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REFNEWS
  Ausgabe 19/2026
Sonntag, der 10.05.2026
     

 / Anwaltsstation

Sexismus im Online-Lehrgang: „Mäuschen-Gate“ löst Empörung unter Referendaren aus

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Während eines Online-Einführungslehrgangs für die Anwaltsstation im Bezirk des Oberlandesgerichts München kam es Mitte April zu einem Eklat. Zwei als Ausbilder eingesetzte Anwälte versäumten es, ihre Mikrofone zu stummschalten, und lästerten während einer Übungspause vor rund 400 Zuhörenden über eine Kollegin. Sie bezeichneten Mitarbeiterinnen einer Gerichtsgeschäftsstelle mehrfach als „Mäuschen“ und behaupteten, die Frau arbeite vom Bett aus. Dies sorgte bei den teilnehmenden Referendarinnen und Referendaren für Entsetzen, zumal einer der Dozenten die Äußerungen nach Kritik zunächst bagatellisierte. Als er später versuchte, die Diskussion erneut aufzugreifen, hatte bereits etwa die Hälfte der Teilnehmenden das Meeting verlassen.

Wie jurios.de berichtet, handelte es sich bei der betroffenen Veranstaltung um einen Einführungslehrgang der Rechtsanwaltskammer (RAK) München. Als Reaktion wandten sich zahlreiche Teilnehmende an die Redaktion von Jurios, berichteten von einem „Armutszeugnis für die juristische Ausbildung“ und zitierten den Vorfall als Beispiel für mangelnde Sensibilität. Im Chat der Online-Veranstaltung forderten Arbeitsgemeinschaften des Landgerichts Augsburg und des Landgerichts München geschlossen zum Austritt auf. Im Netz verbreitete sich der Vorfall unter dem Hashtag „Mäuschen-Gate“, es entstanden Memes und Diskussionen über Sexismus und Kommunikationskultur in der juristischen Ausbildung.

Die RAK München reagierte am Folgetag mit einer schriftlichen Stellungnahme: Präsidentin Anne Riethmüller distanzierte sich klar von den Äußerungen und versicherte, man werde den Sachverhalt umfassend aufklären. Gleichbehandlung und Wertschätzung seien Grundpfeiler der Ausbildung, und sexistische Sprache sei mit dem Berufsbild nicht vereinbar. Das Oberlandesgericht München bat die Kammer, die Beschwerden zu prüfen und mögliche Konsequenzen zu ziehen.

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Der Vorfall löste eine überregionale Debatte aus. Viele junge Juristinnen und Juristen beklagen sich darüber, dass sexistisches Verhalten im Ausbildungsbetrieb kein Einzelfall sei. So berichtete ein Referendar aus Kiel, ein Oberstaatsanwalt habe in der Arbeitsgemeinschaft laut „Siri, du Schlampe“ gerufen und während einer Prüfungssimulation den Rock einer Kandidatin kommentiert. Die Ereignisse des „Mäuschen-Gate“ verdeutlichen, dass die juristische Ausbildung dringend klarere Regeln, Sensibilisierungs­maßnahmen und Vorbilder braucht, um Gleichberechtigung und Respekt zu fördern und ein professionelles Lernumfeld zu gewährleisten.

Zitierte Quellen des Textes:

jurios.de/2026/04/17/eklat-in-online-lehrgang-referendare-hoeren-sexistische-aeusserungen-von-ausbildern-mit/

Der Artikel wurde am 27. April 2026 von veröffentlicht. Marcus war Referendar am LG Dortmund in Nordrhein-Westfalen.