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  Ausgabe 43/2018
Dienstag, der 23.10.2018
     

 / Ausland

Auf nach Südafrika

von

Let the LL.M.-year begin! 

Mein letzter Beitrag ist zwar schon fast zwei Monate her, aber in der Zwischenzeit ist auch nicht mehr wirklich viel passiert. Der wichtigste Posten war neben der Unizusage natürlich das Visum und das zu bekommen hat (wie ich im vorherigen Beitrag ausführlich berichtet habe) ja wirklich reibungslos und sehr schnell funktioniert. :-) Den Flug habe ich kurz nach Erhalt des Visums fest gebucht und die weiteren Dinge, wie die Untervermietung meiner Wohnung, auch recht schnell regeln können. Ich muss in meiner Wohnung zwar noch einige Sachen wegräumen und der Koffer für Südafrika muss auch noch gepackt werden, aber größere oder wichtige Dinge die noch zu erledigen wären stehen schon seit einiger Zeit nicht mehr an. Selbst das obligatorische „nochmal schnell den Zahnarzt die Beißerchen angucken lassen“ habe ich bereits erledigt. 😉 Gepäckmäßig darf ich einen Koffer mit maximal 30 kg (+ Handgepäck) mitnehmen. Das klingt vielleicht erst einmal viel. Wenn man jedoch bedenkt, dass ich für 1 Jahr weggehe und nicht nur in den Urlaub fliege, ist es dann doch nicht sooo viel Gepäck; zumal ich ja nun auch Dinge mitnehme, die ich für einen 2-wöchigen Urlaubsausflug eher zuhause lassen würde. Packen tue ich in gewohnter Manier, d.h. last minute einen Tag vor Abflug. 😀 Vorpacken oder sich eine Packliste machen ist irgendwie überhaupt nicht meins. Koffer auf und was reinpasst kommt mit und was nicht mehr reinpasst bleibt zuhause. :-) So habe ich es bisher immer gehandhabt und bin damit auch gut gefahren – und solange ich die wichtigen Unterlagen und relevante Dokumente dabei habe ist ja sowieso alles in Ordnung. Da ich nicht abseits jeglicher Zivilisation leben werde sehe ich es auch nicht als tragisch an, wenn ich irgendwelche Kleinigkeiten vergessen sollte. Die kaufe ich dann ggf. in einem Geschäft vor Ort – was ich bei vielen Dingen (wie Zahnpasta, Shampoo, Duschgel…) sowieso machen werde. Davon nehme ich nämlich nur kleine Proben mit und werde mich dann nach Ankunft (nicht sofort, aber wohl am nächsten Tag) damit eindecken. Sowas aus Deutschland mitzunehmen wäre die reinste Gepäckverschwendung – denn die 30 kg werde ich sicher auch so ohne Probleme vollbekommen. 😉

Vorfreude? Aufregung? Hmmm, Gefühlslage = 0
Von vielen Seiten werde ich gefragt, ob ich denn schon aufgeregt sei….und erstaunlicherweise muss ich sagen: nein, überhaupt nicht. Ich weiß nicht woran es liegt: vielleicht daran, dass ich nun schon öfter für einige Zeit im Ausland war oder daran, dass es jetzt so völlig „befreit“ erfolgt?! Sonst folgte direkt nach der Rückkehr ja immer der normale Alltagsablauf, der für die Auslandszeit nur unterbrochen wurde und es ging immer direkt weiter mit Lernerei oder Prüfungen. Der Plan, was nach dem Auslandsaufenthalt folgt, stand bisher immer schon vor dem Auslandsaufenthalt fest. Diesmal erwartet mich bei Rückkehr bisher aber nichts konkretes und ich habe keine Ahnung wie es danach weitergehen wird. Das Referendariat habe ich bereits hinter mir. Zurück in Deutschland folgt nächsten Sommer die Jobsuche, die bisher aber noch völlig offen und ja auch noch einige Zeit hin ist, so dass ich da weder Druck verspüre noch gedanklich mir einen konkreten „Plan“ zurechtlege. Klar, ich werde mich bewerben…aber wie schnell ich dann etwas passendes finden werde und in welchem Bereich: das ist halt noch völlig offen und zum jetzigen Zeitpunkt einfach auch noch viel zu früh, um sich darüber konkrete Gedanken zu machen. Es gibt einige Bereiche die ich mir beruflich vorstellen kann und die ich grob ins Auge fasse, aber jetzt ist halt erstmal das Auslandsjahr an der Reihe und was danach folgt und wie der Arbeitsmarkt in einem Jahr überhaupt aussehen wird: das wird sich dann zu gegebener Zeit zeigen. Ich weiß also nicht, ob das mit in meine Gefühlslage reinspielt (denn müsste ich nicht gerade deswegen die totale Vorfreude haben, weil zumindest nichts “lernmäßiges” auf mich wartet? Hmm…. :-/ ) oder ob es mittlerweile vielleicht auch mit am Alter liegt (darauf schiebe ich es jetzt einfach mal). 😀 Momentan fühlt es sich jedenfalls total unwirklich an wenn mir jemand sagt, dass ich demnächst ja in Afrika sein werde – ohne dass damit irgendein konkretes Gefühl verbunden wäre…ich bin weder traurig, noch euphorisch. Heimwehgeplagt bin ich von Natur aus nicht, da ich die (begrenzte) Zeit woanders immer sehr genieße. Ich habe auch totale Lust auf das Jahr, wollte schon ewig nach Afrika und es gibt viele Dinge, die ich mir dort angucken möchte. Aber rein vom Gefühl ist es gerade einfach “normal” und gedanklich bei mir noch nicht angekommen, dass ich demnächst ein Jahr im Ausland sein werde. Andererseits ist es halt auch “nur” ein Jahr und ich weiß, dass das zwar zunächst lange klingt, im Endeffekt aber dann doch nicht so lange ist und die Zeit sicherlich wie im Flug vergehen wird. Und dank der Entwicklungen der Neuzeit (Internet) ist es heutzutage ja auch recht einfach den Kontakt in die Heimat zu halten. Ich merke gerade selbst…wenn ich das so niederschreibe…wahrscheinlich ist es wirklich das Alter und dass das nicht mein erster Auslandsaufenthalt ist. Man entwickelt dann vielleicht doch eine andere Gelassenheit, als wenn man erst Anfang-Mitte 20 ist und das der erste richtige “Ausbruch” fernab der Heimat wäre. 😀 Ich denke aber mal im Flieger, spätestens bei Ankunft in Südafrika, werde ich dann zumindest doch realisieren, dass es nun etwas zu weit weg ist, um sich mit einer Freundin mal schnell auf einen Kaffee in der Stadt zu treffen. 😉

Gesamtkosten für den LL.M.
Per E-Mail kam die Frage, wie viel Geld man denn für so ein Auslandsjahr einplanen sollte. Die Frage lässt sich m.E. nicht so einfach beantworten. Das hängt ja nicht unwesentlich davon ab, wo es einen örtlich überhaupt hinzieht. Die Studiengebühren sind in den USA natürlich deutlich höher als in Südafrika. Auch die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich von Land zu Land (oder gar innerhalb eines Landes von Stadt zu Stadt) und es kommt ja auch darauf an, wie/wo man wohnen möchte, was man an Freizeitaktivitäten unternimmt, ob/welche Impfungen man vorab benötigt, wie teuer Flüge zu der Zeit sind etc.

Vor der Planung und Entscheidung für den LL.M. habe ich einige Erfahrungsberichte im Internet gelesen und aus diesen für mich herausgefiltert, dass ich für Südafrika als groben Orientierungswert mit ca. 18.000 Euro für das Jahr rechnen sollte (also für das gesamte Jahr inkl. aller (Vorbereitungs-)Kosten wie für den TOEFL, den Internationalen Führerschein, die Impfungen, den Flug, die Studiengebühren, die Südafrikanische Krankenversicherung, das Visum und dann natürlich auch die Lebenshaltungskosten vor Ort). Nach oben hin ist dem Ganzen natürlich keine Grenze gesetzt – mehr ausgeben geht sicherlich immer. 😉 Aber so hatte ich zumindest bei der Planung einen groben Wert, an dem ich mich orientieren konnte – auch um das ganze Vorhaben für mich finanziell etwas durchsichtiger zu machen. Allerdings waren die gefundenen Erfahrungsberichte teilweise leider schon ziemlich alt und konnten damit wirklich nur eine grobe Orientierung bieten, um zu sehen, was überhaupt für Kosten auf mich zukommen (über die genaue Höhe habe ich mich dann, z.B. was die Studiengebühren angeht, direkt auf der Uniseite informiert). Denn auch wenn man weiß, dass man z.B. Impfungen benötigt und ein Visum beantragen muss, ahnt man ja vielleicht doch bei Beginn der Planung nicht, wie schnell sich auch solche Dinge im Endeffekt summieren können. So hat man beim Visum ja nicht nur die reine Visumsgebühr zu zahlen, sondern ggf. auch für die Ärztliche Bestätigung (Ausschluss von Tuberkulose). Man benötigt ggf. noch ein biometrisches Passbild (wenn keines mehr vorhanden ist), der Rücksendeumschlag für den Reisepass kostet Geld (wenn auch “nur” ~ 10 Euro) und auch die Kosten für die Fahrt zur Botschaft nach Berlin kommen noch hinzu: es läppert sich einfach und schwupps, hat allein das Visum auf den ersten Blick zwar erstmal nur 52 Euro Gebühr gekostet, aber wenn man die Kosten drumherum für das Visum mit einbezieht, ist man dann doch mal schnell 150 Euro oder sogar noch deutlich mehr losgeworden (je nachdem wie teuer die Reisekosten nach Berlin für einen sind und ob man dort ggf. sogar übernachtet, weil man z.B. aus dem Saarland o.ä. anreist). Auch die Impfungen können mit Fahrtkosten verbunden sein, denn zumindest die Gelbfieberimpfung – sofern man sie benötigt oder vorsichtshalber aufgrund der Reiseplanung nimmt – kann nicht von einem Hausarzt verabreicht werden, sondern erfolgt nur in Impfzentren bzw. von bestimmten Impfärzten. Die eigene Krankenkasse übernimmt zudem die Impfkosten vielleicht nur in geringerer Höhe als eine andere, so dass die Zuzahlung für einen selbst höher ausfällt. Und so läppert es sich und die Euro verschwinden in der Vorbereitungszeit doch recht schnell aus dem Geldbeutel.

Der Wechselkurs ist momentan allerdings sehr gut, denn der Südafrikanische Rand ist gerade in letzter Zeit stark gefallen. Während man im Januar 2015 für einen Euro noch gut 12 Rand bekam, sind es aktuell ca. 16-17 Rand, was zwar nicht der Wirtschaft in Südafrika, aber mir finanziell – auch in der Vorbereitungszeit – doch schon sehr zu Gute kam und – sofern der Kurs so bleibt – auch für die Lebenshaltungskosten künftig zu Gute kommen wird. Bei der Überweisung der Studiengebühren (ca. 3.310 Euro) hat sich der Kurs zu meinem Vorteil mit einigen Hundert Euro Ersparnis bemerkbar gemacht. Hätte ich den LL.M. vor einem Jahr absolviert und die Studiengebühren im Frühjahr 2015 überwiesen, wären es beim damaligen Wechselkurs umgerechnet gut 900 Euro mehr gewesen. Die Studiengebühren wurden in den letzten Jahren insgesamt jedoch auch deutlich erhöht; vor etwas über 10 Jahren lagen sie wohl noch bei umgerechnet ca. 1.700 Euro. Die Mietpreise sind sicherlich auch etwas höher als noch vor 5-10 Jahren (bei der Auslandsplanung übrigens die Kaution von i.d.R. 2 Monatsmieten nicht vergessen, denn auch wenn man diese zum Jahresende idealerweise in voller Höhe zurückbekommt: das Geld ist erstmal für das Auslandsjahr nicht verfügbar und sollte daher als Ausgabe gedanklich mit eingeplant werden). Bisher klappt es mit der finanziellen Planung recht gut und es hält sich soweit alles im Rahmen. Wie viel ich dann monatlich vor Ort ausgeben werde, kann ich berichten, wenn 2-3 Monate ins Land gezogen sind. Wenn der (sich bereits angekündigte) Besuch aus Deutschland kommt, werden die Ausgaben in dieser Zeit zudem sicher immer etwas höher liegen als im „normalen Alltag“, weil man dann auf recht kurze Zeit doch nochmal deutlich mehr unternehmen und angucken wird.

Und so packe ich nun demnächst meine Koffer, verabschiede mich mit diesem letzten Beitrag aus Deutschland und melde mich dann beim nächsten Mal aus Südafrika zurück. :-)

Liebe Grüße

Emily*

 

Der Artikel wurde am 5. Juli 2016 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.