{"id":3388,"date":"2011-03-21T07:36:39","date_gmt":"2011-03-21T06:36:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=3388"},"modified":"2012-01-20T16:23:51","modified_gmt":"2012-01-20T15:23:51","slug":"referendariat-in-owl-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/nach-dem-referendariat\/referendariat-in-owl-23\/","title":{"rendered":"Referendariat in OWL (23) \u2013 Gedankenspiel Wohnzimmerkanzlei"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3405\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/MP900402508.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Nach einem Monat Anwaltsstation muss ich sagen, ich bin<strong> von der Anwaltst\u00e4tigkeit positiv \u00fcberrascht<\/strong>. Vor dem Referendariat h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass ich das einmal sagen werde. Denn h\u00f6rt man sich mal bei Referendaren oder Jurastudenten um, will nur ein verschwindend geringer Bruchteil Anwalt werden. Dies mag an langen Arbeitszeiten (im Vergleich zum \u00f6ffentlichen Dienst) und am gro\u00dfen Wettbewerbsdruck zwischen den Anw\u00e4lten liegen. <!--more-->Aber auch der Umstand, seinen Mandanten stets Honig ums Maul schmieren zu m\u00fcssen, ist auf lange Sicht keine tolle Vorstellung. Das dachte ich lange Zeit auch.<\/p>\n<p>Im Einf\u00fchrungslehrgang berichten dann unterschiedliche Anw\u00e4lte von ihrer Sicht auf die Dinge. Und da gibt es dann nat\u00fcrlich die Vertreter mit der<strong> &#8222;Das-Boot-ist-voll&#8220;-Doktrin<\/strong>, die einem vorrechnen, f\u00fcr wie viele Euro man Rechnungen an die Mandantschaft schreiben muss, um am 31. des Monats 3.000 Euro nach Steuern und Sozialabgaben (man m\u00fcsse f\u00fcr 14.000 Euro inkl. MwSt Rechnungen schreiben). Das war jetzt nicht unbedingt die beste Werbung. Viel M\u00fche hat sich auch der Vertreter der Landesanwaltskammer gegeben, um uns den Beruf des Anwalts ein bischen schmackhaft zu machen. Er meinte ausdr\u00fccklich, dass die <strong>Arbeitssituation jetzt wieder besser<\/strong> werde und die Anwaltschaft vermehrt junge Anw\u00e4lte sucht. In dem Vortrag \u00fcber Anwaltsrecht wurden denn auch die Voraussetzungen f\u00fcr eine Wohnzimmerkanzlei und die monatlich einzukalkulierenden Fixkosten (Haftpflicht, Versorgungswerk, Kammerbeitrag) besprochen. Danach kann man auch mit kleinem Geldbeutel theoretisch in die wirtschaftliche Selbstst\u00e4ndigkeit starten, sobald man den Zusatz &#8222;Anwalt&#8220; an sein Klingelschild mit Tesa-Film befestigt hat.<\/p>\n<p>Auch meine Anwaltsstation macht Lust auf mehr. Dies liegt nicht so sehr daran, dass ich viel praktische Arbeiten machen k\u00f6nnte. Denn wie bisher schreibe ich meist Aktenvermerke zu problematischen F\u00e4llen. Nur ganz selten schreibe ich mal ne Zivilklage ans Gericht oder einen \u00a7 80 V Antrag ans Verwaltungsgericht. Interessant sind aber die <strong>Mandantengespr\u00e4che<\/strong> (ob in der Kanzlei oder beim gerichtlichen Ortstermin), weil man darin trainieren kann, juristische Probleme f\u00fcr den Normalb\u00fcrger verst\u00e4ndlich darzustellen. Auch durfte ich mich mal an einem Grundst\u00fcckskaufvertrag zur Abwendung einer Enteignung probieren. Die <strong>M\u00f6glichkeit der Rechtsgestaltung<\/strong> hat man eben vor allem als Anwalt. Und das Gestalten macht seit den ersten Legobausteinen in der Kindheit auch regelm\u00e4\u00dfig viel Spa\u00df. Hinzukommt eine nette B\u00fcroathmosph\u00e4re, bei dem sich die Anw\u00e4lte und Referendare im Rechtsgespr\u00e4ch \u00fcber unterschiedlichste F\u00e4lle austauschen.<\/p>\n<p>Aus Spa\u00df habe ich denn auch schon mal geschaut, <strong>was denn juris und beck-online f\u00fcr mich als Berufsanf\u00e4nger kosten w\u00fcrden<\/strong>. Die Einstiegspreise f\u00fcr die Basisausstattung sind gar nicht einmal so hoch. Da ich mich aber Richtung \u00f6ffentliches Recht spezialisieren will, ist schade, dass es das Beck-Modul f\u00fcr Verwaltungsrecht nur f\u00fcr 3 Rechner gibt. So muss man als Einzelanwalt sich erstmal ne Bibliothek finanzieren (ca. 2.000 Euro hatte mein Amazon-Wunschelzettel zum Schluss), wenn man nicht zu den oben genannten Fixkosten der Wohnzimmerkanzlei (Haftpflicht, Versorungswerk, Kammerbeitrag) noch 200 Euro nach M\u00fcnchen zum Beck-Verlag \u00fcberweisen will. Ich werde mir jedenfalls mal das\u00a0 empfohlene <a href=\"http:\/\/anwaltverein.de\/berufsstart\/dav-ratgeber\" target=\"_blank\">DAV-Buch<\/a> kaufen, um ein bischen mehr \u00fcber den Start in den Anwaltsberuf zu erfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Monat Anwaltsstation muss ich sagen, ich bin von der Anwaltst\u00e4tigkeit positiv \u00fcberrascht. Vor dem Referendariat h\u00e4tte ich nicht gedacht, dass ich das einmal sagen werde. Denn h\u00f6rt man sich mal bei Referendaren oder Jurastudenten um, will nur ein verschwindend geringer Bruchteil Anwalt werden. 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