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Das Referendariat in Brandenburg

Grundsätzliches zum Auswahlverfahren

Wenn du in Brandenburg dein Referendariat antreten willst, landest du in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis. Das ist zwar kein Beamtenstatus auf Widerruf mehr, aber viele beamtenrechtliche Regeln gelten trotzdem noch entsprechend, solange das Brandenburgische Juristenausbildungsgesetz (BbgJAG) nichts anderes sagt. Da die Plätze begehrt sind, gibt es ein ausgeklügeltes System, wer wann drankommt. Wenn es mehr Bewerber als Plätze gibt – was eigentlich die Regel ist – wird nach einer festen Quote verteilt.

Zuerst einmal gehen bis zu 20 % der Plätze an die "Besten", also rein nach der Note deiner ersten Prüfung gemäß § 11 Abs. 3 BbgJAG. Danach wird es sozial: Bis zu 10 % der verbleibenden Plätze sind für Härtefälle reserviert. Das sind Leute, die durch eine weitere Verzögerung unzumutbar benachteiligt würden, etwa wegen schwerer Krankheit oder besonderer familiärer Belastungen. Der große Rest – und das ist die Chance für die meisten – wird nach Wartezeit vergeben.

Hier gibt es allerdings die sogenannte „Landeskinderregelung“ gemäß § 11 Abs. 4 BbgJAG. Das bedeutet, dass bis zu 70 % der verbleibenden Plätze an Leute gehen, die entweder ihre Prüfung beim Gemeinsamen Juristischen Prüfungsamt (GJPA) in Berlin-Brandenburg gemacht haben oder eine enge persönliche Bindung zum Land Brandenburg nachweisen können, zum Beispiel durch einen langen Wohnsitz. Wer von außerhalb kommt und keine Bindung hat, muss sich also oft auf eine längere Geduldsprobe einstellen. Innerhalb dieser Gruppen entscheidet dann wieder die nackte Wartezeit, und wenn da auch Gleichstand herrscht, zieht man im Zweifel das Los oder schaut wieder auf die Note.

Wichtig ist auch die persönliche Eignung. Wer zum Beispiel wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wurde, fliegt in der Regel direkt raus, weil er als unwürdig für den Staatsdienst gilt. Auch laufende Ermittlungsverfahren können ein Grund sein, die Aufnahme erst einmal zu verweigern. Am Ende ist das Ziel des Verfahrens, eine faire und transparente Vergabe der knappen Ausbildungskapazitäten sicherzustellen, wobei die Kapazität selbst jährlich vom OLG-Präsidenten anhand der verfügbaren Richter- und Staatsanwaltsstellen sowie der Haushaltsmittel neu berechnet wird.

Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte

In Brandenburg ist der Kalender für den Einstieg recht übersichtlich: Es wird viermal im Jahr eingestellt, und zwar immer zum 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November. Du musst dich also nicht auf nur ein oder zwei Termine im Jahr versteifen. Je nachdem, in welchem Monat du startest, landest du in unterschiedlichen Landgerichtsbezirken. Im Februar und August werden Referendare für die Bezirke Potsdam und Neuruppin eingestellt, im Mai und November sind Frankfurt (Oder) und Cottbus an der Reihe. Du bewirbst dich zwar für den gesamten Oberlandesgerichtsbezirk, kannst aber Wünsche äußern, wobei es keinen harten Anspruch auf eine bestimmte Zuweisung gibt.

Die Landgerichte fungieren dabei als deine sogenannten Stammdienststellen. Dort finden in der Regel die Arbeitsgemeinschaften und Einführungslehrgänge statt. Hier ist die Liste aller Ausbildungsgerichte, die unter das Brandenburger Dach fallen:

  • Landgerichtsbezirk Potsdam: Das ist oft der Favorit für Leute aus Berlin. Zum Bezirk gehören die Amtsgerichte Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Nauen, Potsdam, Rathenow und Zossen.
  • Landgerichtsbezirk Cottbus: Hier wird im Süden des Landes ausgebildet. Dazu gehören die Amtsgerichte Bad Liebenwerda, Cottbus (mit der Zweigstelle Guben), Königs Wusterhausen, Lübben (Spreewald) und Senftenberg.
  • Landgerichtsbezirk Frankfurt (Oder): Direkt an der Grenze, mit den Amtsgerichten Bad Freienwalde, Bernau bei Berlin, Eberswalde, Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder), Fürstenwalde/Spree und Strausberg.
  • Landgerichtsbezirk Neuruppin: Der Bezirk im Norden umfasst die Amtsgerichte Neuruppin, Oranienburg, Perleberg, Prenzlau, Schwedt/Oder und Zehdenick.
LG Cottbus
LG Cottbus
LG Frankfurt
LG Frankfurt
LG Neuruppin
LG Neuruppin
LG Potsdam
LG Potsdam

Jedes dieser Landgerichte hat einen Referendarbeauftragten, der sich um die Organisation deiner Stationen und AGs kümmert. In der Zivilstation landest du entweder direkt am Landgericht (oft in einer Zivilkammer) oder an einem der genannten Amtsgerichte. Die Auswahl, ob es das beschauliche Amtsgericht oder das größere Landgericht wird, hängt oft von den Kapazitäten und den Wünschen ab, die du am Anfang deines Einführungslehrgangs äußern kannst.

Wartezeit

Das Thema Wartezeit ist für viele der größte Stressfaktor nach dem Examen. In Brandenburg fängt die Uhr für die Wartezeit erst dann an zu ticken, wenn deine Bewerbung komplett und vollständig beim OLG eingegangen ist. Das bedeutet: Sobald dein Zeugnis der ersten Prüfung vorliegt und alle Formulare abgeschickt sind, bist du im Rennen. Die Wartezeit beginnt dann mit dem nächstmöglichen Einstellungstermin nach Eingang deiner Unterlagen, egal ob du zu diesem Termin schon tatsächlich anfangen wolltest oder erst später.

Genaue Prognosen, wie lange man aktuell warten muss, gibt das OLG offiziell nicht ab, da dies stark von der Anzahl der Bewerber und dem Abschneiden in der ersten Prüfung abhängt. Wenn du aber zu den Gruppen gehörst, die den Dienstgrad „Landeskind“ haben (Prüfung in Berlin/Brandenburg oder fester Wohnsitz), stehst du bei der Vergabe der 70 %-Quote deutlich besser da als „Fremdbewerber“. Letztere werden oft für mehr als sechs Monate zurückgestellt, wenn die Kapazitäten erschöpft sind.

Es gibt aber ein paar „Zeit-Boni“, die dich in der Schlange nach vorne schieben können. Wenn du eine Dienstpflicht nach Art. 12a GG erfüllt hast (also z.B. Wehrdienst oder Zivildienst früherer Art) oder mindestens zwei Jahre als Entwicklungshelfer tätig warst, wirst du so behandelt, als hättest du dich sechs Monate früher beworben. Das Gleiche gilt für Bewerber, die Kinder unter 18 Jahren zu versorgen haben. Diesen Bonus kannst du allerdings nur einmal ziehen.

Wichtig: Wenn du erst einmal auf der Warteliste stehst, musst du am Ball bleiben. Wenn dein Antrag zurückgestellt wurde, musst du bis spätestens vier Wochen vor Ablauf der Frist für den nächsten Termin kurz Bescheid geben, dass du immer noch Interesse hast. Vergisst du diese Rückmeldung, fliegst du aus dem System und deine mühsam angesammelte Wartezeit ist futsch. Falls du zwischenzeitlich einen Platz in einem anderen Bundesland annimmst, musst du das dem OLG Brandenburg unverzüglich mitteilen, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten.

Bewerbung und Bewerbungsverfahren

Die Bewerbung in Brandenburg ist heutzutage modern über ein Online-Portal möglich. Du kannst dich aber auch noch ganz klassisch per Post an den Präsidenten des Brandenburgischen Oberlandesgerichts in Brandenburg an der Havel wenden.

An den Präsidenten des
Brandenburgischen Oberlandesgerichts
- Referendarabteilung -
Gertrud- Piter- Platz 11
14770 Brandenburg an der Havel

Ein wichtiger technischer Hinweis vorab: Das OLG bittet ausdrücklich darum, von schicken Bewerbungsmappen oder Heftern abzusehen – eine lose Blattsammlung (oder eben der digitale Upload) reicht völlig aus. Der Bewerbungsschluss ist streng geregelt und richtet sich nach § 222 Abs. 2 ZPO. Für den Februar-Termin musst du bis zum 1. November fertig sein, für Mai bis zum 1. Februar, für August bis zum 1. Mai und für November bis zum 1. August.

Damit deine Bewerbung überhaupt bearbeitet wird, musst du einen ganzen Berg an Unterlagen einreichen. Hier ist die offizielle Checkliste:

  • Der ausgefüllte Bewerbervordruck des OLG.
  • Das Gesamtzeugnis deiner ersten juristischen Prüfung (beglaubigte Kopie).
  • Ein unterschriebener, möglichst maschinengeschriebener tabellarischer Lebenslauf.
  • Ein aktuelles Lichtbild.
  • Deine Geburtsurkunde in beglaubigter Abschrift (bei ausländischen Urkunden mit Übersetzung).
  • Dein Abiturzeugnis (ebenfalls als Nachweis der Hochschulreife).
  • Die speziellen Erklärungen Ref 01 bis Ref 03. Das sind die Belehrung zur Verfassungstreue, die Erklärung zu Vorstrafen und die Erklärung zur Staatsbürgerschaft sowie zu eventuellen Schulden.
  • Eine ganz frische Meldebescheinigung.
  • Falls zutreffend: Heiratsurkunde, Geburtsurkunden deiner Kinder oder andere personenstandsrechtliche Dokumente.
  • Nachweise über Dienstzeiten (Wehrdienst, Zivi, FSJ etc.), falls du den Wartezeit-Bonus willst.
  • Ein Nachweis über eine Schwerbehinderung oder Gleichstellung, falls vorhanden.
  • Einbürgerungsurkunden oder Aufenthaltsgenehmigungen für Nicht-EU-Bürger.

Manchmal fehlt noch ein Dokument, etwa das endgültige Zeugnis. In begründeten Einzelfällen kann man Unterlagen nachreichen, dafür muss man aber zusammen mit dem Antrag eine Nachfrist beantragen.

Sobald du einen Platz angeboten bekommst, musst du innerhalb von zehn Tagen zusagen, sonst geht der Platz direkt ins Nachrückverfahren. In diesem Verfahren kann die Antwortfrist sogar auf fünf Tage verkürzt werden, also check regelmäßig deine Mails oder den Briefkasten.

Unterhaltsbeihilfe und Krankenversicherung

Geld ist nicht alles, aber im Referendariat überlebenswichtig. Du bekommst in Brandenburg kein Gehalt im klassischen Sinne, sondern eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe. Der aktuelle Grundbetrag liegt laut offizieller Info bei 1.673,26 € brutto im Monat. Davon gehen natürlich noch Steuern und Sozialabgaben ab, sodass netto deutlich weniger übrig bleibt. Die Zahlung erfolgt immer am letzten Tag des laufenden Monats. Wenn du Kinder hast, gibt es zusätzlich einen Familienzuschlag, der sich nach den Sätzen für Beamte der Besoldungsgruppe A 13 richtet. Aktuell sind das zum Beispiel etwa 167 € für das erste und zweite Kind.

Andere Leistungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder vermögenswirksame Leistungen (VL) suchst du leider vergeblich – das wurde alles gestrichen. Auch Trennungsgeld oder Umzugskosten werden nicht übernommen. Immerhin: Wenn dich dein Ausbilder auf Dienstreise schickt (z.B. für eine Sitzungsvertretung bei einem anderen Gericht), kannst du Fahrtkosten geltend machen. Um die ganze Abrechnung kümmert sich die Zentrale Bezügestelle (ZBB) in Cottbus, nicht die Referendarabteilung des OLG.

Ein ganz wichtiges Thema ist die Krankenversicherung. Als Referendar bist du in Brandenburg versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das bedeutet, du musst dich selbst bei einer Krankenkasse deiner Wahl anmelden und dem OLG die Mitgliedschaft nachweisen. Eine kostenlose Mitversicherung über die Eltern oder den Partner (Familienversicherung) ist ab dem Moment der Einstellung nicht mehr möglich, da du dein eigenes Einkommen beziehst. Die Beiträge werden direkt von deiner Unterhaltsbeihilfe einbehalten und vom Land an die Kasse abgeführt. In den ersten vier Wochen des Referendariats gibt es übrigens eine Besonderheit: Wenn du da krank wirst, zahlt das Land noch keine Entgeltfortzahlung. In dieser Zeit springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein (ca. 70 % vom Brutto), wofür du aber sofort zum Arzt musst und das Attest innerhalb einer Woche bei der Kasse einreichen musst.

Gesetzliche oder Private Krankenversicherung

Angehende Rechtsreferendare müssen sich vor dem Start in den Vorbereitungsdienst Gedanken dazu machen, wie sie sich während des Referendariats krankenversichern. Wir haben alle relevanten Informationen zusammengetragen und auf einer speziellen Seite zum Thema Gesetzliche bzw. Private Krankenversicherung im Rechtsreferendariat für Dich aufbereitet.

Nebentätigkeiten und Stationsentgelte

Viele Referendare wollen oder müssen sich etwas dazuverdienen. Das ist grundsätzlich möglich, aber an Regeln geknüpft. Jede Nebentätigkeit – egal ob bezahlt oder unbezahlt (wie z.B. die Übernahme einer Treuhänderschaft) – musst du spätestens drei Wochen vor Beginn beim OLG-Präsidenten beantragen. Die Genehmigung wird dir in der Regel erteilt, solange deine Ausbildung nicht darunter leidet. Ein hartes Limit gibt es bei der Zeit: Du darfst nicht mehr als 10 Wochenstunden bzw. 43 Stunden im Monat nebenbei arbeiten. Wer im Examen durchgefallen ist und im Ergänzungsvorbereitungsdienst steckt, bekommt eine Nebentätigkeit oft nur sehr schwer oder gar nicht genehmigt, weil dann die volle Konzentration dem zweiten Versuch gehören soll.

Finanziell gesehen gibt es eine Freigrenze: Du darfst so viel dazuverdienen, wie deine Brutto-Unterhaltsbeihilfe beträgt. Erst was darüber hinausgeht, wird auf deine Beihilfe angerechnet und führt zu Kürzungen. Da die Nebentätigkeit steuerlich meist als Zweitjob (Steuerklasse 6) gewertet wird, bleibt vom Brutto-Verdienst oft weniger übrig, als man hofft.

Etwas anders sieht es bei den sogenannten Stationsentgelten aus, die du vor allem in der Anwalts- oder Wahlstation bekommst. In Brandenburg gibt es – anders als zum Beispiel in Berlin – keine feste Deckelung für diese Zahlungen. Die Kanzlei kann dir also theoretisch so viel zahlen, wie sie will, ohne dass deine Unterhaltsbeihilfe gekürzt wird. Aber Achtung: Das OLG betrachtet das Ganze als ein einheitliches Arbeitsverhältnis. Das bedeutet, die Steuern und Sozialabgaben für das Geld von der Kanzlei werden direkt von deiner Unterhaltsbeihilfe abgezogen. Du bekommst von der Kanzlei das volle vereinbarte Brutto ausgezahlt, aber dein Überweisungsbetrag vom Land schrumpft entsprechend. Die Kanzlei muss dem OLG gegenüber schriftlich bestätigen, dass sie mit diesem Abrechnungsverfahren (dem "Brandenburger Modell") einverstanden ist und am Ende die Arbeitgeberanteile an das Land zurückzahlt. Ohne diese Zusage wirst du der Station gar nicht erst zugewiesen.

Ablauf und Inhalt des Referendariats

Dein Referendariat dauert insgesamt 24 Monate und ist ein duales System aus praktischer Arbeit und theoretischem Unterricht. Es ist in fünf Stationen gegliedert:

  1. Zivilstation (4 Monate): Los geht’s mit einem vierwöchigen Einführungslehrgang. Danach arbeitest du drei Monate bei einem Zivilrichter am Amts- oder Landgericht. Du lernst, wie man Urteile schreibt, Voten erstellt und darfst (mit etwas Glück) sogar mal eine Verhandlung leiten.
  2. Strafstation (3,5 Monate): Nach zwei Wochen Theorie geht es für drei Monate zur Staatsanwaltschaft. Hier ist Action angesagt: Du schreibst nicht nur Anklageschriften, sondern vertrittst die Anklage auch selbst in der Sitzung vor dem Strafrichter.
  3. Verwaltungsstation (3,5 Monate): Wieder zwei Wochen Einführung, dann drei Monate in einer Behörde deiner Wahl (z.B. Stadtverwaltung, Ministerium). Wichtig: Ein Einsatz am Verwaltungsgericht zählt hier nicht als Behörde.
  4. Rechtsanwaltsstation (9 Monate): Das ist das Herzstück. Du verbringst neun Monate bei einem Anwalt. Begleitend gibt es AGs für Zivil-, Straf- und Öffentliches Recht aus anwaltlicher Sicht. In der Mitte dieser Station schreibst du auch dein schriftliches Examen (im 20. Ausbildungsmonat).
  5. Wahlstation (4 Monate): Hier kannst du dich spezialisieren. Ob beim Notar, im Unternehmen oder sogar im Ausland – fast alles ist möglich, solange eine juristische Betreuung gewährleistet ist.

Während des gesamten Referendariats hast du eine Präsenzpflicht in den Arbeitsgemeinschaften (AGs), die in der Regel einmal pro Woche stattfinden. Unentschuldigtes Fehlen kann teuer werden und führt zu Kürzungen der Bezüge. Über jede Station und jede AG bekommst du ein Zeugnis mit Note und Punktzahl, das in deine Personalakte wandert. Diese Zeugnisse sind zwar nicht direkt prüfungsrelevant, aber wichtig für spätere Bewerbungen im Staatsdienst.

Weitere Leistungen und Fortbildungsangebote

Brandenburg bietet über das Standardprogramm hinaus ein paar interessante Extras an. Das OLG organisiert regelmäßig Seminare zu sogenannten Schlüsselqualifikationen. Diese finden meist in der Justizakademie in Königs Wusterhausen statt. Das Themenspektrum ist breit gefächert: Von Rhetorik und Kommunikation über Mediation und Verhandlungsmanagement bis hin zur Psychologie der Zeugenvernehmung ist alles dabei. Auch Kurse zum Umgang mit Stress oder zur Förderung der mentalen Gesundheit stehen auf dem Plan. Das Beste daran: Die Teilnahme ist für dich kostenlos, und wenn das Seminar länger dauert, stellt das Land sogar die Übernachtung und volle Verpflegung (Frühstück, Mittag, Abendessen). Da die Plätze auf meist 16 Teilnehmer begrenzt sind, musst du dich aber schnell anmelden, sobald die Rundmail vom Dezernat 3 kommt.

In Sachen Mobilität gibt es die Möglichkeit, ein Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr zu beantragen, was vor allem für Pendler zwischen Berlin und den Brandenburger Gerichtsstandorten Gold wert sein kann. Die entsprechenden Anträge findest du auf der OLG-Website.

Ein weiteres digitales Schmankerl ist der kostenlose Zugang zu den großen juristischen Datenbanken wie Juris und Beck-online. Früher war das oft zeitlich begrenzt, aber mittlerweile hast du während deines gesamten Referendariats Zugriff darauf, was die Arbeit an Voten und Urteilsentwürfen zu Hause massiv erleichtert. Außerdem gibt es das System ELAN-REF, eine E-Learning-Plattform, mit der du dein Wissen zum Prozessrecht interaktiv auffrischen kannst. Die AG-Leiter setzen die dortigen Inhalte oft als bekannt voraus, also lohnt sich ein Blick hinein definitiv.

Klausurenkurse und Aktenvortragskurse

Die Vorbereitung auf das Examen ist ein Marathon, und Brandenburg bietet dir dafür verschiedene Trainingsmöglichkeiten. Ein zentraler Baustein ist der Pflichtklausurenkurs (oft auch Probeexamen genannt) am Ende der Rechtsanwaltsstation. Hier schreibst du innerhalb von drei Monaten insgesamt 12 Klausuren unter Examensbedingungen. Das sind vier Klausuren aus jedem der drei Hauptrechtsgebiete, wobei jeweils zwei aus staatlicher und zwei aus anwaltlicher Sicht gestellt werden. Diese Klausuren werden korrigiert und anschließend ausführlich besprochen. Da über diesen Kurs kein Zeugnis erstellt wird, kannst du hier völlig angstfrei üben und schauen, wo du stehst.

Zusätzlich gibt es den (Online-)Klausurenkurs des Brandenburger Referendarrats. Hier werden etwa alle zwei Wochen echte alte Originalklausuren des GJPA veröffentlicht. Du kannst sie bearbeiten und gegen eine Gebühr von 15 € von erfahrenen Korrektoren (oft Praktiker oder AG-Leiter) bewerten lassen. Die Korrektur erfolgt meist per E-Mail innerhalb von zwei Wochen. Kostenlose Online-Besprechungen durch das Kammergericht Berlin runden dieses Angebot ab.

Für den mündlichen Teil der Prüfung gibt es in der Wahlstation einen speziellen Aktenvortragskurs. Dieser Lehrgang dauert einen Monat und ist darauf ausgerichtet, die Technik des Aktenvortrags (der 10 bis 15 Minuten dauern muss) gezielt einzuüben. Du hast hier die Wahl: Entweder du machst drei Monate Praxis in der Station und einen Monat diesen Kurs, oder du verzichtest auf den Kurs und machst vier Monate Praxis bei deinem Ausbilder. Der Kurs findet immer im April und Oktober statt, sodass er – je nach deinem Einstellungstermin – entweder direkt nach deinen schriftlichen Klausuren oder kurz vor deiner mündlichen Prüfung liegt. Es wird dringend empfohlen, dieses Training mitzunehmen, da der Aktenvortrag in der mündlichen Prüfung immerhin 16 % deiner Gesamtnote ausmacht

Das zweite Staatsexamen in Brandenburg

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil im 20. Monat und einem mündlichen Teil nach Ende der Wahlstation. Im schriftlichen Teil musst du an sieben Tagen jeweils eine fünfstündige Aufsichtsarbeit anfertigen. Die Verteilung sieht so aus:

  • Zwei Klausuren im Zivilrecht (plus evtl. eine Wahlklausur).
  • Zwei Klausuren im Strafrecht.
  • Zwei Klausuren im Öffentlichen Recht.
  • Eine siebte Klausur, bei der du das Rechtsgebiet vorher selbst wählen darfst.

Bis zu vier dieser Klausuren werden aus anwaltlicher Sicht gestellt. Seit Ende 2023 bietet Brandenburg (über das GJPA) übrigens das E-Examen an, du kannst deine Klausuren also am Laptop tippen, was für viele eine enorme Erleichterung ist.

Im schriftlichen Examen zugelassen sind 6 Kommentare (Grüneberg, Thomas/Putzo, Fischer, Meyer-Goßner, Kopp/Schenke und Kopp/Ramsauer). Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Brandenburg findest Du hier...

Zur mündlichen Prüfung wirst du nur zugelassen, wenn du im schriftlichen Teil mindestens einen Schnitt von 3,50 Punkten (und vier bestandene Klausuren) oder 4,00 Punkten (und drei bestandene Klausuren) erreicht hast. Die mündliche Prüfung findet im GJPA in Berlin-Schöneberg statt. Sie besteht aus dem bereits erwähnten Aktenvortrag mit Vertiefungsgespräch (16 % der Gesamtnote) und drei Abschnitten Prüfungsgespräch in den Hauptgebieten (jeweils 8 % der Gesamtnote). Die restlichen 60 % der Note kommen aus deinen schriftlichen Klausuren. Wer am Ende mindestens 4,00 Punkte in der Gesamtwertung erreicht, darf sich fortan stolz „Rechtsassessor“ oder „Rechtsassessorin“ nennen.

Statistik zum zweiten Examen

Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Brandenburg ergibt sich folgendes Bild:

Durchfallquote Brandenburg
  • Brandenburg
  • Bundesdurchschnitt
01020302015201620172018201920202021202220232024Brandenburg 2015: 21,4Brandenburg 2016: 24,7Brandenburg 2017: 25,0Brandenburg 2018: 22,3Brandenburg 2019: 17,6Brandenburg 2020: 18,8Brandenburg 2021: 18,8Brandenburg 2022: 14,4Brandenburg 2023: 9,4Brandenburg 2024: 9,09,0Bundesdurchschnitt 2015: 13,8Bundesdurchschnitt 2016: 14,2Bundesdurchschnitt 2017: 13,2Bundesdurchschnitt 2018: 12,8Bundesdurchschnitt 2019: 12,6Bundesdurchschnitt 2020: 11,6Bundesdurchschnitt 2021: 12,2Bundesdurchschnitt 2022: 12,3Bundesdurchschnitt 2023: 12,1Bundesdurchschnitt 2024: 12,512,5
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Brandenburg21,424,725,022,317,618,818,814,49,49,0
Bundesdurchschnitt13,814,213,212,812,611,612,212,312,112,5
Prädikatsexamina Brandenburg
  • Brandenburg
  • Bundesdurchschnitt
05101520252015201620172018201920202021202220232024Brandenburg 2015: 10,9Brandenburg 2016: 5,9Brandenburg 2017: 11,1Brandenburg 2018: 10,5Brandenburg 2019: 17,1Brandenburg 2020: 19,8Brandenburg 2021: 14,6Brandenburg 2022: 14,9Brandenburg 2023: 18,8Brandenburg 2024: 13,613,6Bundesdurchschnitt 2015: 18,2Bundesdurchschnitt 2016: 18,3Bundesdurchschnitt 2017: 18,7Bundesdurchschnitt 2018: 19,5Bundesdurchschnitt 2019: 19,5Bundesdurchschnitt 2020: 21,3Bundesdurchschnitt 2021: 21,4Bundesdurchschnitt 2022: 21,0Bundesdurchschnitt 2023: 21,3Bundesdurchschnitt 2024: 21,721,7
Werte als Tabelle anzeigen
2015201620172018201920202021202220232024
Brandenburg10,95,911,110,517,119,814,614,918,813,6
Bundesdurchschnitt18,218,318,719,519,521,321,421,021,321,7

Notenverbesserung

Wenn du dein Examen bestanden hast, aber denkst: „Da geht noch mehr!“, kannst du den Versuch der Notenverbesserung wagen. Diese Chance hast du allerdings nur, wenn du beim ersten Mal im regulären Durchgang bestanden hast. Den Antrag musst du spätestens innerhalb von zwei Monaten nach deiner mündlichen Prüfung beim GJPA stellen.

Der zeitliche Ablauf ist starr: Du trittst in der übernächsten Prüfungskampagne nach deinem ersten Versuch an. Wer also im Februar seine mündliche Prüfung hatte, schreibt die Klausuren zur Verbesserung im Juni. Der Spaß ist allerdings nicht ganz billig: Die Gebühr für das Verfahren beträgt aktuell 600 €. Wenn du es dir kurzfristig anders überlegst und noch vor den Klausuren zurücktrittst, bekommst du einen Teil zurück und zahlst nur 100 €. Trittst du nach den Klausuren, aber vor der mündlichen Prüfung zurück (z.B. weil die Klausuren nicht besser liefen), kostet es dich 400 €.

Ein ganz wichtiger Punkt: Dein Ausbildungsverhältnis mit dem Land Brandenburg endet mit dem Bestehen des ersten Versuchs. Das bedeutet, dass du während der Vorbereitungszeit auf den Verbesserungsversuch keine Unterhaltsbeihilfe mehr bekommst. Du bist in dieser Zeit quasi Privatperson oder arbeitest schon irgendwo nebenher. Am Ende zählt für dich das bessere Ergebnis. Wenn du dich im zweiten Anlauf verschlechterst, bleibt deine alte Note einfach stehen. Wenn du dich verbesserst, musst du dein altes Zeugnis zurückgeben und bekommst ein funkelndes neues mit der besseren Note ausgestellt. Die Entscheidung, welches Ergebnis gelten soll, musst du innerhalb einer Woche nach der neuen mündlichen Prüfung treffen, sonst greift automatisch das bessere (oder bei Gleichstand das frühere) Ergebnis.

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