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  Ausgabe 34/2018
Montag, der 20.08.2018
     

 / Ausland

I am back again! – Emily goes abroad (Teil 1)

von

Oder: Was will die denn wieder hier im Blog?

Hallo lieber Leser,

fast 2 Jahre ist es her, dass ich die juristische Ausbildung mit dem 2. Examen abgeschlossen habe und frohen Mutes dachte: “Nie wieder juristische Klausuren schreiben.” Tja, zu früh gefreut. Denn so ganz ließ sich mein Fernweh nicht verbergen und der Wunsch, nochmal für etwas längere Zeit in einem völlig fremden Land zu leben, kam immer stärker zum Ausdruck. Und so habe ich vor einigen Monaten die Entscheidung gefällt und beschlossen: ich mache einen LL.M. (und seitdem geht es mir richtig gut – die Vorfreude wächst ins Unermessliche :-) ). Und was wäre so eine Zeit, zurück ins juristische Studentenleben, wenn ich dabei nicht wieder bloggen würde? Das bloggen während der Ref-Zeit hier auf diesem Portal hat mir sehr viel Spaß gemacht und vielleicht begleitet mich der ein oder andere damalige Leser jetzt auch während meinem neuen Abenteuer. Ich bin also (blogmäßig) zurück – aber dann bald auch (örtlich) wieder weg. 😀

Die Entscheidung für das LL.M.-Studium
“Hähhhh? LL.M.? Was ist das denn und wozu braucht man das? Du hast doch jetzt schon 2 Examen!?” So oder so ähnlich lauteten die Reaktion einiger Mitmenschen (die aber oftmals mit der Juristerei auch nichts am Hut haben; man kann ihnen ihre Reaktion daher auch nicht verübeln). Der LL.M. (lat. Legum Magister/Magistra: ja gut, ich gebe zu: das habe ich als Nicht-Lateinerin gerade vorsichtshalber doch nochmal nachgeguckt, damit ich es wirklich richtig schreibe *g*) oder auch Master of Law genannt, ist – wie letzteres deutlicher zum Ausdruck bringt – ein juristischer Masterabschluss. Ob man den “braucht” ist letztlich eine Frage des Geschmacks: das kommt darauf an, was man machen möchte. Es geht natürlich auch ohne und der LL.M. ist nirgendwo zwingend vorgeschrieben (gerade bei größeren Kanzleien jedoch oft neben/anstelle einer Promotion als Zusatzqualifikation erwünscht). Schaden tut er aber in jedem Fall nicht, denn was der LL.M. am meisten bringt ist sicher die Erweiterung des eigenen Horizonts und Verbesserung der Sprachkenntnisse, da man über längere Zeit in einem fremden Land lebt.

Wenn ich in wenigen Worten erklären müsste wie ich persönlich den LL.M. am einfachsten beschreiben würde, dann würde das in etwa so lauten: “Wie ein Erasmusjahr…nur oftmals außerhalb Europas absolviert und mit einem Abschluss”. Machen wir uns nichts vor: egal ob Top-Elite-Uni in den USA oder “Surfer”-LL.M. in Australien: ja, man geht zur Uni. Ja, man hat dort Vorlesungen und ja, man hat auch “Hausaufgaben” (Referate, Vorträge, Klausurvorbereitungen) und liest wohl auch oft regelmäßiger schon während des Semesters und mehr als man es in Dtl. tut (was schon an der anderen Strukturierung und dem Ablauf des jur. Studium in case-law-Ländern liegt) – aber es soll ja auch kein komplettes Urlaubsjahr sein. 😉 Insgesamt dürfte (zumindest ist mir persönlich niemand bekannt) das LL.M.-Jahr noch genügend Zeit übrig lassen, um auch ausreichend die Freizeit zu genießen, Aktivitäten nachzugehen und Land und Leute kennenzulernen.

Warum jetzt noch der LL.M.?
Die Frage kam oft und ich kann sie auch nachvollziehen. Immerhin war ich schon öfters für etwas längere Zeit im Ausland, z.B. im Studium für ein Erasmusjahr und im Referendariat in der Wahlstation. Ich könnte doch nun endlich, nach all den Jahren und erfolgreicher Bezwingung der beiden Examen und damit dem Abschluss der juristischen Laufbahn sagen: hinein ins Getümmel, jetzt wird für Recht und Ordnung gekämpft (und Geld verdient)! Zumal man ja nach dem 2. Examen auch nicht mehr ganz so jung ist und sich vielleicht auch danach sehnt, endlich einen Vollzeitjob zu haben; ggf. sogar ein Häusle zu bauen/Kinderplanung o.ä.

Um es kurz zu machen: bei mir ist das (noch) nicht der Fall. Ich bin noch nicht fest angekommen und derart verbunden, dass ich sage „hier bleibe ich jetzt und schlage Wurzeln.“ Der Drang, noch einmal ganz auszubrechen und eine weitere Auslandserfahrung zu machen, ist einfach stärker; zumal ich sowieso ein sehr fernwehsüchtiger Mensch bin. Bereits nach dem 2. Examen war es so, dass mich der Arbeitsmarkt nicht vom Hocker gehauen hat. Die Freude und der Spaß an Jura nahm in den letzten Jahren – insbesondere ab Mitte des Referendariats – auch mehr und mehr ab. Ich hätte kein Problem damit, einem juristischen Job nachzugehen – aber mehr als der Beruf, mit dem man seinen Lebensunterhalt finanziert, ist es dann vom momentanen Gefühl her auch nicht (mehr). Das sah im Studium noch anders aus – und es ist auch gut möglich, dass sich das vielleicht auch nochmal ändert. Vielleicht liegt es auch an der langen Ausbildungsdauer, aber ich hätte z.B. auch nichts dagegen, einem Beruf nachzugehen, der einen eher geringen Jura-Anteil aufweist. Diese Bestimmung und das Gefühl, Jura sei das einzig Wahre in meinem Leben; also die Bindung – sofern sie in derart extremer Form überhaupt mal dagewesen war – ist seit Mitte des Referendariats definitiv nicht mehr wirklich stark da. Erstaunlicherweise berichten mir dies viele (ehemalige) Kollegen aus dem juristischen Umfeld, wohingegen ich Bekannte aus anderen beruflichen Bereichen (z.B. den Naturwissenschaften) habe: die freuen sich sogar richtig, wenn sie montags wieder zur Arbeit gehen dürfen. Mit Magenschmerzen bin ich zwar bisher auch nie aufgestanden und die letzten fast 2 Jahre zur Arbeit gegangen, aber ich hatte immer das Gefühl: das kann es jetzt noch nicht gewesen sein…du hast noch über die Hälfte deiner bisherigen Lebensjahre bis zur Rente: du musst und willst nochmal raus und kannst hier noch nicht festfahren, denn bis dahin immer nur dieser Rhythmus und wenig Abwechslung: nein, das bringt dich zwar nicht um, aber da muss doch jetzt noch etwas gehen.

Alles andere als eine Spontanüberlegung – eher ein sehr langsam gereifter Plan
Der LL.M.-Gedanke traf mich aber nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Den Wunsch hatte ich bereits nach dem 1. Examen. Es war mir damals aber finanziell schlichtweg nicht möglich so ein Auslandsjahr zu finanzieren: ich wusste ja, dass auch noch eine Bafögrückzahlung anstehen wird – und wer gibt jemandem, der bisher nur studiert hat, schon einen Kredit iHv mehreren Tausend Euro (und wer möchte von der anderen Seite her betrachtet, mit Schulden in 5-stelliger Höhe ins Berufsleben starten)? Noch weiter verschulden: nein, das kam für mich nicht in Frage. Vor diesem Hintergrund überwog dann auch der Gedanke, die juristische Ausbildung erstmal in einem weiteren Schwung komplett abzuschließen, damit endlich Licht am Ende des Horizonts ist. 😉 Also habe ich mich in das Referendariat gestürzt. Dort aber bereits ja auch wieder die Möglichkeit genutzt, die Wahlstation im Ausland zu absolvieren (worüber ich hier ja auch gebloggt habe). Seit dem 2. Examen hatte ich nun einerseits genügend Zeit, um Geld für das Auslandsjahr anzusparen, meine Bafög-Schulden zurückzuzahlen und habe daher – von diesem finanziellen Standpunkt aus betrachtet – schonmal ein deutlich besseres Gefühl. Zudem gefällt mir der Gedanke, dass ich nach dem Auslandsjahr komplett ungebunden bin und dementsprechend auch offen für alles, was sich vielleicht – oder vielleicht auch nicht – durch und nach diesem Jahr auch in beruflicher Hinsicht ergibt. Ich weiß immerhin: ich muss zwar aufgrund der Visabestimmung zurück nach Deutschland – aber immerhin nicht, weil dort wieder eine juristische Examensprüfung auf mich wartet. Den Gedanken finde ich wirklich sehr angenehm. :-)

LL.M.-Finanzierung: Die Suche nach dem Topf voll Gold am Ende des Regenbogens
Für Leute die gerne Auslandserfahrung sammeln und reisefreudig sind eignet sich das LL.M.-Studium in zweierlei Hinsicht wunderbar; man hat nicht nur die positive Erfahrung auf der privaten Ebene, sondern kann am Ende auch fachlich etwas handfestes vorweisen kann (im Hinblick auf manche Eltern, die von den Plänen vielleicht nicht so begeistert sind, sicherlich nicht verkehrt zu erwähnen). 😉 Die größte Hürde liegt allerdings in der Finanzierung. Wer nicht über Eltern/Verwandte verfügt, die ein derartiges Vorhaben finanzieren wollen/können, dem bleibt nur: selbst jobben und Geld sparen (wobei es dann aber – je nach LL.M.-Land – sein kann, dass man das Geld erst mit 80 Jahren zusammen hat), einen Kredit aufnehmen (ist natürlich die Frage, ob dies so einfach funktioniert; man hat ja ggf. bisher kaum oder gar nicht gearbeitet) oder ein Stipendien zu ergattern. Diese sind allerdings eher spärlich gestreut, für ein LL.M.-Vorhaben zumeist verstärkt für die USA/UK verfügbar und erfordern nicht gerade wenig Bewerbungsaufwand. Natürlich kann und sollte man es versuchen, wenn die Grundvoraussetzungen passen: ich würde allerdings niemals allein auf ein Stipendium bauen und mir bewusst sein, dass insgesamt nur wenige Studenten ein (Voll-)Stipendium erhalten. Man sollte also frühzeitig gucken, ob und welche Alternativen es für einen selbst gibt. Viele – gerade amerikanische – Unis bieten nach der Zusage oftmals auch noch einen Rabatt auf die Studiengebühren an; sicherlich nicht verekhrt, auch wenn es oftmals eher ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ich habe auch schonmal gelesen, dass größere Kanzleien unter Umständen den LL.M. (mit-)finanzieren und/oder man ein Sabbatical (quasi ein längerer Sonderurlaub) nimmt: darauf verlassen will/kann man sich aber natürlich nicht und diese Möglichkeit scheidet für Studenten, die den LL.M. nach dem 1. Examen absolvieren wollen, ja auch aus. Gestolpert bin ich aber auch immer mal wieder über einen LL.M.-Day der (wohl jährlich) veranstaltet wird und auch Stipendien für Teilnehmer (mit weniger Aufwand) bietet…ich habe mir das ganze zwar mal kurz angeguckt und es sind auch diverse Unis in Australien etc. dabei, aber da mein Zielland nicht dabei war und ich ja schon wusste wo es hingehen soll, habe ich mich damit auch nicht weiter beschäftigt.

LL.M. schön und gut – aber wo?
Den LL.M.-Studiengang kann man weltweit absolvieren. Die meisten werden wohl einen englischsprachigen LL.M. anstreben, aber auch ein z.B. französischer LL.M. wäre natürlich möglich. Am „höchsten angesehen“ ist der LL.M. wohl, wenn man ihn in den USA oder UK belegt. „Hoch“ sind dort allerdings auch die Studiengebühren bzw. die Gesamtkosten für das Auslandsjahr, wobei es finanziell nicht einmal einen großen Unterschied macht, ob man an einer der Top-Unis des Landes studiert oder einer eher kleineren, unbekannten Universität. Nach den USA/UK folgen dann die anderen Länder, wie z.B. Australien, Südafrika…! Diese sind im Vergleich zu den USA/UK schon allein von den Studiengebühren her kostengünstiger. Der Nachteil ist natürlich, dass sie auch gerne mal als “Urlaubs”- oder “Strand”-LL.M. verschrien werden, aber gut…dann lieber einen Urlaubs-LL.M. als gar keinen oder einen wo ich nachts nicht mehr die Augen zumachen kann, weil mir ein Kredit von 60.000 Euro schlaflose Nächte bereitet. 😉 Als dritte Möglichkeit ist auch ein LL.M.-Studium in Deutschland möglich. Viele Unis bieten dazu schon Programme an. Da der LL.M. allerdings primär dazu dient, die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern/nachzuweisen und sich die Unis im Inland den LL.M. auch oftmals einiges mehr kosten lassen, als die normalen Studiengebühren, finde ich persönlich einen Inlands-LL.M. nicht sinnvoll. Alternativ würde ich dann eher dazu tendieren lieber einen entsprechenden Fachanwaltslehrgang o.ä. zu absolvieren.

[ to be continued… Teil 2 findet ihr hier]

Der Artikel wurde am 11. Februar 2016 von veröffentlicht. Emily war Referendarin in Niedersachsen. Sie macht zur Zeit einen LL.M. in Südafrika und berichtet hierüber in den RefNews.