
Vielleicht geht/ging es einigen von euch auch so. Wo absolviere ich meine Anwaltsstation? In einer kleinen Kanzlei, wo man regelmäßig Klagen zu z.B. Verkehrsunfällen schreibt, was sicherlich sehr examensrelevant ist? Oder in einer größeren Kanzlei, wo vielleicht wenig examensrelevantes auf einen zukommt?
Ich habe mich wohl für ein Mittelding entschieden 🙂 Da ich vor meinem Referendariat bereits einige Monate in einer Ein-Mann-Kanzlei als „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ mitgearbeitet hatte, war mir klar, dass ich das später einmal auf keinen Fall machen möchte. Wie man Klagen/Klageerwiderungen schreibt, hatte ich in dieser Zeit auch gelernt. Daher habe ich mich bewusst für eine größere Kanzlei entschieden, da das wohl die einzige Tätigkeit als Anwalt wäre, die ich mir vorstellen konnte. Dabei spielte für mich die Examensrelevanz keine Rolle und ich habe mich ausschließlich davon leiten lassen, was meinen Interessen entgegen kommt. Da ich mit dieser Ansicht auch schon bei der Verwaltungsstation einen recht guten Griff hatte, hoffte ich, dass es auch in der Anwaltsstation so sein würde.
Und es war wirklich eine tolle Zeit, in der ich viel Spaß bei der Arbeit hatte und etwas traurig war, als es dann zur „Tauchstation“ ging, in der ich mich nun einige Tage befinde. Es hat mir sogar so gut gefallen, dass ich auch meine Wahlstation in dieser Kanzlei absolvieren werde.
Was den Arbeitsalltag anging, so habe ich an den Tagen, an denen keine AG oder Klausurenkurs stattfand, ganztägig im Büro gearbeitet. Manchmal auch länger als 17 Uhr, aber das haben auch viele Kollegen, die in kleinen Kanzleien waren, getan.
Besonders spannend war die Vielfalt der Aufgaben und Themenbereiche, mit denen ich mich beschäftigen durfte. Von Erbrecht, über Strafrecht, Gesellschaftsrecht, allgemeines Zivilrecht… es war wirklich so viel dabei, dass es nie langweilig wurde und ich unheimlich viel gelernt habe. Zum Teil handelte es sich erstmal um Rechercheaufgaben, aber mit der Zeit waren auch Vertragsentwürfe oder andere Schriftsätze dabei.
Da in Niedersachsen auch sehr häufig Kautelarklausuren geschrieben werden, war es super passend, dass ich mich gerade vor der ersten AG-Klausur, die eine Kautelarklausur in Form eines Testamentes war, mit der Erstellung von Testamenten und der Unternehmensnachfolge beschäftigt hatte. Insoweit war dann doch einiges Examensrelevantes dabei. 🙂
Im Gegensatz zu vielen anderen in meiner AG bin ich natürlich überhaupt nicht zum Lernen gekommen während der Anwaltsstation. Das mag daran liegen, dass ich an den Wochenenden immer den Schreibtisch gemieden habe, aber ich dachte immer, dass die Zeit, in der man auch am Wochenende wieder büffeln muss, kommt noch früh genug. Nun habe ich mich bewusst dafür entschieden, einen Monat eher zu tauchen, als die meisten anderen aus meiner AG es tun. Mal sehen, ob es was bringt. Ich kann allerdings sagen, dass die Spannung langsam steigt. Am 2. April 2015 steht dann die erste Klausur an. Bis dahin versuche ich ein bis zwei Klausuren in der Woche zu schreiben und den Rest der Zeit mit lernen zu verbringen. Die ganz „heiße Phase“ wird dann wohl erst Anfang März beginnen, wo dann auch die Wochenenden zur Lernzeit werden.
In unserer AG sind auch gerade die unterschiedlichen Repititorien ein großes Thema. Die meisten haben sich gegen den Marktführer entschieden, da die Preise ja nun auch wirklich „kaiserlich“ sind. Allerdings haben wir zumindest für das Ö-Recht und das Strafrecht hier in Niedersachsen Alternativen gefunden, die deutlich preiswerter sind und die Gruppen kleiner. Das, was ich bis jetzt davon besucht habe, war wirklich super und lehrreich. Mal schauen, wie sich nun die Klausuren in dem Klausurenkurs entwickeln und wie lange die gute Laune noch bleibt 😉
Viele Grüße und einen guten Start in das Jahr 2015,
Miriam







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