{"id":8995,"date":"2014-04-11T08:11:23","date_gmt":"2014-04-11T06:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=8995"},"modified":"2014-04-11T18:43:30","modified_gmt":"2014-04-11T16:43:30","slug":"update-kanzlei-und-ag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/anwaltsstation\/update-kanzlei-und-ag\/","title":{"rendered":"Update &#8211; Kanzleialltag und AG"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8195\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/hzbikbi.jpg\" width=\"150\" height=\"160\" \/>Inzwischen ist mein dritter und letzter Monat in der Kanzlei angebrochen &#8211; ich muss sagen, die Zeit rast fast unbemerkt einfach so vorbei. Die Tage im B\u00fcro machen mir wirklich Spa\u00df &#8211; die Kollegen in meiner Abteilung sind alle super nett, auch mal f\u00fcr Witze und Sp\u00e4\u00dfe zwischendurch offen und ich habe mittlerweile die unterschiedlichsten F\u00e4lle aus diversen Bereichen von unterschiedlichen Anw\u00e4lten bearbeiten d\u00fcrfen und damit interessante und durchaus \u00fcberwiegend ausbildungsrelevante Einblicke bekommen.<!--more--><\/p>\n<p>In der Kanzlei wurde mir ein (kanzleiinterner) Ausbildungsnachweis ausgeh\u00e4ndigt, in den ich selbst immer eintragen muss, was genau &#8211; Beantwortung einer Mandantenanfrage \/ \u00dcbersetzung, Pr\u00fcfung von Vertr\u00e4gen \/ Entwurf Klageschrift oder Klageerwiderung\/ Memo zu Rechtsfrage \/ Verfassen einer Urteilsanmerkung \/ etc &#8211; zu welchem Aktenzeichen ich gemacht habe. Das lege ich dann der entsprechenden Person vor, die mir die Aufgabe \u00fcbertragen hat, damit diese in der Liste den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe, die Erf\u00fcllung der jeweiligen Anforderungen und die praktische Verwendbarkeit ausf\u00fcllt und in der letzten Spalte eine entsprechende Note eintr\u00e4gt. Der Vordruck entspricht im Wesentlichen dem, was auf der Seite des JPA herunterzuladen ist. Da diese Liste aber sehr abstrakt ist und nicht auf alle denkbaren Stationen \u00fcbertragbar ist, wird auch jeder andere selbst erstellte Ausbildungsnachweis anerkannt &#8211; das Formular vom JPA ist nur als Richtlinie gedacht, aber nicht zwingend zu verwenden.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich des Feedbacks bin ich total begeistert, dass ich in der Kanzlei immer ziemlich direkt eine R\u00fcckmeldung bekomme, wir die Fehler oder konstruktive Kritik besprechen und ich dann auch immer eine Kopie der Endversion des Arbeitsauftrages bekomme, so wie es an den Mandanten oder das Gericht rausgeschickt wurde. Sollten Anwalt und ich mal unterschiedlicher Meinung sein (insbesondere bei Aufbaufragen), gibt es gen\u00fcgend Referendare in der direkten Umgebung, mit denen das weiter ausdiskutiert werden kann.<\/p>\n<p>Der Austausch unter den Referendaren ist wirklich gut &#8211; mittags machen alle Interessierten gemeinsam Pause &#8211; mal in umliegenden Bistros, etc oder &#8211; jetzt wo das Wetter besser ist &#8211; gerne auch auf der Dachterrasse in der Sonne! Wir erz\u00e4hlen uns gegenseitig spannende F\u00e4lle, die gerade auf dem Schreibtisch liegen oder Neuigkeiten aus den AGs, k\u00f6nnen uns bei Aufbauproblemen oder klausurtaktischen Fragen besprechen und helfen uns mit guten Mustern oder Skripten gegenseitig aus. Aber auch andere nicht juristische Themen werden gelegentlich nat\u00fcrlich ausf\u00fchrlich diskutiert.<\/p>\n<p>Aber nicht nur Juristisches, auch gute alte Traditionen werden vermittelt und gepflegt. Im Februar, um die Fastnachtszeit, lernte ich zum Beispiel, dass Fastnacht in Frankfurt insbesondere am\u00a0heiligen Fastnachtsdienstag zelebriert wird &#8211; da war und ist traditionell in den Frankfurter Unternehmen ab mittags frei. Denn da fand bereits zum 175. Mal der Klaa Pariser Fastnachtsumzug statt, der den Frankfurter Ortsteil Heddernheim zu einer kleinen Weltstadt werden lie\u00df.\u00a0 Bevor zur Mittagszeit also alle B\u00fcros leergefegt wurden, um sich ins jecke Treiben zu st\u00fcrzen (oder f\u00fcr den ein oder anderen auch einen freien Nachmittag daheim zu genie\u00dfen), wurden bereits am Vormittag alle auf die 5. Jahreszeit eingestimmt, denn es gab f\u00fcr alle Kreppel (mit Himbeer- oder Kirchf\u00fcllung), die direkt neben der Kaffeemaschine bereitstanden und einen anlachten&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Kurz darauf durfte ich zu einem Gerichtstermin vor dem OLG Frankfurt mit. Irgendwie hatte ich gedacht, das wird eine Sitzung in klassischem Bilderbuchambiente &#8211; aber weit gefehlt. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass das OLG in Frankfurt derart viele Geb\u00e4ude hat und wir waren leider in einem architektonisch unsch\u00f6nen Geb\u00e4ude, mit kleinen Gerichtss\u00e4alen, die sehr an Klassenzimmer erinnerten. Der Richter sa\u00df nicht erh\u00f6ht, die Tische allesamt schlichte, langweilige &#8222;Schuleinrichtung&#8220;. Spannend war die Zeugenvernehmung von insgesamt\u00a0sechs geladenen Zeugen, die bilderbuchm\u00e4\u00dfig die denkbaren Verhalten und Fragen zur Glaubw\u00fcrdigkeit der Personen pr\u00e4sentierten. Die erste war eine sehr ver\u00e4ngstigte Frau, die so aufgeregt war, dass sie nicht mal mehr ihr Geburtsdatum oder ihren Wohnort wusste, sich an nichts erinnern konnte und sich von jeder Frage neu verunsichern lie\u00df. Der n\u00e4chste Zeuge war von sich total \u00fcberzeugt, hatte eine durchdringende Stimme, lie\u00df niemanden zu Wort kommen und ihm dazwischenreden, war in der Wortwahl total absolut. Der n\u00e4chste erkl\u00e4rte alles in einem Detailreichtum, dass man selbst an der eigenen Merkf\u00e4higkeit nur zweifeln konnte&#8230; der Richter war allerdings ziemlich unfreundlich und reagierte den Zeugen gegen\u00fcber wenig einf\u00fchlsam, drehte ihnen teilweise die Aussagen im Mund herum und wurde ziemlich laut&#8230; den Parteien gegen\u00fcber lie\u00df er an vielen Stellen ziemlich durchscheinen, welcher Partei er zugeneigt war und machte dies durch ein paar sehr unfreundliche \u00c4u\u00dferungen deutlich. Wir gingen mit einem sehr merkw\u00fcrdigen Gef\u00fchl nach guten drei Stunden\u00a0aus der Verhandlung und ich h\u00e4tte auch darauf gewettet, dass unser Mandant verliert&#8230; aber jetzt kam v\u00f6llig \u00fcberraschend ein f\u00fcr uns doch sehr positives Urteil.<br \/>\nAber ich muss sagen, von der Atmosph\u00e4re her, hat mich die Verhandlung im OLG schwer entt\u00e4uscht, irgendwie h\u00e4tte ich anderes erwartet &#8211; aber vielleicht war ich von meinen Amtsgerichtsbesuchen w\u00e4hrend des Sitzungsdienstes einfach zu angetan gewesen. Da waren es immer \u00e4ltere Geb\u00e4ude, gro\u00dfe S\u00e4ale, erh\u00f6hter Podest, abgetrennter Zuschauerbereich, viel Platz auch f\u00fcr Zeugen &#8211; und ich finde, das Ambiente macht viel aus. Die Vorsitzenden dort hatten auch Wert darauf gelegt, dass Kopfbedeckungen abgesetzt, Kaugummis verbannt und Handys ausgeschaltet wurden. Im OLG Termin klingelten gleich zweimal Telefone und die eine Partei schmatzte die ganze Zeit\u00a0ihren Kaugummi&#8230;<\/p>\n<p>Die Anwalts-AG ist inzwischen auch beendet. Kurz vor Schluss wurde noch die obligatorische Klausur geschrieben und dann machten wir noch eine Art Rollenspiel, bei dem sich einige Referendare als Zeugen zu einem Geschehnis befragen lassen sollten, wobei nur einer der Akteure tats\u00e4chlich dabei war und die anderen beiden aufgrund der Informationen aus der Vorbesprechung die gestellten Fragen beantworteten. Es ging darum herauszufinden, wer tats\u00e4chlich die Situation miterlebt hatte und aufgrund welcher Indizien (Detailreichtum, geradliniges Erz\u00e4hlen, Z\u00f6gern beim Antworten, Weggucken, Pauschalierungen&#8230; ) in der Gesamtschau der Wahrheitsgehalt von Aussagen bewertet werden kann. Das war eine ganz witzige Sache zum Abschluss der AG.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen ist mein dritter und letzter Monat in der Kanzlei angebrochen &#8211; ich muss sagen, die Zeit rast fast unbemerkt einfach so vorbei. 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