{"id":2,"date":"2011-10-24T21:40:59","date_gmt":"2011-10-24T19:40:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/richter\/?page_id=2"},"modified":"2026-04-10T22:31:35","modified_gmt":"2026-04-10T20:31:35","slug":"richterbesoldung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/richter\/richterbesoldung\/","title":{"rendered":"Das Gehalt als Richter"},"content":{"rendered":"<div class=\"paragraph is-rich-chat-ui normal ng-star-inserted\" data-start-index=\"125\">\n<p>Wer nach dem harten Jura-Studium und dem Referendariat die begehrte Robe \u00fcberstreift, tritt in einen Dienst ein, der nicht nur eine Menge Verantwortung, sondern auch ein ziemlich komplexes Bezahlsystem mit sich bringt. <strong>Richter und Staatsanw\u00e4lte<\/strong> werden in Deutschland nach der sogenannten <strong>Besoldungsordnung R<\/strong> bezahlt. Doch wer glaubt, dass \u201eR1\u201c \u00fcberall das Gleiche bedeutet, der hat die Rechnung ohne den deutschen F\u00f6deralismus gemacht.<\/p>\n<p>Wenn du als frischgebackener Assessor in den Staatsdienst startest, landest du in der Regel in der <strong>Besoldungsgruppe R1<\/strong>. Das betrifft den Gro\u00dfteil der Justiz, also Richter am Amts-, Land-, Verwaltungs-, Sozial- oder Arbeitsgericht sowie Staatsanw\u00e4lte. In den meisten Bundesl\u00e4ndern steigst du direkt in der <strong>Erfahrungsstufe 2<\/strong> ein.<\/p>\n<p>Hier f\u00e4ngt das Chaos \u2013 oder die \u201eZersplitterte Besoldungslandschaft\u201c, wie der Deutsche Richterbund (DRB) es nennt \u2013 allerdings schon an. Seit der F\u00f6deralismusreform 2006 bastelt n\u00e4mlich jedes Bundesland sein eigenes S\u00fcppchen bei der Bezahlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3d5b99;\"><em><b>Die Besoldung in den L\u00e4ndern<\/b><\/em><\/span><\/p>\n<p>Zum Jahresbeginn 2026 zeigt der <strong>L\u00e4ndervergleich<\/strong> deutliche Gr\u00e4ben:<\/p>\n<ul class=\"ng-star-inserted\">\n<li>Baden-W\u00fcrttemberg: 5.273 \u20ac<\/li>\n<li>Bayern: 5.514 \u20ac<\/li>\n<li>Berlin: 5.335 \u20ac<\/li>\n<li>Brandenburg: 5.298 \u20ac<\/li>\n<li>Bremen: 5.059 \u20ac<\/li>\n<li>Hamburg: 5.402 \u20ac<\/li>\n<li>Hessen: 5.389 \u20ac<\/li>\n<li>Mecklenburg-Vorpommern: 5.246 \u20ac<\/li>\n<li>Niedersachsen: 5.142 \u20ac<\/li>\n<li>Nordrhein-Westfalen: 5.135 \u20ac<\/li>\n<li>Rheinland-Pfalz: 5.256 \u20ac<\/li>\n<li>Saarland: 4.826 \u20ac<\/li>\n<li>Sachsen: 5.252 \u20ac<\/li>\n<li>Sachsen-Anhalt: 4.936 \u20ac<\/li>\n<li>Schleswig-Holstein: 5.311 \u20ac<\/li>\n<li>Th\u00fcringen: 5.143 \u20ac<\/li>\n<\/ul>\n<p>Spitzenreiter ist Bayern, wo ein lediger Berufseinsteiger satte 5.514 \u20ac brutto im Monat bekommt. Auf den Pl\u00e4tzen folgen Hamburg (5.402 \u20ac) und Hessen (5.389 \u20ac). Das Schlusslicht bildet das Saarland mit 4.826 \u20ac.\u00a0Das ist eine <strong>Differenz von fast 700 \u20ac oder 12 %<\/strong> \u2013 nur weil man ein paar Kilometer weiter westlich oder s\u00fcdlich arbeitet. Im Durchschnitt \u00fcber alle L\u00e4nder (inklusive Bund) liegt das Grundgehalt der R1-Eingangsstufe 2025 bei etwa 5.219 \u20ac.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3d5b99;\"><em><b>Brutto vs. Netto: Warum Richter mehr vom Geld haben<\/b><\/em><\/span><\/p>\n<p>Jetzt wird es spannend. Wenn du die 5.200 \u20ac Brutto eines Richters in Nordrhein-Westfalen mit dem Gehalt eines Angestellten in einer Kanzlei vergleichst, gewinnt der Richter beim <strong>Netto<\/strong> oft haushoch.\u00a0Warum ist das so?<\/p>\n<ul>\n<li>Keine Rentenversicherung: Richter zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, da sie sp\u00e4ter eine <strong>Pension<\/strong> erhalten (oft ca. 70 % des letzten Gehalts).<\/li>\n<li>Keine Arbeitslosenversicherung: Da Richter auf Lebenszeit ernannt und damit praktisch unk\u00fcndbar sind, f\u00e4llt dieser Beitrag flach.<\/li>\n<li>Private Krankenversicherung &amp; Beihilfe: Richter sind meist privat versichert. Der Clou: Der Dienstherr \u00fcbernimmt \u00fcber die <strong>Beihilfe<\/strong> oft 50 % der Krankheitskosten (auch f\u00fcr Kinder).<\/li>\n<\/ul>\n<p>In NRW zum Beispiel bleiben von den ca. 5.200 \u20ac Brutto am Ende etwa 3.900 \u20ac bis 4.000 \u20ac Netto \u00fcbrig. Davon muss zwar noch der Beitrag f\u00fcr die private Krankenversicherung abgehen, aber unter dem Strich bleibt deutlich mehr \u201eCash in de T\u00e4sch\u201c als bei einem vergleichbaren Angestellten-Brutto.\u00a0Richtig lukrativ kann die Besoldung werden, wenn du eine Familie gr\u00fcndest. Neben dem Grundgehalt gibt es den <strong>Familienzuschlag<\/strong>. Dieser ist in Stufen unterteilt:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Stufe 1:<\/strong> Gibt es f\u00fcr Verheiratete oder Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.<\/li>\n<li><strong>Stufe 2 und folgende:<\/strong> Kommen pro Kind oben drauf.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier ziehen die Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern erneut massiv an. In manchen Bundesl\u00e4ndern wird die H\u00f6he des Zuschlags sogar von der <strong>Mietenstufe<\/strong> deines Wohnorts beeinflusst. In NRW kann der Zuschlag f\u00fcr das erste Kind je nach Wohnort zwischen ca. 311 \u20ac und \u00fcber 900 \u20ac liegen. In Bayern gibt es je nach Ortsklasse bis zu 812 \u20ac pro Kind ab dem dritten Kind.<\/p>\n<p>Wer drei Kinder hat und im Bundesdienst steht, bekommt zum Beispiel allein an Familienzuschl\u00e4gen \u00fcber <strong>770 \u20ac monatlich<\/strong> zus\u00e4tzlich zum Grundgehalt. Das macht die Justiz gerade f\u00fcr junge Familien finanziell sehr attraktiv, da diese Betr\u00e4ge \u201eon top\u201c zum normalen Kindergeld gezahlt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3d5b99;\"><em><b>Die Kehrseite: Realit\u00e4tscheck Arbeitszeit<\/b><\/em><\/span><\/p>\n<p>Klingt alles nach Traumjob? Man muss ehrlich bleiben: Im Vergleich zu den Einstiegsgeh\u00e4ltern in <strong>Gro\u00dfkanzleien<\/strong>, die teilweise bis zu 180.000 \u20ac im Jahr bieten, wirkt das Richtergehalt fast bescheiden.<\/p>\n<p>Zwar steigt das Gehalt durch <strong>Erfahrungsstufen<\/strong> alle zwei Jahre automatisch an, aber die Arbeitsbelastung ist oft extrem. In Mecklenburg-Vorpommern haben Experten vorgerechnet: Ein Berufseinsteiger kommt bei einer 40-Stunden-Woche auf einen <strong>Stundensatz von ca. 32 \u20ac<\/strong>. Wenn man aber \u2013 was gerade im Strafrecht nicht selten ist \u2013 real 60 Stunden arbeitet, sinkt der effektive Stundensatz auf etwa 22 \u20ac. Das ist ein Punkt, den man beim Berufseinstieg definitiv auf dem Schirm haben sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3d5b99;\"><em><b>Verfassungswidrig zu niedrig? Der Kampf um die Alimentation<\/b><\/em><\/span><\/p>\n<p>Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Urteilen (unter anderem 2020) klargestellt, dass die Besoldung <strong>amtsangemessen<\/strong> sein muss. Das bedeutet: Sie muss einen deutlichen Abstand zum Grundsicherungsniveau (der sogenannten Prekarit\u00e4tsschwelle) einhalten.<\/p>\n<p>Viele Verb\u00e4nde wie der <strong>Deutsche Richterbund (DRB)<\/strong> kritisieren, dass die Politik die Geh\u00e4lter seit Jahren \u201eausgeh\u00f6hlt\u201c hat. In Berlin wurde die Besoldung f\u00fcr die Jahre 2008 bis 2020 bereits weitgehend f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt. Der DRB k\u00e4mpft aktuell sogar f\u00fcr eine sogenannte Alimentationsgrundsatzklage. Damit sollen Spitzenorganisationen direkt gegen zu niedrige Besoldungsgesetze klagen k\u00f6nnen, damit nicht zehntausende Richter und Beamte jedes Jahr einzeln Widerspruch einlegen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #3d5b99;\"><em><b>Fazit<\/b><\/em><\/span><\/p>\n<p>Der Berufseinstieg in der Justiz bietet eine solide finanzielle Basis, die vor allem durch die <strong>Netto-Vorteile<\/strong> und die <strong>Familienzuschl\u00e4ge<\/strong> punktet. Wer jedoch nur aufs Geld schaut und die 60-Stunden-Wochen in der Gro\u00dfkanzlei gegenrechnet, wird entt\u00e4uscht sein.<\/p>\n<p>Die Besoldung ist derzeit ein politisches und rechtliches Minenfeld. W\u00e4hrend die einen von einer \u201eVersorgung auf hohem Niveau\u201c sprechen, sehen die anderen einen \u201eBruch mit dem Alimentationsprinzip\u201c. Eines ist jedoch sicher: Langweilig wird es beim Thema Geld in der Justiz so schnell nicht \u2013 und wer schlau ist, beh\u00e4lt seine Bez\u00fcgemitteilung genauso gut im Auge wie seine Akten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer nach dem harten Jura-Studium und dem Referendariat die begehrte Robe \u00fcberstreift, tritt in einen Dienst ein, der nicht nur eine Menge Verantwortung, sondern auch ein ziemlich komplexes Bezahlsystem mit sich bringt. Richter und Staatsanw\u00e4lte werden in Deutschland nach der sogenannten Besoldungsordnung R bezahlt. 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