{"id":12876,"date":"2026-08-06T11:13:30","date_gmt":"2026-08-06T11:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=12876"},"modified":"2026-08-07T12:29:41","modified_gmt":"2026-08-07T10:29:41","slug":"vg-wiesbaden-kein-automatischer-notensprung-knapp-vor-dem-praedikat-7-k-298-25-wi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/rechtsprechung\/vg-wiesbaden-kein-automatischer-notensprung-knapp-vor-dem-praedikat-7-k-298-25-wi\/","title":{"rendered":"VG Wiesbaden: Kein automatischer Notensprung knapp vor dem Pr\u00e4dikat (7 K 298\/25.WI)"},"content":{"rendered":"<div class=\"postie-post\">\n<div class=\"postie-attachments\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12877 alignleft\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/QRU7Fldb0Rbpwb5-1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/QRU7Fldb0Rbpwb5-1.jpg 150w, https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/QRU7Fldb0Rbpwb5-1-140x140.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/div>\n<div>\n<div class=\"WordSection1\">\n<p class=\"MsoPlainText\">Eine Examenskandidatin in Hessen hat vor dem VG Wiesbaden vergeblich versucht, ihre <a href=\"https:\/\/dejure.org\/2025,18657\">Abschlussnote im Zweiten Juristischen Staatsexamen von 8,95 auf 9,00 Punkte anheben zu lassen<\/a>. Der Abstand zum Pr\u00e4dikat war minimal: Nur 0,05 Punkte trennten sie von der Note \u201evollbefriedigend\u201c. Das Gericht stellte jedoch klar, dass eine solche N\u00e4he zur n\u00e4chsten Notenstufe f\u00fcr sich genommen keinen Anspruch auf eine Notenanhebung begr\u00fcndet. Entscheidend bleibt, ob die Pr\u00fcfungskommission ihren Beurteilungsspielraum ordnungsgem\u00e4\u00df ausge\u00fcbt hat.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Der Fall zeigt besonders deutlich, welche praktische Bedeutung die rechnerische Endnote im juristischen Staatsexamen haben kann. Die Kl\u00e4gerin hatte im Vorbereitungsdienst sehr gute Stations- und Arbeitsgemeinschaftsnoten erzielt und auch in der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung \u00fcberwiegend zweistellige Bewertungen erreicht. Gleichwohl ergab die Gesamtberechnung nur 8,95 Punkte. Nach hessischem Pr\u00fcfungsrecht kann die Kommission die rechnerisch ermittelte Pr\u00fcfungsnote zwar um bis zu einen Punkt anheben, wenn der Gesamteindruck den Leistungsstand dadurch besser abbildet. Diese M\u00f6glichkeit ist aber kein Automatismus.<!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Das VG Wiesbaden beanstandete zun\u00e4chst, dass der Pr\u00fcfungskommission bei der urspr\u00fcnglichen Notenentscheidung noch nicht alle relevanten Unterlagen vorlagen. Insbesondere das Zeugnis aus der Wahlstation, das mit \u201esehr gut\u201c bewertet worden war, h\u00e4tte in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden m\u00fcssen. Dieser Fehler f\u00fchrte aber nicht zum Erfolg der Klage. Denn im anschlie\u00dfenden \u00dcberdenkungsverfahren wurde das Zeugnis ber\u00fccksichtigt, und die Kommission setzte sich erneut mit der Frage auseinander, ob eine Anhebung angezeigt war.<p style=\"border:1px solid; padding: 5px; margin: 2px 0px 10px 0px; line-height: 150%\">\n\t\t\t\tDie RefNews sind das Blog von Juristenkoffer.de - einem der ersten und mit weit mehr als 35.000 zufriedenen Kunden einem der gr\u00f6\u00dften Vermieter von Kommentaren in Deutschland. Bist Du bereits Rechtsreferendar, hast Dir aber noch keinen Juristenkoffer reserviert? Dann informiere Dich jetzt \u00fcber unser Angebot und <a href=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/angebot.php?rel=textartikelrefnews\" target=\"_blank\">sichere Dir schnell Deine Examenskommentare<\/a>!\n\t\t\t\t<\/p><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Nach Auffassung des Gerichts durfte die Kommission trotz der starken Leistungen im Vorbereitungsdienst und in Teilen der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung an der rechnerischen Note festhalten. Sie habe vertretbar darauf abgestellt, dass die Klausurergebnisse ein gemischtes Leistungsbild zeigten und mehrere schriftliche Arbeiten deutlich unterhalb der Endnote lagen. Auch die Tatsache, dass Stationsnoten im Referendariat h\u00e4ufig besser ausfallen als Examensklausuren, durfte in die Bewertung einflie\u00dfen. Das Gericht ersetzte diese pr\u00fcfungsrechtliche Einsch\u00e4tzung nicht durch eine eigene Gesamtw\u00fcrdigung.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">F\u00fcr Referendarinnen und Referendare ist die Entscheidung deshalb ern\u00fcchternd, aber lehrreich. Wer knapp unter einer Notenschwelle landet, kann nicht allein mit dem geringen Abstand argumentieren. Erforderlich sind konkrete Fehler im Verfahren, eine unvollst\u00e4ndige Tatsachengrundlage oder sachfremde Erw\u00e4gungen. Selbst wenn eine Anhebung fachlich nachvollziehbar oder menschlich naheliegend erscheint, bleibt sie rechtlich nur eingeschr\u00e4nkt \u00fcberpr\u00fcfbar. Der gerichtliche Kontrollma\u00dfstab ist eng und respektiert den Einsch\u00e4tzungsspielraum der Pr\u00fcferinnen und Pr\u00fcfer.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die Entscheidung unterstreicht zugleich, dass das \u00dcberdenkungsverfahren kein blo\u00dfer Formalismus sein darf. Pr\u00fcfungs\u00e4mter und Kommissionen m\u00fcssen substantiiert vorgebrachte Einw\u00e4nde ernsthaft pr\u00fcfen und eine vollst\u00e4ndige Bewertungsgrundlage herstellen. F\u00fcr Kandidatinnen und Kandidaten bedeutet das: Wer gegen eine Examensnote vorgeht, sollte pr\u00e4zise ansetzen und Verfahrensfehler oder Bewertungsfehler konkret herausarbeiten. Die blo\u00dfe Entt\u00e4uschung \u00fcber eine knapp verpasste Notenstufe reicht auch bei 0,05 Punkten nicht aus.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Examenskandidatin in Hessen hat vor dem VG Wiesbaden vergeblich versucht, ihre Abschlussnote im Zweiten Juristischen Staatsexamen von 8,95 auf 9,00 Punkte anheben zu lassen. Der Abstand zum Pr\u00e4dikat war minimal: Nur 0,05 Punkte trennten sie von der Note \u201evollbefriedigend\u201c. 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