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  Ausgabe 41/2026
Mittwoch, der 07.10.2026
     

 / Allgemein

Wer war eigentlich… Dr. Heinrich Schönfelder

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Heinrich SchönfelderGenerationen von Juristen kannten die rote Gesetzessammlung als „Schönfelder“ – seit 2021 heißt sie „Habersack“. Wer war der Mann, dessen Name 90 Jahre lang auf dem Einband stand? Heinrich Schönfelder wurde am 16. Juli 1902 in Nossen (Sachsen) geboren. Er studierte Jura in Tübingen und Leipzig und legte dort auch sein erstes Staatsexamen im Jahre 1925 ab. Es folgten kurz darauf die Promotion in Leipzig und 1930 das zweite Staatsexamen. Anschließend war er Gerichtsassessor in Chemnitz und Dresden, später Amtsgerichtsrat in Dresden. Zu seinem Lebenslauf gehört aber auch eine deutliche NS-Belastung. Zum 1. April 1933 trat er der NSDAP bei, im November 1933 dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.

Die literarische Karriere begann bereits im Jahre 1929; Schönfelder war noch Rechtsreferendar, als er in Zusammenarbeit mit dem Verlag C. H. Beck die Reihe „Prüfe Dein Wissen“ herausgab. Die Reihe wurde 1934 eingestellt, nach dem Krieg wieder aufgenommen und wird bis heute fortgeführt.

1931 erschien erstmalig die Gesetzessammlung „Deutsche Reichsgesetze“, herausgegeben von Dr. Heinrich Schönfelder. Auch hier gibt es einige interessante Fakten: Schönfelder führte die in eckigen Klammern über den Paragraphen stehenden Überschriften ein, zuvor gab es diese nicht. Mittlerweile hat Schönfelders Idee mit den Überschriften bekanntlich Einzug in so manchen Gesetzestext gehalten: Beim BGB hat der Gesetzgeber im Zuge der Schuldrechtsmodernisierung 2002 amtliche Überschriften eingeführt.

Ab der 4. Auflage 1935 hieß die Sammlung „Deutsche Gesetze“ und erschien als Loseblattwerk. Sie enthielt nun unter Nr. 1 das Parteiprogramm der NSDAP und unter Nr. 2 bis 19 das nationalsozialistische Verfassungsrecht. Aus diesem Grund steht das BGB bis heute unter Nr. 20!

Zur Person Schönfelder gehört noch ein weiteres bemerkenswertes Detail: Er war Anhänger der religiösen Mazdaznan-Lehre. Kurz gesagt ist das eine Mischreligion mit zarathustrischen, christlichen und einigen hinduistischen und tantrischen Elementen mit eigener Ernährungslehre. Die Bewegung wurde 1935 verboten; seine Mitgliedschaft schloss ihn später von Beförderungen aus.

1940 wurde Schönfelder zur Luftwaffe eingezogen. Zuletzt war er als Kriegsrichter in Italien tätig, wo er am 3. Juli 1944 bei Canossa durch einen Partisanenangriff ums Leben kam.

Aus „Schönfelder“ wurde „Habersack“

Wegen Schönfelders NS-Vergangenheit hat C. H. Beck die Gesetzessammlung im Juli 2021 umbenannt. Seit der 185. Ergänzungslieferung (Oktober 2021) heißt sie „Habersack – Deutsche Gesetze“; Namensgeber ist der Münchener Zivil- und Gesellschaftsrechtler Mathias Habersack. An der Nummerierung hat sich dadurch nichts geändert: Das BGB steht weiterhin unter Nr. 20. Zeitgleich hat der Verlag weitere nach NS-belasteten Juristen benannte Werke umbenannt, darunter den Palandt, der heute Grüneberg heißt. Für Referendare ist das ganz praktisch relevant: Prüfungsämter und Hilfsmittelbekanntmachungen verwenden inzwischen den neuen Titel.

Detailliertere Informationen zu Leben und Werk von Heinrich Schönfelder findest Du in der Neuen Deutschen Biographie.

Quelle und Urheber Foto: Landsmannschaft Schottland [RefN]

Der Artikel wurde am 21. Oktober 2025 von veröffentlicht. Alice ist eine ehemalige Referendarin aus Mecklenburg-Vorpommern.