Angesichts einer bevorstehenden Pensionierungswelle bei Richterinnen und Richtern werben die Länder verstärkt um Nachwuchsjuristen. Wie lto.de berichtet, ist das Rechtsreferendariat das zentrale Instrument, um Volljuristen frühzeitig zu binden. Daher haben fast alle Landesjustizministerien die Unterhaltsbeihilfe für Referendarinnen und Referendare erhöht; im Schnitt werden rund 1.622 Euro brutto gezahlt. Die Hoffnung: Mit mehr Geld und attraktiven Rahmenbedingungen steigen die Bewerbungszahlen.Große Wirkung entfaltet vor allem die Verbeamtung. Hessen, Sachsen, Thüringen und Mecklenburg‑Vorpommern bieten diese Statusoption – teilweise obligatorisch – an und verzeichnen sprunghafte Zuwächse.
In Thüringen stieg die Zahl der Bewerbungen zum Mai 2025 um 47 Prozent, rund 90 Prozent der Kandidaten wählen dort den Beamtenstatus. Sachsen zahlt inzwischen die höchste Unterhaltsbeihilfe (1.795 Euro brutto) und musste 2025 erstmals eine Warteliste anlegen. Auch Hessen meldet deutlich mehr Anfragen, seit dort sämtlich Referendare auf Widerruf verbeamtet werden.
Ohne Verbeamtung ist der Effekt der Beihilfeerhöhung uneinheitlich. Sachsen‑Anhalt und Niedersachsen profitieren trotz vergleichsweise niedriger Beihilfen von einem Bewerberplus, während Rheinland‑Pfalz, Schleswig‑Holstein und Baden‑Württemberg konstante Zahlen vermelden. Brandenburg lockt mit höherer Beihilfe und der Nähe zu Berlin Bewerber aus der Hauptstadt ab. Viele Länder erheben allerdings keine Daten, sodass unklar bleibt, wie stark die Unterhaltsbeihilfe allein wirkt.
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Nach der Geldfrage treten Zusatzangebote in den Vordergrund. Bayern verzeichnete im Herbst 2025 über 900 Bewerbungen – weit mehr als üblich –, obwohl die Beihilfe nur durchschnittlich ist. Grund sind attraktive Legal‑Tech‑Kurse, Rhetorik‑ und Mediationsseminare sowie digitale Lernplattformen. Ähnliche Programme gibt es in Thüringen, Sachsen und Hessen, die Crash‑Kurse und E‑Learning‑Plattformen anbieten. Bremen erlebt einen Bewerbungsansturm, weil Nordrhein‑Westfalen seine Plätze gekürzt hat; trotz schlechterer Bezahlung und keiner Verbeamtung werden dort doppelt so viele Bewerber wie Plätze gezählt. Berlin und Hamburg bleiben ebenfalls beliebt. Insgesamt zeigt sich: Eine Kombination aus besserer Bezahlung, Verbeamtung und Zusatzangeboten überzeugt am meisten, während reine Beihilfeerhöhungen ohne weitere Maßnahmen weniger Wirkung entfalten.
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