{"id":9804,"date":"2014-12-12T09:34:52","date_gmt":"2014-12-12T07:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=9804"},"modified":"2014-12-11T18:08:48","modified_gmt":"2014-12-11T16:08:48","slug":"wichtiges-zu-stationszeugnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/allgemein\/wichtiges-zu-stationszeugnissen\/","title":{"rendered":"Wichtiges zu Stationszeugnissen"},"content":{"rendered":"<p><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6424\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/MP900431333.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Wof\u00fcr gibt es Zeugnisse?<\/b><\/p>\n<p>In Hessen bekommt grunds\u00e4tzlich jeder Referendar zum jeweiligen Stationsende zwei Zeugnisse ausgefertigt &#8211; eines vom AG-Leiter und eines vom Einzelausbilder. Der durchschnittliche Referendar sammelt so also bis zum Ende des juristischen Vorbereitungsdienstes 10 Zeugnisse. \u00dcberall, wo das Wort &#8222;grunds\u00e4tzlich&#8220; steht, gibt es aber nat\u00fcrlich auch Ausnahmen.<!--more--><\/p>\n<p>Wer zum Beispiel eine Station im Ausland oder einem anderen Bundesland macht, kann von der begleitenden Arbeitsgemeinschaft befreit werden und erh\u00e4lt logischerweise dann auch kein Zeugnis daf\u00fcr. Ebenso wird f\u00fcr ein Speyer-Semester nur von der DHV ein Zeugnis ausgestellt, ein Einzelausbilderzeugnis entf\u00e4llt in diesem Fall.<\/p>\n<p>Andersherum ist es auch m\u00f6glich, Stationen zu splitten. Zum Beispiel, kann die Verwaltungsstation zuerst zwei Monate in einer Beh\u00f6rde und anschlie\u00dfend am VG abgeleistet werden. Ebenso ist die Anwaltstation teilbar, um z.B. drei Monate in einem Verband oder Unternehmen oder bei einem Notar zu verbringen. In solchen F\u00e4llen erh\u00f6ht sich die Anzahl der Zeugnisse, weil jeder Einzelausbilder ein Zeugnis ausstellt.<\/p>\n<p><b>Wie m\u00fcssen die Zeugnisse aussehen?<\/b><\/p>\n<p>Auf der Homepage des JPA Hessen gibt es entsprechende Zeugnisformulare f\u00fcr die verschiedenen Stationen, die von den Einzelausbildern ausgef\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Es handelt sich um L\u00fcckentexte, die Hinweise darauf geben, was beurteilt werden soll: Mitarbeit, m\u00fcndliche und schriftliche Leistungen, Rechtskenntnisse, Praktische F\u00e4higkeiten, Erfassen der Auswirkungen der juristischen Berufsaus\u00fcbung. Die meisten AG-Leiter und Einzelausbilder nutzen dieses vorformatierte Dokument und erg\u00e4nzen zwischen den jeweiligen Unterschriften einen Absatz zur Beurteilung des entsprechenden Referendars. Das sieht bisweilen aber wirklich merkw\u00fcrdig aus, wenn manche Punkte gar nicht kommentiert werden mit so wenig Text, dass die Beschreibung des jeweiligen Bewertungspunktes l\u00e4nger ist, als die tats\u00e4chlich getroffene Aussage des Ausbilders. Diese Dokumente dienen ganz ausdr\u00fccklich nur als inhaltliche Vorlage zur Ausgestaltung und m\u00fcssen keineswegs 1:1 \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Insbesondere die Einzelausbilder d\u00fcrfen zum Beispiel gerne auch eigene Zeugnisse in Form eines &#8222;normalen&#8220; Arbeitszeugnisses (also im Flie\u00dftext) auf ihrem jeweiligen eigenen Briefkopf ausstellen.<\/p>\n<p>Seit ich von meiner Einzelausbilderin in der Verwaltungsstation ein wirklich tolles, sowohl inhaltlich, als auch optisch ausgestaltetes Zeugnis mit Flie\u00dftext und Briefpapier der Arbeitsstelle ausgeh\u00e4ndigt bekam, hatte ich bei meinen weiteren Einzelausbildern auch immer ausdr\u00fccklich gefragt, ob sie mir ein &#8222;richtiges Zeugnis&#8220; ausstellen k\u00f6nnten. Also nur mal so als Tipp, falls es euch auch nervt, dass diese Vordrucke des JPA immer nur so halbherzig mit wenigen eingeschobenen S\u00e4tzen gespickt werden und so eher als beantworteter Fragebogen, denn als Zeugnis daher kommen.<\/p>\n<p><strong>Wann m\u00fcssen Zeugnisse ausgestellt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Stationszeugnisse m\u00fcssen innerhalb einer gesetzlichen Frist von einem Monat ausgestellt werden (\u00a7 18 Abs. 2 S. 1 JAO Hessen). Grunds\u00e4tzlich besteht auch ein Anspruch des Referendars auf eine Notenbesprechung und eine Besprechung des Inhalts der angefertigten Arbeiten w\u00e4hrend der Ausbildung (\u00a7 18 Abs. 2 S. 4 JAO).<\/p>\n<p>Das Thema Zeugnis ist ein sehr nervenaufreibendes, abgesehen davon, dass die Aussagekraft der Stationszeugnisse v\u00f6llig unklar ist, hat es mich ziemlich ge\u00e4rgert, dass unser AG-Leiter der Verwaltungsstation \u00fcber ein Jahr gebraucht hat, um uns unsere Zeugnisse auszustellen. Jetzt sollte man meinen, wenn es so lange dauert, dann ist es wenigstens gr\u00fcndlich gemacht worden. Aber weit gefehlt &#8211; der bereits angesprochene Zeugnisvordruck des JPA ist nach einer stolzen Bearbeitungszeit von 13 Monaten lediglich mit Wortgruppen gespickt worden. Okay, sehen wir es positiv, da k\u00f6nnen einem wenigstens weniger Fehler unterlaufen, als in aussagekr\u00e4ftigen ausformulierten S\u00e4tzen. Aber leider nein: Kleines Beispiel gef\u00e4llig? [Aus dem Vordruck des JPA]<\/p>\n<p><i>2. Leistungen <\/i><\/p>\n<p><i>a)m\u00fcndliche Leistungen<\/i><\/p>\n<p><i>befriedigende Rechtskenntnisse (x Punkte)<\/i><\/p>\n<p><i>Pr\u00e4sentation des Sachvortrags (x Punkte)<\/i><\/p>\n<p><i>b) schriftliche Leistungen<\/i><\/p>\n<p><i>Klausur: xx Punkte<\/i><\/p>\n<p>Da hat sich jemand wahnsinnige M\u00fche gemacht &#8211; und wohl leider entweder die Notenlisten v\u00f6llig chaotisch gef\u00fchrt oder aber verloren und gew\u00fcrfelt, was dazu f\u00fchrte, dass mindestens die H\u00e4lfte der AG Teilnehmer falsche Notenangaben in den Zeugnissen vorfanden. Immerhin wurden die Hinweise der Referendare auf falsche Klausurnoten anstandslos entgegen genommen und in einem neuen Zeugnis festgehalten. Gl\u00fcck f\u00fcr diejenigen, die ihre Klausuren zu Hause liegen hatten und das \u00fcberpr\u00fcfen konnten. \u00c4rgerlich dagegen f\u00fcr alle die, die am zweiten Klausurtermin teilgenommen hatten und ihre Klausur nie zur\u00fcckbekamen und damit ihre Klausurnote gar nicht kennen&#8230; auch hinsichtlich der Noten f\u00fcr die Aktenvortr\u00e4ge kann eine Beschwerde bei falscher Benotung geraten werden, auch hier wurde bei manchem anstandslos nachgebessert&#8230; Insgesamt aber ein absolut trauriges Bild f\u00fcr die Verwaltung!! Und es bleibt die Frage, was einem ein solches Zeugnis bringen soll&#8230;. da lobe ich mir Bundesl\u00e4nder wie BaW\u00fc, die g\u00e4nzlich auf AG-Zeugnisse verzichten, da wird sowohl den AG-Leitern als auch den Referendaren Aufwand, Frust und \u00c4rger erspart!!<\/p>\n<p><b>Hilfe &#8211; mit dem Zeugnis kann ich gar nicht leben!<\/b><\/p>\n<p>Der Hessische Verwaltungsgerichtshof behandelt Stationszeugnisse als Verwaltungsakte. Mit einem Widerspruch (\u00fcber die Referendargesch\u00e4ftsstelle des Landgerichts oder direkt beim Hessischen Ministerium der Justiz, f\u00fcr Integration und Europa) und Anfechtungsklage kann damit der Verwaltungsrechtsweg beschritten werden. Da den hessischen Stationszeugnissen regelm\u00e4\u00dfig eine Rechtsbehelfsbelehrung fehlt, betr\u00e4gt die Widerspruchsfrist ein Jahr ab Zugang des Zeugnisses (\u00a7\u00a7 70, 58 VwGO).<\/p>\n<p>Ungerechtfertigte Beurteilungen sollte man nicht hinnehmen, insbesondere dann nicht, wenn man sich den Weg in die Justiz nicht verbauen m\u00f6chte, denn da wird die Personalakte definitiv eingesehen. Vielversprechende Anfechtungsgr\u00fcnde sind insbesondere das \u00dcberschreiten der gesetzlichen Frist von 1 Monat f\u00fcr die Ausstellung des Stationszeugnisses, sowie ein Versto\u00df gegen die Pflicht zur Aufgaben- und Notenbesprechung w\u00e4hrend der Station. Diese beiden Regelungen stellen absolute Anfechtungsgr\u00fcnde dar. Insbesondere bei \u00dcberschreitung der Ausstellungsfrist wird das Zeugnis ohne inhaltliche Argumentation aus der Personalakte beseitigt. Allerdings f\u00fchrt eine Anfechtung nur zur Aufhebung des Zeugnisses, nicht zur Ausstellung eines neuen, ge\u00e4nderten Zeugnisses, sodass im Ergebnis dann das vorgesehene Zeugnis f\u00fcr den Stationsabschnitt in der Personalakte fehlt und bei Bewerbungen nicht eingereicht werden kann. Dies kann m\u00f6glicherweise R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Inhalt nahelegen. Andererseits sei hier nochmal darauf verwiesen, wof\u00fcr \u00fcberhaupt Zeugnisse ausgestellt werden. Sofern es um AG-Zeugnisse geht, kann eine Aufhebung sinnvoll und unsch\u00e4dlich sein, wenn die Einzelausbildung z.B. in einem anderen Bundesland erfolgte (was aufgrund der an Hessen grenzenden Bundesl\u00e4nder gar nicht selten der Fall ist) und es sowieso nicht der Wunschtraum ist, in der hessischen Justiz einzusteigen. Wenn \u00fcberwiegend Bewerbungen in anderen Bundesl\u00e4ndern infrage kommen, sollte gepr\u00fcft werden, ob dort \u00fcberhaupt AG-Zeugnisse ausgestellt werden oder ob wegen der dort g\u00e4ngigen Praxis solche Zeugnisse gar nicht als Beilage zu Bewerbungen erwartet werden.<\/p>\n<p>Wer keine Entfernung des Zeugnisses aus der Personalakte will, aber sich dennoch ungerecht beurteilt f\u00fchlt, der sollte nach Erheben des Widerspruchs vor dem Einigungsausschuss einen Stellungnahme abgeben, die dann als Gegendarstellung zum Zeugnis der Personalakte hinzugef\u00fcgt werden kann. N\u00e4here Infos sind in der Start-Info zu finden, die jeder hessische Referendarsneuling mit Einstellung durch die dienst\u00e4lteren Referendare erh\u00e4lt oder jedenfalls erhalten kann. Falls es nicht automatisch passiert &#8211; einfach mal nach der StartInfo fragen &#8211; da gibt es diverse n\u00fctzliche Tipps f\u00fcr alle F\u00e4lle! \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>Grunds\u00e4tzliche Aussagekraft der Zeugnisse<\/strong><\/p>\n<p>Zu diesem Thema m\u00f6chte ich nicht mehr all zu viele Worte verlieren &#8211; denn es streiten sich die Geister und es h\u00e4ngt wohl sehr von der Willk\u00fcr der jeweiligen zur Leistungsbewertung verpflichteten Personen ab.<\/p>\n<p>Bei uns sind die AG-Zeugnisse im Schnitt deutlich schlechter ausgefallen, als die Zeugnisse der Einzelausbildung. Es gab AG-Leiter die keinen Einblick in ein Notensystem erm\u00f6glichten und die komplette Messlatte ausnutzten. Dann solche die eine Notenskala von 8-11 Punkten eingrenzten. Wieder andere, die ihre Noten in der ersten AG-Stunde festlegten: &#8222;Wer immer anwesend ist, aber nie etwas sagt, bekommt 8, wer sich ab und an beteiligt 9, wer immer mitmacht 10, wer selbst eine Stunde leitet 11 Punkte f\u00fcr die Mitarbeit&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>Ich finde, mehr als die tats\u00e4chliche Endnote, sagen die ausf\u00fchrlicheren Beschreibungen der T\u00e4tigkeiten und des Verhaltens aus &#8211; sofern sich die Ausbilder die M\u00fche machen. Grunds\u00e4tzlich z\u00e4hlen nach meiner Erfahrung jedenfalls die Zeugnisse der Einzelausbildung deutlich mehr und diese sind zumindest etwas beeinflussbar, indem ein pers\u00f6nliches Abschlussgespr\u00e4ch eingefordert wird und nicht zuletzt durch eine individuelle Ausgestaltung als Arbeitszeugnis, das mehr auf die pers\u00f6nlichen Kompetenzen eingeht und sich nicht in der blo\u00dfen Note ersch\u00f6pft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wof\u00fcr gibt es Zeugnisse? In Hessen bekommt grunds\u00e4tzlich jeder Referendar zum jeweiligen Stationsende zwei Zeugnisse ausgefertigt &#8211; eines vom AG-Leiter und eines vom Einzelausbilder. Der durchschnittliche Referendar sammelt so also bis zum Ende des juristischen Vorbereitungsdienstes 10 Zeugnisse. \u00dcberall, wo das Wort &#8222;grunds\u00e4tzlich&#8220; steht, gibt es aber nat\u00fcrlich auch Ausnahmen.<\/p>\n","protected":false},"author":44,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,119],"tags":[],"class_list":["post-9804","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-hessen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/44"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9804"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9804\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9828,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9804\/revisions\/9828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}