{"id":7540,"date":"2013-03-29T07:03:28","date_gmt":"2013-03-29T06:03:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=7540"},"modified":"2013-03-29T07:11:45","modified_gmt":"2013-03-29T06:11:45","slug":"verwaltungsstation-beim-deutschen-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/verwaltungsstation\/verwaltungsstation-beim-deutschen-bundestag\/","title":{"rendered":"Verwaltungsstation beim Deutschen Bundestag"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7541\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/btgweb-68zlzjaujg9tci8vann_wmlayout.jpg\" width=\"150\" height=\"160\" \/>So schnell, wie die Verwaltungsstation anfing, so fix war sie auch wieder vorbei. Meine begann am 01.10.12 im Bundestag, genauer in den Wissenschaftlichen Diensten, Bereich WD 10 \u2013 Kultur, Medien und Sport.<\/p>\n<p>Ich hatte mich ziemlich bald nach Beginn meines Referendariats beim Bundestag beworben und genau diesen Fachbereich als Pr\u00e4ferenz angegeben. Bei dem durfte ich im Endeffekt meine drei Monate auch ableisten.<!--more--><\/p>\n<p>Warum ich genommen wurde und vor allem, wieso ich tats\u00e4chlich genau in diesem meinen Wunschfachbereich zum Einsatz gekommen bin, wird wohl ein Geheimnis bleiben, da weder mein Examen\u00a0\u00a0herausragend war, noch ich irgendwelche besonderen Bewerbungsbem\u00fchungen unternommen habe, sodass vielleicht wirklich einfach von schn\u00f6dem Gl\u00fcck auszugehen ist.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat mir diese Erfahrung aber gezeigt, egal wie gut oder schlecht der Abschluss ist, man sollte sich einfach \u00fcberall bewerben, wo man gerne arbeiten m\u00f6chte, und mit etwas Gl\u00fcck bekommt man genau die Stelle, auf die man ein Auge geworfen hat.<\/p>\n<p>Aber nun zum Thema:<\/p>\n<p>Bundestag, 01.10.12, kurz nach 10 Uhr morgens, v\u00f6llig overdressed sitzt man beim offiziellen Dienstantritt in der Dorotheenstra\u00dfe, wo aber eigentlich nichts anderes passiert, als dass man einen Laufzettel in die Hand gedr\u00fcckt bekommt, den man den Rest des (Vor-) Mittags abzuarbeiten hat.\u00a0Nachdem man dann einen entsprechenden Ausweis in der Personalstelle bekommen und bei den sonstigen Laufstationen vorbeigeschaut\u00a0hat, bekommt man in der Schl\u00fcsselstelle seinen B\u00fcro\u00f6ffner in die Hand gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Mit dem geht es dann zur \u201ceigenen\u201d Dienststelle.\u00a0Bei mir ein B\u00fcrogeb\u00e4ude, das zwar noch im Regierungsviertel liegt, aber trotzdem in einiger Entfernung zum Reichstag, daf\u00fcr hatte ich mein eigenes B\u00fcro.<\/p>\n<p>Die Arbeit als Rechtsreferendar in den <a title=\"Wissenschaftliche Dienste\" href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/bundestag\/verwaltung\/ua_wd\/index.html\" target=\"_blank\">Wissenschaftlichen Diensten<\/a> im Bundestag sieht im Gro\u00dfen und Ganzen so aus, dass man in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (je nachdem wie viel zu tun ist), vom Fachbereichsleiter Auftr\u00e4ge zugewiesen bekommt, deren Bearbeitung man dann allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Mitarbeitern \u00fcbernimmt. Auftr\u00e4ge sind dabei nichts anderes als Fragen, welche die Mitglieder des Bundestages (MdB) haben.<\/p>\n<p>Diese Auftr\u00e4ge werden vorher von der sogenannten <a title=\"Hotline W - \u00dcbersicht\" href=\"https:\/\/www.btg-bestellservice.de\/pdf\/20081600.pdf\" target=\"_blank\">Hotline W<\/a> als zentrale Anlaufstelle f\u00fcr die MdB an die zw\u00f6lf verschiedenen Fachbereiche der Wissenschaftlichen Dienste verteilt, sofern die Mitarbeiter der Hotline W die Anfragen nicht selbst in K\u00fcrze beantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei diesen Auftr\u00e4gen kann es sich um einfache Anfragen handeln, deren schriftliche Beantwortung nicht mehr als zwei DIN-A 4 Seiten beansprucht. Teilweise tritt jedoch auch der gegenteilige Fall ein und die Beantwortung einer Frage nimmt auf einmal den Umfang einer durchschnittlichen Dissertation an. An Themen ist so ziemlich alles m\u00f6glich, was in der politischen Landschaft passiert.<\/p>\n<p>Meist nimmt man, nachdem man sich bereits kurz in das Thema eingearbeitet hat, R\u00fccksprache mit dem Anfragenden, um Details zu kl\u00e4ren oder einfach, um den Bearbeitungszeitraum abzusprechen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Recherche hat man Zugriff auf alle erdenklichen (nicht nur) juristischen Datenbanken und kann sich bereits von Kollegen des eigenen Fachbereichs verfasste Arbeiten, die bereits einige Informationen zum eigenen Arbeitsthema beinhalten, durchlesen, sowie bei anderen Fachbereichen anfragen, ob ein Thema in \u00e4hnlicher Art und Weise von ihnen bereits aufbereitet wurde.<\/p>\n<p>Sobald man sich einen \u00dcberblick hinsichtlich der zu bearbeitenden Anfrage verschafft hat, entscheidet man sich, in welcher Form diese beantwortet werden soll.<\/p>\n<p>Dies kann z. B. in Form einer <em>Ausarbeitung<\/em> geschehen, aber genauso gut als <em>Sachstand<\/em> oder <em>Kurzinformation<\/em>. Der Unterschied hierbei liegt vor allem am Umfang. Dabei stellt die <em>Ausarbeitung<\/em> die aufwendigste Art der Beantwortung einer Anfrage dar. Wie bereits erw\u00e4hnt kann diese mehrere Hundert Seiten stark ausfallen und vom Verfasser werden eigene Schlussfolgerungen und Argumentationen erwartet. Bei einem <em>Sachstand<\/em> wird das Thema umrissen und sodann eben der aktuelle (Sach-)Stand dargestellt. Im Vordergrund hierbei steht vor allem das Zusammentragen, Filtern und Aufbereiten von bereits vorliegenden Informationen. <em>Kurzinformationen<\/em> fallen vom Umfang her seltenst l\u00e4nger als zwei Seiten aus und sollen eine nicht allzu komplexe Fragestellung in aller K\u00fcrze darstellen und beantworten.<\/p>\n<p>Der Bearbeitungszeitraum einer Anfrage variiert entsprechend des Umfangs der Arbeit dann auch von einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen.<\/p>\n<p>Die fertige Arbeit legt man dann dem Fachbereichsleiter vor, der sich diese durchliest und entweder Verbesserungsvorschl\u00e4ge gibt oder die Arbeit an den Anfragenden rausschickt.<\/p>\n<p>Besonders gut hat mir die<a title=\"Bundestagsbibliothek\" href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/bibliothek\/index.html\" target=\"_blank\"> Bibliothek des Bundestages<\/a>\u00a0gefallen. Diese befindet sich im Marie-Elisabeth-L\u00fcders-Haus und hat nicht nur fast alles an Fachb\u00fcchern und -zeitschriften im Angebot, was man sich w\u00fcnschen kann, sondern bestellt auch innerhalb eines Tages ein Buch, was noch nicht zum Bestand geh\u00f6rt, wenn man es f\u00fcr seine Arbeit ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Und wer jetzt etwas genauer wissen m\u00f6chte, wie der Bundestag organisiert ist, dem sei <a title=\"Bundestag - Organigramm\" href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/bundestag\/verwaltung\/organisationsplan.pdf\">dieses <\/a>\u00fcbersichtliche Organigramm ans Herz gelegt.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend kann ich sagen, dass die Entscheidung, die Verwaltungsstation in den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages abzuleisten, richtig war.<br \/>\nEinen so tiefgehenden Blick hinter die Kulissen und in die Arbeitsweisen des Bundestages, bekommt man wohl selten wieder.<\/p>\n<p>Sicher war es manchmal ein wenig stressig und ich zumindest habe mich anfangs ein wenig \u00fcberfordert gef\u00fchlt, da man nach einer kurzen Einf\u00fchrungsphase sofort mindestens einen Auftrag zugewiesen bekommt und loslegen soll. Damit wird man in gewisser Weise ins kalte Wasser geworfen. Das Gef\u00fchl legte sich aber schon nach kurzer Zeit, was zu einem gro\u00dfen Teil auch einfach daran lag, dass man mit Fragen immer bei den Kollegen vorbeischauen und \u00fcber das zu bearbeitende Thema diskutieren konnte.<\/p>\n<p>So stellte sich zumindest die Situation in meinem Fachbereich dar, von Kollegen aus anderen Fachbereichen habe ich allerdings auch Erfahrungsberichte geh\u00f6rt, die nicht ganz so positiv ausfielen.<\/p>\n<p>Nicht zu vergessen dabei ist vor allem auch die Mitarbeiterin des Vorzimmers, die einen als Neuank\u00f6mmling \u00fcberall unterst\u00fctzt, wo es nur m\u00f6glich ist und man bei ihrem Fehlen sehr schnell merkt, dass ohne sie der Fachbereich quasi arbeitsunf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Wer allerdings aus der Zivil- oder Strafstation gewohnt ist, vielleicht ein Mal die Woche beim Ausbilder anzutanzen, der wird sich dort erst einmal umgucken, da die Anwesenheit an allen Werktagen gefordert wird, au\u00dfer an denen, an dem die AG stattfindet oder Klausuren geschrieben werden. Und wenn ein Auftrag zeitnah fertig werden muss, dann kommt es vor, dass man um 8 das B\u00fcro betritt und um 23 Uhr nach Hause geht.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz blieb im normalen B\u00fcroalltag fast immer genug Zeit, um an Sitzungen teilzunehmen oder sich den Reichstag, sowie die anderen Regierungsbauten einfach mal abseits von den normalen Besucherf\u00fchrungen anschauen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag vom derzeitigen Referendar Marcel Wetzel. Marcel schreibt \u00fcber seine Erlebnisse im Referendariat in seinem Blog <a href=\"http:\/\/imnamendesvolk.es\/\">http:\/\/imnamendesvolk.es<\/a>. Reinschauen lohnt sich!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So schnell, wie die Verwaltungsstation anfing, so fix war sie auch wieder vorbei. Meine begann am 01.10.12 im Bundestag, genauer in den Wissenschaftlichen Diensten, Bereich WD 10 \u2013 Kultur, Medien und Sport. Ich hatte mich ziemlich bald nach Beginn meines Referendariats beim Bundestag beworben und genau diesen Fachbereich als Pr\u00e4ferenz angegeben. Bei dem durfte ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[117,5],"tags":[],"class_list":["post-7540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin","category-verwaltungsstation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7540"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7540\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7549,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7540\/revisions\/7549"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}