{"id":9560,"date":"2014-10-16T10:29:48","date_gmt":"2014-10-16T08:29:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=9560"},"modified":"2014-10-15T21:35:40","modified_gmt":"2014-10-15T19:35:40","slug":"so-war-die-erste-verhandlung-als-sitzungsvertreter-der-staatsanwaltschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/strafrechtsstation\/so-war-die-erste-verhandlung-als-sitzungsvertreter-der-staatsanwaltschaft\/","title":{"rendered":"So war die erste Verhandlung als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6012\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/MP900409464.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Wie im letzten Beitrag versprochen, hier nun mein exklusiver Bericht f\u00fcr Euch von meiner ersten Verhandlung als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft.<\/p>\n<p>Der Sitzungsdienst beginnt im weitesten Sinne eigentlich schon ab dem Moment, in dem man die Akten f\u00fcr die Sitzungsvertretung abholt und sich am besten gleich noch eine Robe mitnimmt.<!--more--><\/p>\n<p>Dann gilt es, sich mit der Akte vertraut zu machen, zu pr\u00fcfen, ob diese vollst\u00e4ndig ist (also ob die Anklage oder der Strafbefehl enthalten ist und die Zentralregisterausz\u00fcge) und nat\u00fcrlich in der Hauptsache, um welche materiell-rechtlichen Straftatbest\u00e4nde es geht. Im Rahmen dieses Aktenstudiums habe ich mit auf einen Notizzettel Fragen aufgeschrieben, die mir beim Lesen gekommen sind, also beispielsweise, wie der Tatablauf genau war, wo sich welcher Beschuldigte wann genau befunden hat, etc. Diese \u201eFragensammlung\u201c kann man sp\u00e4ter in der Verhandlung gut als Fragenkatalog im Rahmen der Vernehmung des (nunmehrigen) Angeklagten und der Zeugen verwenden.<\/p>\n<p>Aber noch einmal einen Schritt zur\u00fcck zum Aktenstudium: es ist (gerade am Anfang) wirklich wichtig, die Akte komplett zu lesen, denn h\u00e4ufig befinden sich relevante Details verstreut in unterschiedlichen Vernehmungsprotokollen, Einlassungen, Notizen der Polizei usw.. Als ich mit dem Durcharbeiten der Akte fertig war, habe ich mir den Fragekatalog vorne reingelegt. Dazu habe ich mir ein Schema f\u00fcr das Pl\u00e4doyer (aus der Vorlage im B\u00fcchlein von Thei\u03b2) erstellt. Von dieser Vorlage habe ich mir ausreichend Kopien gemacht und dann auch jeweils eine in die Sitzungsakte des betreffenden Falls bereitgelegt.<\/p>\n<p>Ganz wichtig ist es auch, am Tag vor den Verhandlungen kurz beim betreffenden Amtsgericht anzurufen und nachzufragen, ob denn alle Sitzungen auch tats\u00e4chlich stattfinden oder sogar noch neue hinzukommen. So vermeidet man b\u00f6se \u00dcberraschungen. Ich hatte Gl\u00fcck, die erste Sitzung ist ausgefallen, so dass ich erst eine Stunde sp\u00e4ter als urspr\u00fcnglich gedacht kommen musste. Mit vorbereiteten Akten, Fragenkatalogen und Pl\u00e4doyerschemata, Robe und wei\u03b2er Krawatte (kleiner Tipp, damit diese sch\u00f6n (bl\u00fcten)wei\u03b2 und sauber bleibt: erst vor der Sitzung anlegen und immer im Plastikbeutel transportieren, damit Kulis, Akten, etc. keine farbliche Fremdeinwirkungen entfalten\u2026) sowie wei\u03b2em Hemd habe ich mich dann mit dem Zug (ja, Referendare werden gerne ich etwas entlegenere Amtsgerichte im jeweiligen OLG Bezirk geschickt J ) auf den Weg gemacht (Tickets aufheben f\u00fcr die Fahrtkostenabrechnung!).<\/p>\n<p>Da so ein Sitzungstag ganz sch\u00f6n lang dauern kann, wenn man mehrere Sitzungen hat, empfiehlt es sich, eine Kleinigkeit zum Essen und vor allem zum Trinken (denn man redet ja einiges) mitzunehmen. Beim Gericht angekommen, stellt ich mich dem Richter kurz vor und sagte ihm auch, dass dies meine erste Verhandlung sei. Sodann legte ich im Bad die Krawatte und Robe an und begab mich in Richtung des Gerichtssaals. Lustig war es, wie ehrf\u00fcrchtig einen die in den G\u00e4ngen wartenden Leute gr\u00fc\u03b2ten.<\/p>\n<p>\u00dcblich ist es, dass der Richter und der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft den Gerichtssaal getrennt betreten. Bei meiner Verhandlung war ich als erster \u00fcberhaupt im Gerichtssaal und habe dann einfach schonmal meine Akten bereit gelegt. Im Gerichtssaal ist eine U-f\u00f6rmige Anordnung der Tische \u00fcblich. Vorne sitzt der Richter und neben diesem die Protokollkraft. Vom Richter aus gesehen sa\u03b2 ich links und der Angeklagte rechts.<\/p>\n<p>Nachdem die Sache aufgerufen wird, erhebt man sich \u00fcblicherweise, wenn der Richter verliest, in welcher Sache verhandelt wird. Der Richter befragt dann im Folgenden den Angeklagten nach dessen Personalien, belehrt ihn und schickt ggf. anwesende Zeugen zum Warten nach drau\u03b2en. Sodann \u00fcbergibt der Richter das Wort an den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. Dann hei\u03b2t es einmal kurz durchatmen, aufstehen und die Anklageschrift verlesen. Ich habe versucht, dabei immer wieder den Blickkontakt mit dem Angeklagten zu suchen, nicht zu schnell zu lesen, damit alles verst\u00e4ndlich bleibt und alles in sachlich, ruhigem Ton vorzubringen. Nachdem ich die Anklage verlesen hatte, setzt ich mich und war positiv \u00fcberrascht, wie gut das funktioniert hat. Mein Tipp falls man sich ganz unsicher bei solchen Sachen ist: am Tag davor einfach mal f\u00fcr sich selbst die Anklage laut vorlesen, dann gew\u00f6hnt man sich daran und verhaspelt sich dann im Ernstfall nicht.<\/p>\n<p>Im Zuge der Beweiserhebung ist es so, dass zuerst der Richter seine Fragen an den Angeklagten stellt und sp\u00e4ter dann auch an die Zeugen. Danach fragt er \u00fcblicherweise, ob seitens der Staatsanwaltschaft weitere Fragen bestehen. Von diesem Fragerecht habe ich durchaus Gebrauch gemacht und es lie\u00dfen sich noch einige Details zum Sachverhaltshergang kl\u00e4ren. W\u00e4hrend der Zeugenaussagen habe ich mir einige Notizen mitgeschrieben und diese direkt in mein mitgebrachtes Schema f\u00fcr das sp\u00e4tere Pl\u00e4doyer\u00a0(siehe oben) eingearbeitet. Dabei habe ich mir vor allem Stichworte notiert, weshalb ich eine Zeugenaussage f\u00fcr glaubhaft halte oder eher nicht.<\/p>\n<p>Nachdem die Beweisaufnahme abgeschlossen war, unterbrach der Richter f\u00fcr eine kurze Pause. Das war sehr nett von ihm, denn er wollte mir damit die M\u00f6glichkeit geben, das Pl\u00e4doyer rasch zu verfassen. Es besteht aber auch so jederzeit die M\u00f6glichkeit eine kurze Pause zu beantragen. In der Pause ging ich dann nochmals mein Schema rasch durch und markierte mir die wichtigsten Schlagw\u00f6rter mit einem Textmarker.<\/p>\n<p>Die Pause war dann auch ganz schnell wieder vorbei und der Richter \u00fcbergab mir das Wort f\u00fcr mein erstes Pl\u00e4doyer. Dazu erhob ich mich erneut und stellt dar, weshalb der Tatvorwurf gegen\u00fcber dem Angeklagten nach meiner Auffassung\u00a0in der heutigen Hauptverhandlung nachgewiesen worden ist. Nachdem man auf die Beweisw\u00fcrdigung eingegangen ist, hat man den Strafrahmen darzulegen und die beantragte Strafe zu begr\u00fcnden und letztlich eine Verurteilung zu beantragen. Ich habe dabei noch beantragt, dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen, wobei dies angeblich nicht unbedingt erforderlich ist. Ich wollte aber einfach alles vollst\u00e4ndig beantragt haben. Der Richter hat meinen Ausf\u00fchrungen ruhig zugeh\u00f6rt und sich auch ein oder zwei Notizen dazu gemacht. Im Anschluss war dem Angeklagten noch die M\u00f6glichkeit gegeben worden sich zu \u00e4u\u03b2ern und ihm wurde das letzte Wort erteilt.<\/p>\n<p>Der Richter in meiner Verhandlung nahm sich kurz Zeit f\u00fcr das Urteil. Nachdem er dieses f\u00fcr sich formuliert hatte, erhoben wir uns alle zu Urteilsverk\u00fcndung. Er war meinem Antrag vollumf\u00e4nglich gefolgt und sah die Sach- und Rechtslage genauso.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Verhandlung galt es nun noch den Bogen f\u00fcr die Sitzungsvertreter auszuf\u00fcllen, was bei einer erfolgreichen Verhandlung nat\u00fcrlich umso leichter f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Sitzungen kommen demn\u00e4chst, ich werde berichten, wie es weitergeht! \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im letzten Beitrag versprochen, hier nun mein exklusiver Bericht f\u00fcr Euch von meiner ersten Verhandlung als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. 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