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  Ausgabe 40/2022
Montag, der 03.10.2022
     

 / Allgemein

Der ehemals beschwerliche Weg zum Volljuristen in Polen

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Ein Blick über den Tellerrand hat noch nie geschadet, daher behandelt dieser Artikel die Juristenausbildung in unserem Nachbarland Polen. Da ja die Juristenausbildung in Deutschland, insbesondere das Referendariat, ständig in der Kritik ist, können wir hier vielleicht etwas lernen…

In Polen schließt man das Jurastudium mit einer Magisterarbeit ab. Anschließend folgt das Referendariat, welches dort „Aplikacja“ genannt wird.

Hier finden wir schon den ersten Unterschied zu unserem Referendariat: Man wird speziell auf den zuvor gewählten Berufszweig, also Richter+Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Notar und Rechtberater (hier bestehen Unterschiede zum klassischen Rechtsanwalt) vorbereitet und ausgebildet.  Zudem muss man eine Zulassungsprüfung zum Referendariat bestehen, um überhaupt beginnen zu dürfen. Diese Prüfung bestehen nicht viele, die Durchfallquoten sind gigantisch.

Die Länge des Referendariats hängt von der gewählten Berufsart ab und dauert 2,5 bis 3,5 Jahre. Es schließt sich die Prüfung an, die in einen schriftlichen und mündlichen Bereich geteilt ist. Die Prüfungsinhalte differieren stark, je nach dem, welchen Berufszweig man gewählt hat.

Interessant ist auch, dass in Polen die Ausbildung der Anwälte und Rechtsberater von der Anwaltskammer organisiert wird. Früher war es so, dass sehr wenige neue Anwälte pro Jahr auf den Markt kamen, da die Anwaltskammer angeblich die Zulassungen so steuerte, dass keine Juristenschwemme eintrat. Dies hat sich mittlerweile geändert, die Durchfallquoten sind längst nicht mehr so hoch, es drängen eine Vielzahl neu Ausgebildeter auf den Jobmarkt und die Lage nähert sich der deutschen an. Nichts desto trotz ist die Anwaltsdichte noch lange nicht mit der in Deutschland vergleichbar.

Hinweisen möchte ich hier auch noch auf die Deutsch-Polnische Juristen-Vereinigung. Hier findet ein Austausch von deutschen und polnischen Referendaren statt, es werden Referendare von Deutschland nach Polen und von Polen nach Deutschland vermittelt. Für die Bewerbung ist ein Formular hinterlegt. [RefN]

Der Artikel wurde am 23. August 2022 von veröffentlicht. Alice ist eine ehemalige Referendarin aus Mecklenburg-Vorpommern.