjurVD) sowie vermögenswirksame Leistungen auf Antrag gezahlt werden. Die Auszahlung erfolgt am letzten Tag des Monats für den laufenden Monat. In bestimmten Fällen, wie bei nicht bestandener Prüfung im Ergänzungsvorbereitungsdienst oder bei selbst verschuldeter Verzögerung, kann der Grundbetrag um bis zu 55 % herabgesetzt werden.
Hinsichtlich der Sozialversicherung sind Referendare gesetzlich in der Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung versichert. Die Krankenkasse kann frei gewählt werden, wobei eine Befreiung von der Krankenversicherungspflicht nicht möglich ist. Die Mitgliedsbescheinigung muss dem Landesamt für Finanzen (LfF) in Bayreuth übersandt werden. Bei Unfällen im Dienst ist die Bayerische Landesunfallkasse zuständig.
Eine Besonderheit besteht in der Rentenversicherung: Referendaren wird eine Anwartschaft auf Versorgung bei verminderter Erwerbstätigkeit und im Alter nach beamtenrechtlichen Vorschriften gewährleistet (Art. 4 SiGjurVD). Sie sind daher während des Dienstes rentenversicherungsfrei gemäß § 5 Abs. 1 SGB VI. Nach dem Ausscheiden erfolgt eine Nachversicherung durch den Freistaat Bayern in der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem berufsständischen Versorgungswerk, wobei der Staat die Beiträge allein trägt. Wenn der Referendar danach als Rechtsanwalt tätig wird, kann die Nachversicherung auf Antrag beim Versorgungswerk durchgeführt werden, sofern die Mitgliedschaft und der Antrag innerhalb eines Jahres nach dem Ausscheiden erfolgen.
Gesetzliche oder Private Krankenversicherung
Angehende Rechtsreferendare müssen sich vor dem Start in den Vorbereitungsdienst Gedanken dazu machen, wie sie sich während des Referendariats krankenversichern. Wir haben alle relevanten Informationen zusammengetragen und auf einer speziellen Seite zum Thema Gesetzliche bzw. Private Krankenversicherung im Rechtsreferendariat für Dich aufbereitet.
Nebentätigkeiten und Stationsentgelte
Nebentätigkeiten von Rechtsreferendaren sind gemäß Art. 2 Abs. 2 SiGjurVD in Verbindung mit Art. 82 Abs. 1 Bayerisches Beamtengesetz (BayBG) genehmigungspflichtig, sofern ihr Umfang zehn Stunden wöchentlich oder die jährliche Vergütung 10.000 EUR übersteigt. Ein Hochschulstudium ist lediglich anzuzeigen. Die Referendare haben die Pflicht, ihre volle Arbeitskraft der Ausbildung zu widmen, weshalb berufsfremde Nebentätigkeiten vor den schriftlichen Prüfungen strenger limitiert sind.
Regelungen für den zeitlichen Umfang:
- Vor den schriftlichen Prüfungen sind Nebentätigkeiten, die das Ausbildungsziel fördern (z. B. juristische Mitarbeit), bis zu 14 Stunden pro Woche genehmigungsfähig.
- Berufsfremde Tätigkeiten werden in dieser Phase in der Regel nur bis zu 10 Stunden genehmigt.
- Nach Fertigung der schriftlichen Arbeiten steigt die Grenze auf 20 Stunden pro Woche.
Vergütung und Anrechnung: Besondere Bedeutung hat die Anrechnung von Entgelten auf die Unterhaltsbeihilfe gemäß Art. 3 Abs. 2 und 3 SiGjurVD.
- Stationsentgelt: Wenn ein Referendar von einer privaten Ausbildungsstelle (z. B. Kanzlei) für die vorgeschriebene Tätigkeit ein Entgelt erhält, wird dieses angerechnet, sobald die Summe aus Unterhaltsbeihilfe, Zuschlägen und Entgelt die Besoldung eines Beamten der Gruppe A 13 (Anfangsstufe) übersteigt. Derzeit liegt diese Grenze bei einem anrechnungsfreien Zuverdienst von maximal 3.373,13 EUR brutto.
- Nebentätigkeitsvergütung: Vergütungen aus echten Nebentätigkeiten (außerhalb der Stationstätigkeit) werden auf den Grundbetrag der Unterhaltsbeihilfe angerechnet, soweit sie diesen übersteigen. Es werden jedoch mindestens 45 % des Grundbetrags gewährt.
- Sozialversicherung bei Nebentätigkeit: Bei einer echten Nebentätigkeit ist der private Arbeitgeber alleiniger Schuldner der Sozialversicherungsbeiträge; der Freistaat Bayern fungiert hier nicht als Arbeitgeber.
Anträge auf Genehmigung einer Nebentätigkeit sind auf dem Dienstweg unter Angabe von Art, Umfang, Dauer und Vergütung einzureichen.
Ablauf und Inhalt des Referendariats
Der Vorbereitungsdienst dauert insgesamt zwei Jahre (24 Monate) gemäß § 48 Abs. 1 JAPO. Er gliedert sich in fünf obligatorische Stationen:
- Zivilrechtsstation (5 Monate): Ausbildung bei einem Zivilgericht. Auf Antrag können bis zu zwei Monate bei Gerichten für Familien-, Arbeits- oder FGG-Sachen absolviert werden.
- Strafrechtsstation (3 Monate): Ausbildung bei einer Staatsanwaltschaft oder einem Strafgericht. Ein Monat kann durch ein Studium an der Universität Speyer ersetzt werden.
- Verwaltungsstation (4 Monate): Ausbildung bei einem Landratsamt, einer Gemeinde, einer Regierung oder einem Bezirk. Zwei Monate können bei einem Verwaltungs-, Sozial- oder Finanzgericht verbracht werden. Auch hier ist ein Aufenthalt in Speyer möglich.
- Rechtsanwaltspflichtstation (9 Monate): Ausbildung bei einem oder zwei Rechtsanwälten. Bis zu drei Monate können bei einem Notariat, Unternehmen oder im Ausland abgeleistet werden. Ein Praktikum bei EU-Organen ist bis zu fünf Monate möglich.
- Pflichtwahlpraktikum (3 Monate): Vertiefte Ausbildung in einem von acht Berufsfeldern. Danach wird die Ausbildung bis zum offiziellen Ausscheiden bei der Wahlstelle fortgesetzt.
Begleitende Arbeitsgemeinschaften (AG): Parallel zur Praxis finden verpflichtende Arbeitsgemeinschaften statt: AG 1 (Justiz) im 1.-12. Monat, AG 2 (Verwaltung) im 9.-15. Monat, AG 3A (Anwalt-Justiz) im 13.-20. Monat und AG 3B (Anwalt-Verwaltung) im 16.-20. Monat. Nach den schriftlichen Prüfungen folgt die AG 4 im jeweiligen Berufsfeld. Die Teilnahme ist Dienstpflicht und geht anderen Terminen vor. Ergänzend finden Lehrgänge in Arbeitsrecht, Steuerrecht und Rechtsgestaltung (Kautelarrecht) statt.
Für die Zuweisung zu den Gerichten in der Zivil- und Strafrechtsstation ist das jeweilige OLG zuständig, wobei bei der Zuweisung zur Staatsanwaltschaft oder zum Strafgericht kein Wahlrecht besteht. Auf Antrag kann jedoch ein Teil der Zivilstation bei Gerichten für Arbeitssachen, Familiensachen oder in Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit absolviert werden.
Weitere Leistungen und Fortbildungsangebote
Über die Pflichtstationen hinaus bietet die bayerische Justiz zahlreiche freiwillige Zusatzqualifikationen an, um die Berufschancen der Referendare zu erhöhen. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist oft kostenfrei oder wird bezuschusst.
Wichtige Angebote umfassen:
- Workshop zum Verhandlungsmanagement: Ein zweitägiges Training nach dem "Münchener Modell", das praktische Verhandlungsfertigkeiten vermittelt. Es ist Voraussetzung für den Mediationskurs.
- Ausbildung zum Wirtschaftsmediator: Ein mehrtägiges Seminar (meist 5-6 Tage) zur Streitschlichtung.
- Rhetorik- und Argumentationsseminare: Kurse zur juristischen Rhetorik, die auch auf den Sitzungsdienst bei der Staatsanwaltschaft vorbereiten.
- Seminar "Moderne Betriebswirtschaft" und "Handelsbilanzen": In Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) werden betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse vermittelt.
- Legal Tech und Digitalisierung: Online-Seminare zu Künstlicher Intelligenz, E-Akte und digitalen Arbeitsformen in der Rechtspraxis.
- Fremdsprachenausbildung: Zuschüsse zu fachspezifischen Fremdsprachenkursen (insb. Englisch) an bayerischen Universitäten.
- Juristen im Nationalsozialismus: Eine Fortbildungsveranstaltung im Memorium Nürnberger Prozesse zur Sensibilisierung für rechtsstaatliche Gefahren.
- Datenbankzugang: Referendare erhalten kostenfreien Zugang zur Datenbank beck-online.Bayern.Rechtsreferendariat.
- PC-Kurse: Speziell auf juristische Textverarbeitung zugeschnittene Kurse.
Auslagen für diese Veranstaltungen können teilweise wie bei Dienstreisen nach dem Bayerischen Reisekostengesetz (BayRKG) erstattet werden, sofern sie als förderungswürdig anerkannt sind.
Klausurenkurse zur Examensvorbereitung
Zur Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen werden umfangreiche Klausurenprogramme angeboten. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaften werden Pflichtklausuren geschrieben, deren Noten in das Ausbildungszeugnis einfließen.
Zusätzlich gibt es das Freiwillige Klausurentraining (FKT). Dieses dient der Vertiefung und wird oft digital über die Plattform BayLern abgewickelt. Die Referendare können Klausuren (z. B. aus den Bereichen Zivilrecht, Strafrecht, Arbeitsrecht oder Kautelarrecht) bearbeiten und zur Korrektur einreichen. Reisekosten zu den Besprechungsterminen werden erstattet, sofern die Klausur tatsächlich abgegeben wurde. Ein besonderes Highlight ist die Intensivklausurenwoche gegen Ende der Anwaltsstation, in der fünf Klausuren unter examensnahen Bedingungen geschrieben werden.
Zur Vorbereitung auf den mündlichen Teil der Prüfung dienen spezielle Veranstaltungen in der AG 4, die auf die Erfordernisse des gewählten Berufsfelds ausgerichtet sind. In der AG 4 treten Teilnahmebestätigungen an die Stelle von Zeugnissen. Darüber hinaus bietet das OLG München freiwillige Crashkurse in Zivil- und Strafrecht zur unmittelbaren Examensvorbereitung an.
Das zweite Staatsexamen in Bayern
Die Zweite Juristische Staatsprüfung ist die Abschlussprüfung des Referendariats und Qualifikationsprüfung für den höheren Dienst. Sie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.
Schriftlicher Teil: Er umfasst neun Aufsichtsarbeiten (4x Zivilrecht, 2x Strafrecht, 3x Öffentliches Recht), wobei jeweils eine Aufgabe Arbeitsrecht und eine Steuerrecht enthalten muss. Seit dem Termin 2024/2 können Teilnehmer wählen, ob sie die Klausuren handschriftlich oder als E-Examen elektronisch fertigen. Die Wahl ist unwiderruflich und muss sieben Monate vor Beginn des Pflichtwahlpraktikums getroffen werden. Prüfungsorte sind Augsburg, Bamberg, Bayreuth, München, Nürnberg, Passau, Regensburg und Würzburg.
Mündlicher Teil: Dieser findet in München oder Nürnberg statt, meist im 25. bis 27. Ausbildungsmonat. Er umfasst die Pflichtfächer und das gewählte Berufsfeld. Das Berufsfeld gilt als unwiderruflich gewählt, sobald die Erklärung nach § 48 Abs. 6 JAPO abgegeben wurde.
Hilfsmittel: Zugelassen sind neben Textsammlungen (Habersack, Sartorius, Ziegler/Tremel) sieben Kommentare (Grüneberg, Hopt, Thomas/Putzo, Fischer, Schmitt/Köhler, Kopp/Schenke, Kopp/Ramsauer). Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Bayern findest Du hier...
Im 5. oder 6. Monat nach den Klausuren kommt dann die abschließende mündliche Prüfung. Die Prüfung findet in der Regel in München oder Nürnberg statt.
Statistik zum zweiten Examen
Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Bayern ergibt sich folgendes Bild:
- Bayern
- Bundesdurchschnitt
Werte als Tabelle anzeigen
| 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bayern | 14,7 | 15,4 | 11,5 | 13,6 | 11,3 | 9,8 | 12,2 | 14,2 | 13,3 | 16,8 |
| Bundesdurchschnitt | 13,8 | 14,2 | 13,2 | 12,8 | 12,6 | 11,6 | 12,2 | 12,3 | 12,1 | 12,5 |
- Bayern
- Bundesdurchschnitt
Werte als Tabelle anzeigen
| 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bayern | 13,3 | 16,7 | 14,8 | 17,8 | 15,5 | 21,1 | 20,6 | 18,8 | 19,9 | 17,0 |
| Bundesdurchschnitt | 18,2 | 18,3 | 18,7 | 19,5 | 19,5 | 21,3 | 21,4 | 21,0 | 21,3 | 21,7 |
Notenverbesserung
Wer die Prüfung in Bayern beim ersten Versuch bestanden hat, kann sie zur Notenverbesserung einmal wiederholen gemäß §§ 71,15 JAPO. Dieser Versuch ist nur im unmittelbar nächsten oder übernächsten Prüfungstermin nach dem Erstversuch möglich. Da ein Termin erst mit dem Ende aller mündlichen Prüfungen abgeschlossen ist, verschiebt sich die Möglichkeit oft auf den zweiten und dritten Folgetermin.
Wichtige Modalitäten:
- Antrag: Er muss spätestens vier Monate vor Beginn des schriftlichen Teils beim Landesjustizprüfungsamt gestellt werden.
- Gebühr: Ab dem Prüfungstermin 2026/2 wird eine Gebühr in Höhe von 650 EUR erhoben. Die Zahlung ist Voraussetzung für die Zulassung, und der Zahlungsnachweis muss zeitgleich mit der Online-Anmeldung eingereicht werden.
- E-Examen: Das Wahlrecht zwischen handschriftlicher und elektronischer Fertigung besteht auch hier. Bei Kapazitätsengpässen an einem Standort können Notenverbesserer an einen anderen Prüfungsort zugewiesen werden.
Referendare im Ergänzungsvorbereitungsdienst (nach Nichtbestehen) werden automatisch zur Wiederholung zugelassen und müssen sich nicht selbst über das Portal anmelden. Für alle anderen (insb. Notenverbesserer) ist die Anmeldung über die BayernID im Online-Portal zwingend.

