{"id":9894,"date":"2015-01-23T11:09:29","date_gmt":"2015-01-23T09:09:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=9894"},"modified":"2015-01-23T12:27:51","modified_gmt":"2015-01-23T10:27:51","slug":"die-ausbildung-bei-der-staatsanwaltschaft-oder-licht-und-schatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/strafrechtsstation\/die-ausbildung-bei-der-staatsanwaltschaft-oder-licht-und-schatten\/","title":{"rendered":"Die Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft, oder: Licht und Schatten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7413\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/ukvgu1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"170\" \/>Mittlerweile ist die Strafrechtsstation vorbei und ich m\u00f6chte ein Fazit zur Ausbildung in dieser Station ziehen.<\/p>\n<p><strong>Die Einzelausbildung<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst die gute Nachricht: Alle aus unserer AG wurden wie gew\u00fcnscht der Staatsanwaltschaft zugewiesen. Das ist nicht immer selbstverst\u00e4ndlich. Ich hatte von Referendaren an anderen Gerichten geh\u00f6rt, dass die Pl\u00e4tze bei der StA unter Umst\u00e4nden rar ges\u00e4t und hei\u00df begehrt sein k\u00f6nnen.<!--more--> Da ich unbedingt zur Staatsanwaltschaft und nicht zum Strafrichter wollte, hatte ich daher im Vorfeld schon ein bisschen Sorge, dass daraus vielleicht nichts werden k\u00f6nnte. Meine Bedenken waren zum Gl\u00fcck aber v\u00f6llig unbegr\u00fcndet. Wir wurden bereits zu Beginn des Referendariats darauf hingewiesen, dass grunds\u00e4tzlich alle Referendare der Staatsanwaltschaft zugewiesen werden. Sollte mal nicht genug Platz sein, wird das vorher mitgeteilt, damit sich eventuell Freiwillige melden k\u00f6nnen. Und wer unbedingt zum Richter will, kann das auch beantragen.<\/p>\n<p>Wir waren am ersten Tag alle sehr gespannt auf unsere Einzelausbilder und deren Zust\u00e4ndigkeit. Bei uns ist eine Zuweisung zu einem bestimmten Staatsanwalt oder in eine bestimmte Abteilung n\u00e4mlich nicht m\u00f6glich. Mit meinem Los war ich mehr als zufrieden.<\/p>\n<p>Ich bin zwar nicht in einer allgemeinen Abteilung gelandet. Meine Staatsanw\u00e4ltin bearbeitete aber auch einen Teil Allgemeine Strafsachen und gab mir nur Ermittlungsakten aus diesem Bereich. Damit war ich sehr gl\u00fccklich, denn die \u00fcbrigen Ermittlungsverfahren f\u00fcllten teilweise mehrere Umzugskartons. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Ich habe zwar nicht viele Akten bearbeitet. Sie waren aber immer interessant. Als erste Akte hatte ich einen Wohnungseinbruchsdiebstahl mit anschlie\u00dfendem mehrfachem Computerbetrug durch Einsetzen der erbeuteten Kreditkarten. Die Akte war recht umfangreich mit Fotos von der Wohnung und den Geldautomaten, einer ergebnislosen Wohnungsdurchsuchung bei einem der beiden Beschuldigten und, und, und\u2026 Weil die beiden T\u00e4ter erst bei dem Einsatz der Kreditkarten erwischt wurden, musste ich bei der Anklage wegen des Wohnungseinbruchsdiebstahls ermitteln, ob wirklich hinreichender Tatverdacht vorliegt. Das hat zwar einige Zeit in Anspruch genommen, mir aber richtig viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Ermittlungsverfahren waren nicht so umfangreich, aber ebenso interessant. Insgesamt habe ich f\u00fcnf Arbeiten abgegeben. Verglichen mit meinen Kollegen, die teilweise mehr als doppelt so viele Arbeiten anfertigen mussten, habe ich von meiner Staatsanw\u00e4ltin wirklich wenige Akten bekommen. Dass es so wenige waren, hing zum einen damit zusammen, dass sie nicht so viele ausbildungsrelevante Verfahren hatte, zum anderen hatte ich ihr auf Nachfrage gesagt, dass ich kein gesteigertes Interesse am Strafrecht habe.<\/p>\n<p>Im Nachhinein bin ich sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber, ihr so ehrlich geantwortet zu haben. Sie hat sich trotzdem immer ausreichend Zeit f\u00fcr mich genommen, meine Fragen gut und verst\u00e4ndlich beantwortet und tolle Akten f\u00fcr mich ausgesucht. F\u00fcnf Akten waren auch v\u00f6llig ausreichend. H\u00e4tte ich mehr bekommen, w\u00e4re die Zeit neben dem Sitzungsdienst ganz sch\u00f6n knapp geworden.<\/p>\n<p><strong>Die Arbeitsgemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft dagegen war leider nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Wir hatten zwar die Gelegenheit, bei einer Obduktion dabei zu sein und konnten auch eine JVA besuchen. Abgesehen von der Organisation dieser Termine war unser AG-Leiter meiner Meinung nach allerdings ziemlich unmotiviert. Und dass, obwohl er regelm\u00e4\u00dfig Arbeitsgemeinschaften betreut.<\/p>\n<p>Die fehlende Motivation lie\u00df sich vor allem am Unterrichtsstil erkennen. W\u00e4hrend uns anfangs der Ablauf einer Verhandlung in allen Details, teilweise sogar mehrfach, geschildert wurde, wurden die \u00fcbrigen prozessualen Themen eher oberfl\u00e4chlich und didaktisch nicht unbedingt sinnvoll behandelt. Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie wir ganz zu Anfang eine Verf\u00fcgung schreiben sollten. Keiner von uns hatte eine Ahnung davon, wie eine Verf\u00fcgung aussieht. Die Station hatte gerade erst angefangen, bisher kannten wir nur den Ablauf einer Verhandlung und von unseren Einzelausbildern hatten wir auch noch keine Akten zur Bearbeitung bekommen. Da sa\u00dfen wir also v\u00f6llig ahnungslos und klaubten uns irgendetwas zusammen\u2026 Das Ergebnis war nicht unbedingt praxis- geschweige denn examenstauglich.<\/p>\n<p>Dass wir Themen ohne Vorbesprechung und meistens ohne Vorwissen bearbeiteten, hatte in dieser Station ungl\u00fccklicherweise irgendwie System. Klar, Referendariat bedeutet auch Selbststudium, aber relativ treffsicher wurden meist Themen behandelt, mit denen sich noch keiner von uns befasst hatte. Unser AG-Leiter teilte meistens die Unterlagen aus, verschwand in der Zwischenzeit und kam erst zur Besprechung wieder. Wegen der fehlenden Vorbereitung zog sich die Besprechung dann oft \u2013 nicht nur gef\u00fchlt \u2013 endlos in die L\u00e4nge. Insgesamt war der Lerneffekt also eher gering.<\/p>\n<p>Ich glaube letztlich waren nicht nur wir, sondern auch er froh, dass die drei Monate vorbei waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In meinem n\u00e4chsten Bericht werde ich \u00fcber meine Erfahrungen bei der Sitzungsvertretung schreiben. Da ich fast jede Woche eingeteilt worden bin, habe ich eine ganze Menge davon. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Bis dahin,<\/p>\n<p>Carina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile ist die Strafrechtsstation vorbei und ich m\u00f6chte ein Fazit zur Ausbildung in dieser Station ziehen. Die Einzelausbildung Zuerst die gute Nachricht: Alle aus unserer AG wurden wie gew\u00fcnscht der Staatsanwaltschaft zugewiesen. Das ist nicht immer selbstverst\u00e4ndlich. 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