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  Ausgabe 43/2018
Dienstag, der 23.10.2018
     

 / Niedersachsen / Vor dem Referendariat

Adieu Studium, hallo Referendariat

von

Hallo erstmal und ein frohes 2012,

ich hoffe ihr seid gut in ein – hoffentlich erfolgreiches – neues Jahr gestartet. Ich persönlich bin schon sehr gespannt was 2012 mir bringen wird. 2011 war für mich schon ein kleines Highlight, denn ich habe dem Studium der Rechtswissenschaften kämpferisch und siegeswillig in die Augen geblickt und im Herbst 2011 dann auch erfolgreich das erste Examen abgelegt. Das war ein totaler Triumph für mich und die gefühlte Last eines 40 Tonnen-LKWs ist mir von den Schultern gefallen. Die Gewissheit, dass sich das jahrelange studieren und die Examensvorbereitung auch wirklich ausgezahlt hat und mit einem Abschluss belohnt wird und das Gefühl, als das Zeugnis endlich da war, war schon richtig toll. Meine nächste Etappe ist somit das Referendariat (dem ich bisher, jedenfalls rein vom Gefühlten her, noch recht entspannt entgegensehe…es kann aber auch daran liegen dass ich insgesamt gerade einfach sehr entspannt bin weil ich schon seit Wochen keinerlei großartigen Stress habe :-D).

Wann und wo?
In Niedersachsen beginnt das Referendariat jeweils zum 1.3/1.6/1.9 und 1.12 eines Jahres. Bewerben kann man sich frühestens 5 (und spätestens 2) Monate vor dem gewünschten Einstellungstermin. In den letzten Durchgängen gab es angeblich keine Wartezeit, d.h. jeder Bewerber hat einen Platz bekommen (wenn auch nicht dort wo er vielleicht gerne hinwollte).

Leider habe ich es wegen der einzuhaltenden Fristen nicht mehr geschafft das Referendariat noch direkt zum 1.12.11 zu beginnen und so habe ich mich nun zum 01.03.12 für das Referendariat in Niedersachsen beworben.

Zum Bewerbungsverfahren selbst finden sich alle Informationen über die benötigten Unterlagen und den (Bewerbungs-)Ablauf auf der Seite vom Niedersächsischen Justizministerium oder auch komprimiert, aber sehr informativ, zusammengefasst (inkl. Informationen zur Aufteilung der Stationen, Höhe der Unterhaltsbeihilfe, Anzahl der Klausuren im 2. Examen, Quoten der Prädikatsexamina oder die Durchfallquote (das Wort find ich jedesmal grausam wenn ich es tippe)  auf www.juristenkoffer.de. Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Anforderungen und Abläufe im Referendariat in den verschiedenen Bundesländern verschaffen und diese miteinander vergleichen möchte, dem kann ich die Seite nur wärmstens empfehlen.

Nachdem ich mein Studium schon in Niedersachsen absolviert hatte war ich zunächst am Überlegen das Referendariat vielleicht in einem anderen Bundesland zu beginnen, habe mich dann aber doch recht zügig von diesem Gedanken verabschiedet nachdem ich einige Sachen wie Anzahl /Art der Klausuren, Höhe der Unterhaltsbeihilfe etc. diverser Bundesländer grob miteinander verglichen habe.

Der Grund weswegen ich auch weiterhin Niedersachsen treu bleibe war nicht der, dass ich die Gestaltung des Referendariats in anderen Bundesländern weniger überzeugend fand…ich konnte vielmehr nichts negatives daran sehen das Referendariat (was mit seiner Dauer von 2 Jahren auch einen sehr überschaubaren Zeitraum liefert) nicht einfach noch in Niedersachsen abzuleisten. Einige Überlegungen dazu waren:

Landesgesetze/ Verbesserungsversuch/ Länge des Referendariats:
 Zum Einen habe ich Verwaltungsrecht BT schon mit den niedersächsischen Normen gepaukt (gut, das Umgewöhnen der Paragraphen ist nun kein derart großes K.O.-Kriterium). Aber mir gefiel auch die Möglichkeit des Verbesserungsversuchs der in Niedersachsen vor nicht allzu langer Zeit eingeführt wurde, sowie die Tatsache, dass es eben nur ein recht kurzer Zeitraum ist und ich sowieso am Überlegen bin die ein oder andere Station woanders zu belegen (dazu später noch einmal mehr wenn sich die momentanen Pläne dann auch wirklich etwas mehr verdichtet haben…bevor ich da näher plane muss ich erstmal die Zusage für das Referendariat in der Tasche haben ;-)). Die Zeit im Referendariat wird aber sowieso sehr schnell vorbeiziehen: Die Examensklausuren finden für mich ja schon im Oktober 2013 statt (erschreckend wenn ich bedenke das wir jetzt schon Januar 2012 haben, ich noch nicht einmal im Referendariat stecke, aber dennoch Oktober 2013 als Examenstermin schon so nah erscheint :-/ ).

Unterhaltsbeihilfe:
Auch die Höhe der Unterhaltsbeihilfe, die ja überall in Deutschland nicht sooo der Hit ist (wenn man es als reine Ausbildungsvergütung ansieht – immerhin stehen wir ja in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis – dann ist es zwar schon gut. Aber wenn man bedenkt das man schon ein abgeschlossenes Studium hat so ist es dann doch nicht der große Gewinn mit Mitte 20 weitere 2 Jahre von momentan ca. 860 € netto zu leben, wobei es einem natürlich freisteht nebenbei noch zu jobben (was ich – zumindest anfangs – auch weiterhin vorhabe…mit fortschreitender Zeit und dem näherrückenden Examen wird das wohl aber eher schwieriger zu bewerkstelligen sein…noch schwieriger wenn man, wie ich, sowieso gerne 1-2 Stationen auch noch woanders (ggf. sogar im Ausland) absolvieren möchte).. Ich bin gespannt wie/ob sich das ganze vereinbaren lässt und wie sich diese “Doppelbelastung” (Referendariat und Jobben) überhaupt miteinander vertragen wird. Zumindest in den ersten Stationen scheint, so jedenfalls die einhellige Meinung anderer Referendare die ich gesprochen habe, das jobben neben dem Referendariat noch (zeitlich) gut zu bewerkstelligen sein…ich bin gespannt).

Freund(e)/ Familie
Größtes Argument für Niedersachsen war aber, dass ich wahrscheinlich eh die meisten Wochenenden wieder nach Niedersachsen fahren würde um Freunde – und vor allem meinen Freund – zu besuchen. Von daher kann ein Bundeslandwechsel (sofern er denn überhaupt stattfindet, denn eigentlich mag ich Niedersachsen sehr gerne :-)) dann auch bis zum richtigen Berufsstart warten. Die Städte die mich sonst interessiert hätten, wie z.B. Hamburg, haben zudem extrem lange Wartezeiten (es sei denn man hat ein extrem gutes Examen oder schon einige Wartepunkte). Und so habe ich mir gedacht: wenn es mich im Referendariat dann noch nach Hamburg o.ä. ziehen sollte hindert mich ja nichts daran mir eine Station in dieser Stadt zu suchen. Aber für das Projekt „Referendariat“ insgesamt schien für mich Niedersachsen dann doch die sinnvollste Lösung – zumal (auch wenn ich mir eine Bahncard50 zulegen würde – die man als Referendar übrigens ermäßigt erhalten kann – ich es schon widersinnig gefunden hätte in ein anderes Bundesland zu ziehen (und die Unterhaltsbeihilfe ist nun nirgendwo sooo derartig berauschend das es sich richtig lohnen würde allein deswegen zu wechseln) um dann fast einen nicht beträchtlichen Teil der Unterhaltsbeihilfe für die Fahrtkosten an Wochenenden, weil ich dann sowieso nach Niedersachsen fahren würde, wieder auszugeben.

Warten auf die Zusage:
Meine Bewerbung habe ich Ende November 2011 abgeschickt und kurze Zeit später auch die schriftliche Bestätigung bekommen das meine Bewerbungsunterlagen eingegangen sind. Und so warte ich nun gespannt auf Nachricht vom OLG wo es für mich ab dem 01.03 hingeht. Die Bewerbungsfrist ist mittlerweile abgelaufen, so dass der oder die Bearbeiter/in beim OLG jetzt eigentlich „nur“ noch die eingegangenen Bewerbungen nach Noten sortieren muss und die Zusagen rausschicken kann. Aufgrund meiner Note im ersten Examen gehe ich eigentlich (ohne dass das jetzt eingebildet klingen soll) und dadurch dass Niedersachsen eben gerade nicht Hamburg oder Berlin ist, von einer Zusage aus. In einem Juraforum habe ich gelesen, dass die Zu-/Absagen für den Referendariatsbeginn 01.03 letztes Jahr (also 2011…lang lang ist’s her ;-)) um den 10. Januar verschickt wurden. Ich hoffe, dass es dieses Jahr ähnlich ist.
Das Warten ist für mich gerade ähnlich zerrend wie das Warten auf die Noten vom ersten Examen (na gut, etwas weniger aufregend, aber letztlich doch schon kribbelnd, denn ich möchte unbedingt wissen wo ich anfangen werde – auch damit man das ganze drumherum (ggf. Umzug etc.) planen kann). Insgesamt finde ich es schon sehr aufregend, dass endlich dieser Abschnitt „Studium“ wirklich komplett vorbei ist und es nun in die letzte Runde, die – mehr oder weniger – Praxis geht…woran anknüpfend dann ja „schon“ der Sprung ins kalte Wasser aka „die richtige Arbeitswelt“ folgt. Ich bin auch echt froh, dass endlich ein Ende in Sicht ist…also momentan bin ich, wie man vielleicht merkt, noch echt guter Dinge und freue mich auf das Referendariat – diese anfängliche Euphorie kann sich bei mir aber schnell ändern. 😉

Gute Vorsätze und Vorbereitungen:
Ich muss zugeben, ich habe, pünktlich zum Jahresstart, auch einige gute Vorsätze gefasst. Und zwar nicht nur für 2012 allgemein und in privater Hinsicht, sondern auch für das Referendariat. Da ich mir eigentlich jedes Jahr gute Vorsätze gebe (aber sie eigentlich nie einhalte), wäre es jedoch nicht überraschend wenn ich sie auch diesmal nicht einhalten werde. Aber wenn ich es nicht jedenfalls zumindest probiere und angehe dann kann es ja schonmal von vornherein nichts werden…und somit stirbt die Hoffnung zuletzt. :-) Einer der Vorsätze war dann auch beim Referendariat von Anfang an gut mitzuarbeiten und es nicht schleifen zu lassen – um dann wenige Monate vor dem Examen den totalen Dauerstress zu haben weil ich noch gar nicht großartig gelernt habe. Mal gucken wie es so laufen wird. Motiviert bin ich….noch…es kann aber auch sein, dass es schnell wieder in das Gegenteil ausschlägt und ich mich nach Urlaub und Ruhe und Entspannung sehne und alles wieder aufschiebe und mir sage „ach, § xyz in der ZPO guckst du dir am Wochenende an“ … und mir am Wochenende dann auffällt dass un-be-dingt und ohne weiteren Aufschub(!!!) ganz plötzlich Staub gewischt werden muss 😀 

Ansonsten habe ich aber noch keinerlei „Vorbereitungen“ für das Referendariat getroffen. Zu Weihnachten habe ich zwar von meinen Eltern schon Kaiser-Skripte bekommen. Dazu jedoch zur Klarstellung: Es ist nicht so das ich total Jura-vernarrt bin (es gefällt mir, natürlich: sonst hätte ich es ja nie studiert) aber ich werde sie nicht schon vor dem Referendariat verschlingen. Ich habe in der Bibliothek schonmal einen Blick reingeworfen und mich auch bei Bekannten, die mitten im Referendariat sind oder es sogar schon absolviert haben, erkundigt, was denn so an Materialien/Skripten/Büchern empfehlenswert ist und neben diversen Autoren die genannt wurden fiel dann zu 99% auch immer das Wort „Kaiser-Skripte“. Da ich zu Weihnachten eh keine großartigen Ideen hatte und der Weihnachtszauber auch seinen Reiz verloren hat seit ich weiß das es den Weihnachtsmann nicht mehr gibt (was allerdings auch schon ein paar Jahre her ist…diese Entdeckung habe ich nicht erst vor kurzem gemacht ;-)), habe ich mir dann auch schonmal ein Kaiserskript für die erste Station (also im Bereich Zivilrecht) gewünscht.

Ich muss aber sagen: direkt an Heiligabend habe ich mich ja schon etwas selbst bedauert dass ich mir juristisches Material zum Weihnachtsfest gewünscht und auch bekommen habe während alle anderen irgendwelche mehr oder minder brauchbaren Dinge für die pure Freizeit auspackten und sich daran erfreuten. Ich fand meinen Wunsch zwar einerseits sinnvoll und brauchbar, andererseits aber auch irgendwie doch ziemlich deprimierend. 😀

Reingeguckt habe ich bisher nur am Weihnachtsabend 5 Sekunden nach dem Auspacken und ich denke auch nicht, dass ich schon vor Beginn des Referendariats irgendwie damit arbeiten werde…aber was man hat hat man, denn insbesondere Bücherkosten können sich doch ganz schön summieren.

Ansonsten habe ich mir vor kurzem erstmal ein paar Blusen und schwarze Hosen geholt. Ich bin eher der Sneaker-Jeans-Typ und leider kommt das bei den meisten Stationen ja nicht so gut an…die Garderobe brauchte also etwas Nachschub wenn ich nicht jeden Tag in den gleichen Klamotten auftauchen will.

Ein Ausblick in die nahe Zukunft:
Große Erwartungen habe ich eigentlich nicht an das Referendariat. In erster Linie möchte ich ganz gerne Einblicke bekommen die ich möglicherweise später nicht nochmal erhalten werde oder kann. So bin ich (das ist aber nur ein grober Plan bisher) am Überlegen die Verwaltungs- oder Wahlstation eventuell beim Auswärtigen Amt zu belegen. Ich habe schon mehrere Erfahrungsberichte von Referendaren dazu gelesen und denke eigentlich das die Einblicke ganz interessant sein können und ich gehe davon aus, das ich später zu 99% wohl nicht mehr die Gelegenheit haben werde in diesen Bereich einmal hineinzuschnuppern.

Insgesamt sehe ich das Referendariat auch als Möglichkeit an zwei tolle, erfahrungsreiche Jahre (wäre da nicht das vermaledeite Examen ;-)) zu verbringen und mehr oder weniger auch mit gewissem Einfluss selbst zu meinem Nutzen zu gestalten. Ich möchte auf keinen Fall die Stationen einfach nur „absitzen“. Ich möchte schon zusehen, dass ich auch etwas für mich und meinen weiteren Werdegang aus dem Referendariat mitnehme (sowohl positiv als auch negativ) und das mir selbst vielleicht auch klarer wird was ich eigentlich später machen möchte – das ist nämlich nach wie vor ein großes Fragezeichen (das Problem dabei ist jedoch nicht das ich gar keine Ahnung habe was mich interessiert und mir nichts Spaß macht, sondern vielmehr – ganz im Gegenteil – das ich mir einfach sehr viel vorstellen kann weil mich sehr viel interessiert und ich auch noch viele Bereiche interessant finde in die ich – zumindest bisher – noch gar keine Möglichkeit hatte vertiefte Einblicke zu bekommen). 

Ich hoffe, dass mir das Referendariat in dieser Hinsicht vielleicht auch die ein oder andere Frage beantwortet und mir zeigt was mir in der Praxis prinzipiell Spaß macht (oder Spaß machen könnte: vielleicht sogar ein Gebiet was ich vom momentanen Standpunkt jetzt nichtmal im Geringsten vermuten würde), so dass sich auch mein zukünftiges Berufsgebiet/-wunsch etwas mehr konkretisieren wird.

Zu guter Letzt: Was mache ich hier eigentlich?
Die Frage aller Fragen nach diesem halben Beststeller: Warum schreibe ich eigentlich diesen Blog ? Nunja, zum Einen schreibe ich sehr gerne (und wie man vielleicht merkt auch gerne viel 😐 ). Das war schon früher so mit Kurzgeschichten, Tagebuch etc. Durch Zufall habe ich gelesen, dass für Refblogs noch Autoren gesucht werden die über ihr Leben vor/im/nach dem Referendariat berichten  möchten und habe mir gedacht „das könnte was für mich sein.“ Und tadaa: hier ist es also. :-) Mit diesem Blog möchte ich über meinen zukünftiges Leben als Referendarin berichten und vielleicht sogar den ein oder anderen nützlichen Tipp an zukünftige Referendare geben oder Fehler, die ich während des Referendariats sicher machen werde und die man vielleicht vermeiden kann und sollte, mitteilen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auch über jegliches Feedback/Anregungen/Kommentare oder auch den Austausch mit anderen Referendaren. :-)

Ich verabschiede mich nun erstmal und wünsche euch noch einen schönen Tag…man liest sich. :-)

Emily*

Der Artikel wurde am 2. Januar 2012 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.