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  Ausgabe 43/2018
Dienstag, der 23.10.2018
     

 / Niedersachsen / Staatsexamen

Hipp, hipp, hurra! Die Ergebnisse sind da

von

3,5 Monate sind seit der letzten Examensklausur vergangen, bis es Anfang Februar soweit war und mich die Erinnerung wieder einholte: die Ergebnisse der Examensklausuren müssten bald eintreffen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Klausuren völlig verdrängt und mich nur der Wahlstation gewidmet. Als allerdings der Monat Februar näher rückte, kamen auch die ersten Nachrichten von Referendars-Kollegen, dass es jetzt „jeden Tag so weit sein könnte“ …ja…jeden Tag…den ganzen Monat hindurch. Niedersachsen hat es bis ins heutige Jahr 2014 leider nicht geschafft,  ein nervenberuhigenderes System für Referendare einzuführen wie es andere Bundesländer schon seit Jahren tun. Das galt schon für das 1. Examen…und so zieht es sich bis ins 2. Examen fort. So wissen wir in Niedersachsen überhaupt nicht, wann die Ergebnisse verschickt werden. Es kann sein, dass einige früher, andere später Post bekommen. Es gibt keine Liste, die an Tag X hochgeladen wird – wobei hierbei natürlich auch die Anspannung steigt und man wahrscheinlich die Nacht und insgesamt im Sekundentakt am PC sitzen und auf „Aktualisieren“ drücken wird. Aber immerhin weiß man, dass man an diesem Tag X Kenntnis darüber hat, ob man durchgefallen ist oder bestanden hat. In Niedersachsen jedoch: nichts dergleichen: kein Termin, keine Liste = völlige Ungewissheit. Man kann nur mutmaßen und jeden Tag panisch zum Briefkasten laufen oder bei jedem Klingeln an der Tür hochschrecken und hoffen, dass es eine Lieferung von Zalando ist die einem zum Schreien bringt und kein Einschreiben des Landesjustizprüfungsamtes. Das Anstarren des Briefkastens wie eine Katze seine Mittagsmaus blieb mir aufgrund meiner Auslandsabwesenheit glücklicherweise erspart. Ich war auf die Nachricht meiner Eltern angewiesen, die mir schnellstmöglich Bescheid geben sollten, wenn Post vom Landesjustizprüfungsamt im Briefkasten ist. Aus den vorherigen Durchgängen ließ sich leicht abzeichnen, dass die Briefe wohl direkt zum Monatsanfang verschickt werden…und so hofften meine Kollegen und ich, dass es auch diesmal der Fall sein wird, damit die Nerven nicht länger als nötig überstrapaziert werden.

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Die Wiederholer haben übrigens schon eher ihre Ergebnisse erhalten. Das Land möchte die Wiederholer so schnell wie nur möglich aus dem Durchgang – und damit auch aus der weiteren Zahlung der Unterhaltsbeihilfe – heraushaben. Dementsprechend bekamen die Wiederholer ihre Ergebnisse bereits Anfang-Mitte Januar (soviel also zur scheinbaren Anonymität) und hatten auch schon Ende Februar mündliche Prüfung. Im Februar lief für die „Normalschreiber“ noch die Wahlstation und die mündlichen Prüfungen sind im März. Anders als in manchen Bundesländern, in denen zwischen dem Ende der Wahlstation und dem Beginn des Prüfungsmonats noch ein „Lernmonat“ liegt, ist der Übergang zwischen Wahlstation und Prüfungsmonat in Niedersachsen übrigens fließend, d.h. der Wahlstationsmonat endet (bei mir am 28.02) und direkt am darauffolgenden Tag des nächsten Monats (also bei mir ab dem 01.03) beginnen die mündlichen Prüfungen.

Aber zurück zu den Klausurergebnissen: Gerüchte und Spekulationen wie man sie vom ersten Examen noch kennt („werden die Durchfaller zuerst benachrichtigt…gehen die Briefe alphabetisch raus…“etc.) gab es natürlich auch diesmal wieder zuhauf – nichts davon traf (wie immer) zu. Die Briefe (grau und normal wenn bestanden, ein gelbes Einschreiben wenn durchgefallen) wurden alle am selben Tag – und auch wie im vorherigen Durchgang in der ersten Woche des Monats – losgeschickt, so dass an Tag X dann jegliche Kommunikationsnetze – zu meiner Überraschung – nicht zusammenbrachen. 😀 Denn es begann ein irrsinniges Hin- und Hergetippe von Kollegen, die mitteilten, dass sie gerade ihre Ergebnisse bekommen haben und Fragen gestellt wurden wie „was hast du, was hat xyy“ über „haben alle aus der AG bestanden / kennst du wen der durchgefallen ist“…etc. Für die Referendare, die ihre Wahlstation im Ausland absolvierten, war es dabei aufgrund der Zeitumstellung nochmal anstrengender mitzuhalten. Bei mir klappte das noch ganz gut, weil ich der deutschen Zeit zwar ein paar Stunden voraus, es aber noch keine Schlafenszeit war und so starrte ich gebannt auf mein Handy und wartete auf eine Nachricht von meinen Eltern, dass ein Brief vom LJPA angekommen sei. Die Nachrichten der Kollegen machten mich dabei schon leicht kirre, da ich mit jedem Piepsen dachte „hah, das ist jetzt aber eine SMS von meinen Eltern…och nee, wieder nicht.“ 😀

Da der Postbote erfahrungsgemäß – und wenn er sich nicht ausgerechnet an diesem Tag das Bein brechen oder vom Hund gebissen werden sollte – bei meinen Eltern immer (vor)mittags die Post abliefert, sollte es also bei mir im Ausland (später) Nachmittag sein. Und wirklich…da kam sie…die Nachricht, dass ein Brief vom Landesjustizprüfungsamt angekommen ist. Die vorherige schlichte Instruktion an meine Eltern (schreibt nur eine SMS mit „grauer Brief“ (gut) oder „gelber Brief“ (schlecht) damit ich weiß worauf ich mich einstellen kann, ich rufe dann sowieso sofort an) wurde natürlich gekonnt ignoriert. Stattdessen kam als Nachricht „du hast Post vom Prüfungsamt“. Herrlich! Hektisch in die Tasten gehauen, dabei erstmal verwählt, weil ich vergessen habe die Deutschlandnummer vorweg zu wählen 😀 …und dann die Erlösung: es war ein grauer Brief…bestanden!!! Der Rest war mir dann auch erstmal ziemlich egal. Ich sackte jauchzend rückwärts aufs Sofa und strampelte in die Luft, wie ein Kleinkind das Luftfahrrad fährt: allerdings mit Tempo 180. Dann allerdings der Gedanke “oh je, hoffentlich liegt da nicht doch ein gelber Umschlag und meine Eltern haben gerade nur so ein 0815-Informationsschreiben aus der Referendarstelle vor sich was sie für die Ergebnisse halten.”
Also: Brief aufmachen…vorlesen…Name…passt…Klausuren…ok…ok….Gesamtpunktzahl…yes. Keine Glanzleistung in der Hinsicht, dass es schriftlich für ein Prädikat gereicht hat (wovon ich aber auch nicht ausging), aber: solide bestanden. Herrlich. Die Punkteverteilung ist für mich (und vielen Kollegen von ihren eigenen Klausuren, sowohl bei den positiven, als auch bei den negativen) zwar teilweise nicht nachvollziehbar, aber gut…mir war alles weitere erstmal egal. Ich wusste nunmehr, dass die juristische Ausbildung nach jahrelangem Studium, dem ersten Examen und zwei Jahren Referendariat mit im März abzuschließendem 2. Staatsexamen (anstatt dem Ergänzungsdienst und nochmaligem Schreiben) enden wird und ich bald „durch“ sein werde. Diese Gewissheit war ein grandioses Gefühl.

Jetzt nur noch die mündliche Prüfung über die Bühne bringen (die Ladung ist schon da) und dann war es das auch mit der Referendarszeit. Dies war somit wohl mein vorletzter Beitrag als Referendarin (einer folgt noch, in dem ich mein Fazit zu den Klausuren/Vorbereitung ziehe – ich habe die Beiträge nur gesplittet, da es sonst zu lang geworden wäre). Ich melde mich dann auch nochmal als Ass. Jur. / Volljuristin zurück und berichte von der mündlichen Prüfung. :-)

Drückt mir die Daumen!

Eure noch-Ref. Jur.

Emily*

Der Artikel wurde am 12. März 2014 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.