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  Ausgabe 34/2018
Montag, der 20.08.2018
     

 / Allgemein / Niedersachsen

Nebenjob im Referendariat: sinnvoll oder voll sinnlos? – Teil 1

von

Und hier ist der versprochene Beitrag nach der Weile der Abstinenz 😉 Ausgehend von eurem Feedback (danke schön nochmal für die Kommentare) wollte ich diesmal etwas genauer das Thema “für oder gegen” das Jobben neben Referendariat beleuchten. Es ist (leider? erfreulicherweise? man mag es sehen wie man will 😉 ) sehr sehr ausführlich geworden (die Finger flitzten irgendwann wie von selbst über die Tastatur 😀 ). Daher sind es zu diesem Thema gleich 2 Teile!

Voraussetzungen
Auch wenn ich es in einem früheren Beitrag schon einmal erwähnt habe, hier noch einmal kurz zu den Voraussetzungen: In Niedersachsen ist ein Nebenjob während des Referendariats anzeige- jedoch nicht genehmigungspflichtig. Sofern die Tätigkeit den Umfang von 32 Std/Monat nicht übersteigt stellt das Jobben für das OLG somit kein Problem dar. Wer einen Nebenjob als wissenschaftliche Hilfskraft hat, darf diese Stundenzahl sogar übersteigen und maximal 46 Std/Monat arbeiten.

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Vom OLG wurde darauf hingewiesen, dass das Referendariat Priorität haben muss und die Ausbilder melden sollen wenn die Leistungen nicht in Ordnung sind. Sollten die Noten also leiden, kann die Ausübung einer Nebentätigkeit untersagt werden. Ich persönlich habe jedoch noch nicht gehört, dass dies bei jemandem auch wirklich schonmal passiert ist. Ich weiß daher auch gar nicht wie “schlecht” die Leistungen sein müssen, damit die Nebentätigkeit untersagt wird und ob man dafür konstant mangelhafte Leistungen erbringen muss oder ob das theoretisch schon schneller ginge. Mir ist aber auch nicht bekannt, dass irgendein Referendar aus meinem Umfeld (einige sind ja schon etwas länger dabei) Noten in einem derart schlechten Bereich in häufigem Umfang oder generell bekommen hätte, dass es überhaupt jemals eine Thema gewesen wäre. Sollte man sich mal einen Ausrutscher erlauben, dürfte das i.d.R. ja noch in Ordnung sein, solange es nicht zur Regel wird. Zusammenfassend würde ich daher sagen: Wer jobben möchte, kann dies – zumindest theoretisch – auch tun. Es dürfte die absolute Ausnahme darstellen, dass jemandem das Jobben untersagt wird.

Arbeitsbelastung
Praktisch sieht das Ganze dann allerdings schon etwas anders aus. Zum einen stellt sich natürlich die Frage: wo möchte ich jobben? Zum anderen sollte man sich damit auseinandersetzen wann und ob es zeitlich überhaupt gut machbar ist.

Man sollte sich darüber bewusst sein, so schön das Jobben auch sein kann (ja, mir macht es z.B. wirklich Spaß und es ist nicht “nur” zum Geld verdienen da…wobei ich natürlich auch eingestehen muss, dass das zusätzliche Geld nicht unwichtig ist: für lau würde ich mir doch zweimal überlegen ob es das ganze wert ist 😉 ), dass natürlich auch Zeit verloren geht die man anderweitig nutzen könnte: sei es für das Referendariat oder als Freizeit. Da das Refgehalt allerdings nicht sehr üppig ist (ca. 880 € netto/Monat) und die wenigsten Referendare die Millionen auf dem Konto horten, stellt sich für viele die Frage “möchte ich jobben oder nicht” nicht großartig, sondern es empfiehlt sich schon aus Gründen der Lebensqualität (entweder, damit am Monatsende noch etwas Puffer auf dem Konto ist oder man sich – wenn man schon Urlaubsanspruch hat – diesen auch nutzen möchte um sich komplett zu erholen und wegzufliegen oder oder oder ).

Natürlich ist man mit 880 € nicht arm wie eine Kirchenmaus und man weiß, dass es – hoffentlich – nur für 2 Jahre ist und man dann endlich endlich richtiges Geld verdienen wird. Allerdings kann man eben auch keine großen Sprünge machen und ich kann demnach gut nachvollziehen, dass sich darum viele das Leben auch etwas angenehmer gestalten möchten. Man hat ja aufgrund des Studiums und je nachdem ob man zuvor vielleicht sogar noch eine Ausbildung gemacht hat, länger studiert hat o.ä. mittlerweile doch ein “gewisses” Alter erreicht. Da kann es schon etwas frustrieren, dass man zwar sein 1. Staatsexamen in der Tasche hat, aber 2 weitere Jahre mit mehr oder weniger ausreichendem Geld auskommen muss. Dass das Refgehalt keine Übernachtungen im 5-Sterne-Hotel ermöglicht (und wenn dann höchstens 2-3 Nächte und den Rest des Monats sucht man dann die nächste Brücke auf 😉 ) wusste man zwar auch vorher und ist nun keine wirklich überraschende Erkenntnis, aber: man muss sich ja nicht mit allem so einfach abfinden, sondern kann es auch produktiv angehen und daran etwas ändern…also warum dann nicht jobben. :-)

Neben dem Jobben besteht natürlich noch die Möglichkeit sich einfach nochmal etwas einzuschränken (es ist jedenfalls nicht unmöglich) oder sich von den Eltern etc. unterstützen zu lassen (sofern diese es denn finanziell können/wollen). Letzteres käme für mich allerdings nicht in Frage, da würde ich mir irgendwie doch sehr blöd vorkommen und ich denke es ist auch eine Frage der Reife 😀 mit dem zur Verfügung stehenden Geld richtig zu haushalten. Sollte sich die Lage unerwartet mal derart zuspitzen dass nichts mehr geht, dann weiß ich, dass ich mich auf meine Eltern verlassen könnte…aber sie schon regulär in Anspruch zu nehmen, dass muss meines Erachtens als Referendar nicht sein. Es mag bequemer sein und ich verurteile auch niemanden der es so regelt, aber irgendwann möchte man denke ich doch auch einmal komplett unabhängig sein….und so weit, dass man unter der Brücke schlafen muss oder sich eine Woche nur von Brot und Wasser ernährt kommt es dann ja doch nicht (es sei denn man haut das Geld wie gesagt für 2-3 Nächte im 5-Sterne-Hotel auf den Kopf, dann ist natürlich wirklich nichts mehr übrig). 😉

Beachten sollten man jedoch, dass diese Zeit die einem für das Jobben verloren geht praktisch einen Tag pro Woche ausmacht (gehen wir mal von den erlaubten 32 std/Monat = 8 Stunden/Woche aus) und es wie vor dem ersten Examen ist: die einen lernen schneller, die anderen brauchen etwas länger, die einen müssen mehr nachlesen, den anderen reicht ein kurzes Skript dazu. Ich habe, bis ich selbst mit dem Ref angefangen habe, stets gehört “ach, gerade die erste Zeit ist jobben locker möglich, da haste ja kaum was zu tun”. Ich muss für mich sagen: diese Vorhersage hat sich nicht bewährt.

Ich weiß nicht, ob es einfach wirklich total unterschiedlich ist und andere nur mehr “Glück” haben (ich habe das nämlich schon so als absolut herrschende Meinung aufgrund diverser Foren etc wahrgenommen) oder ob ich einfach arge Probleme mit dem Referendariat habe und es daher alles stressiger ist als ich erwartet habe. Die AG ist jetzt ja nur noch einmal die Woche, aber man will ja auch Dinge mal in Ruhe und effektiv nacharbeiten. Mein Ausbilder am Arbeitsplatz ist sehr nett und die Akten zu bearbeiten macht Spaß, aber es ist halt doch sehr zeitintensiv. Vielleicht entzerrt sich das ganze in der Folgezeit etwas, weil man mehr und mehr reinkommt und auch die Aktenbearbeitung flotter von der Hand gehen wird. Fakt ist aber: Gerade der erste Monat im Referendariat war wegen dem Einführungslehrgang, den Hausaufgaben und der Proberelation sehr vollgestopft.

Zudem haben und bekommen wir auch immer noch Hausaufgaben in der Arbeitsgemeinschaft auf die regelmäßig eingesammelt und bewertet werden. Ich habe einen Tag pro Woche AG. 2 Tage die Woche bin ich bei meinem Richter. Dafür geht zwar jeweils nie der ganze Tag drauf, aber trotzdem fällt es mir an diesen “angebrochenen” Tagen (zeitlich) extrem schwer, danach oder davor produktiv zu arbeiten weil die Zeiten komplett den Tag auseinander reißen und meist direkt um die Mittagszeit herum beginnen und dann bis in den Nachmittag hinein ragen. Den Anfahrtsweg muss man ja auch nochmal einkalkulieren und effektiv verlasse ich am AG-Tag gegen 11:45h das Haus (manchmal auch schon gegen 9:00h wenn ich vor der AG noch bei meinem Richter vorbeigehe zu einer kurzen Besprechung oder um Akten abzugeben/neue abzuholen) und bin dann gegen 17:30 wieder zu Hause. Der Tag ist also somit wirklich gelaufen. Ich schaffe es nicht und habe auch einfach keine großartige Motivation mich an diesem Tag davor oder danach nochmal an den Schreibtisch zu setzen und irgendetwas juristisches zu machen. Wenn ich eine Akte für meinen Richter bearbeite, dann mache ich das gerne auch einige Stunden am Stück. Es dauert ja auch eine Weile bis man richtig in die Materie reinkommt. Umso nerviger ist es dann, wenn man gerade 1-2 Std dran sitzt und dann eh wieder alle Zelte abbrechen muss weil man los muss zur AG. Praktisch mache ich also an dem Vormittag nichts, außer – wenn überhaupt – mir die Unterlagen für die AG anzugucken bzw. vereinzelte Stellen im Lehrbuch nachzulesen (ist aber eher die Ausnahme als die Regel, meistens dümpel ich den Vormittag irgendwie anders rum und sei es dass ich plötzlich ungeheure Lust verspüre Staub zu wischen 😀 😉 ).

Ich habe das Gefühl die Zeit rennt irgendwie nur so davon und morgen ist die erste Station schon vorbei. Es ist irgendwie unglaublich, dass ich mich schon fast 2 Monate im Referendariat befinde. Neben der AG, habe ich dann die Hausaufgaben für die AG auf die gemacht werden müssen und bearbeite i.d.R. eine Akte/Woche. Für die Aktenbearbeitung gehen 2 Tage, manchmal auch 3 Tage/Woche drauf und da auch wirklich ein Tag, d.h. zwar nicht 24 Stunden aber schon 8-9 Stunden/Tag. Ich fange an diesen Tagen meist so gegen 9/10h an und höre dann irgendwann zwischen 17 und 19h auf. Man muss kein Mathegenie sein, um zu sehen, dass das Referendariat mich somit schon 5 Tage/Woche einspannt. Das ist ja auch in Ordnung, es ist ja quasi mein “Hauptjob” und mit der Aktenbearbeitung hoffe ich, dass sich das mit der Zeit einpendelt und schneller geht, so dass ich “nur” noch 1,5 Tage/Akte brauche anstatt wie jetzt bei meinen ersten beiden Akten 2-3 ganze Tage pro Akte. Es ist auch nicht so, dass ich am hin- und herhetzen bin. Wenn mein Beitrag diesen Eindruck vermittelt, dann ist das nicht richtig. Ich bin nicht im Megastress (ich schlendere auch immer ziemlich gemütlich von der Haltestelle nach Hause und sprinte nicht direkt heim 😀 ), aber ich will einmal verdeutlichen, dass es – jedenfalls für mich – eben nicht so locker-flockig ist, wie mir anfangs vor allem aus dem Internet suggeriert wurde und ich vor Freizeit nicht wüßte wohin mit meiner Zeit.

Um nebenbei das Jobben unter Dach und Fach zu kriegen kommt es meines Erachtens somit auch stark darauf an, wie der Nebenjob zeitlich ausgestaltet ist. So kann es für den einen besser sein direkt im Anschluss an einen AG-Tag noch 2-4 Stunden zu jobben oder sich aber einen kompletten Tag pro Woche nur für den Nebenjob freizuhalten. Das hängt natürlich auch vom Arbeitgeber ab und wie flexibel der mit den Arbeitstagen/-zeiten ist.

Soviel zum Thema Nebenjob im 1. Teil. Im zweiten Beitrag dazu geht es dann darum, wo man als Jurist nebenbei arbeiten kann und ob sich dies wirklich “lohnt”.

Eure Emily*

Der Artikel wurde am 25. April 2012 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.