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  Ausgabe 40/2022
Montag, der 03.10.2022
     

 / Hessen / Strafrechtsstation

Trinkversuch

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Ein ganz besonderes Highlight der Strafstation durften wir direkt zu Beginn der Station schon erleben – den legendären Trinkversuch! Unsere Vorgänger hatten dieses Event organisiert und uns eingeladen, uns anzuschließen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen!

Am Freitag Nachmittag gegen 17 Uhr fanden sich dann alle Wagemutigen in den Räumen der DEKRA ein. Der Tisch stand voll mit Weinflaschen – zum Teil gesponsort, zum Teil aber auch von den Teilnehmern selbst mitgebracht – sowie Messbechern. Außerdem lagen diverse Zettel mit Tabellen auf dem Tisch.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es eine kurze Einführung zum „wissenschaftlichen Trinken“. Sinn der Sache war es, protokolliert zu trinken, um zu bestimmten Zeitpunkten den Promillefortschritt zu schätzen, zu berechnen und dann durch Atemalkoholkontrolle mittels Testgerät zu überprüfen.
Hierzu bekam jeder ein Trinkprotokoll. Es wurde genau eingetragen, zu welcher Uhrzeit mit dem Glas begonnen wurde, wie voll das Glas mit welchem Tropfen (Promilleangabe) gemacht wurde und später, wann exakt es leer war.  Also z.B. 18.00-18.30 – 0,1 l Weißwein mit 12 %.

Wisst ihr, warum Bier normalerweise in 0,2 l Gläsern, Wein und Sekt dagegen in 0,1 l Gläsern und Schnaps standardmäßig in 0,02 l Einheiten ausgeschenkt wird?
Bei diesen Einheiten handelt es sich um Standardgläser, die die gleiche Menge reinen Alkohol, nämlich 0,01 l = 8 g, enthalten. Ist aber natürlich nur ein Richtwert und stimmt nur so in etwa, denn es wird von der Prämisse ausgegangen, dass Bier 5 %, Sekt/Wein 10 % und Schnaps 15 % Vol. hat.

Bevor es richtig los ging, wurde uns noch die „Widemark-Formel“ erklärt, nach welcher sich die Blutalkoholkonzentration (BAK) anhand des Körpergewichts (zumindest grob annähernd) berechnen lässt.

Ausgestattet mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem augenzwinkernden Hinweis, dass derjenige, der immer genau so viel trinkt, wie der Körper gleichzeitig abbauen kann, nüchtern bleibt, legte jeder sein individuelles Ziel für den Abend fest, bevor wir die Korken knallen ließen. Es war ein langer gemütlicher Abend, mit angeregten Gesprächen, Musik, viel Knabberkram… und einigen besonderen Schmankerl, die sich die DEKRA-Mitarbeiter für uns überlegt hatten.

Zum Beispiel hatten sie uns einen Rauschbrillen-Parcours aufgebaut. Ein auf einem Teppich aufgezeigter Weg, der je nach Streckenabschnitt vorwärts oder rückwärts entlang gegangen, gelaufen, balanciert oder 1 bzw. 2 beinig gehüpft werden sollte… mit einer Brille, die einem ein Sichtfeld entsprechend von 0,3 oder 1,3 Promille vorgab. Bei letzterer wurde mir schon allein vom  Aufsetzen der Brille noch vor dem allerersten alkoholischen Getränk total schummrig, sodass es mir absolut nicht gelang, den Weg entsprechend zu beschreiten… insgesamt war es aber eine sehr witzige Aktion, nicht nur für einen selbst, sondern insbesondere auch für die Zuschauer. 😉

Ein weiteres Highlight war das Absolvieren einiger Reaktionstests am PC, die auch im Rahmen von MPUs gemacht werden müssen. Auch hier durften wir uns anfangs nüchtern und zu späterer Stunde angeheitert versuchen… der Unterschied in der Reaktionsgeschwindigkeit nach einigen Gläsern Alkohol war schon deutlich spürbar… wobei mancher Mitarbeiter doch so manches mal etwas grinsend meinte, dass wir Referendare selbst angetrunken deutlich besser seien, als deren normal Klientel nüchtern…

Die Trinkprotokolle füllten sich, wir rechneten in etwa alle Stunde den Zwischenstand aus, kontrollierten die Werte auch mit Online-BAK Rechnern und überprüften dann durch Atemalkoholkontrolle. So schritt die Zeit voran, die Flaschen wurden leerer, die Ergebnisse in den Reaktionstests ließen immer mehr nach, die vorgezeichneten Wege auf dem Teppich wurden immer weniger exakt getroffen… aber die Stimmung war wirklich gut, wir hatten viel Spaß und so die Gelegenheit die Kollegen auch außerhalb der AG mal zu treffen und uns besser kennenzulernen.

Alles in allem war es ein sehr lustiger und gelungener Abend und ich kann jedem nur empfehlen, an einem Trinkversuch teilzunehmen oder selbst einen für die AG zu organisieren! [RefN]

Der Artikel wurde am 6. September 2022 von veröffentlicht. Melli war Referendarin in Hessen.