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Die Einstellungsvoraussetzungen in Schleswig-Holstein

Allgemeines zur Richtereinstellung in Schleswig-Holstein

Wer glaubt, die Justiz in Schleswig-Holstein sei nur ein kleiner Verein, der irrt sich gewaltig. Wir reden hier von rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die den „echten Norden“ am Laufen halten. Das Justizministerium ist ständig auf der Suche nach frischem Blut für die verschiedenen Gerichtsbarkeiten und die Staatsanwaltschaften. Zur Auswahl stehen dabei die Ordentliche Gerichtsbarkeit (Zivil- und Strafrecht), die Sozial-, Verwaltungs-, Arbeits- und Finanzgerichtsbarkeit sowie natürlich die Staatsanwaltschaften.

Man sucht hier nicht einfach nur Paragraphenreiter, sondern selbstbewusste, unabhängige Persönlichkeiten, die sich der krassen Verantwortung bewusst sind, die man als Richter oder Staatsanwalt trägt. Das Ziel ist eine Justiz, die bürgerfreundlich, unabhängig und modern ist. Dabei spielt das Personalentwicklungskonzept eine große Rolle: Es geht nicht nur darum, jemanden einzustellen und dann im Regen stehen zu lassen, sondern um eine systematische Förderung aller – egal ob man Karriereambitionen hat oder einfach nur einen verdammt guten Job machen will. Man legt Wert darauf, dass die Justiz ein attraktiver Arbeitgeber bleibt, der auch Themen wie IT-Ausstattung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie lebenslanges Lernen ernst nimmt. Kurz gesagt: Wer Lust auf einen Job mit Sinn, Tiefgang und einer ordentlichen Portion Verantwortung hat, ist hier genau richtig.

Einstellungsvoraussetzungen

Kommen wir zum „harten Stoff“: Was musst du mitbringen, um überhaupt eine Chance zu haben? Die magische Grenze, an der in der Juristerei oft kein Weg vorbeiführt, ist das Prädikatseksamen. Grundsätzlich erwartet das Land Schleswig-Holstein zwei Staatsexamina, die jeweils mit mindestens 9 Punkten abgeschlossen wurden. Zusätzlich sollten deine Leistungen im Vorbereitungsdienst, also im Referendariat, überdurchschnittlich sein. Das klingt erst mal nach einer hohen Hürde, aber es gibt ein Hintertürchen: Von diesem harten Grundsatz kann im Einzelfall abgewichen werden. Wenn du also zum Beispiel schon relevante Berufserfahrung gesammelt hast oder über krasse Zusatzqualifikationen verfügst, lohnt sich eine Bewerbung vielleicht trotzdem.

Neben den Noten zählt aber vor allem die Persönlichkeit. Man achtet gemäß § 9 DRiG (Deutsches Richtergesetz) und § 1 Abs. 1 LRiG (Landesrichtergesetz) extrem auf die fachliche und soziale Kompetenz. Du musst unabhängig denken können und die nötige Reife besitzen, um Urteile zu fällen, die das Leben von Menschen massiv beeinflussen. Wer sich unsicher ist, ob die eigenen Noten reichen, dem wird sogar explizit geraten, einfach mal beim Ministerium durchzuklingeln und nachzufragen – die Leute dort beißen nicht. Wichtig ist am Ende, dass du als Gesamtpaket überzeugst und zeigst, dass du das Zeug zum Richter auf Lebenszeit hast.

Die Bewerbung

Wenn du dich entschieden hast, den Schritt zu wagen: Wie läuft das mit der Bewerbung ab? Erst mal die gute Nachricht: Für die ordentliche Gerichtsbarkeit, die Sozial- und Verwaltungsgerichtsbarkeit sowie die Staatsanwaltschaften gibt es keine festen Einstellungstermine oder Fristen – du kannst deine Unterlagen also jederzeit einreichen. Deine Bewerbung geht direkt an das Ministerium für Justiz und Gesundheit in Kiel, entweder ganz klassisch per Post an den Lorentzendamm 35 oder – viel moderner – in elektronischer Form per E-Mail an das Postfach JuMi.Referat_II_33@jumi.landsh.de.

Ministerium für Justiz und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein
Lorentzendamm 35
24103 Kiel

Damit deine Bewerbung nicht direkt im Papierkorb landet, müssen folgende Unterlagen dabei sein:

  • Ein formloses Anschreiben, in dem du erklärst, warum du ausgerechnet zur ordentlichen Justiz, einer Fachgerichtsbarkeit oder zur Staatsanwaltschaft willst.
  • Ein tabellarischer Lebenslauf (bitte getippt, nicht handschriftlich!).
  • Einfache Ablichtungen deiner Zeugnisse vom Abitur bis zum 2. Examen, inklusive aller Stationszeugnisse aus dem Referendariat.
  • Falls vorhanden: Belege über weitere Ausbildungen, Berufserfahrung oder deine Promotionsurkunde.
  • Ganz wichtig: Deine Einverständniserklärung zur Einsichtnahme in die Referendarpersonalakte (mit Angabe, wo diese liegt).
  • Und zu guter Letzt: Die Einverständniserklärung zur Beteiligung des Hauptrichterrats bzw. Hauptstaatsanwaltsrats am Verfahren.

Menschen mit Behinderungen sind übrigens ausdrücklich zur Bewerbung eingeladen, und man verspricht, das Verfahren barrierefrei zu gestalten.

Das Bewerbungsverfahren

Hast du deine Unterlagen abgeschickt, geht das Warten los – aber meistens nicht lange. Du bekommst erst mal eine Eingangsbestätigung und zeitnah (oft telefonisch) eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ins Justizministerium. Jetzt wird es ernst: Im Gespräch sitzen dir nicht nur die Leute aus dem Ministerium gegenüber. Beteiligt sind auch die Personalvertretungen (Hauptrichterrat oder Hauptstaatsanwaltsrat), die Gleichstellungsbeauftragte und gegebenenfalls die Schwerbehindertenvertretung. Das mag erst mal einschüchternd wirken, dient aber der Transparenz und Chancengleichheit.

Inhaltlich geht es im Gespräch natürlich darum, zu prüfen, ob du die nötigen Kompetenzen mitbringst. Das Ministerium checkt deine Eignungsprognose gemäß Art. 33 Abs. 2 GG. Wenn du das Team im Ministerium überzeugt hast und zur Einstellung vorgeschlagen wirst, ist die Sache aber noch nicht ganz geritzt. Es folgt ein zweites Vorstellungsgespräch. Dieses findet dann bei der oder dem zuständigen Präsidenten der jeweiligen Gerichtsbarkeit (z. B. OLG, LSG, OVG) bzw. bei der Generalstaatsanwältin statt. Erst wenn auch dort der Daumen nach oben geht, darfst du dich auf deine Ernennung zum Richter oder Staatsanwalt auf Probe freuen. Es ist also ein zweistufiger Prozess, bei dem beide Seiten – Ministerium und die konkrete Behörde – grünes Licht geben müssen.

Die Ausbildung

Herzlichen Glückwunsch, du bist drin! Aber der Lernprozess geht jetzt erst richtig los. In der Probezeit wirst du nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. In der ordentlichen Gerichtsbarkeit gibt es eine spezielle sechsmonatige Einführungsphase. Das Beste daran: Du arbeitest in dieser Zeit nur mit 70 % deiner Arbeitskraft im Dezernat. Die restliche Zeit ist für Fortbildungen, Workshops und das Ankommen reserviert. Dir wird ein Mentor oder Tutor zur Seite gestellt – ein erfahrener Kollege, dem du auch „dumme“ Fragen stellen kannst, ohne dass es in deine Beurteilung einfließt.

Die Ausbildung umfasst spezielle Tagungen des Nordverbunds, etwa zur „Tatsachenfeststellung vor Gericht“ oder zur Arbeit im Zivil- bzw. Strafdezernat. Während der Probezeit lernst du oft verschiedene Gerichte oder Rechtsgebiete kennen. Was den Laufbahnwechsel angeht: Ein obligatorischer Wechsel zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft oder zwischen den Gerichtsbarkeiten ist nicht vorgesehen. Wenn du aber von dir aus Lust hast, mal woanders reinzuschnuppern, ist das auf Wunsch oft möglich. Deine Leistung wird währenddessen regelmäßig beurteilt: Die erste Beurteilung erfolgt nach sechs Monaten, danach meist jährlich, bis die Entscheidung über die Planstelle fällt. Laut § 12 RiStABuVO gibt es dabei immer eine Erst- und eine Zweitbeurteilung durch deine Vorgesetzten.

Fachgerichtsbarkeiten sowie Staatsanwaltschaft

Nicht jeder landet beim Amtsgericht um die Ecke. Es gibt Besonderheiten, je nachdem, wo du hinwillst. Bei den Staatsanwaltschaften läuft der Start etwas anders: Hier hast du in den ersten drei Monaten in der Regel nur ein halbes Dezernat zu bearbeiten, um nicht direkt unterzugehen. Die Staatsanwaltschaft ist hierarchisch aufgebaut und du bist als Staatsanwalt an die Weisungen deiner Vorgesetzten gebunden (§ 146 GVG).

Bei den Fachgerichtsbarkeiten der Arbeits- und Finanzgerichtsbarkeit ist wichtig zu wissen: Hier sind keine Initiativbewerbungen möglich. Die Stellen werden dort öffentlich ausgeschrieben, es sei denn, man macht einen Quereinstieg aus einer anderen Gerichtsbarkeit. Auch in den Fachgerichtsbarkeiten gibt es intensive Betreuung und spürbare Entlastung in der Einarbeitungszeit. Jede Gerichtsbarkeit hat ihr eigenes Fachkonzept im Personalentwicklungskonzept. Zum Beispiel ist in der Finanzgerichtsbarkeit wegen der hohen Spezialisierung oft schon Vorerfahrung im Steuerrecht oder aus anderen Justizzweigen nötig. In der Arbeitsgerichtsbarkeit wiederum agiert man oft schon früh als Einzelrichter, was ein hohes Maß an Behauptungsvermögen erfordert. Die Bewerbung für Sozial- und Verwaltungsgerichte kann hingegen, wie bei der ordentlichen Justiz, jederzeit eingereicht werden. Jede Sparte hat ihren eigenen Charme und ihre eigenen Herausforderungen, aber das Ministerium in Kiel hält bei fast allen die Fäden der Einstellung in der Hand.

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