{"id":8765,"date":"2014-02-13T08:56:09","date_gmt":"2014-02-13T07:56:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=8765"},"modified":"2014-02-12T15:26:10","modified_gmt":"2014-02-12T14:26:10","slug":"nebentaetigkeit-in-einem-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/allgemein\/nebentaetigkeit-in-einem-unternehmen\/","title":{"rendered":"Nebent\u00e4tigkeit in einem Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-8195\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/hzbikbi-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Kennt ihr diese Frage &#8222;Wo siehst du dich in\u00a0xx Jahren?&#8220;? Ich muss zugeben, dass mich die klassischen juristischen Berufe eher weniger reizen, ich k\u00f6nnte mir vielmehr vorstellen, mal im Unternehmen, einem Verband, bei einem\u00a0Verlag oder in anderen Nischen (wie es immer so sch\u00f6n hei\u00dft) zu arbeiten.\u00a0Zu Beginn des Referendariats informierte ich mich daher \u00fcber die verschiedenen M\u00f6glichkeiten von Stationen und sp\u00e4teren Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr Juristen.<!--more--><\/p>\n<p>Als ich mich von einer Seite zur n\u00e4chsten durch das Internet klickte, fand ich eine Stellenausschreibung f\u00fcr eine Wahlstation oder Nebent\u00e4tigkeit in einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen der Region. Da es sich spannend anh\u00f6rte, bewarb ich mich kurzentschlossen per eMail mit den g\u00e4ngigen Dokumenten (Anschreiben, Lebenslauf, Examenszeugnis, einschl\u00e4gige Nachweise). Schon eine Woche sp\u00e4ter erhielt ich dann einen Anruf und wurde zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch mit dem Leiter Personal und meinem sp\u00e4teren Chef eingeladen. Das Gespr\u00e4ch war sehr entspannt und angenehm &#8211; mir wurde kurz das Unternehmen vorgestellt und etwas umfangreicher dann das T\u00e4tigkeitsspektrum, welches ich bearbeiten w\u00fcrde &#8211; und w\u00e4hrend ich noch auf dem Heimweg war, erhielt ich schon einen Anruf, dass ich gerne bei Ihnen im Unternehmen anfangen d\u00fcrfte. Mit so einer schnellen Zusage hatte ich nat\u00fcrlich nicht gerechnet!<\/p>\n<p>Bereits in der darauffolgenden Woche hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Ich wurde von meinem Chef empfangen, in die Konzernstrukturen eingeweiht und allen Kollegen in der Personal- und Rechtsabteilung vorgestellt. Ich bekam einen Arbeitsplatz im Gro\u00dfraumb\u00fcro der Personalabteilung, wo ich bei heller, freundlicher Atmosph\u00e4re und eigentlich grunds\u00e4tzlich guter Laune, sowie oft Kuchen oder Pl\u00e4tzchen ;), an einem Internet-PC meine Aufgaben bearbeitete. Ich pr\u00fcfte Sachverhalte, die im Zusammenhang mit der Arbeit der Personalabteilung ans Licht kamen &#8211; \u00fcberwiegend arbeitsrechtliche, sozialrechtliche und wettbewerbsrechtliche Fragestellungen. Dazu konnte ich dann mit den Suchmaschinen recherchieren und anschlie\u00dfend &#8222;Interne Mitteilungen&#8220; verfassen, in denen ich kurz den Sachverhalt zusammenfasste, die Pr\u00fcfungsfrage genau formulierte und dann die rechtlichen Gesichtspunkte darlegte um letztlich zu einem Ergebnis und einer Handlungsempfehlung zu gelangen.<\/p>\n<p>Nach R\u00fccksprache mit und \u00dcberpr\u00fcfung durch meinen Chef konnte ich im zweiten Schritt dann die Handlungsempfehlung umsetzen und schrieb zum Beispiel einen Info-Brief f\u00fcr das Intranet, stellte Leitf\u00e4den f\u00fcr das Verhalten in bestimmten Situationen zusammen, die dann im Intranet ver\u00f6ffentlicht wurden, formulierte Abmahnungen, \u00e4nderte Passagen aus Vertr\u00e4gen oder f\u00fcgte neue Klauseln ein, erstellte einen Fristenplan f\u00fcr den Ablauf der Aufsichtsratswahl&#8230; die Aufgaben waren sehr vielf\u00e4ltig und oft auch nur auf den zweiten Blick wirklich juristisch, aber gerade deshalb sehr spannend, weil es Dinge aus dem Arbeits- und Alltagsleben waren, die die Arbeitnehmer oder die\u00a0 Konzernunternehmen aktuell besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Dieser Nebenjob lie\u00df sich wunderbar mit den jeweiligen Aufgaben der Station vereinbaren, weil mein Chef total flexibel war und mir die Zeiteinteilung eigentlich komplett selbst \u00fcberlie\u00df. Ich war auf geringf\u00fcgigen Basis angestellt und sollte 37,5 Stunden im Monat leisten. Die konnten sich auf vier oder bis zu acht Tage erstrecken, je nachdem, ob ich mittags nach der AG bzw. anderer Stationst\u00e4tigkeit noch ein paar Stunden kommen wollte oder einen ganzen Tag Zeit hatte. Immer wenn ich ging, fragte mein Chef nur, wann ich das n\u00e4chste Mal da sein werde und stellte sich dann darauf ein und versorgte mich f\u00fcr den entsprechenden Tag mit Arbeit.<\/p>\n<p>Kommen und gehen konnte ich normalerweise auch wann ich wollte, denn ich bekam eine Karte f\u00fcr die elektronische Zeiterfassung, sodass ich v\u00f6llig flexibel war. Es hat mir echt Spa\u00df gemacht und ich war immer gerne dort, weil die Arbeit und Themen sehr abwechslungsreich waren und die viele gelernte Theorie mit Leben f\u00fcllten. Ich konnte viel lernen und insbesondere erlangte ich dabei auch die sch\u00f6ne Erkenntnis, dass Jura nicht immer nur hochgestochen klingen und in unverst\u00e4ndliche Texte mit Endloss\u00e4tzen und zig Paragraphen m\u00fcnden muss, sondern es im Gegenteil auch eine ziemliche Herausforderung sein kann, die juristischen Dinge so einfach und verst\u00e4ndlich zu formulieren, dass sie wirklich jeder verstehen kann.<\/p>\n<p>Der Hauptunterschied dieser Syndikus Stellung zur anwaltlichen T\u00e4tigkeit d\u00fcrfte darin liegen, dass der Unternehmensjurist haupts\u00e4chlich beratend t\u00e4tig wird und Handlungsempfehlungen abgibt, letztlich aber meistens nicht entscheidet, weil f\u00fcr die endg\u00fcltige Entscheidung oft auch wirtschaftliche Gesichtspunkte noch mit zu ber\u00fccksichtigen sind, sodass die entsprechenden Abteilungen die endg\u00fcltige Entscheidung selbst f\u00e4llen. Die acht Monate im Unternehmen waren in jedem Fall eine tolle Erfahrung! Ich kann jedem, der sich f\u00fcr die Arbeit eines Syndikus-Anwalts interessiert nur raten, eine Station oder einen Nebenjob in einem Unternehmen zu machen, denn diese T\u00e4tigkeit kommt im Referendariat an sich leider ziemlich kurz und ist doch \u00fcberaus spannend. Leider schaffe ich es aber jetzt mit Beginn der Zeit in der Anwaltskanzlei nicht mehr, neben\u00a0den Tagen in der\u00a0Kanzlei und einem AG-Tag auch noch nebenbei zu arbeiten, denn ein bisschen Zeit zum Lernen sollte schlie\u00dflich auch noch bleiben&#8230; die Arbeit als Syndikus k\u00f6nnte ich mir aber definitiv als meinen Wirkungskreis f\u00fcr die Zukunft vorstellen. \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennt ihr diese Frage &#8222;Wo siehst du dich in\u00a0xx Jahren?&#8220;? 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