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  Ausgabe 38/2018
Freitag, der 21.09.2018
     

 / Staatsexamen

Schlechtere Noten für Frauen und Migranten

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Das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gab eine Studie in Auftrag, die die Notenvergabe von rund 20.000 Juristen, welche ihr erstes und zweites Staatsexamen zwischen 2006 und 2016 in NRW ablegten, untersuchten. Hintergrund ist eine Studie von 2014, die Benotungsunterschiede je nach Geschlecht und Herkunft feststellte. Die Autoren Andreas Glöckner von der Fernuniversität Hagen, Emanuel Towfigh von der EBS Universität Law School und Christian Traxler von der Hertie School of Governance bestätigen in ihrer nun erneuten Studie diese Ergebnisse. 

Das Prädikatsexamen, also ein Punktwert von mindestens 9 Punkten, ist für eine spätere erfolgreiche Karriere fast unabdingbar. Doch besteht hier ein großer Geschlechterunterschied. Frauen erreichen diese Schwelle um ganze 12% weniger als Männer, Migranten sogar um 70%! Das betrifft auch in Deutschland geborene Prüflinge, die einen fremdsprachigen Namen haben.

Insgesamt schneiden Frauen im ersten Examen um 0,29 Punkte und im zweiten um 0,14 Punkte schlechter ab. Bei Migranten sind es 1,42 Punkte im ersten und 1,31 Punkte im zweiten juristischen Staatsexamen.

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Deuten diese Ergebnisse auf eine Form der Diskriminierung hin? Erklären kann die Studie dieses Resultat nicht. Können Frauen zum Beispiel mit Stresssituationen schlechter umgehen? Oder schneiden Migranten aufgrund von Sprachdefiziten schlechter ab? Man weiß es nicht. Was jedoch auffällt ist, dass bei dem Geschlechtereffekt die Zusammensetzung der Prüfungskommission bei der mündlichen Prüfung eine Rolle spielt. Verglichen wurden die Ergebnisse von Prüflingen, die im schriftlichen Teil die gleiche Klausurnote erhielten. Besteht die dreiköpfige Kommission nur aus Männern, sinkt für Frauen die Aussicht um 2,3 Prozentpunkte, die nächsthöhere Notenschwelle zu erreichen. An den Schwellen zu 9,0 und 11,5 Punkten sind es sogar 6%. Befindet sich aber zumindest eine Frau in der Kommission, ist die Chance für Frauen und Männer gleich. Der Autor Christian Traxler sagt hierzu: “Das ist bemerkenswert, weil sich für diesen Befund praktisch keine Erklärung denken lässt, die auf sachliche Beurteilungskriterien zurückgeht.” So plädieren die Studienautoren für die Teilnahme von Prüferinnen, damit eine geschlechtsneutrale Beurteilung gewährleistet ist.

Der Artikel wurde am 9. Mai 2018 von veröffentlicht.