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  Ausgabe 21/2024
Mittwoch, der 22.05.2024
     

 / Wahlstation

Wahlstation in Sydney – ein Erfahrungsbericht

von

Wahlstation in Sydney – ein Erfahrungsbericht von Marius Rakers.

Die Wahlstation im Referendariat bietet eine hervorragende Möglichkeit, vor dem Berufseinstieg Auslandserfahrung zu sammeln. Aber gerade nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, diese drei Monate im Ausland zu verbringen, stellte sich die Frage nach dem Ort und den organisatorischen Anforderungen. In diesem Beitrag möchte ich euch eine Station in Sydney näherbringen und denen, die sich dafür entscheiden, einige Hilfestellungen geben. Für diesen Zweck beschreibe ich euch meine Station recht detailliert, von der Entschlussfassung bis zur Rückreise.

I. Wahlstation im Ausland

Recht früh im Referendariat muss man die Entscheidung treffen, ob man die Wahlstation im Ausland verbringen möchte, um einen der begehrten Plätze zu erhalten. Für mich, der lediglich ein kurzes Praktikum in New York, aber kein Auslandssemester, absolviert hatte, war die Motivation der Wahlstation im Ausland einerseits die berufliche und persönliche Entwicklung außerhalb der gewohnten Umgebung, andererseits aber auch die Abwechslung nach dem Aufwand der schriftlichen Prüfungen des zweiten Staatsexamens. Um letztere in Ruhe vorzubereiten, habe ich den Auslandsaufenthalt bewusst in der Wahlstation und nicht in der Anwaltsstation gewählt. Für eine Station bei öffentlichen Stellen bietet sich selbstverständliche auch die Verwaltungsstation an.

Die Auswahl an Stationszielen im Ausland ist groß. Da ich in einem englischsprachigen Land arbeiten wollte, verkleinerte sich die Auswahl geringfügig. Außerdem wollte ich mehr über das Common Law System aus der Praxis erfahren, nachdem ich die fachspezifische Fremdsprachenausbildung für Juristen in englischer Sprache absolviert hatte. Ich habe mich letztlich für Sydney entschieden, weil es auf dem Papier einiges zu bieten hatte: internationale Vielfalt, Großstadtfeeling, herrliches Wetter, Häfen, Strände, Gärten, Parks und endlose Reisemöglichkeiten.

II. Bewerbungsverfahren

Als ersten Schritt habe ich 10 Monate vor dem Beginn meiner Wahlstation nach möglichen Arbeitgebern in Sydney gesucht und natürlich alle erdenklichen Stellen für Juristen gefunden. Von Kanzleien in verschiedenen Rechtsgebieten über Unternehmen, Richter, Handelskammer, Konsulat bis zum Auswärtigen Amt ist in Sydney alles vertreten. Da ich eine gut angebundene Arbeitsstelle finden wollte, habe ich mich auf den Central Business District (CBD) beschränkt. Eine Liste der Außenhandelskammer mit Arbeitgebern, die bereits in der Vergangenheit Referendare eingestellt haben, ist mittlerweile leider nicht mehr verfügbar. Viele Referendare in Sydney bewerben sich bereits ein Jahr oder noch weiter im Voraus, sodass für die Bewerbung gilt: je früher desto besser.

Über die einfache Google-Suche bin ich auf Dr. Angelika Yates von Addisons Lawyers gestoßen, welche selbst beide Staatsexamina in Deutschland absolviert hatte und sowohl australische als auch internationale Mandanten in wirtschaftsrechtlichen Angelegenheiten betreut. Einerseits sprach mich diese thematische Ausrichtung der Kanzlei an. Andererseits hatte ich die Erwartung, dass Frau Dr. Yates meinen Wissensstand richtig einordnen und mich entsprechend gut in die Kanzlei integrieren könnte. Auf meine Bewerbung per Mail erhielt ich bereits nach kurzer Zeit eine positive Rückmeldung. Frau Dr. Yates bot sofort ein Telefonat für die weitere Planung und Unterstützung bei Wohnungssuche und Visumsantrag an. Ein großer Schritt Richtung Australien war gemacht.

III. Stationsvorbereitung

Nachdem eine Arbeitsstelle idealerweise recht früh festgelegt wurde, verbleibt für die Vorbereitung der Station noch ausreichend Zeit. Es gibt keinen Grund zur Hektik, wenngleich ich mit Blick auf die schriftlichen Examensklausuren im Monat vor dem Reiseantritt empfehle, möglichst rechtzeitig die erforderlichen Schritte zu planen. Die Reihenfolge der weiteren Planungsschritte waren in meinem Fall Visumsantrag, Urlaubsplanung, Flugbuchung, Wohnungssuche, Versicherungscheck.

  1. Visumsantrag:

Das Visa-Verfahren ist vergleichsweise unkompliziert. Das Touristenvisum, welches die Einreise für einen Zeitraum von 90 Tagen ohne Arbeitsaufnahme ermöglicht, ist für eine Referendarstation nicht geeignet. Ich habe das Working Holiday Visum (subclass 417) beantragt, mit dem man sich bis zu 12 Monate in Australien aufhalten dürfte. Dies umfasst in der Regel auch mehrmalige Ein- und Ausreisen, falls man plant, in dem Jahr nochmals nach Australien zu reisen oder eine Reise nach Neuseeland zu unternehmen. Dieses Visum setzt ein Alter von 18 bis 30 Jahren voraus und man kann es grundsätzlich nur einmal beantragen. Seit April 2019 (erst nach meiner Station) wird wohl auch ein Nachweis über ausreichende finanzielle Mittel für den Aufenthalt verlangt. Der Antrag ist im Grunde selbsterklärend und innerhalb von maximal 30 Minuten erledigt. Zur Hilfe gibt es aber auch zehnminütige Videoanleitungen online. Erstaunlicherweise habe ich noch am selben Tag das Visum erhalten.

  1. Urlaubsplanung:

Alle Referendare, die ich in Sydney kennengelernt habe, haben zu einem Zeitpunkt ihres Aufenthalts Urlaub genommen, um Teile des Landes ausführlich zu erkunden. Der Grund, weshalb es sinnvoll sein kann, sich schon früh mit den Urlaubsplänen auseinanderzusetzen, ist, dass es gegebenenfalls Einfluss auf die Planung des Hin- oder Rückflugs haben kann. So habe ich Referendare getroffen, die unmittelbar nach ihrer letzten Klausur bereits nach Australien gereist sind, um die zwei Wochen vor dem Stationsbeginn schon zu reisen. Andere haben sich die ersten oder letzten Wochen der Station freigenommen, um bei früherer An- oder späterer Abreise einen längeren Reiseblock zu haben. Nur um Beispiele zu nennen kann man zunächst nach Melbourne, an die australische Westküste oder nach Neuseeland fliegen, um dort einige Zeit am Anfang zu verbringen – oder eben von dort abreisen. Ich habe aufgrund eines Besuchs aus der Heimat im zweiten Monat Urlaub gehabt und konnte große Teile der Ostküste sowie Central Australia sehen. Da man zu den unglaublich vielfältigen Reisemöglichkeiten eigene Beiträge schreiben könnte und die Auswahl stark von den eigenen Interessen abhängt, verweise ich euch diesbezüglich auf die entsprechenden Webseiten.

  1. Flugbuchung:

Neben den bekannten Buchungsmöglichkeiten möchte ich diejenigen, die noch an einer Universität eingeschrieben sind, auf die Möglichkeit der Buchung über STA Travel hinweisen. Diese hatten in meinem Fall für Studenten vergleichsweise günstige Flüge im Angebot. Zudem kann man kostenfrei oder zu relativ geringen Kosten Hin- oder Rückflug umbuchen. Dies kann gerade bei einem solchen Aufenthalt relevant werden, wenn sich Pläne spontan ändern. Darüber hinaus solltet ihr nicht allzu spät anreisen, da der lange Flug und die Zeitdifferenz einige Tage spürbar sind. Nach der Rückkehr aus Australien steht die mündliche Prüfung an, sodass ihr die Vorbereitung auf diese beim Zeitpunkt des Rückfluges im Auge behalten solltet.

  1. Wohnungssuche:

Die Wohnungssuche stellte sich als der schwierigste Teil meiner Stationsvorbereitung heraus. Dies nicht aufgrund des fehlenden Angebots, sondern weil ich überhaupt keine Vorstellung hatte, auf welcher Plattform ich am besten suchen kann, welcher Preis angemessen ist, welches Wohnmodell mir zusagt und insbesondere auch, welcher Ort in Sydney am praktischsten ist.

a) Portale:

Es ist möglich, eine gute Unterkunft über AirBnb zu finden. Dort kann man recht schnell überblicken, ob etwas passendes im Angebot ist. Im Vergleich sind die Wohnungen dort zumindest aus meiner Erfahrung ein wenig teurer als bei anderen Portalen. Ich hatte bei AirBnb – anders als andere Referendare – weniger Glück, sodass ich weitersuchen musste. Im Anschluss habe ich mich bei Gumtree und Flatmates anmeldet und dort nach Wohnungen geschaut. Insgesamt machte ich aber die Erfahrung, dass viele Wohnungen sehr kurzfristig inseriert werden. Meine zahlreichen Anfragen 6 Monate vor Beginn meiner Station waren daher ausnahmslos ohne Erfolg. Oftmals wurde ich gebeten, mich frühstens 3 Monate vor gewünschtem Einzug wieder zu melden. In diesem Zeitraum intensivierte ich meine Bemühungen dann wieder und habe mich aus Vorsicht zum Premium-Mitglied bei Flatmates upgegradet, da dies die Sichtbarkeit und Kommunikationsmöglichkeiten erhöht. Problematisch blieb, dass viele Vermieter meine Anfrage zugunsten eines Interessenten an einem langfristigen Aufenthalt aufschoben/ablehnten oder gerne einen Besichtigungstermin vereinbaren wollten. Erst etwas mehr als einen Monat vor meiner Anreise habe ich schließlich eine Wohnung über Flatmates gefunden. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Angebot für meinen gewünschten Zeitraum auch zunehmend besser. Ich würde davon abraten, zunächst in ein Hostel einzuziehen, um vor Ort nach einer Wohnung zu gucken. Dies kann sehr teuer sein und führt nach den mir erzählten Erfahrungen regelmäßig dazu, dass man doch die nächstmögliche Option zusagt. Die Hostels sind mit Backpackern überlaufen und daher nicht sonderlich ruhig.

b) Lage:

Die zu empfehlende Wohnlage hängt selbstverständlich auch von den Wünschen der Person ab. Die öffentlichen Verkehrsmittel zum Stadtgebiet funktionieren trotz Beschwerden der Australier recht vernünftig. Innerhalb des CBD werden voraussichtlich in diesem Jahr noch die Bauarbeiten an der Light Rail fertigstellt, sodass man sich auch dort effektiv fortbewegen kann. Nicht zu verkennen ist aber der Kostenfaktor eines weiten Weges zur Arbeit, da die öffentlichen Verkehrsmittel zu den Stoßzeiten höhere Preise verlangen. Außerdem sind die Busse und Bahnen im Berufsverkehr – wie in anderen Großstädten auch – sehr voll.

Wenn man am Strand wohnen möchte, kann man an den Stränden vom Bondi Beach bis zum Coogee Beach etwas finden und in ca. 30 Minuten mit dem Bus die Stadt erreichen. Auch möglich ist das Wohnen an den Northern Beaches (z.B. Manly Beach), von wo man aber allein 30 Minuten für die Fährfahrt oder eine noch längere Busfahrt in das Zentrum einplanen sollte. Eine weitere Option sind Anna Bay oder Watsons Bay, die auch ca. eine halbstündige Bus- oder zwanzigminütige Fährfahrt vom CBD entfernt sind. Glücklicherweise habe ich von meinem anfänglichen Plan, auf halber Strecke zwischen CBD und Bondi Beach in Bondi Junction zu wohnen, Abstand genommen. Von dort wäre man in beiden Richtungen auf die öffentlichen Verkehrsmittel oder einen langen Fußmarsch angewiesen.

In den CBD-nahen Vororten wie Pyrmont, Darlinghurst oder Surry Hills kann man mit einer sehr kurzen Bahnfahrt oder unproblematisch fußläufig das Zentrum erreichen. Ich habe eine Wohnung im CBD nahe der Town Hall gefunden und war mit der Lage sehr gut zufrieden. Dort ist im Darling Harbour am Circular Quai oder in the Rocks immer etwas los, Einkaufsmöglichkeiten sind reichlich vorhanden und die Anbindung an alle Ziele in der Umgebung von Sydney ist perfekt.

c) Wohnmodell:

Es gibt verschiedenste Wohnmodelle, zwischen denen man wählen kann. Sowohl ein Einzelappartement als auch eine Klein-WG oder ein Flatshare mit 10 bis 20 Leuten sind möglich. Die Erfahrung eines Referendarkollegen mit einer 10er WG war insoweit positiv, dass er jederzeit mit ihnen etwas unternehmen konnte und keine Langeweile aufkam. Dafür sind bei einer derart großen Wohngemeinschaft oftmals nicht alle gleichermaßen rücksichtsvoll hinsichtlich Lärm und Hygiene. Ein Einzelappartement ist regelmäßig teurer als eine WG. Ich wohnte in einer Dreier-WG mit zwei berufstätigen Mitbewohnern und hatte neben Gemeinschaftsküche, -wohnzimmer und -bad ca. 12qm für mich. Dort lebten wir die meiste Zeit aneinander vorbei. Dennoch ergab sich immer mal wieder die Zeit für eine Unterhaltung und einige Male auch für eine gemeinsame Aktivität.

d) Mietpreis:

Die Mietpreise in Sydney sind im Vergleich zu Deutschland sehr hoch und werden meistens pro Woche angezeigt. Man wird sich darauf einstellen müssen, dass die Unterhaltsbeihilfe gerade die Mietkosten abdeckt. Ich habe von anderen Referendaren Mietpreise von 350 bis 450 Australische Dollar pro Woche mitbekommen. Im Monat bewegt sich die Miete also um die 1000 Euro und hängt natürlich von Faktoren wie Lage und Wohnmodell entscheidend ab.

  1. Versicherungscheck:

Die Auslandskrankenversicherung war in meinem Fall über die Stammdienststelle, also das Landgericht, abgedeckt. Dies gilt aber nur für den Zeitraum der Station. Daher sollte bei frühzeitiger Anreise und späterer Abreise zumindest über den Abschluss einer gesonderten Versicherung nachgedacht werden. Die Gesundheitsleistungen sind in Australien sehr teuer und können im unerwünschten Fall einer Behandlungsbedürftigkeit ohne Versicherung ärgerlich sein.

  1. Common Law System:

Wer sich etwas Hintergrundwissen zum Common Law System in Australien aneignen will, kann Babeck, Einführung in das australische Recht zur Vorbereitung lesen. Ein gewisser Kenntnisstand ist mit Sicherheit hilfreich und interessant, wird aber von den Ausbildern nicht vorausgesetzt. Da ich das Common Law System in seinen Grundzügen durch die fachspezifische Fremdsprachenausbildung für Juristen kennengelernt hatte, habe ich dieses Buch nicht durchgearbeitet.

IV. Kanzleialltag

Meine Station in Australien ging von Januar bis März 2019. Vor meinem ersten Tag in der Kanzlei war ich aufgeregter als vor anderen Stationen. Eine Station im Ausland ist mit größeren Unsicherheiten verbunden. So wusste ich nicht, inwiefern ich als in Deutschland ausgebildeter Jurist überhaupt mithelfen kann und ob meine Sprachkenntnisse ausreichen würden. Die Aufregung wurde mir aber von den hilfsbereiten Kollegen schnell genommen. Am ersten Vormittag wurden mir die Büroräume gezeigt und die Kollegen vorgestellt. Die ersten Januarwochen sind in Australien etwas ruhiger, da die Gerichte um Silvester geschlossen haben und das betriebswirtschaftliche Geschäftsjahr in der Regel Anfang Juli beginnt. Deshalb waren einige der Kollegen, unter denen insgesamt ca. 60 Anwältinnen und Anwälte, noch verreist. Diejenigen, die im Büro waren, nahmen sich aber Zeit für ein kurzes Gespräch, waren freundlich und interessiert. Mir war neben meiner Ausbilderin Frau Dr. Yates ein jüngerer Anwalt als „Buddy“ zugewiesen. Aber noch am ersten Tag nahmen mich zwei weitere Kollegen mit in die Kaffeepause und gaben mir zu verstehen, dass ich mich mit jeglichen Fragen an alle Kollegen wenden könnte. Anschließend ging es direkt weiter mit der Einführung in das IT System.

Ab dann begann auch schon der Arbeitsalltag. Meine Arbeitszeiten waren grundsätzlich fünf Tage die Woche von 9 bis 17 Uhr. Meine Ausbilderin bemühte sich, mir spannende und abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen. Als deutsche Volljuristin und erfahrene Referendarausbilderin konnte sie erwartungsgemäß gut einschätzen, bei welchen Aufgaben ich mich bestmöglich einbringen konnte. Die internationalen Mandate, unter anderem auch aus Deutschland, schafften einen guten Einstieg in die Arbeit und versetzten mich in die Lage, von Beginn an vollwertig mitzuhelfen. Dennoch habe ich auch zunehmend Mandate zum australischen Recht bearbeitet. Recht schnell gewöhnte ich mich daran, bei der Erfüllung meiner Aufgaben die auf Präzedenzfällen basierende Argumentationsweise, Recherche-Plattformen und australischen Register zu nutzen. Dabei stellten sich mir keinerlei Sprachbarrieren und ich merkte im Laufe der Zeit, wie sich mein schriftliches und gesprochenes Englisch weiterentwickelte. Sydney ist ein – auch im Berufsleben – derart international geprägtes Umfeld, dass man als Deutscher nicht stark auffällt. Dies stärkt auch das Selbstvertrauen, als in Deutschland ausgebildeter Jurist, in diesem Umfeld bestehen zu können. Meine Ausbilderin nahm sich Zeit, mir den Hintergrund der Aufgaben im Vorfeld zu erklären und gab anschließend Feedback, was für den Lernprozess zuträglich ist. Dabei baute sie keinen Druck auf und war zur Beantwortung von Rückfragen jederzeit bereit. Auch andere Anwälte haben mir Aufgaben gegeben, sodass ich mich über die gesamte Station als ein vollwertiges Mitglied der Kanzlei begriff.

Dazu trugen auch diverse Gruppen-Events bei. Jede zweite Woche gab es ein Team-Meeting, in dem aktuelle Entscheidungen oder Mandate diskutiert wurden und jeder einen kurzen Einblick in seine Arbeit gab. Zu den internen Fortbildungsveranstaltungen war ich ebenfalls immer herzlich willkommen. Unter anderem gab es monatlich ein „Professional Staff Briefing“, bei welchem zwei oder drei Anwälte einen rechtlichen Vortrag hielten. Freitagsabends gab es des Öfteren eine Afterwork-Runde, die mit Kaltgetränken das Wochenende einläuteten. Hierzu wurde der „Casual Friday“ tatsächlich auch ernst genommen, wenn keine externen Termine anstanden.

Als eines der Highlights der Station kann ich einen Neujahrsempfang der deutsch-australischen Handelskammer hervorheben, zu welchem meine Ausbilderin mich mitnahm. Dort wurden bei einer Hafenrundfahrt auf einem historischen Schiff Erfahrungen in lockerer Atmosphäre ausgetauscht. Außerdem empfahl meine Ausbilderin mir eine spannende Gerichtsverhandlung mit einer im deutschen Prozessrecht unüblichen Cross-Examination, bei der ich als Zuhörer teilnahm.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass ich gerne zur Arbeit gegangen bin. Auffällig fand ich die lockere Atmosphäre im Team trotz hoher Arbeitsbelastung. Vom Praktikanten bis zum Partner sprachen sich alle mit Vornamen an und waren für ein kurzes Gespräch über arbeitsbezogene oder private Themen offen.

V. Freizeitgestaltung

Das bereits angesprochene internationale Umfeld ermöglicht auch außerhalb des Kanzleialltags eine rasche Integration. Empfehlen kann ich die App „MeetUp“, in welcher unzählige Zusammenkünfte zu allen denkbaren Anlässen organisiert werden. Unter anderem habe ich über diese App an Fußballspielen oder Schnorcheltreffen teilgenommen. Darüber hinaus gibt es die Facebook-Gruppe „Referendare in Sydney“, über die ich Kontakt zu anderen Referendaren in der Stadt bekommen habe. Einmal pro Woche haben wir uns mit den Referendaren zum Mittagessen verabredet und Erfahrungen sowie Wochenendpläne ausgetauscht. Oft haben die Referendare ähnliche Interessen und wollen an den Wochenenden die Stadt erkunden, was gemeinsam mehr Spaß macht. Auch meine Arbeitskollegen haben mich regelmäßig in ihre Pläne einbezogen, sei es ein gemeinsames Mittagessen, ein Feierabendbier oder Aktivitäten wie Wanderungen oder ein Australian Rugby-Spiel. Ich kann empfehlen, ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen Aktivitäten mit anderen Referendaren und Australiern, denn ich fand es besonders interessant, auch das Leben der Australier selbst kennenzulernen.

VI. Praktische Hinweise für das Leben in Sydney

Zunächst einmal ist es gut zu wissen, dass viele Geschäfte und vor allem die meisten Supermärkte in Sydney auch am Sonntag geöffnet haben. Meiner Erfahrung nach war der ALDI der günstigste Supermarkt, aber auch Coles und Woolworths sind preislich in Ordnung.

Noch an meinem ersten Tag habe ich mir eine ALDImobile-Simkarte in dem Aldistore in Darlinghurst gekauft. Die Simkarte kostet 5 AUD, hat diese 5 AUD aber auch als Startguthaben und ist nach einer Online-Aktivierung innerhalb von kurzer Zeit nutzbar. ALDImobile verwendet das Telstra-Netz, welches mitunter das beste in Australien ist, weshalb ich auch nie Probleme mit der Internetverbindung hatte. Ich selbst habe nicht den Prepaid-Tarif genutzt, sondern ein Monatspaket online aufgeladen. Diese Pakete sind preislich absolut im Rahmen. Es gibt unter anderem ein Paket für 15 AUD mit 2 GB Internet, Freiminuten und -SMS innerhalb von Australien und einer bestimmten Anzahl an Freiminuten und -SMS nach Deutschland sowie ein Paket für 25 AUD mit 9 GB Internet und unbegrenzten Freiminuten und -SMS innerhalb von Australien und nach Deutschland.

Für die öffentlichen Verkehrsmittel solltet ihr euch die OPAL Card schon am Flughafen holen. Die Karte selbst kostet nichts, muss am Flughafen mit mindestens 35 AUD aufgeladen werden, die ihr ohnehin nutzen werdet. Ansonsten kann die Karte mit mindestens 10 AUD in zahlreichen Supermärkten, Kiosken oder Bahnstationen aufgeladen werden. Ein hervorragendes Angebot ist die Deckelung der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel an allen Sonntagen auf 2,70 AUD für die Nutzung am gesamten Tag. Darin inbegriffen sind auch längere Zug- oder Busstrecken wie zu den Blue Mountains oder nach Palm Beach oder auch die regulären Fährfahrten wie z.B. nach Manly oder den Parramatta River entlang. Für eure Reisepläne noch der Hinweis, dass es eine Airport-Gebühr bei öffentlichen Verkehrsmitteln gibt, d.h. dass ihr zu den normalen Kosten der Fahrt noch ungefähr 15 AUD zusätzlich zahlt, wenn ihr mit der Bahn am nationalen/internationalen Flughafen von Sydney ankommt oder abfahrt. Dies lässt sich für den nationalen Flughafen damit umgehen, dass ihr zur Mascot Station fahrt und von dort 20 Minuten Richtung Flughafen lauft bzw. vom Flughafen zur Mascot Station lauft und von dort zu eurem Appartement fahrt. Das gleiche gilt für den internationalen Flughafen und die Wolli Creek Station (ebenfalls 20 Minuten Fußweg).

VII. Fazit

Wenn ich auf meine Wahlstation in Sydney zurückblicke, bereue ich keinen Moment davon und würde die Entscheidung jederzeit erneut treffen. Meine Erwartungen wurden übertroffen und ich kehre mit reichlich neuen Eindrücken zurück nach Deutschland. Der Zeitraum von drei Monaten ist sehr passend, um das Leben und das Land kennenzulernen. Gerade mein letzter Arbeitstag mit der herzlichen Verabschiedung von Frau Dr. Yates und den anderen Kollegen fiel mir sehr schwer.

Ich hoffe, dass dieser Bericht euch einen Überblick über meine Station von der Planung bis zum Abschluss gewährt hat und euch bei eurem Entschluss zur Wahlstation in Australien und dann ggf. während des Aufenthalts weiterhelfen wird. [RefN]

Der Artikel wurde am 7. März 2023 von einem veröffentlicht. Nähere Angaben zum Autor findest Du unterhalb des Artikels.