{"id":7737,"date":"2013-05-14T08:45:53","date_gmt":"2013-05-14T06:45:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=7737"},"modified":"2013-05-14T08:46:04","modified_gmt":"2013-05-14T06:46:04","slug":"zwischenbilanz-alltaegliche-stationsarbeit-und-regel-ag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/strafrechtsstation\/zwischenbilanz-alltaegliche-stationsarbeit-und-regel-ag\/","title":{"rendered":"Zwischenbilanz: Allt\u00e4gliche Stationsarbeit und Regel-AG"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7749\" alt=\"MH900407482\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/MH9004074821.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Mir ist gerade aufgefallen, dass meine letzten Beitr\u00e4ge sich ja immer um ein spezielles Thema gedreht haben, aber ich noch gar nicht so richtig erz\u00e4hlt habe, wie es bei mir zur Zeit im Alltag der Strafstation aussieht.<\/p>\n<p>Die aktuelle Station gef\u00e4llt mir bisher deutlich besser, als die Zivilstation, wo ich doch zum Teil eher mit gemischten Gef\u00fchlen zu den Terminen bei meinem Ausbilder gegangen bin.<!--more--> Ich habe das Gef\u00fchl, dass in der Staatsanwaltschaft Darmstadt sehr viele recht junge Staatsanw\u00e4lte und Staatsanw\u00e4ltinnen besch\u00e4ftigt sind. Es herrscht eine sehr freundliche, offene Atmosph\u00e4re &#8211; wenn ich durch die Flure laufe, ist es auff\u00e4llig, dass fast alle T\u00fcren offen sind, hier und dort schon mal entspanntes Gel\u00e4chter aus den Zimmer dringt und immer auch ein bischen Smalltalk mit den dort besch\u00e4ftigten Menschen m\u00f6glich ist. Aus meiner Sicht eine sehr angenehme Arbeitsatmosph\u00e4re!<\/p>\n<p>Das soll jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass dort mehr gequatscht als gearbeitet wird, nur empfinde ich die Stimmung dort als wesentlich angenehmer als es im Landgericht der Fall war&#8230; das Arbeitspensum, was ich selbst bew\u00e4ltigen muss, ist eher mehr als in der letzten Station. Allerdings habe ich trotzdem das Gef\u00fchl, dass es besser zu bew\u00e4ltigen ist, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Akten einen deutlich geringeren Umfang haben, als in den Zivilrechtsstreitigkeiten.<\/p>\n<p>Ich habe jede Woche einen fixen Tag, an dem ich zu meinem Ausbilder gehe. Ich bekomme dort dann einen Berg Akten, den ich mit nach Hause nehme und dort bearbeiten soll. Ein Berg ist dabei w\u00f6rtlich gemeint, denn die ca. 8 Akten ergeben schon einen ansehnlichen Turm (nicht selten verbunden mit anderen Verfahren, zugezogenen fr\u00fcheren Akten, etc.), den ich manchmal trotz gro\u00dfer Bem\u00fchungen nicht in meinem Rucksack verstaut bekomme. Aber mittlerweile habe ich gelernt, immer auch noch eine zus\u00e4tzliche Stofftasche f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle dabei zu haben&#8230; \ud83d\ude09<br \/>\nAnfangs erz\u00e4hlte mir mein Ausbilder immer so grob, worum es in der jeweiligen Akte geht und deutete an, was er glaubte, in welche Richtung das Verfahren weiter bearbeitet werden sollte. Tendenziell habe ich bisher mehr Einstellungen als Anklagen geschrieben. Mittlerweile gibt er mir keine Hinweise mehr und l\u00e4sst sich \u00fcberraschen, ob ich einen hinreichenden Tatverdacht feststellen kann oder nicht. Sehr angenehm finde ich, dass er mir meistens nicht genau sagt, wann ich die Sachen zur\u00fcck geben muss &#8211; er ist da immer sehr relaxed, so nach dem Motto &#8222;nehmen Sie sich die Zeit, die sie brauchen, um das sorgf\u00e4ltig zu machen, ich bin ja da und laufe nicht weg!&#8220;. Je nachdem, wann ich die Sachen fertig bearbeitet habe, gebe ich sie dann bei einem der n\u00e4chsten Termine wieder ab oder reiche sie schon mal zwischendurch rein, wenn ich z.B. wegen der AG sowieso im Haus bin. Bei der Abgabe besprechen wir meine diesbez\u00fcglichen Gedanken meistens schon mal und wenn er der Meinung ist, dass sich das &#8222;h\u00f6ren l\u00e4sst&#8220;, dann darf ich die entsprechende Akte dort lassen und sp\u00e4ter meine Ausarbeitung noch per Mail nachreichen, damit er auch die brauchbaren Teile davon \u00fcbernehmen kann und ich nicht das Gef\u00fchl bekomme, dass ich &#8222;nur f\u00fcr den Papierkorb arbeite&#8220;, wie er immer so sch\u00f6n sagt. \ud83d\ude42<br \/>\nBeim n\u00e4chsten Treffen bekomme ich dann meine zuvor abgelieferten Arbeiten korrigiert mit Anmerkungen und benotet wieder ausgeh\u00e4ndigt und erhalte meist zus\u00e4tzlich noch die Einstellung oder Anklage, wie er sie selbst dann auch rausgeschickt hat zum Vergleich.<\/p>\n<p>Gerade das ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit in der Zivilstation, wo ich mit meinem Richter zwar auch meine Ausarbeitungen besprochen habe, aber nie eine Korrektur zum nochmaligen Durcharbeiten bekam, geschweige denn das sp\u00e4ter offizielle Schriftst\u00fcck. Das dr\u00fcckte meine Motivation immer ziemlich, denn ich wusste zwar, was er kritisierte, aber oft konnte ich mir gar nicht alles bis zu Hause merke, noch hatte ich konkrete Verbesserungen an die Hand bekommen oder Vergleiche aus der Praxis gesehen&#8230;.<br \/>\nBei meinem Ausbilder bei der Staatsanwaltschaft dagegen bekomme ich ganz automatisch immer konstruktives Feedback, sodass ich auch wirklich das Gef\u00fchl habe, etwas zu lernen. Und wenn in den tats\u00e4chlichen Schriftst\u00fccken die ein oder andere Passage meinem Gedankengang sehr \u00e4hnlich ist, motiviert mich das ungemein, sodass ich voller Elan zur n\u00e4chsten Akte greife und auch sehr gerne zum n\u00e4chsten Termin mit meinem Ausbilder gehe. Kurzum, bisher macht mir die Arbeit bei der Staatsanwaltschaft wirklich Spa\u00df.<\/p>\n<p>Auch die AG ist in dieser Station nach wie vor (ich hatte ja bereits von der Einf\u00fchrungs-AG etwas ausf\u00fchrlicher berichtet) deutlich besser als in der Zivilstation. Jede Woche haben wir ein bestimmtes Thema, das im Vorfeld bekannt gegeben wird, sodass es m\u00f6glich ist, sich schon mal einzulesen und etwas auf die Veranstaltung vorzubereiten. Die AG Treffen beginnen immer mit einem Aktenvortrag. Zu Beginn hatten wir festgelegt, wer wann dran ist. Diejenigen (pro Termin 1-2 Leute) die an dem Tag mit dem Aktenvortrag dran sind, m\u00fcssen zeitversetzt etwas fr\u00fcher kommen, um sich in der 1-st\u00fcndigen Bearbeitungszeit vorzubereiten, der Rest der AG kommt etwas sp\u00e4ter. Wir lesen und besprechen im groben dann den Aktenvortrag, bevor er uns von den 1-2 Referenten nacheinander dargeboten wird, sodass wir auch wissen, worum es geht. Wenn dieser Teil abgeschlossen ist, muss immer einer ein Referat zum gesetzten Thema halten, sodass ein Teil der Einheit von uns selbst gestaltet wird. Nachdem alle Theorie zum Thema besprochen ist, gibt es ein paar Fallbeispiele, um zu testen, ob wir die Theorie auch in die Praxis umsetzen k\u00f6nnen.<br \/>\nAnschlie\u00dfend besteht dann aber auch noch die M\u00f6glichkeit (unabh\u00e4ngig vom jeweiligen AG-Thema) noch Fragen zu stellen, Probleme aus den F\u00e4llen der Einzelausbildung durchzusprechen, etc. Auch die Unterlagen, die wir in der AG bekommen sind deutlich besser, als in der Zivilstation. Wir wurden bisher mit diversen Schemata f\u00fcr die Stationsarbeit versorgt, bekamen gute Zusammenfassungen zu den diversen Themen der StPO (die wir bisher besprochen haben), schon die ein oder andere Originalklausur, an der wir uns als Hausaufgabe versuchen sollten&#8230; alles in allem bin ich sehr zufrieden und habe bisher auf keinen Fall das Gef\u00fchl, das auch nur eine der AG Sitzung vertane, sinnlos abgesessene Zeit gewesen w\u00e4re!<\/p>\n<p>Ansonsten hatte ich nat\u00fcrlich mittlerweile auch schon l\u00e4ngst meine Premiere in der Sitzungsvertretung. Ich war bei einem doch recht abgelegenen Amtsgericht eingeteilt, ein noch richtig altes Geb\u00e4ude, dessen Sitzungssaal ich fast als historisch bezeichnen w\u00fcrde &#8211; mit Holzb\u00e4nken und angebauten Holzschildern, auf denen jeweils eingeritzt war, wo der Angeklagte, der Verteidiger, der Staatsanwalt und der Richter zu sitzen hat. Ein riesiger Raum, mit hohen Decken, Vert\u00e4felungen und einem gro\u00dfen Zuschauerbereich hinter einem pomp\u00f6sen Holzgel\u00e4nder. Eine wirkliche beeindruckende Atmosph\u00e4re (und eine ganz neue Erfahrungen nach meinen Zivilsitzungen im Richterzimmer, eingeengt zwischen Schreibtisch und Wand). Die F\u00e4lle waren eher kleinere Sachen, die sich anhand der d\u00fcnnen Handakte problemlos vorbereiten lie\u00dfen, sodass ich auch ganz unbesorgt (trotz &#8222;Generalprobe&#8220;) zur Sitzung fuhr. Ich war einige Zeit vor dem Beginn der Sitzung dort, stellte mich bei dem Richter schon vor und es blieben noch ein paar Minuten f\u00fcr Smalltalk, sodass ich ganz entspannt in die Sitzung startete. Der Richter war dann auch sehr freundlich und verst\u00e4ndnisvoll, als ich kurz vor dem Pl\u00e4doyer nochmal zwei Minuten brauchte, um mich zu sammeln. Wirklich spektakul\u00e4r war es nicht, es lief alles recht reibungslos und auch das Auftreten der Angeklagten war bei allen sehr angenehm.<br \/>\nMeine Kollegen berichteten schon h\u00e4ufiger von Zust\u00e4nden, \u00e4hnlich wie im Fernsehen, sodass der Richter erstmal klarstellen muss, dass ein Gerichtssaal kein Fernsehset ist und im Normalfall weder gebr\u00fcllt, aufgesprungen, permanent &#8222;Schimpfworte und Gossensprache&#8220; benutzt, Kaugummi gekaut oder Basecaps getragen werden&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Also nach ziemlich exakt sechs Monaten Referendariat und genau zur Mitte der Strafstation kann ich sagen, dass ich seit 2 Monaten ganz angetan vom Referendarsalltag bin, viel lerne und auch Spa\u00df dabei habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir ist gerade aufgefallen, dass meine letzten Beitr\u00e4ge sich ja immer um ein spezielles Thema gedreht haben, aber ich noch gar nicht so richtig erz\u00e4hlt habe, wie es bei mir zur Zeit im Alltag der Strafstation aussieht. 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