{"id":12781,"date":"2026-05-11T12:27:53","date_gmt":"2026-05-11T12:27:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=12781"},"modified":"2026-05-12T12:28:12","modified_gmt":"2026-05-12T10:28:12","slug":"vg-wiesbaden-keine-schreibzeitverlaengerung-bei-chronischer-erkrankung-im-zweiten-staatsexamen-7-l-819-25-wi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/rechtsprechung\/vg-wiesbaden-keine-schreibzeitverlaengerung-bei-chronischer-erkrankung-im-zweiten-staatsexamen-7-l-819-25-wi\/","title":{"rendered":"VG Wiesbaden: Keine Schreibzeitverl\u00e4ngerung bei chronischer Erkrankung im Zweiten Staatsexamen (7 L 819\/25.WI)"},"content":{"rendered":"<div class=\"postie-post\">\n<div class=\"postie-attachments\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-12782 alignleft\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1AXd0Lvo7FlmZps.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1AXd0Lvo7FlmZps.jpg 150w, https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1AXd0Lvo7FlmZps-140x140.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/div>\n<p><span style=\"font-family:Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif;font-size:13px;line-height:120%\">Ein hessischer Rechtsreferendar ist vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden mit dem Versuch gescheitert, f\u00fcr die Klausuren im zweiten juristischen Staatsexamen eine Schreibzeitverl\u00e4ngerung zu erstreiten. Der Antragsteller leidet seit seiner Kindheit an einer autoimmunen Hepatitis, die ihn nach seinem Vortrag immer wieder durch schnelle Erm\u00fcdung, Konzentrationsprobleme und einen erh\u00f6hten Regenerationsbedarf belastet. F\u00fcr die bevorstehenden Aufsichtsarbeiten im Zweitversuch wollte er deshalb erreichen, dass ihm ein Nachteilsausgleich in Form von 25 Prozent zus\u00e4tzlicher Bearbeitungszeit gew\u00e4hrt wird. Das Pr\u00fcfungsamt lehnte dies ab, obwohl amts\u00e4rztlich eine entsprechende Verl\u00e4ngerung empfohlen worden war.<\/p>\n<p> Der Referendar berief sich im Eilverfahren auf die pr\u00fcfungsrechtliche Chancengleichheit. Er machte geltend, seine Erkrankung hindere ihn daran, seine eigentlich vorhandenen juristischen F\u00e4higkeiten unter den \u00fcblichen Klausurbedingungen vollst\u00e4ndig zu zeigen. Das Gericht stellte jedoch klar, dass ein Nachteilsausgleich nur solche Einschr\u00e4nkungen kompensieren k\u00f6nne, die nicht selbst den Pr\u00fcfungsgegenstand betreffen. Ma\u00dfgeblich sei daher zun\u00e4chst, welche F\u00e4higkeiten die konkrete Pr\u00fcfung abfragen solle. Bei den Klausuren des zweiten Staatsexamens gehe es nicht allein darum, juristisches Wissen abzurufen und einen Sachverhalt rechtlich zu l\u00f6sen. Gefordert sei gerade auch die F\u00e4higkeit, in begrenzter Zeit, mit begrenzten Hilfsmitteln und unter erheblichem Arbeitsdruck zu einem praktisch brauchbaren Ergebnis zu gelangen.<br \/> <!--more--><br \/> F\u00fcr das VG Wiesbaden war deshalb entscheidend, dass z\u00fcgiges, konzentriertes Arbeiten in den Aufsichtsarbeiten nicht blo\u00df eine \u00e4u\u00dfere Rahmenbedingung ist, sondern zu den gepr\u00fcften Kernkompetenzen geh\u00f6rt. Wer im zweiten Staatsexamen eine Akte auswertet und einen verwertbaren Entscheidungsvorschlag oder Schriftsatz entwirft, soll nach der Vorstellung des Pr\u00fcfungsrechts auch zeigen, dass er Arbeitsorganisation, Belastbarkeit und Zeitmanagement beherrscht. Eine Verl\u00e4ngerung der Schreibzeit w\u00fcrde nach dieser Sichtweise nicht nur ein technisches Hindernis beseitigen, sondern unmittelbar eine pr\u00fcfungsrelevante Anforderung abmildern. Genau das sei mit dem Grundsatz gleicher Pr\u00fcfungsbedingungen nicht vereinbar.<br \/> <p style=\"border:1px solid; padding: 5px; margin: 2px 0px 10px 0px; line-height: 150%\">\n\t\t\t\tDie RefNews sind das Blog von Juristenkoffer.de - einem der ersten und mit weit mehr als 35.000 zufriedenen Kunden einem der gr\u00f6\u00dften Vermieter von Kommentaren in Deutschland. Bist Du bereits Rechtsreferendar, hast Dir aber noch keinen Juristenkoffer reserviert? 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Wenn die Symptome den Betroffenen auch im sp\u00e4teren Berufsleben als Volljurist begleiten, k\u00f6nne das Leistungsurteil in der Pr\u00fcfung nicht vollst\u00e4ndig von dieser Einschr\u00e4nkung getrennt werden.<\/p>\n<p> Der Antrag blieb daher ohne Erfolg. F\u00fcr Rechtsreferendare ist die Entscheidung besonders bedeutsam, weil sie die Grenzen des Nachteilsausgleichs im Assessorexamen scharf zieht: K\u00f6rperliche oder gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren nicht automatisch zu mehr Bearbeitungszeit. Entscheidend ist, ob die Einschr\u00e4nkung lediglich den Nachweis der Leistung erschwert oder ob sie eine F\u00e4higkeit betrifft, die in der Pr\u00fcfung selbst bewertet werden soll. Gerade bei Konzentrationsf\u00e4higkeit, Erm\u00fcdbarkeit und Arbeiten unter Zeitdruck legt das VG Wiesbaden einen strengen Ma\u00dfstab an. Betroffene Pr\u00fcflinge m\u00fcssen deshalb besonders genau darlegen, warum ihr Begehren nicht auf eine Absenkung pr\u00fcfungsrelevanter Anforderungen hinausl\u00e4uft, sondern nur gleiche Nachweism\u00f6glichkeiten herstellen soll.<\/p>\n<p>Zitierte Quellen des Textes:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/2025,35092\">dejure.org\/2025,35092<\/a><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein hessischer Rechtsreferendar ist vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden mit dem Versuch gescheitert, f\u00fcr die Klausuren im zweiten juristischen Staatsexamen eine Schreibzeitverl\u00e4ngerung zu erstreiten. Der Antragsteller leidet seit seiner Kindheit an einer autoimmunen Hepatitis, die ihn nach seinem Vortrag immer wieder durch schnelle Erm\u00fcdung, Konzentrationsprobleme und einen erh\u00f6hten Regenerationsbedarf belastet. 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