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  Ausgabe 34/2018
Montag, der 20.08.2018
     

 / Niedersachsen / Zivilrechtsstation

Alles neu macht der Mai

von

Ok, so richtig neu macht der Mai zwar nichts (abgesehen vom Wetter 😉 )…und was das Referendariat angeht, so ist sogar das Gegenteil der Fall, denn langsam aber sicher hat sich eine gewisse Referendariats-Alltagsroutine eingestellt…aber etwas alt-neues kommt dennoch wieder: Meine (Anfangs-)Motivation. Nachdem diese die letzten 2-3 Wochen etwas verloren gegangen ist kommt sie langsam wieder hervorgekrochen (vielleicht liegt das am auch guten Wetter 😉 ).

Der Beginn des Referendariats liegt nun schon 2 Monate zurück. 3 weitere Monate folgen noch in der ersten Station. Die ersten Akten sind mittlerweile bearbeitet und bei meinem Richter abgegeben. Nach der Abgabe der bearbeiteten Akte bekomme ich immer eine neue, unbearbeitete, Akte (ziemlich schlechter Deal, ne?! 😀 ) und so ziehen die Tage dahin. Anders als zur AG (die mir leider nicht so gut gefällt) bringt mir die reine Aktenbearbeitung vom Lerneffekt aber sehr viel und ich merke, dass ich doch nicht so dumm bin und doch schon mehr weiß, als ich anfangs dachte und das gibt mir einen kleinen Motivationsschub.

Bei meinem Ausbilder bin ich sonst im Schnitt einen Tag die Woche bei Verhandlungen dabei (das kann entweder mal nur eine Verhandlung sein für eine knappe halbe Stunde oder es kann auch mal vorkommen, dass von morgens 9:30h bis in den Nachmittag hinein Verhandlungen sind). Bei den Verhandlungen dabeizusein gefällt macht mir ziemlichen Spaß und es ist nicht nur interessant, sondern manchmal auch recht amüsant. 😉 Einen bestimmten Dresscode gibt es bei meinem Ausbilder (und den meisten anderen Ausbildern meiner Referendarskollegen) nicht. Es sollte natürlich nicht die letzte zerfetzte Jeans sein, aber ob ich nun in dunkler Jeans oder schwarzer Stoffhose auftauche, ob mit weißer Bluse, hellblauer Bluse oder einem einfarbigen sauberen Oberteil in z.B. dunkelblau: das ist gehoppt wie gesprungen. Es muss nicht zwangsläufig die dunkel Hose + weiße Bluse sein (wobei mir von einigen Kolleginnen an einem anderen Landgericht vom Hörensagen bekannt ist, dass deren Ausbilder/in da sehr viel wert drauf legt und ein anderes Oberteil als weiße Bluse wohl nicht erwünscht ist). 

Ein erstes Feedback (was mir lerntechnisch wirklich tausendmal mehr gebracht hat als 3 Stunden in der AG zu sitzen) gab es bzgl. meiner ersten bearbeiteten Akte auch. Das meiste hat ihm gut gefallen, Fehler waren aber natürlich auch dabei (wie sollte es ja anders sein, ich bin ja auch noch dazu da um es zu (er)lernen und nicht weil ich die Aktenbearbeitung schon perfekt beherrsche). Im Großen und Ganzen war er aber sehr sehr zufrieden mit meiner Ausarbeitung und die Sachen die ich verbessern kann hat er mir auch sehr genau und vor allem auch gut verständlich erklärt, vor allem warum und wie ich dies oder jenes am besten anders machen sollte. Das hat mir wirklich sehr viel gebracht. Ich gehe davon aus, dass er mir diese Woche eine weitere Rückmeldung von der anderen Akte geben wird. :-) Diese Woche steht ansonsten der ganz normale Alltag an: den einen Tag ist AG, 2 Tage (davon ein Tag Verhandlungen) bin ich für jeweils ca. 3-4 Std beim Ausbilder (davor und danach werde ich mich mit Freunden treffen (Freizeit!!!), ggf. werde ich noch etwas im Lehrbuch rumlesen). Einen Tag gehe ich jobben, 2-3 Tage werde ich die neue Akte bearbeiten: Woche vorbei. 😀

Die erste Klausur haben wir letztens auch schon geschrieben. Es kam aber komplett etwas dran, das wir nichtmal im Ansatz bisher im Referendariat hatten und dementsprechend hatte das auch nichts mit “aus Fehlern lernt man” zu tun, sondern war einfach nur nervig und unsere ganze AG-Gruppe hat sich gedacht, dass man den Vormittag dann auch besser hätte gestalten können, z.B. mit einem ausgiebigem Frühstück anstatt 5 Stunden in dem Raum zu hocken und eine Klausur versuchen zu lösen, was einem nunmal gerade überhaupt nichts bringt weil man das ganze Gerüst dafür nichtmal hatte und jeder eh nur versucht hat sich irgendetwas irgendwie zurecht zu stockeln. Es war demnach richtig gut, dass keiner für die Klausur gelernt hatte (uns war nämlich schon klar, dass es eh nichts bringt) und dementsprechend hat jetzt auch so gut wie jeder eine “ist mir egal”-Haltung an den Tag gelegt, die nicht daraus resultiert, dass es einem wirklich so egal ist, aber halt einfach egal sein sollte, weil man weiß man kann’s halt auch nicht ändern.

Da die Notengebung in unserer Gruppe auch nicht soo der Hit (hier sind wir wieder bei der berühmten h.M.-Aussage “da gibt’s im Regelfall zweistellig”…ein Aktenvortrag vor kurzem bekam ein “ausreichend”) und es momentan auch nicht wirklich Spaß macht zur AG zu gehen weil der Ablauf an sich irgendwie nicht stimmig ist, macht man einfach das Beste draus, sieht zu, dass man dran bleibt und konzentriert sich verstärkt auf die praktische Arbeit, d.h. die Aktenbearbeitung beim Richter. Materiell-rechtlich fand ich die Klausur zwar ok, aber es fehlte halt die Kenntnis von der prozessualen Bearbeitung, die wir für die Bearbeitung dieser Klausur auch noch gar nicht haben können.

Von daher ist das schon etwas frustrierend und man ist auch sauer, dass dann so eine Klausur überhaupt gestellt wird, denn mit Übung hat das weniger zu tun. Ich lege einem Studenten im ersten Semester bei der Abschlussklausur ja auch keine Sachenrechtsklausur auf den Tisch und sage “hatteste zwar nicht, aber versuch mal, kannste ja nur draus lernen”. Das demotiviert doch total. Ich hätte es daher sinniger gefunden eine Klausur zu stellen, dessen prozessuale Aspekte wir zumindest auch schonmal behandelt haben und nicht etwas dranzunehmen, das im AG-Plan erst für übernächsten Monat angesetzt ist.

Ansonsten wollte ich demnächst einen Urlaubsantrag einreichen. Wir sollen ja verstärkt in den längeren Stationen Urlaub nehmen und da für mich ab August die Staatsanwaltschaftsstation ansteht und ab November die Verwaltungsstation, die beide mit je 3 Monaten recht kurz sind, wollte ich gerne schon einen Großteil des Urlaubs jetzt in der ersten Station auch nehmen (zumal jetzt der Sommer auch fast vor der Tür steht…da lohnt es sich besonders :-) ).

Zudem habe ich etwas rumgeguckt was die Planung der weiteren Stationen angeht. Bei der Verwaltungsstation habe ich letztens eine Anfrage gestellt: ich habe zuerst angerufen, die zuständige Person war allerdings nicht da und mir wurde die E-Mailadresse gegeben. Bisher habe ich noch keine Antwort erhlaten. Sollte sich bis Ende der Woche nichts tun werde ich dort noch einmal anrufen und nachhaken. Bezüglich der Anwaltsstation habe ich mir auch 2-3 Kanzleien rausgesucht die mich interessieren würden. Referendare werden laut Homepage auch genommen, die Bewerbung erfolgt vorzugsmäßig online. Ich habe letztens schon im Groben eine individuelle Bewerbung für meine “Wunschkanzlei” fertig gestellt, werde sie aber nochmal überarbeiten und dann diese Woche abschicken.

Das war es dann auch erstmal wieder aus dem – mehr oder weniger spannenden – Leben als Referendarin. 😉

Tanzt schön in den Mai. Man liest sich. :-)

Emily*

Der Artikel wurde am 1. Mai 2012 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.