Ich habe das Gefühl die Unterhaltsbeihilfe wird nach und nach überall erhöht (kürzlich ja in Hessen und Saarland) – nur Niedersachsen zieht da bisher nicht mit. 🙁 Dabei wäre es so langsam mal an der Zeit. Es ist nun schon eine gute Weile her, seit es hier eine Erhöhung gab… und billiger wird das Leben ja nun auch nicht. Wie ich meiner Januar-Abrechnung aber entnehmen musste, habe ich stattdessen ab diesen Monat sogar ein paar Cent weniger auf dem Konto. Grund ist eine Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge. 🙁 Es geht hier in Niedersachsen für die Referendare finanziell also nicht bergauf, sondern eher bergab. 🙁
Ansonsten bin ich in der Anwaltsstation angekommen. 🙂 Bei der Kanzlei war ich auch schon. Ich bin gespannt, wie es in den kommenden Monaten arbeitsmäßig ablaufen wird. Vor allem, wie ich mit den zugewiesenen Aufgaben klar komme und was ich konkret für Fälle bearbeiten werde. AG-mäßig findet in den ersten beiden Wochen erst einmal eine Einführungsphase statt. Diese Einführungsphase wird auch Blockphase genannt. Eine weitere Blockphase findet im dritten Ausbildungsmonat statt (das sind dann 3 Tage, an denen noch einmal verdichteter Unterricht abgehalten wird). Diese Einführungsphase ist seit der Verwaltungsstation – somit auch jetzt in der Anwaltsstation – je nach AG-Leiter wirklich sehr unterschiedlich ausgestaltet. Einige AG-Leiter machen es wirklich so wie der Name sagt: in einem Block eine vertiefte Einführungsphase, d.h. die ersten beiden Wochen an je ca. 3 Tagen AG und danach regulär einmal wöchentlich AG. Strukturiert, organisiert, da kann sich jeder drauf einstellen: wunderbar.
Seit der Verwaltungsstation ist es übrigens nicht mehr so wie in den ersten beiden Stationen bei der Justiz, dass man in der Einführungsphase vom Ausbilder „freigestellt“ ist und sich erst danach bei diesem blicken lässt. Man soll seit der Verwaltungsstation direkt ab Stationsbeginn schon zum Ausbilder. Eine richtig offizielle (und damit immerhin einheitliche und strukturierte) Einführungsphase gibt es nämlich nicht mehr. Das zeigt sich daher auch sehr schnell in der Organisation der AG. Manche AG-Leiter ziehen diese „Blockphase“ nämlich in einen seeeehr langen Block und schaffen es nicht zu Beginn der Station eine verdichtete Einführungsphase stattfinden zu lassen. So wird dann munter die erste Woche einmal AG gehalten, danach 2x, dann vielleicht wieder 1x, dann 3x…bis man die Termine und Themen die behandelt werden sollen irgendwie und irgendwann auch geschafft hat.
Ich bin ganz froh, dass mein AG-Leiter in der Anwaltsstation (und damals auch in der Verwaltungsstation) wirklich eine richtige Blockphase macht und gemacht hat. In den ersten beiden Wochen habe ich somit öfters AG, und danach regulär 1x/wöchentlich. Kollegen in anderen Arbeitsgemeinschaften sind hingegen wirklich Opfer von totalem Planungschaos. Die Termine, die eigentlich für diese Blockphase gedacht sind, ziehen sich über mehrere Wochen, ändern sich dann teilweise auch wieder wöchentlich und dem Ausbilder muss dann gesagt werden „also diese Woche kann ich dann und dann, nächste Woche an Tag x-y, aber danach die Woche wieder nur so und so“. Ein paar Tage später der Anruf „also jetzt hat es sich wieder geändert, jetzt habe ich an Tag x Zeit aber dafür nicht mehr an y-z.“ Etwas doof ist so eine langgezogene Einführungsphase insbesondere, weil man während dieser Zeit an sich Urlaubssperre hat. Wenn der AG-Leiter diese Einheiten, die zu Beginn der Station gedacht sind, über Wochen hinauszieht, heißt das nämlich de facto: immer wenn in der Woche so eine Einheit stattfindet, die eigentlich in der Einführungsphase behandelt werden sollte, kann man keinen Urlaub nehmen. Ein Kollege aus einer anderen AG kann damit praktisch den ganzen Februar keinen Urlaub nehmen, da er jede Woche 1-2 Einheiten aus der Einführungsphase hat und sich das ganze bei ihm bis Ende Februar/Anfang März hinzieht.
Daran sieht man auch, dass die AG-Leiter seit der Verwaltungsstation wirklich „freie Hand“ haben was die Planung der AG-Tage und Abläufe angeht. In einigen Arbeitsgemeinschaften geht es daher auch ziemlich chaotisch zu, weil es kaum einen Plan gibt (Plan sowohl im Sinne von schriftlich und organisatorisch 😉 ). Diese richtigen Einführungsphasen die wirklich durchorganisiert und geplant wurden wie in den ersten beiden Stationen bei der Justiz (da kann man wirklich nur sagen: ein Hoch auf die Justiz!), kann man seit der Verwaltungs-AG getrost vergessen…es steht quasi im Belieben des AG-Leiters wie er die AG gestaltet und zunächst wird erstmal die eigene Arbeit(sbelastung) in den Vordergrund gestellt und die AG dann daran angepasst. Das ist ja an sich auch legitim, aber manchmal geschieht das sehr zum Leidwesen der Referendare und nur eine AG abzuhalten um auf der Karriereleiter weiter nach oben zu klettern (wurde so vielfach offen dargelegt), aber an sich überhaupt keine Lust zu haben sich auf die AG vorzubereiten, den Referendaren auch mal was beizubringen: das finde ich dann doch bedenklich – und das ist wirklich reine Zeitverschwendung für alle Beteiligten, dann kann man es auch direkt sein lassen. In der Praxis heißt das nämlich: AG-Termine werden sehr oft hin- und hergeschoben und der AG-Plan gerne 5-10x während der Station geändert und/oder ganz über den Haufen geworfen…gut, manches lässt sich nicht vermeiden (Sachen wie Krankheit etc können ja auch passieren, da kann ja niemand was für). Aber in einer anderen AG fielen die Termine sehr gerne (teilweise ohne nachgeholt zu werden) – mehr oder weniger kurzfristig – ganz aus, weil der AG-Leiter einfach überhaupt keine Lust hatte. Einerseits Freude bei den Referendaren, denn die haben aus der AG eh nichts mitgenommen, aber es ärgert einen dann verständlicherweise doch sehr und man fragt sich, was das ganze überhaupt für einen Sinn hat. Bei mir bzw. meinen AG-Leitern hielt es sich (bisher!) zum Glück immer in Grenzen was Terminänderungen anging, Termine wurden auch immer nachgeholt und der Unterricht war vom Ablauf/Material wirklich sehr gut, aber von anderen Kollegen aus anderen Arbeitsgemeinschaften kriegt man da schon die reinsten Schauermärchen mit und man sieht: es kann auch anders laufen.
Das bringt mich auch zu einer kleinen Umfrage: Wie sind denn eure Arbeitsgemeinschaften und AG-Leiter? Seid ihr zufrieden und bringt es euch was daran teilzunehmen oder habt ihr das Gefühl eure Zeit abzusitzen weil man halt hin muss, aber die Zeit an sich viel sinnvoller (z.B. zum Lernen) investiert werden könnte? Freue mich über Kommentare (gerne natürlich auch zu anderen Themen oder falls ihr mal Fragen zum Referendariat habt die ich in einem kommenden Beitrag aufgreifen und etwas ausführlicher beantworten kann: immer her damit). 🙂
Soweit war es das also erstmal mit einer ersten kurzen Rückmeldung aus der letzten Station vor dem schriftlichen Examen. 🙂 Demnächst werde ich etwas genauer über den Ablauf beim Anwalt/Arbeitsgemeinschaft berichten. Bisher habe ich ja noch nicht viel erlebt, ich bin ja gerade mal ein paar Tage dabei. Gespannt bin ich zudem, ob die Anwalts-AG wirklich so überflüssig ist wie ich bisher vermehrt gehört habe. Man hört jeigentlich nur, dass die Arbeitsgemeinschaften ab der Verwaltungsstation wirklich schlimm und überflüssig sind und man seine Zeit einfach nur absitzt. In meiner Verwaltungsstation hatte ich ja echt Riesenglück mit meinem AG-Leiter, denn es war lerntechnisch echt gut was ich da gelernt habe (oder zumindest weiß was ich können müsste – die Klausuren laufen ja leider nicht so rund 😀 ). Aber in den anderen AG war es da teilweise wirklich grausig und ob die da nun in der AG saßen oder in China ein Sack Reis umfiel: das Ergebnis war das gleiche. 😉 Mal gucken ob ich in der Anwalts-AG auch Glück mit dem AG-Leiter habe und es zumindest keine Zeitverschwendung ist dort hinzufahren. Eine Gruppe an Kollegen, die einen Einstellungstermin vor mir mit dem Referendariat angefangen hat, konnte bisher auch nur schlechtes berichten: selbst wenn man einen Zettel mit seinem Namen abgeben würde bekäme man Minimum noch 6 Punkte auf die Klausur, ansonsten einfach alles im hohen zweistelligen Bereich – die Klausur wird teilweise nichtmal richtig gelesen. Freuen kann sich darüber aus der AG niemand, denn die Formalien und wie man solche Klausuren überhaupt schreibt, was rein muss etc: das haben sie bis heute nichtmal behandelt und da wundert es dann doch wirklich nicht, wenn im Examen die Klausuren schlecht ausfallen wenn man so darauf „vorbereitet“ wird. Der Unterricht besteht bei denen meistens daraus, dass der AG-Leiter Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Fachlich und thematisch kommt nicht wirklich viel bei rum. Einige Kollegen haben daher schon eine Krankheit entwickelt, die leider immer an AG-Tagen auftaucht. 😀 Ich kann das aber vollkommen nachvollziehen: das bringt ja wirklich nichts. Da bin ich ja sogar produktiver wenn ich die Wohnung Staubsauge und dabei im Regal dem Palandt einen kessen Blick zuwerfe. 😉 Ich werde zwar einen anderen AG-Leiter haben, aber falls der ähnlich sein sollte: ein paar Urlaubstage habe ich ja noch übrig. 😉
Man liest sich. 🙂
Eure Emily*







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