Mit 10 Monaten ist die Anwaltsstation in NRW die längste Station. Und wenn man nicht nach Speyer will und deshalb die Anwaltsstation aufteilen muss, verbringt man die gesamte Zeit bei einem Anwalt. Die Gründe dafür sind Bequemlichkeit – man will sich nicht zweimal in eine Kanzleistruktur einarbeiten – und eine zwei- dreimonatige Tauchphase. Ich selbst hatte auch gar keine Wahl, bei meiner Kanzlei könne man sein Referendariat nur über die vollen 10 Monate machen.
Dabei ist keineswegs üblich, dass man für seine Tätigkeit als Referendar in der Anwaltsstation extra bezahlt wird. Die Anwälte nehmen die Extraarbeitskraft gerne kostenlos mit, und weil sie keine Unmenschen sind, bekommt man neben dem AG-Tag noch einen freien Lerntag fürs Klausurenschreiben und AG-Nacharbeiten. Wahrscheinlich bekommt man dann auch kein eigenes Büro in der Kanzlei, sondern muss auf Anfrage in der Kanzlei mit seinen Ausführungen und der Akte aufschlagen. Die überwiegende Zahl der Referendare in meiner AG verfährt so. Examenstechnisch ist das auch nicht unklug, weil bei einer freien Mitarbeit mit freier Zeiteinteilung genug Zeit zum Lernen bleibt.
Ich bin einen anderen Weg eingeschlagen. Ich arbeite 4 Tage die Woche voll und ohne freien Lerntag ( 9 bis 17 Uhr). Danach kann man noch ein wenig Skripte lesen, aber zumindest Klausuren schreiben wird schwierig (da man ja auch nebenbei waschen, einkaufen, Hemden bügeln etc. muss). In Bezug auf das Examen jedenfalls schonmal riskant. Andererseits bekommt man vom Anwaltsberuf mit seinen vielen Facetten auch nur etwas mit, wenn man schlicht „da“ ist. Und ganz im Ernst, nach 5 Jahren Studium und der Verwaltungsstation habe ich keine Lust mehr auf das Anfertigen von Gutachten ohne Bezug zu den Parteien des Rechtsstreits. Da ich gerne praktisch arbeiten möchte, habe ich mich daher auf das – freilich nicht verhandelbare – Angebot der Kanzlei eingelassen. Ob das im Nachhinein richtig war, werde ich berichten.
Das überdurchschnittliche Engagement lohnt sich für mich auch ein wenig finanziell. Wobei man sagen muss, dass der Lohn für die Tätigkeit eines Referendars in OWL nicht mit denen in den Hochburgen Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt oder München vergleichbar ist. Um mal eine Zahl zu sagen, es sind so 300 – 400 Euro pro Monat. Und da kommen wir zum Problem der Generation Praktikum – und das Referendariat ist ein Kettenpraktikum -: Der monatliche Betrag ist nicht fix sondern „leistungsbasiert“. Schriftlich habe ich natürlich auch nichts. Also bin ich mal gespannt, was die Zusage des Ausbilders am Ende des Monats wert ist ;). Jedenfalls erlaubt die Kanzlei mir, in den letzten beiden Monaten vor den Klausuren zu „tauchen“, also die Zeit vollständig zum Lernen zu nutzen. Ohne diese Zusage hätte ich das Geld in den Wind geschlagen. Denn was nützt ein Minijob, wenn durch ein schlechtes 2. StEX der weitere Lebensweg verbaut ist?
Geld vom Anwalt bekommen ist also weder üblich noch ohne größeren Arbeitsaufwand zu erreichen. Dies gilt jedenfalls für einen 0815-Juristen wie mich, dessen Papa nicht Partner einer überregionalen Sozietät ist. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die gesetzliche Rentenversicherung sich diesen kleinen Extra-Obulus auch noch krallen will. Deshalb darf gegenwärtig eine Zuweisung zum Anwalt nur erfolgen, wenn der Anwalt per Freistellungserklärung die auf die Zusatzvergütung entfallenden Beiträge übernimmt. Mein Anwalt meinte dazu nur: „Ja, dann wird in Zukunft niemand mehr dem Referendar in der Anwaltsstation was zahlen“. Eine Dreistigkeit, dass man als Rechtsreferendar mit 862 Euro netto in relativer Armut (dh auf Hartz4-Niveau) leben muss und die Möglichkeit des Zusatzeinkommens durch Schikanen eingeschränkt wird (Genehmigungspflicht für Nebentätigkeit, die genannte Freistellungserklärung).
Was diese „Freistellung“ von mir verlangt – ich weiß es nicht! Soll ich zu meiner Krankenkasse gehen und sagen: „Hallo, ich verdiene ab und zu mal ein paar Hundert euro extra. Erhöht bitte meinen Beitrag. Aber nicht um zu viel, denn ob ich im nächsten Monat wieder 300 Euro bekomme, weiß ich nicht. Hab da nämlich nichts Schriftliches!“. Wer eine Idee für dieses Problem hat, kann mir ja mal – diskret per Mail 😉 – schreiben.







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