{"id":5219,"date":"2012-03-11T13:17:17","date_gmt":"2012-03-11T12:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=5219"},"modified":"2012-03-11T14:40:13","modified_gmt":"2012-03-11T13:40:13","slug":"die-erste-woche-ist-geschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/zivilrechtsstation\/die-erste-woche-ist-geschafft\/","title":{"rendered":"Die erste Woche im Referendariat"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5243\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/MP900439437.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Die erste Woche vom Einf\u00fchrungslehrgang\u00a0ist nun schon vorbei. Mein Fazit: Das Referendariat macht mir\u00a0bisher sehr viel Spa\u00df (soweit man das \u00fcberhaupt nach einer Woche beurteilen kann), es ist aber doch sehr ungewohnt nach dem Wochenlangen, mehr oder weniger\u00a0juristischem\u00a0&#8222;Nichtstun&#8220;, auf einmal wieder\u00a0ein (zumindest\u00a0verglichen mit vorher)\u00a0hohes\u00a0Arbeitstempo an den Tag legen zu m\u00fcssen. Vergleichen kann man das Referendariat mit der Schulzeit:<!--more-->wir bekommen Hausaufgaben auf, jeder hat ein Namensschild und dadurch, dass wir eine recht \u00fcberschaubare Gruppe an Referendaren sind ist es halt auch nicht mehr so anonym wie im Studium wo man (zumindest anfangs) mit 300 Studenten in einem H\u00f6rsaal sitzt. Wir werden\u00a0eigentlich dauernd drangenommen (was ich allerdings sehr gut finde, so lernt man immerhin mit am meisten und ist gezwungen auch wirklich aufzupassen, wenn man es mal nicht wei\u00df ist es au\u00dferdem auch kein Drama \ud83d\ude09 ) oder es werden Fragen gestellt und man kann sich melden.\u00a0Das ist &#8211; gerade weil man frisch mit bestandenem Examen von der Uni kommt &#8211; dann doch etwas ungewohnt, man f\u00fchlt sich wieder einige J\u00e4hrchen zur\u00fcckversetzt.<\/p>\n<p>Der AG-Leiter ist nach wie vor sehr nett und bem\u00fcht, uns die Feinheiten im Zivilprozess f\u00fcr Relationen und Urteile n\u00e4her zu bringen. Auch Fragen beantwortet er immer gerne und zufriedenstellend. Ich merke jedoch, dass ich dringend auch das materielle Recht &#8211; zumindest im Groben &#8211; nochmal wiederholen muss. Da\u00a0schlug die Keule des Vergessens doch h\u00e4rter zu als ich dachte. Materiell-rechtlich ist es, jedenfalls bisher, eigentlich\u00a0recht einfach. Es dauert bei mir gerade aber f\u00fcr einige Normen oder Voraussetzungen f\u00fcr bestimmte Anspr\u00fcche doch einfach zu lange, bis ich deren Voraussetzungen dann auch wirklich zusammen habe oder die Norm die ich suche dann im Gesetz finde&#8230;ich hoffe das l\u00e4sst sich schnell wieder auffrischen und findet sich noch irgendwo im Hinterst\u00fcbchen wieder. Auch ZPO-Kenntnisse werden vorausgesetzt (zumindest das, was man zum ersten Examen auch schon kennen sollte, wie z.B. die \u00f6rtliche\/sachliche Zust\u00e4ndigkeit, Instanzenzug etc). Damit haben wir uns somit auch gar nicht mehr gro\u00df besch\u00e4ftigt, sondern sind direkt in den zivilprozessualen Teil,\u00a0der nun wirklich neu ist und den man aus dem Studium nicht kennt, eingestiegen.<\/p>\n<p>Was haben wir also\u00a0in der ersten\u00a0Woche gemacht? Um den Ablauf besser nachvollziehen zu k\u00f6nnen haben wir zun\u00e4chst\u00a0kurz besprochen wie die\u00a0Klage \u00fcberhaupt zu Gericht kommt, was\u00a0dort mit ihr passiert, wer f\u00fcr sie zust\u00e4ndig ist,\u00a0wie sie ihren Richter findet und welche anderen M\u00f6glichkeiten es bei Streitigkeiten\u00a0noch gibt anstatt direkt Klage zu erheben. Danach ging es mit den f\u00fcr das 2. Examen notwendigen Kenntnissen, wie z.B.\u00a0Unterschied Tatsachenvortrag vs. Rechtsansichten, dem Bestreiten (einfaches Bestreiten, qualifiziertes Bestreiten, Bestreiten mit Nichtwissen) und dem Aufbau einer Relation (die als Vorbereitung zu einem Urteil dient) weiter. Auch W\u00f6rter wie Replik und Dublik sind nun neu in meinem Wortschatz zu finden.\u00a0\ud83d\ude09 Vieles bearbeiten wir anhand von kleinen F\u00e4llen oder Musterklagen\/Klageerwiderungen die wir in streitigen und unstreitigen Vortrag unterteilen, was ich sehr gut finde: so lernt man gleich am Fall und insbesondere f\u00fcr die verschiedenen Arten des Bestreitens ist sowas hilfreicher als nur abstrakt dar\u00fcber zu reden.<\/p>\n<p>Neben den Hausaufgaben die wir aufbekommen haben\u00a0und\u00a0die ich heute noch fertigmachen werde, werde ich\u00a0in den kommenden Tagen\u00a0auch einige Sachen im Lehrbuch nachlesen (m\u00fcssen), damit ich direkt von Anfang an nicht Gefahr laufe den Anschluss zu verlieren. Momentan geht es noch, es ist zwar neu und interessant, aber halt doch viel neues und ungewohntes\u00a0auf einmal und da m\u00f6chte man (bzw. zumindest ich) nat\u00fcrlich auch dranbleiben. Zudem stehen auch schon die Termine der drei Klausuren fest die wir in der Zivilstation schreiben (die erste Klausur ist\u00a0f\u00fcr Mitte-Ende April angesetzt). Ich denke, dass es sich nach dem Einf\u00fchrungslehrgang, wenn wir dann nur noch einmal pro Woche AG haben,\u00a0etwas entspannen wird (zumindest hoffe ich das) und mit der Zeit wird man sich dann auch schon\u00a0besser in der Materie zurechtfinden.\u00a0\ud83d\ude42<\/p>\n<p>Was ich in meinem letzten Beitrag noch vergessen habe anzusprechen: In meinem OLG-Bezirk (und scheinbar nur in diesem und nicht &#8211; wie ich anfangs dachte &#8211; in allen 3 OLG-Bezirken in Niedersachsen) gibt es ein Ausbildungskonzept, das sich <strong>JumP (&#8222;Justizreferendare mit Profil&#8220;)<\/strong> nennt und uns auch\u00a0vorgestellt wurde. Ziel von JumP ist es, dass interessierte und auch besonders qualifizierte Referendare in der 1. und 2. Pflichtstation einen noch intensiveren Einblick in die Arbeitspl\u00e4tze der Justiz erhalten sollen. Wer sich also vorstellen kann (und es auch anhand der Noten realistisch ist) sp\u00e4ter in der nieders\u00e4chsischen Justiz zu arbeiten, f\u00fcr den ist dies sicherlich eine interessante Sache. JumP bietet demnach zus\u00e4tzliche Ausbildungsangebote an bzw einfach mal schlicht ausgedr\u00fcckt: Mehrarbeit die man bekommt (was nat\u00fcrlich sehr interessant und auch sehr n\u00fctzlich f\u00fcr den Lerneffekt sein kann und wobei sicherlich auch tolle Einblicke in die Justiz m\u00f6glich sind, allerdings ist es halt doch auch eine Mehrbelastung und neben dem Jobben wei\u00df ich gerade nicht, ob dies zeitlich dann noch so gut zu bew\u00e4ltigen ist und halbherzig m\u00f6chte ich auch nicht an so etwas rangehen wollen). Man sollte sich also bewusst sein, dass neben Interesse an der Justiz auch viel Eigeninitative und Engagement erforderlich ist, sonst bringt das ganze Konzept keinem etwas. Leider kenne ich niemanden pers\u00f6nlich der schon im Referendariat ist und bei JumP mitgemacht hat und den ich demnach um einen Erfahrungsbericht bitten k\u00f6nnte. F\u00fcr mich ist es nach gerade mal einer Woche Referendariat noch zu fr\u00fch um zu sagen, ob es f\u00fcr mich in Betracht kommt. Ich finde viele Bereiche sehr interessant und kann mir, vom jetzigen Stand der Dinge,\u00a0die Justiz durchaus als sp\u00e4teren Arbeitgeber vorstellen (dazu muss aber dennoch auch die Note vom 2. Examen stimmen), aber ich werde jetzt erstmal den\u00a0Einf\u00fchrungslehrgang und die Proberelationshausarbeit am Ende des Monats abwarten\u00a0(erstmal Schritt\u00a0f\u00fcr Schritt vorgehen.. \ud83d\ude42 ) und sollte ich danach\u00a0Interesse\u00a0an JumP\u00a0haben, werde ich\u00a0mich mal genauer mit der daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Person zusammensetzen und gucken wie eigentlich der konkrete Ablauf aussehen k\u00f6nnte, wie sehr es einen zeitlich in etwa zus\u00e4tzlich in Anspruch nimmt\u00a0und was f\u00fcr weitere Ausbildungsangebote \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind. Sollte es dazu kommen werde ich euch nat\u00fcrlich auch\u00a0davon berichten.<\/p>\n<p>Das wichtigste h\u00e4tte ich nun abschlie\u00dfend fast vergessen: ich wei\u00df mittlerweile endlich an welches Gericht ich komme und wie mein Ausbilder bei Gericht hei\u00dft. Ich bin erfreulicherweise auch \u00f6rtlich meinem Wunsch entsprechend gelandet. Allerdings wollte ich ja sehr gerne an das Amtsgericht, da ich nun schon mehrfach geh\u00f6rt habe, dass die F\u00e4lle dort examensn\u00e4her sein sollen\u00a0(z.B. Mietstreitigkeiten, die \u00f6fter mal\u00a0im Examen vorkommen,\u00a0werden ja nur vor dem Amtsgericht verhandelt).\u00a0Ich wurde jedoch dem Landgericht zugewiesen, aber in einer &#8211; jedenfalls f\u00fcr mich &#8211; sehr interessanten Kammer und daher bin ich alles in allem doch sehr zufrieden und gl\u00fccklich damit. \ud83d\ude42 Ich werde n\u00e4chste Woche mal bei meinem Ausbilder durchrufen, um zu fragen, wann\/ob ich\u00a0mal vorbeikommen soll um mich kurz vorzustellen. Die Mit-Referendare aus meiner AG-Gruppe sind soweit auch zufrieden mit ihrer Zuweisung. Also: Friede, Freude, Eierkuchen!<\/p>\n<p>Euch noch ein sch\u00f6nes Wochenende und ab\u00a0morgen hei\u00dft es\u00a0dann:\u00a0auf in die zweite Referendariats-Woche. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Emily*<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Woche vom Einf\u00fchrungslehrgang\u00a0ist nun schon vorbei. Mein Fazit: Das Referendariat macht mir\u00a0bisher sehr viel Spa\u00df (soweit man das \u00fcberhaupt nach einer Woche beurteilen kann), es ist aber doch sehr ungewohnt nach dem Wochenlangen, mehr oder weniger\u00a0juristischem\u00a0&#8222;Nichtstun&#8220;, auf einmal wieder\u00a0ein (zumindest\u00a0verglichen mit vorher)\u00a0hohes\u00a0Arbeitstempo an den Tag legen zu m\u00fcssen. 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