Das Referendariat in Niedersachsen ist ein zweijähriger Marathon, der dich durch fünf verschiedene Stationen schleift. Jede Station hat ein festes Ziel und einen eigenen Ausbildungsplan.
- Zivilstation (5 Monate): Du landest bei einem Amts- oder Landgericht. Hier lernst du von Richtern, wie man Urteile und Beschlüsse schreibt. Du darfst mit zur Sitzung und in geeigneten Fällen sogar mal selbst eine Verhandlung leiten.
- Strafstation (3 Monate): In der Regel bist du bei der Staatsanwaltschaft. Das Highlight (oder der Horror) für viele: Die Sitzungsvertretung. Du gehst allein zum Amtsgericht und vertrittst dort die Anklage.
- Verwaltungsstation (3 Monate): Du suchst dir eine Behörde (z.B. Stadtverwaltung oder LKA). Hier lernst du, wie Bescheide geschrieben werden und wie Verwaltungshandeln funktioniert. Eine Besonderheit ist hier das Semester an der Uni Speyer, das du statt der Behörde wählen kannst.
- Anwaltsstation (9 Monate): Die längste Station. Du bist bei einem Anwalt deiner Wahl und lernst die rechtsberatende Seite kennen. Im letzten Monat dieser Station werden die acht Examensklausuren geschrieben.
- Wahlstation (4 Monate): Zum Abschluss darfst du dir einen Schwerpunkt aussuchen (z.B. Arbeitsrecht oder Europarecht). Diese Station findet erst nach den Klausuren statt und dient oft der Vorbereitung auf den Berufseinstieg.
Die Ausbildung ist immer zweigleisig: Du hast deinen Arbeitsplatz beim Ausbilder und einmal pro Woche die Arbeitsgemeinschaft (AG). Die AG ist wie Schule – es herrscht Anwesenheitspflicht und sie geht jedem anderen Dienst vor. Am Ende jeder Station kriegst du ein Zeugnis mit einer Note von 0 bis 18 Punkten. Wer in der Station nur „mangelhaft“ oder „ungenügend“ leistet, muss damit rechnen, aus dem Dienst entlassen zu werden, was aber praktisch nie vorkommt.
Falls du bereits ein Kind hast oder einen Angehörigen pflegen musst, kannst du den Vorbereitungsdienst in Teilzeit absolvieren. Dein Dienst wird dann um ein Fünftel reduziert, aber die Gesamtdauer des Referendariats verlängert sich entsprechend um ein Viertel. Das ist eine faire Lösung, um Familie und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen. Anträge auf Teilzeit sollten spätestens zwei Monate vor Beginn gestellt werden.




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