{"id":11824,"date":"2019-01-10T08:25:31","date_gmt":"2019-01-10T06:25:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=11824"},"modified":"2019-01-09T14:57:23","modified_gmt":"2019-01-09T12:57:23","slug":"vorbereitung-auf-das-examen-waehrend-der-auslandsstation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wahlstation\/vorbereitung-auf-das-examen-waehrend-der-auslandsstation\/","title":{"rendered":"Vorbereitung auf das Examen w\u00e4hrend der Auslandsstation"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-10240\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/MP900400744.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Ein Erfahrungsbericht von\u00a0Dr. Michael H\u00f6rdt<\/em><\/p>\n<p>Fernweh ist ein Gef\u00fchl, dass viele kennen. Ein anderes Land, eine andere Kultur und viele neue Eindr\u00fccke locken und der \u201eAlltagstrott\u201c soll zumindest f\u00fcr eine Weile hinter sich gelassen werden. F\u00fcr den angehenden Volljuristen ist dabei das Referendariat h\u00e4ufig die letzte M\u00f6glichkeit vor dem Berufsstart diese Erfahrung zu machen. Viele Referendare und Referendarinnen m\u00f6chten daher zumindest w\u00e4hrend ihrer Wahlstation ins Ausland. In der Wahlstation hat man die schriftlichen Pr\u00fcfungen gerade hinter sich gelassen und muss sich \u201enur\u201c noch auf das m\u00fcndliche Examen vorbereiten. Zu diesem Zeitpunkt bietet es sich an ins Ausland zu gehen um vor dem Berufsstart nochmal eine neue Erfahrung mitzunehmen. Einige Referendare und Referendarinnen gehen auch \u2013 sofern im jeweiligen Bundesland m\u00f6glich \u2013 in der Verwaltungs- oder Anwaltsstation ins Ausland, um schon hier nochmal neue Erlebnisse zu haben.<!--more--><\/p>\n<p>Ich habe als Referendar in Hessen die M\u00f6glichkeit wahrgenommen sowohl in der Verwaltungs-, als auch in der Wahlstation ins Ausland zugehen. Eine Frage, die dabei immer wieder an mich angetragen wurde, war, wie ich mich mit dem Lernen organisiert habe. Viele Examensanw\u00e4rter schrecken genau aus diesem Punkt n\u00e4mlich vor einer Auslandsstation w\u00e4hrend den ersten Stationen zur\u00fcck. Dieser Beitrag schildert daher meine Erfahrungen.<\/p>\n<h2><strong>A. Erfahrungsberichte bei Google<\/strong><\/h2>\n<p>Ein Punkt, der vor einer Auslandsstation abschrecken mag, ist, dass man bei einer Googlesuche auf eine Vielzahl anderer Erfahrungsberichte trifft, die von einer sehr anstrengenden Zeit berichten, bei der man von Land und Leuten w\u00e4hrend der Station nicht viel sieht. Viele dieser Berichte erz\u00e4hlen von Stationen in London oder den USA, w\u00e4hrend denen man sich nachts und am Wochenende auf die schriftlichen Pr\u00fcfungen vorbereitet h\u00e4tte und ansonsten bis sp\u00e4t abends oder meist bis in die Nacht gearbeitet h\u00e4tte. Ich selbst kann diese Erfahrung nicht best\u00e4tigen. Auch halte ich den Gang ins Ausland unter solchen Voraussetzungen f\u00fcr verfehlt. Es geht bei einem Auslandsaufenthalt auch darum, dass man neben der Sprache auch das Leben einer anderen Kultur kennenlernt und aus diesen Erfahrungen einen neuen Blickwinkel gewinnt, den man dann auch im Umgang auf der Arbeit anwenden kann. Wer nach der t\u00e4glichen Arbeit nur in seinem Studierzimmer sitzt, verpasst gerade diesen essentiellen Teil einer Auslandserfahrung.<\/p>\n<h2><strong>B. Das Lernen im Referendariat vor dem Auslandsaufenthalt<\/strong><\/h2>\n<p>Trotzdem stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wie man die Zeit im Ausland und das Lernen unter einen Hut bringt. Man sollte sich im Klaren sein, dass viele Grundlagen bereits vor dem Auslandsaufenthalt gelegt werden m\u00fcssen. Dass bedeutete in meinem Fall, dass viele Grundlagen w\u00e4hrend der Zivil- und Straf- sowie der ersten H\u00e4lfte der Verwaltungsstation erworben und am Ende sicher beherrscht werden mussten. Die Arbeit beginnt somit deutlich vor der Auslandsstation und die Ruhe, die ersten Stationen etwas \u201elockerer\u201c angehen zu k\u00f6nnen, hatte ich nicht. Hinzukam bei mir noch, dass ich die erlaubten Stunden f\u00fcr eine Nebent\u00e4tigkeit voll ausreizen musste, um meine Finanzierung der Auslandsaufenthalte sicher zu stellen. Dennoch war es mir wichtig, dass ich immer einen Tag in der Woche, entweder in der Regel der Donnerstag oder Samstag, frei nahm, um Sport zu treiben, die Wohnung zu putzen und Eink\u00e4ufe zu erledigen. Nun mag sich der ein oder andere Leser fragen, wie dies Angesichts des Stoffumfanges \u00fcberhaupt m\u00f6glich gewesen sein mag?<\/p>\n<p><strong>Die L\u00f6sung ist einfach: Man konzentriert sich auf das f\u00fcr das Examen Wesentliche. Und dies sind die Grundlagen oder wie man mittlerweile sagt: Basics.<\/strong><\/p>\n<p>Wie wird ein Urteil im Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht aufgebaut (zum Aufbau eines verwaltungsrechtlichen Urteils findet sich\u00a0<a href=\"https:\/\/myblog.careers\/2018\/07\/23\/bremen-gegen-die-dfl-kostentragungspflicht-bei-fussballspielen-teil-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>\u00a0ein Blogbeitrag)? Wie schreibt man eine Anklageschrift? Dies sind die Punkte, die im Examen sitzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Fehler im Aufbau sind es am Ende, die zu massiven Punkteabz\u00fcgen f\u00fchren. Dies sind aber Punkte, die man einstudieren kann und vermeiden kann. Das Gliedern von Klausuren hilft dabei auch stark. Man muss nicht mindestens alle zwei Tage eine Klausur schreiben, wenn man es schafft viele zu gliedern, um die Struktur zu verinnerlichen. Ich selbst habe regelm\u00e4\u00dfig ein bis zwei Klausuren pro Woche komplett ausformuliert, in manchen Wochen aber nur Klausuren gegliedert. Durch meine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei und meine Promotion war ich auch im materiellen Recht noch ziemlich fit und auch im Umgang mit dem Kommentar geschult. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein \u2013 wer eine Klausur gliedert wiederholt automatisch das materielle Recht.<\/p>\n<h2><strong>C. Das Lernen im Ausland vor dem schriftlichen Examen<\/strong><\/h2>\n<p>Diese Grundlagen habe ich einge\u00fcbt und sicher beherrscht, bevor es f\u00fcr mich zum ersten Mal w\u00e4hrend des Referendariats ins Ausland und zwar nach Irland ging. Ich habe insgesamt drei Monate bei Au\u00dfenhandelskammer (AHK) in Dublin verbracht. Meine Arbeitszeiten waren Montag bis Freitag 9 \u2013 17 Uhr. Ich selbst wollte vor allem fachlich viel von der Station mitnehmen, sodass mir dies ganz recht war. Nach den oben genannten Berichten h\u00e4tte dies also f\u00fcr mich Lernen von 18 \u2013 22 Uhr unter der Woche und am Wochenende jeweils von 8 Stunden bedeutet. Soweit kam es aber bei mir nicht.<\/p>\n<p>Mit Praktikanten aus anderen Abteilungen der AHK bin ich regelm\u00e4\u00dfig unter der Woche nach der Arbeit noch Abendessen, ins Kino oder zu sonstigen Unternehmungen gegangen. Auch in meiner Wohngemeinschaft ist es mehrmals zu einem Zusammensitzen in K\u00fcche gekommen, bei dem man schlie\u00dflich die Zeit vergessen hat oder wir sind f\u00fcr ein Pint noch in den Pub am anderen Ende der Stra\u00dfe gegangen. Am Wochenende habe ich auch viele Orte der irischen Insel, die ich bei vorherigen Besuchen nicht geschafft hatte, besucht. Ich habe so viel von der praktischen Arbeit in einer Au\u00dfenhandelskammer, als auch von der irischen Kultur mitgenommen. Alles Punkte, die mir in meiner heutigen Berufst\u00e4tigkeit weiterhelfen.<\/p>\n<p>Wie sah es aber nun mit dem Lernen aus? Nun, ich hatte vorher Grundlagen gelegt und diese wurden quasi nur wiederholt. Eine halbe Stunde lie\u00df sich immer mal finden, um sich einfach den Aufbau eines Urteils wieder ins Ged\u00e4chtnis zu rufen oder einen Aktenvortrag durchzudenken. Die eigentliche Lernarbeit war ja bereits in der Heimat erfolgt.<\/p>\n<h2><strong>D. Das Lernen nach der R\u00fcckkehr<\/strong><\/h2>\n<p>Nach meiner R\u00fcckkehr aus Irland stellte sich dann nat\u00fcrlich die Frage, wie man wieder in den normalen \u201eLerntrott\u201c kommt. Auf jeden Fall war es f\u00fcr mich wichtig, dass ich gleich die Klausuren am Gericht besucht habe. Im zweiten Examen ist die Klausurenpraxis genauso wichtig wie im ersten Examen. Nur durch regelm\u00e4\u00dfiges Schreiben, kann man sich an diese gew\u00f6hnen und so hatte ich auch wieder feste Zeiten, die den Wiedereinstieg in einen normalen Lernrhythmus doch deutlich erleichtert haben. Im \u00dcbrigen sei gesagt, dass ich w\u00e4hrend meiner Anwaltsstation nicht \u201egetaucht\u201c bin. Ich habe bis eine Woche vor meinem schriftlichen Examen ganz normal die Station absolviert und gearbeitet, dann Weihnachten und Silvester ruhig und entspannt verbracht, bevor es dann im neuen Jahr gleich ins Examen geht.<\/p>\n<p>Es war also in erster Linie wieder die Frage des Zeitmanagements. Die Zeit zum Lernen war beschr\u00e4nkter, als die Zeit, die jemand hatte, der \u201etauchte\u201c und seine Station vielleicht nur sehr kurz besucht hat und dazu nicht im Ausland war. Daher galt f\u00fcr mich, diese umso intensiver zu nutzen. Im Repetitorium war ich f\u00fcr das zweite Examen nicht, sondern habe mich selbst organisiert und dabei Qualit\u00e4t vor Quantit\u00e4t gesetzt. Auch hier kann ich nur wieder den Rat geben, die Basics zu beherrschen, den Umgang mit den Kommentaren zu \u00fcben, anhand von F\u00e4llen zu lernen und ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Recht selbst zu entwickeln. Man muss verstehen, wie das Recht strukturiert ist, um auch den unbekannten Fall l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Gerade dies ist es auch, was die sp\u00e4tere Arbeit zumindest in der anwaltlichen Praxis ausmacht. Mit dem gleichen Problem wird man selten konfrontiert und jeder Mandant hat seine eigenen Fragestellungen. Ein One-Size-fits-it-all Prinzip gibt es nicht. Auch der Anwalt muss daher mit seinem Wissen und den juristischen Grundlagen eine L\u00f6sung f\u00fcr die Fragestellung des Mandanten finden. Und dieses Prinzip galt auch f\u00fcr mich in meiner Vorbereitung auf das zweite Examen und hat sich dort auch bew\u00e4hrt.<\/p>\n<h2><strong>E. Das Lernen in der Wahlstation im Ausland<\/strong><\/h2>\n<p>In der Wahlstation habe ich mich beim Lernen in erster Linie auf das Wiederholen in einem lcokeren, aber regelm\u00e4\u00dfigen Rhythmus beschr\u00e4nkt. Die Grundlagen wurden ja noch von der Vorbereitung auf das schriftliche Examen sicher beherrscht. Ich war auch 5 Tage die Woche in der Kanzlei und habe dort meine Aufgaben erledigt und nat\u00fcrlich auch Washington, D.C. und andere Teile der USA erkundet. Ich habe auch fast nur im amerikanischen Recht gearbeitet, was mir nach dem irischen Recht mir nochmal eine ganz neue Perspektive verschafft hat und auch meine juristische Denkweise positiv beeinflusst hat. Gerade der Punkt, dass gleiche Lebenssachverhalte unterschiedlich angegangen werden, aber man h\u00e4ufig zum gleichen Ergebnis kommt, l\u00e4sst einen das eigene Recht neu betrachten. Vor allem f\u00fcr das m\u00fcndliche Examen ist dies hilfreich, da die Pr\u00fcfer gerne Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet haben wollen und \u2013 zumindest bei aktuellen noch nicht entschiedenen Fragen \u2013 auch eine gewisse Kreativit\u00e4t und ein kritisches Hinterfragen verlangen. Unbewusst nimmt man so doch einiges f\u00fcr das m\u00fcndliche Examen mit. Dar\u00fcberhinaus\u00a0 lassen sich auch Aktenvortr\u00e4ge w\u00e4hrend der Station sehr gut gliedern, wobei da auch der Schwerpunkt der Wochen zwischen R\u00fcckkehr und dem eigentlichen m\u00fcndlichen Examen lag.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon im ersten Examen, ist der Schl\u00fcssel nicht die Menge des Lernens und das Auswendiglernen von Streitst\u00e4nden, sondern die Intensit\u00e4t des Lernens und das Verst\u00e4ndnis der Grundlagen und der Struktur des Rechts. Bei Auslandsaufenthalten im Referendariat liegt auch im Zeitmanagement der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Es geht nicht darum, die Zeit im Ausland mit Lernen zu f\u00fcllen, sondern die Grundlagen davor zulegen und danach wiederaufzunehmen. Die Zeit im Ausland dient vielmehr dazu, eine neue Perspektive auf das Recht zu erlangen (die aber in der Klausur auch hilft unbekannte Probleme anzugehen!) und sowohl eine fremde Rechtssprache zumindest in Teilen zu erlernen, als auch eine neue Kultur kennenzulernen. Gerade diese Punkte sind es dann auch, die einem in der sp\u00e4teren Praxis weiterhelfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war die Entscheidung zweimal ins Ausland zu gehen, vollkommen richtig. Es war durchaus eine anstrengende Zeit, da ich neben dem Referendariat und dem Lernen immer auch gearbeitet habe, das Pensum ist zu bew\u00e4ltigen, ohne dass man sich N\u00e4chte um die Ohren schlagen muss, ist aber bei hinreichender Planung m\u00f6glich. Wichtig ist, dass man den richtigen Fokus beim Lernen setzt, ein Punkt der aber auch sp\u00e4ter in der Praxis hilfreich ist, um ein effektives Arbeiten zu garantieren und nicht nur in der Theorie des Examens gute Ergebnisse zu erzielen, sondern dann am Ende auch dort, wo es im Anschluss darauf ankommt \u2013 in der juristischen Praxis.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche allen die w\u00e4hrend dem Referendariats ins Ausland fahren eine tolle Zeit dort, die es erlaubt nochmal vor dem Ende der Ausbildung in eine andere Kultur einzutauchen und viel Erfolg im Examen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Erfahrungsbericht von\u00a0Dr. Michael H\u00f6rdt Fernweh ist ein Gef\u00fchl, dass viele kennen. Ein anderes Land, eine andere Kultur und viele neue Eindr\u00fccke locken und der \u201eAlltagstrott\u201c soll zumindest f\u00fcr eine Weile hinter sich gelassen werden. 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