{"id":11946,"date":"2026-02-10T02:02:02","date_gmt":"2026-02-10T02:02:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=11946"},"modified":"2021-01-08T16:45:29","modified_gmt":"2021-01-08T14:45:29","slug":"wahlstation-in-sydney-ein-erfahrungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wahlstation\/wahlstation-in-sydney-ein-erfahrungsbericht\/","title":{"rendered":"Wahlstation in Sydney &#8211; ein Erfahrungsbericht"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-11947 alignleft\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sydney-150x112.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sydney.png 150w, https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sydney-140x105.png 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><em>Wahlstation in Sydney &#8211; ein Erfahrungsbericht von Marius Rakers.<\/em><\/p>\n<p>Die Wahlstation im Referendariat bietet eine hervorragende M\u00f6glichkeit, vor dem Berufseinstieg Auslandserfahrung zu sammeln. Aber gerade nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, diese drei Monate im Ausland zu verbringen, stellte sich die Frage nach dem Ort und den organisatorischen Anforderungen. In diesem Beitrag m\u00f6chte ich euch eine Station in Sydney n\u00e4herbringen und denen, die sich daf\u00fcr entscheiden, einige Hilfestellungen geben. F\u00fcr diesen Zweck beschreibe ich euch meine Station recht detailliert, von der Entschlussfassung bis zur R\u00fcckreise.<!--more--><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>I. Wahlstation im Ausland<\/strong><\/p>\n<p>Recht fr\u00fch im Referendariat muss man die Entscheidung treffen, ob man die Wahlstation im Ausland verbringen m\u00f6chte, um einen der begehrten Pl\u00e4tze zu erhalten. F\u00fcr mich, der lediglich ein kurzes Praktikum in New York, aber kein Auslandssemester, absolviert hatte, war die Motivation der Wahlstation im Ausland einerseits die berufliche und pers\u00f6nliche Entwicklung au\u00dferhalb der gewohnten Umgebung, andererseits aber auch die Abwechslung nach dem Aufwand der schriftlichen Pr\u00fcfungen des zweiten Staatsexamens. Um letztere in Ruhe vorzubereiten, habe ich den Auslandsaufenthalt bewusst in der Wahlstation und nicht in der Anwaltsstation gew\u00e4hlt. F\u00fcr eine Station bei \u00f6ffentlichen Stellen bietet sich selbstverst\u00e4ndliche auch die Verwaltungsstation an.<\/p>\n<p>Die Auswahl an Stationszielen im Ausland ist gro\u00df. Da ich in einem englischsprachigen Land arbeiten wollte, verkleinerte sich die Auswahl geringf\u00fcgig. Au\u00dferdem wollte ich mehr \u00fcber das Common Law System aus der Praxis erfahren, nachdem ich die fachspezifische Fremdsprachenausbildung f\u00fcr Juristen in englischer Sprache absolviert hatte. Ich habe mich letztlich f\u00fcr Sydney entschieden, weil es auf dem Papier einiges zu bieten hatte: internationale Vielfalt, Gro\u00dfstadtfeeling, herrliches Wetter, H\u00e4fen, Str\u00e4nde, G\u00e4rten, Parks und endlose Reisem\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>II. Bewerbungsverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Als ersten Schritt habe ich 10 Monate vor dem Beginn meiner Wahlstation nach m\u00f6glichen Arbeitgebern in Sydney gesucht und nat\u00fcrlich alle erdenklichen Stellen f\u00fcr Juristen gefunden. Von Kanzleien in verschiedenen Rechtsgebieten \u00fcber Unternehmen, Richter, Handelskammer, Konsulat bis zum Ausw\u00e4rtigen Amt ist in Sydney alles vertreten. Da ich eine gut angebundene Arbeitsstelle finden wollte, habe ich mich auf den Central Business District (CBD) beschr\u00e4nkt. Eine Liste der Au\u00dfenhandelskammer mit Arbeitgebern, die bereits in der Vergangenheit Referendare eingestellt haben, ist mittlerweile leider nicht mehr verf\u00fcgbar. Viele Referendare in Sydney bewerben sich bereits ein Jahr oder noch weiter im Voraus, sodass f\u00fcr die Bewerbung gilt: je fr\u00fcher desto besser.<\/p>\n<p>\u00dcber die einfache Google-Suche bin ich auf Dr. Angelika Yates von Addisons Lawyers gesto\u00dfen, welche selbst beide Staatsexamina in Deutschland absolviert hatte und sowohl australische als auch internationale Mandanten in wirtschaftsrechtlichen Angelegenheiten betreut. Einerseits sprach mich diese thematische Ausrichtung der Kanzlei an. Andererseits hatte ich die Erwartung, dass Frau Dr. Yates meinen Wissensstand richtig einordnen und mich entsprechend gut in die Kanzlei integrieren k\u00f6nnte. Auf meine Bewerbung per Mail erhielt ich bereits nach kurzer Zeit eine positive R\u00fcckmeldung. Frau Dr. Yates bot sofort ein Telefonat f\u00fcr die weitere Planung und Unterst\u00fctzung bei Wohnungssuche und Visumsantrag an. Ein gro\u00dfer Schritt Richtung Australien war gemacht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>III. Stationsvorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem eine Arbeitsstelle idealerweise recht fr\u00fch festgelegt wurde, verbleibt f\u00fcr die Vorbereitung der Station noch ausreichend Zeit. Es gibt keinen Grund zur Hektik, wenngleich ich mit Blick auf die schriftlichen Examensklausuren im Monat vor dem Reiseantritt empfehle, m\u00f6glichst rechtzeitig die erforderlichen Schritte zu planen. Die Reihenfolge der weiteren Planungsschritte waren in meinem Fall Visumsantrag, Urlaubsplanung, Flugbuchung, Wohnungssuche, Versicherungscheck.<\/p>\n<ol>\n<li><u>Visumsantrag:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Visa-Verfahren ist vergleichsweise unkompliziert. Das Touristenvisum, welches die Einreise f\u00fcr einen Zeitraum von 90 Tagen ohne Arbeitsaufnahme erm\u00f6glicht, ist f\u00fcr eine Referendarstation nicht geeignet. Ich habe das Working Holiday Visum (subclass 417) beantragt, mit dem man sich bis zu 12 Monate in Australien aufhalten d\u00fcrfte. Dies umfasst in der Regel auch mehrmalige Ein- und Ausreisen, falls man plant, in dem Jahr nochmals nach Australien zu reisen oder eine Reise nach Neuseeland zu unternehmen. Dieses Visum setzt ein Alter von 18 bis 30 Jahren voraus und man kann es grunds\u00e4tzlich nur einmal beantragen. Seit April 2019 (erst nach meiner Station) wird wohl auch ein Nachweis \u00fcber ausreichende finanzielle Mittel f\u00fcr den Aufenthalt verlangt. Der Antrag ist im Grunde selbsterkl\u00e4rend und innerhalb von maximal 30 Minuten erledigt. Zur Hilfe gibt es aber auch zehnmin\u00fctige Videoanleitungen online. Erstaunlicherweise habe ich noch am selben Tag das Visum erhalten.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><u>Urlaubsplanung:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Alle Referendare, die ich in Sydney kennengelernt habe, haben zu einem Zeitpunkt ihres Aufenthalts Urlaub genommen, um Teile des Landes ausf\u00fchrlich zu erkunden. Der Grund, weshalb es sinnvoll sein kann, sich schon fr\u00fch mit den Urlaubspl\u00e4nen auseinanderzusetzen, ist, dass es gegebenenfalls Einfluss auf die Planung des Hin- oder R\u00fcckflugs haben kann. So habe ich Referendare getroffen, die unmittelbar nach ihrer letzten Klausur bereits nach Australien gereist sind, um die zwei Wochen vor dem Stationsbeginn schon zu reisen. Andere haben sich die ersten oder letzten Wochen der Station freigenommen, um bei fr\u00fcherer An- oder sp\u00e4terer Abreise einen l\u00e4ngeren Reiseblock zu haben. Nur um Beispiele zu nennen kann man zun\u00e4chst nach Melbourne, an die australische Westk\u00fcste oder nach Neuseeland fliegen, um dort einige Zeit am Anfang zu verbringen \u2013 oder eben von dort abreisen. Ich habe aufgrund eines Besuchs aus der Heimat im zweiten Monat Urlaub gehabt und konnte gro\u00dfe Teile der Ostk\u00fcste sowie Central Australia sehen. Da man zu den unglaublich vielf\u00e4ltigen Reisem\u00f6glichkeiten eigene Beitr\u00e4ge schreiben k\u00f6nnte und die Auswahl stark von den eigenen Interessen abh\u00e4ngt, verweise ich euch diesbez\u00fcglich auf die entsprechenden Webseiten.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><u>Flugbuchung:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Neben den bekannten Buchungsm\u00f6glichkeiten m\u00f6chte ich diejenigen, die noch an einer Universit\u00e4t eingeschrieben sind, auf die M\u00f6glichkeit der Buchung \u00fcber STA Travel hinweisen. Diese hatten in meinem Fall f\u00fcr Studenten vergleichsweise g\u00fcnstige Fl\u00fcge im Angebot. Zudem kann man kostenfrei oder zu relativ geringen Kosten Hin- oder R\u00fcckflug umbuchen. Dies kann gerade bei einem solchen Aufenthalt relevant werden, wenn sich Pl\u00e4ne spontan \u00e4ndern. Dar\u00fcber hinaus solltet ihr nicht allzu sp\u00e4t anreisen, da der lange Flug und die Zeitdifferenz einige Tage sp\u00fcrbar sind. Nach der R\u00fcckkehr aus Australien steht die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung an, sodass ihr die Vorbereitung auf diese beim Zeitpunkt des R\u00fcckfluges im Auge behalten solltet.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><u>Wohnungssuche:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Wohnungssuche stellte sich als der schwierigste Teil meiner Stationsvorbereitung heraus. Dies nicht aufgrund des fehlenden Angebots, sondern weil ich \u00fcberhaupt keine Vorstellung hatte, auf welcher Plattform ich am besten suchen kann, welcher Preis angemessen ist, welches Wohnmodell mir zusagt und insbesondere auch, welcher Ort in Sydney am praktischsten ist.<\/p>\n<p>a) Portale:<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich, eine gute Unterkunft \u00fcber AirBnb zu finden. Dort kann man recht schnell \u00fcberblicken, ob etwas passendes im Angebot ist. Im Vergleich sind die Wohnungen dort zumindest aus meiner Erfahrung ein wenig teurer als bei anderen Portalen. Ich hatte bei AirBnb \u2013 anders als andere Referendare \u2013 weniger Gl\u00fcck, sodass ich weitersuchen musste. Im Anschluss habe ich mich bei Gumtree und Flatmates anmeldet und dort nach Wohnungen geschaut. Insgesamt machte ich aber die Erfahrung, dass viele Wohnungen sehr kurzfristig inseriert werden. Meine zahlreichen Anfragen 6 Monate vor Beginn meiner Station waren daher ausnahmslos ohne Erfolg. Oftmals wurde ich gebeten, mich fr\u00fchstens 3 Monate vor gew\u00fcnschtem Einzug wieder zu melden. In diesem Zeitraum intensivierte ich meine Bem\u00fchungen dann wieder und habe mich aus Vorsicht zum Premium-Mitglied bei Flatmates upgegradet, da dies die Sichtbarkeit und Kommunikationsm\u00f6glichkeiten erh\u00f6ht. Problematisch blieb, dass viele Vermieter meine Anfrage zugunsten eines Interessenten an einem langfristigen Aufenthalt aufschoben\/ablehnten oder gerne einen Besichtigungstermin vereinbaren wollten. Erst etwas mehr als einen Monat vor meiner Anreise habe ich schlie\u00dflich eine Wohnung \u00fcber Flatmates gefunden. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Angebot f\u00fcr meinen gew\u00fcnschten Zeitraum auch zunehmend besser. Ich w\u00fcrde davon abraten, zun\u00e4chst in ein Hostel einzuziehen, um vor Ort nach einer Wohnung zu gucken. Dies kann sehr teuer sein und f\u00fchrt nach den mir erz\u00e4hlten Erfahrungen regelm\u00e4\u00dfig dazu, dass man doch die n\u00e4chstm\u00f6gliche Option zusagt. Die Hostels sind mit Backpackern \u00fcberlaufen und daher nicht sonderlich ruhig.<\/p>\n<p>b) Lage:<\/p>\n<p>Die zu empfehlende Wohnlage h\u00e4ngt selbstverst\u00e4ndlich auch von den W\u00fcnschen der Person ab. Die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel zum Stadtgebiet funktionieren trotz Beschwerden der Australier recht vern\u00fcnftig. Innerhalb des CBD werden voraussichtlich in diesem Jahr noch die Bauarbeiten an der Light Rail fertigstellt, sodass man sich auch dort effektiv fortbewegen kann. Nicht zu verkennen ist aber der Kostenfaktor eines weiten Weges zur Arbeit, da die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel zu den Sto\u00dfzeiten h\u00f6here Preise verlangen. Au\u00dferdem sind die Busse und Bahnen im Berufsverkehr \u2013 wie in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten auch \u2013 sehr voll.<\/p>\n<p>Wenn man am Strand wohnen m\u00f6chte, kann man an den Str\u00e4nden vom Bondi Beach bis zum Coogee Beach etwas finden und in ca. 30 Minuten mit dem Bus die Stadt erreichen. Auch m\u00f6glich ist das Wohnen an den Northern Beaches (z.B. Manly Beach), von wo man aber allein 30 Minuten f\u00fcr die F\u00e4hrfahrt oder eine noch l\u00e4ngere Busfahrt in das Zentrum einplanen sollte. Eine weitere Option sind Anna Bay oder Watsons Bay, die auch ca. eine halbst\u00fcndige Bus- oder zwanzigmin\u00fctige F\u00e4hrfahrt vom CBD entfernt sind. Gl\u00fccklicherweise habe ich von meinem anf\u00e4nglichen Plan, auf halber Strecke zwischen CBD und Bondi Beach in Bondi Junction zu wohnen, Abstand genommen. Von dort w\u00e4re man in beiden Richtungen auf die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel oder einen langen Fu\u00dfmarsch angewiesen.<\/p>\n<p>In den CBD-nahen Vororten wie Pyrmont, Darlinghurst oder Surry Hills kann man mit einer sehr kurzen Bahnfahrt oder unproblematisch fu\u00dfl\u00e4ufig das Zentrum erreichen. Ich habe eine Wohnung im CBD nahe der Town Hall gefunden und war mit der Lage sehr gut zufrieden. Dort ist im Darling Harbour am Circular Quai oder in the Rocks immer etwas los, Einkaufsm\u00f6glichkeiten sind reichlich vorhanden und die Anbindung an alle Ziele in der Umgebung von Sydney ist perfekt.<\/p>\n<p>c) Wohnmodell:<\/p>\n<p>Es gibt verschiedenste Wohnmodelle, zwischen denen man w\u00e4hlen kann. Sowohl ein Einzelappartement als auch eine Klein-WG oder ein Flatshare mit 10 bis 20 Leuten sind m\u00f6glich. Die Erfahrung eines Referendarkollegen mit einer 10er WG war insoweit positiv, dass er jederzeit mit ihnen etwas unternehmen konnte und keine Langeweile aufkam. Daf\u00fcr sind bei einer derart gro\u00dfen Wohngemeinschaft oftmals nicht alle gleicherma\u00dfen r\u00fccksichtsvoll hinsichtlich L\u00e4rm und Hygiene. Ein Einzelappartement ist regelm\u00e4\u00dfig teurer als eine WG. Ich wohnte in einer Dreier-WG mit zwei berufst\u00e4tigen Mitbewohnern und hatte neben Gemeinschaftsk\u00fcche, -wohnzimmer und -bad ca. 12qm f\u00fcr mich. Dort lebten wir die meiste Zeit aneinander vorbei. Dennoch ergab sich immer mal wieder die Zeit f\u00fcr eine Unterhaltung und einige Male auch f\u00fcr eine gemeinsame Aktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>d) Mietpreis:<\/p>\n<p>Die Mietpreise in Sydney sind im Vergleich zu Deutschland sehr hoch und werden meistens pro Woche angezeigt. Man wird sich darauf einstellen m\u00fcssen, dass die Unterhaltsbeihilfe gerade die Mietkosten abdeckt. Ich habe von anderen Referendaren Mietpreise von 350 bis 450 Australische Dollar pro Woche mitbekommen. Im Monat bewegt sich die Miete also um die 1000 Euro und h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von Faktoren wie Lage und Wohnmodell entscheidend ab.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><u>Versicherungscheck:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Auslandskrankenversicherung war in meinem Fall \u00fcber die Stammdienststelle, also das Landgericht, abgedeckt. Dies gilt aber nur f\u00fcr den Zeitraum der Station. Daher sollte bei fr\u00fchzeitiger Anreise und sp\u00e4terer Abreise zumindest \u00fcber den Abschluss einer gesonderten Versicherung nachgedacht werden. Die Gesundheitsleistungen sind in Australien sehr teuer und k\u00f6nnen im unerw\u00fcnschten Fall einer Behandlungsbed\u00fcrftigkeit ohne Versicherung \u00e4rgerlich sein.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><u>Common Law System:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wer sich etwas Hintergrundwissen zum Common Law System in Australien aneignen will, kann <em>Babeck, Einf\u00fchrung in das australische Recht<\/em> zur Vorbereitung lesen. Ein gewisser Kenntnisstand ist mit Sicherheit hilfreich und interessant, wird aber von den Ausbildern nicht vorausgesetzt. Da ich das Common Law System in seinen Grundz\u00fcgen durch die fachspezifische Fremdsprachenausbildung f\u00fcr Juristen kennengelernt hatte, habe ich dieses Buch nicht durchgearbeitet.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>IV. Kanzleialltag<\/strong><\/p>\n<p>Meine Station in Australien ging von Januar bis M\u00e4rz 2019. Vor meinem ersten Tag in der Kanzlei war ich aufgeregter als vor anderen Stationen. Eine Station im Ausland ist mit gr\u00f6\u00dferen Unsicherheiten verbunden. So wusste ich nicht, inwiefern ich als in Deutschland ausgebildeter Jurist \u00fcberhaupt mithelfen kann und ob meine Sprachkenntnisse ausreichen w\u00fcrden. Die Aufregung wurde mir aber von den hilfsbereiten Kollegen schnell genommen. Am ersten Vormittag wurden mir die B\u00fcror\u00e4ume gezeigt und die Kollegen vorgestellt. Die ersten Januarwochen sind in Australien etwas ruhiger, da die Gerichte um Silvester geschlossen haben und das betriebswirtschaftliche Gesch\u00e4ftsjahr in der Regel Anfang Juli beginnt. Deshalb waren einige der Kollegen, unter denen insgesamt ca. 60 Anw\u00e4ltinnen und Anw\u00e4lte, noch verreist. Diejenigen, die im B\u00fcro waren, nahmen sich aber Zeit f\u00fcr ein kurzes Gespr\u00e4ch, waren freundlich und interessiert. Mir war neben meiner Ausbilderin Frau Dr. Yates ein j\u00fcngerer Anwalt als \u201eBuddy\u201c zugewiesen. Aber noch am ersten Tag nahmen mich zwei weitere Kollegen mit in die Kaffeepause und gaben mir zu verstehen, dass ich mich mit jeglichen Fragen an alle Kollegen wenden k\u00f6nnte. Anschlie\u00dfend ging es direkt weiter mit der Einf\u00fchrung in das IT System.<\/p>\n<p>Ab dann begann auch schon der Arbeitsalltag. Meine Arbeitszeiten waren grunds\u00e4tzlich f\u00fcnf Tage die Woche von 9 bis 17 Uhr. Meine Ausbilderin bem\u00fchte sich, mir spannende und abwechslungsreiche Aufgaben zu stellen. Als deutsche Volljuristin und erfahrene Referendarausbilderin konnte sie erwartungsgem\u00e4\u00df gut einsch\u00e4tzen, bei welchen Aufgaben ich mich bestm\u00f6glich einbringen konnte. Die internationalen Mandate, unter anderem auch aus Deutschland, schafften einen guten Einstieg in die Arbeit und versetzten mich in die Lage, von Beginn an vollwertig mitzuhelfen. Dennoch habe ich auch zunehmend Mandate zum australischen Recht bearbeitet. Recht schnell gew\u00f6hnte ich mich daran, bei der Erf\u00fcllung meiner Aufgaben die auf Pr\u00e4zedenzf\u00e4llen basierende Argumentationsweise, Recherche-Plattformen und australischen Register zu nutzen. Dabei stellten sich mir keinerlei Sprachbarrieren und ich merkte im Laufe der Zeit, wie sich mein schriftliches und gesprochenes Englisch weiterentwickelte. Sydney ist ein \u2013 auch im Berufsleben \u2013 derart international gepr\u00e4gtes Umfeld, dass man als Deutscher nicht stark auff\u00e4llt. Dies st\u00e4rkt auch das Selbstvertrauen, als in Deutschland ausgebildeter Jurist, in diesem Umfeld bestehen zu k\u00f6nnen. Meine Ausbilderin nahm sich Zeit, mir den Hintergrund der Aufgaben im Vorfeld zu erkl\u00e4ren und gab anschlie\u00dfend Feedback, was f\u00fcr den Lernprozess zutr\u00e4glich ist. Dabei baute sie keinen Druck auf und war zur Beantwortung von R\u00fcckfragen jederzeit bereit. Auch andere Anw\u00e4lte haben mir Aufgaben gegeben, sodass ich mich \u00fcber die gesamte Station als ein vollwertiges Mitglied der Kanzlei begriff.<\/p>\n<p>Dazu trugen auch diverse Gruppen-Events bei. Jede zweite Woche gab es ein Team-Meeting, in dem aktuelle Entscheidungen oder Mandate diskutiert wurden und jeder einen kurzen Einblick in seine Arbeit gab. Zu den internen Fortbildungsveranstaltungen war ich ebenfalls immer herzlich willkommen. Unter anderem gab es monatlich ein \u201eProfessional Staff Briefing\u201c, bei welchem zwei oder drei Anw\u00e4lte einen rechtlichen Vortrag hielten. Freitagsabends gab es des \u00d6fteren eine Afterwork-Runde, die mit Kaltgetr\u00e4nken das Wochenende einl\u00e4uteten. Hierzu wurde der \u201eCasual Friday\u201c tats\u00e4chlich auch ernst genommen, wenn keine externen Termine anstanden.<\/p>\n<p>Als eines der Highlights der Station kann ich einen Neujahrsempfang der deutsch-australischen Handelskammer hervorheben, zu welchem meine Ausbilderin mich mitnahm. Dort wurden bei einer Hafenrundfahrt auf einem historischen Schiff Erfahrungen in lockerer Atmosph\u00e4re ausgetauscht. Au\u00dferdem empfahl meine Ausbilderin mir eine spannende Gerichtsverhandlung mit einer im deutschen Prozessrecht un\u00fcblichen Cross-Examination, bei der ich als Zuh\u00f6rer teilnahm.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann ich festhalten, dass ich gerne zur Arbeit gegangen bin. Auff\u00e4llig fand ich die lockere Atmosph\u00e4re im Team trotz hoher Arbeitsbelastung. Vom Praktikanten bis zum Partner sprachen sich alle mit Vornamen an und waren f\u00fcr ein kurzes Gespr\u00e4ch \u00fcber arbeitsbezogene oder private Themen offen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>V. Freizeitgestaltung<\/strong><\/p>\n<p>Das bereits angesprochene internationale Umfeld erm\u00f6glicht auch au\u00dferhalb des Kanzleialltags eine rasche Integration. Empfehlen kann ich die App \u201eMeetUp\u201c, in welcher unz\u00e4hlige Zusammenk\u00fcnfte zu allen denkbaren Anl\u00e4ssen organisiert werden. Unter anderem habe ich \u00fcber diese App an Fu\u00dfballspielen oder Schnorcheltreffen teilgenommen. Dar\u00fcber hinaus gibt es die Facebook-Gruppe \u201eReferendare in Sydney\u201c, \u00fcber die ich Kontakt zu anderen Referendaren in der Stadt bekommen habe. Einmal pro Woche haben wir uns mit den Referendaren zum Mittagessen verabredet und Erfahrungen sowie Wochenendpl\u00e4ne ausgetauscht. Oft haben die Referendare \u00e4hnliche Interessen und wollen an den Wochenenden die Stadt erkunden, was gemeinsam mehr Spa\u00df macht. Auch meine Arbeitskollegen haben mich regelm\u00e4\u00dfig in ihre Pl\u00e4ne einbezogen, sei es ein gemeinsames Mittagessen, ein Feierabendbier oder Aktivit\u00e4ten wie Wanderungen oder ein Australian Rugby-Spiel. Ich kann empfehlen, ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen Aktivit\u00e4ten mit anderen Referendaren und Australiern, denn ich fand es besonders interessant, auch das Leben der Australier selbst kennenzulernen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>VI. Praktische Hinweise f\u00fcr das Leben in Sydney<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist es gut zu wissen, dass viele Gesch\u00e4fte und vor allem die meisten Superm\u00e4rkte in Sydney auch am Sonntag ge\u00f6ffnet haben. Meiner Erfahrung nach war der ALDI der g\u00fcnstigste Supermarkt, aber auch Coles und Woolworths sind preislich in Ordnung.<\/p>\n<p>Noch an meinem ersten Tag habe ich mir eine ALDImobile-Simkarte in dem Aldistore in Darlinghurst gekauft. Die Simkarte kostet 5 AUD, hat diese 5 AUD aber auch als Startguthaben und ist nach einer Online-Aktivierung innerhalb von kurzer Zeit nutzbar. ALDImobile verwendet das Telstra-Netz, welches mitunter das beste in Australien ist, weshalb ich auch nie Probleme mit der Internetverbindung hatte. Ich selbst habe nicht den Prepaid-Tarif genutzt, sondern ein Monatspaket online aufgeladen. Diese Pakete sind preislich absolut im Rahmen. Es gibt unter anderem ein Paket f\u00fcr 15 AUD mit 2 GB Internet, Freiminuten und -SMS innerhalb von Australien und einer bestimmten Anzahl an Freiminuten und -SMS nach Deutschland sowie ein Paket f\u00fcr 25 AUD mit 9 GB Internet und unbegrenzten Freiminuten und -SMS innerhalb von Australien und nach Deutschland.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel solltet ihr euch die OPAL Card schon am Flughafen holen. Die Karte selbst kostet nichts, muss am Flughafen mit mindestens 35 AUD aufgeladen werden, die ihr ohnehin nutzen werdet. Ansonsten kann die Karte mit mindestens 10 AUD in zahlreichen Superm\u00e4rkten, Kiosken oder Bahnstationen aufgeladen werden. Ein hervorragendes Angebot ist die Deckelung der Kosten f\u00fcr \u00f6ffentliche Verkehrsmittel an allen Sonntagen auf 2,70 AUD f\u00fcr die Nutzung am gesamten Tag. Darin inbegriffen sind auch l\u00e4ngere Zug- oder Busstrecken wie zu den Blue Mountains oder nach Palm Beach oder auch die regul\u00e4ren F\u00e4hrfahrten wie z.B. nach Manly oder den Parramatta River entlang. F\u00fcr eure Reisepl\u00e4ne noch der Hinweis, dass es eine Airport-Geb\u00fchr bei \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln gibt, d.h. dass ihr zu den normalen Kosten der Fahrt noch ungef\u00e4hr 15 AUD zus\u00e4tzlich zahlt, wenn ihr mit der Bahn am nationalen\/internationalen Flughafen von Sydney ankommt oder abfahrt. Dies l\u00e4sst sich f\u00fcr den nationalen Flughafen damit umgehen, dass ihr zur Mascot Station fahrt und von dort 20 Minuten Richtung Flughafen lauft bzw. vom Flughafen zur Mascot Station lauft und von dort zu eurem Appartement fahrt. Das gleiche gilt f\u00fcr den internationalen Flughafen und die Wolli Creek Station (ebenfalls 20 Minuten Fu\u00dfweg).<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>VII. Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich auf meine Wahlstation in Sydney zur\u00fcckblicke, bereue ich keinen Moment davon und w\u00fcrde die Entscheidung jederzeit erneut treffen. Meine Erwartungen wurden \u00fcbertroffen und ich kehre mit reichlich neuen Eindr\u00fccken zur\u00fcck nach Deutschland. Der Zeitraum von drei Monaten ist sehr passend, um das Leben und das Land kennenzulernen. Gerade mein letzter Arbeitstag mit der herzlichen Verabschiedung von Frau Dr. Yates und den anderen Kollegen fiel mir sehr schwer.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass dieser Bericht euch einen \u00dcberblick \u00fcber meine Station von der Planung bis zum Abschluss gew\u00e4hrt hat und euch bei eurem Entschluss zur Wahlstation in Australien und dann ggf. w\u00e4hrend des Aufenthalts weiterhelfen wird.\u00a0[RefN]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahlstation in Sydney &#8211; ein Erfahrungsbericht von Marius Rakers. 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