{"id":11406,"date":"2017-08-14T11:05:42","date_gmt":"2017-08-14T09:05:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=11406"},"modified":"2017-08-15T08:21:17","modified_gmt":"2017-08-15T06:21:17","slug":"was-wurde-eigentlich-aus-dem-skandal-um-die-verkauften-examensklausuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/niedersachsen\/was-wurde-eigentlich-aus-dem-skandal-um-die-verkauften-examensklausuren\/","title":{"rendered":"Was wurde eigentlich aus dem Skandal um die verkauften Examensklausuren?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7290\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/MP900315598-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Im Fr\u00fchjahr 2014 schlug es wie eine Bombe unter Juristen ein, als die Presse davon berichtete, dass ein Mitarbeiter des Pr\u00fcfungsamtes jahrelang Klausurl\u00f6sungen verkauft hat (<strong><a href=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?s=verkaufte+klausuren&amp;SUBMIT=Suche\">Refnews berichtete<\/a><\/strong>). Nicht nur diese Sache machte viele sprachlos (wer ihn kannte wei\u00df was ich meine; man h\u00e4tte es ihm wohl als letztes zugetraut), sondern auch die spektakul\u00e4re Verfolgung bis zur Ergreifung war schon fast filmreif. Er fl\u00fcchtete ins Ausland. Interpol schaltete sich ein. Und letztlich wurde er kurz darauf in einem Hotelzimmer in Begleitung einer jungen Frau, mit mehreren Tausend Euro Bargeld und einer Pistole in Mailand gestellt. Soweit der Skandal \u2013 doch damit war es noch lange nicht getan. Denn wo diejenigen, die sich ihre Examensnoten unredlich verdient hatten, nun am Zittern waren, machte sich bei anderen Kandidaten nicht nur Fassungslosigkeit sondern vor allem eines breit: Wut. Nicht nur dar\u00fcber, wie dreist manche sind sich die Noten zu erkaufen (und mit ihren tollen Klausurergebnissen tlw. in Foren auch noch geprahlt haben, wo sp\u00e4ter rauskam, dass sie sich die L\u00f6sungen erkauft hatten). Wut und Unverst\u00e4ndnis kam auch dar\u00fcber hoch, wie sich das LJPA so derma\u00dfen fehlorganisieren konnte und ausgerechnet der Person, die den Erg\u00e4nzungsdienst organisierte auch Zugriff auf die Klausuren gab. <!--more-->Lange Zeit passierte nichts, man war gespannt was aus Herrn L. werden w\u00fcrde und hoffte, dass diejenigen, die sich ihre Noten erkauft hatten, ihre gerechte Strafe (Aberkennung des Examens) bekommen w\u00fcrden. Einige hatten sich bereitwillig selbst gemeldet, andere wurden aufgrund von Herrn L.\u2018s kooperative Mitarbeit enttarnt. Ob dies wirklich alle ehemaligen Referendare waren oder noch irgendwo ein schwarzes Schaf mit seinem erkauften Examen Dienst schiebt wei\u00df man nicht. Man kann einfach nur hoffen, dass alle Betr\u00fcger erwischt wurden.<\/p>\n<p>Soweit so gut? Fast. Denn an eine Gruppe von Referendaren wurde zun\u00e4chst \u00fcberhaupt nicht gedacht und ich muss zugeben, mir selbst kam es als Betroffener zuerst auch gar nicht so in den Sinn. Durch die wohl teilweise. gut ausgefallenen Klausuren k\u00f6nnten ehrliche Kandidaten schlechter bewertet worden sein. Eine Kandidatin war so pfiffig und klagte daher auf Neuanfertigung ihrer, von dem Skandal betroffenen, Klausuren. Am 29.07.2015 hat das VG L\u00fcneburg (Az.: 6 B 41\/15) dann das nieders\u00e4chsische LJPA im Wege der einstweiligen Anordnung verpflichtet, der Kandidatin vorl\u00e4ufig zu gestatten, ihre beiden betroffenen Klausuren erneut anzufertigen und vorl\u00e4ufig zu bewerten, da eine Verletzung des Grundsatzes der Chancengleichheit und damit ein Verfahrensfehler nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden k\u00f6nne. Die hiergegen gerichtete Beschwerde des LJPA hat das Nds. Oberverwaltungsgericht mit Beschluss vom 29.09.2015 (Az.: 2 ME 234\/15) zur\u00fcckgewiesen. Aus Sorge vor weiteren Klagen ehemaliger Referendare und aufgrund der doch recht klaren Tendenz des Nds OVG entschied sich das LJPA nun zu folgendem Schritt: alle betroffenen Kandidaten sollten die M\u00f6glichkeit bekommen, ihre betroffenen Klausuren und\/oder m\u00fcndliche Pr\u00fcfungsleistung zu wiederholen.<\/p>\n<p><strong>Schreiben oder nicht schreiben, das ist hier die Frage<\/strong><\/p>\n<p>Wunderbar, denkt man sich jetzt? Nun ja, ich als Betroffener eher weniger. Zum einen war mir lange Zeit nichtmal klar, <strong>ob <\/strong>meine Klausuren von dem Skandal \u00fcberhaupt betroffen sein k\u00f6nnten. Zwar waren einige Klausuren deutlich schlechter als meine recht konstanten damaligen Leistung im Referendariat, andererseits kann ich mit dem Durchgang auch einfach den Griff ins Klo gehabt haben. Die Klausuren lagen mir ehrlicherweise n\u00e4mlich auch thematisch in meinem Durchgang nicht so sehr. Aus der Presse entnahm man, dass das LJPA flei\u00dfig dabei sei, die betroffenen Kandidaten anzuschreiben. Zuvor musste in monatelanger Arbeit aber zun\u00e4chst einmal ausgewertet werden, in welchen Stapeln von Klausuren bei welchem Pr\u00fcfer sich eine Klausur befand, f\u00fcr die der Pr\u00fcfling die L\u00f6sung kannte. Bei der Vielzahl an Referendaren, Klausuren und aufgrund des mehrj\u00e4hrig betroffenen Zeitraum kein leichtes Unterfangen.<\/p>\n<p style=\"border:1px solid; padding: 5px; margin: 2px 0px 10px 0px; line-height: 150%\">\n\t\t\t\tDie RefNews sind das Blog von Juristenkoffer.de - einem der ersten und mit weit mehr als 35.000 zufriedenen Kunden einem der gr\u00f6\u00dften Vermieter von Kommentaren in Deutschland. Bist Du bereits Rechtsreferendar, hast Dir aber noch keinen Juristenkoffer reserviert? 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Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das ganze ablaufen soll. Dann pl\u00f6tzlich \u2013 ohne das ich damit gerechnet h\u00e4tte \u2013 kam im Fr\u00fchjahr 2016 ein Schreiben des LJPA, indem mir mitgeteilt wurde, dass ich mehrere der Klausuren wiederholen d\u00fcrfte. Zudem war sogar in meiner m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung ein Pr\u00fcfling, der sich den Aktenvortrag erkauft hatte, weshalb es mir offenstand auch den Aktenvortrag zu wiederholen. Als ich das Schreiben in den H\u00e4nden hielt und sah wie viele Klausuren betroffen sind und selbst in meiner m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung Schmu passiert ist, war ich allerdings eins: fassungslos und unfassbar w\u00fctend. Mehr und mehr beschlich mich die Frage, ob ich damals nicht vielleicht schon eine bessere Note erzielt h\u00e4tte, wenn einige Pr\u00fcflinge nicht betrogen h\u00e4tten und auch andere Berufswege dann f\u00fcr mich offen gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Das Schreiben des LJPA<\/strong><\/p>\n<p>Die Klausuren sollten im Januar 2017 angefertigt werden. \u201eWunderbar\u201c, dachte ich. \u201eEtwas \u00fcber ein halbes Jahr f\u00fcr Klausuren, die du zuletzt vor Jahren geschrieben hast. Zudem stehst du mittlerweile im Berufsleben. Willst du dir das also wirklich antun? Nein, auf keinen Fall\u201c war mein erster Gedanke. Doch je mehr Tage vergangen und je \u00f6fter ich an diesem Schreiben auf dem K\u00fcchentisch vorbeiging, desto eher tendierte ich zu \u201evielleicht meldest du dich erstmal an, wieder zur\u00fccktreten kannst du ja dann immer noch. Du verschenkst dir damit ja erstmal nichts und hast so noch eine l\u00e4ngere \u00dcberlegungsfrist.\u201c<\/p>\n<p>Als wichtigen Hinweis teilte das LJPA im Schreiben noch mit, dass man entscheiden konnte, ob man alle betroffenen Klausuren\/m\u00fcndl. Pr\u00fcfungsleistungen wiederholen m\u00f6chte oder nur einen Teil. Sofern man sich f\u00fcr eine Wiederholung entschied, h\u00e4tte dies zur Folge, dass f\u00fcr die jeweilige Einzelleistung ausschlie\u00dflich das bei der Neuanfertigung erzielte Ergebnis z\u00e4hlt, auch wenn es schlechter als das urspr\u00fcngliche Resultat sein sollte. Eine Verschlechterung der Gesamtnote wurde aber ausgeschlossen. D.h., angenommen man hatte damals eine Examensnote von 6,3 Punkten erzielt, wiederholt einige Klausuren und schreibt sie schlechter als damals, dann bleibt es trotzdem bei der damalig erzielten Gesamtnote auf dem Zeugnis von 6,3 Punkten. Nur wenn die Klausuren jetzt besser geschrieben werden erfolgt auch eine Verbesserung der Gesamtnote. Klingt also ganz nett, immerhin kann doch nichts passieren was negative Auswirkungen auf die Endnote hat. Aber wie bereits angedeutet, ganz so begeistert war ich dann doch nicht. Denn je l\u00e4nger ich mich mit weiteren betroffenen Kandidaten unterhielt, umso gr\u00f6\u00dfer wurde eins: die Wut und die Erkenntnis, dass man damals \u2013 man wei\u00df es nat\u00fcrlich nicht, aber es bleibt ein fader Beigeschmack \u2013 schlechter bewertet wurde als man vielleicht war und jetzt Jahre sp\u00e4ter nochmal Klausuren schreiben \u201edarf\u201c. Gut, was bleibt dem LJPA anderes \u00fcbrig: das Angebot war schon fair, allerdings hat es sehr lange gedauert, bis der ganze Ablauf organisiert war und man Bescheid bekommen hat und bei allen Betroffenen waren mittlerweile einige Jahre seit ihren damaligen Klausuren vergangen. Neben Vollzeitjob und\/oder Familie ist es somit nicht verwunderlich, dass man nicht voller Begeisterung schreit \u201ehurra, ich darf nochmal Klausuren schreiben wenn ich will.\u201c Auch bei mir war es so, dass ich zun\u00e4chst absolut keine Motivation oder ansatzweise Ehrgeiz aufbringen konnte. Die Klausuren und auch s\u00e4mtliche Klausurerfahrung lag einfach zu weit zur\u00fcck und nur der Gedanke daran, wieder ein Skript aufzuschlagen vermieste mir die Laune. Ich sah es auch nicht als wirklich realistischen an, die damaligen Klausuren (auch wenn ich diese tlw. ziemlich schlecht geschrieben habe) nun besser zu schreiben als vor einigen Jahren. Aber ich meldete mich erstmal an \u2013 als Klausurdurchgang war der Januar 2017 mitgeteilt worden \u2013 und schob das Ganze noch einige Monate vor mich her. Zum Lernen kam ich aufgrund meiner Vollzeitbesch\u00e4ftigung nicht und so wirklich und pr\u00e4sent war der Gedanke, im Januar eventuell wieder Examensklausuren zu schreiben, auch lange Zeit nicht. Erst gegen Ende Herbst dachte ich mir \u201eso, jetzt solltest du dich vielleicht mal langsam entscheiden.\u201c Aus dem Freundeskreis waren die Meinungen gemischt. Das ging von \u201eich wusste damals schon, dass du schlechter abgeschnitten hast als du eigentlich bist, schreib unbedingt die betroffenen Klausuren nochmal\u201c \u00fcber \u201ewie willst du dich nach der langen Zeit verbessern? Du bist doch v\u00f6llig aus dem Ganzen raus. Ich w\u00fcrde es abhaken\u201c oder auch \u201esei zufrieden mit der damaligen Note, du hast deinen Job, ich w\u00fcrde mir den Stress nicht mehr geben.\u201c Ich war auch letztlich \u201ezufrieden\u201c mit meinem damaligen Zeugnis \u2013 so zufrieden wie man halt sein kann, wenn man nun im Hinterkopf hat \u201ees h\u00e4tte vielleicht automatisch besser sein k\u00f6nnen, weil die Bewertung besser gewesen w\u00e4re, wenn diese Idioten nicht mitgeschrieben h\u00e4tten.\u201c Und nat\u00fcrlich hatte ich meinen festen Job, aber wer wei\u00df: vielleicht wollte ich ja mal wechseln, mich nochmal ganz umorientieren. Da der Examensnote auch nach Jahren noch eine hohe Gewichtung zukommt, kann es ja nicht schaden, sich mit der bestm\u00f6glichen Note zu bewerben. Und so entschied ich mich daf\u00fcr es einfach zu wagen.<\/p>\n<p>Dies war nun aber nicht der Startschuss f\u00fcr einen Lernmarathon. Bei weitem nicht. Denn nach wie vor war ich beruflich und famili\u00e4r stark eingespannt und wusste neben der Frage, wann ich in Ruhe lernen sollte, auch gar nicht, womit ich denn beim Lernen anfangen sollte. Diese ganzen Formalien, Schemata, wie man Klausuren schreibt \u2013 das war alles schon viel zu weit weg, um es einfach nur \u201eaufzufrischen\u201c. Und mit den Gebieten im Examen habe ich in der Form seit meinem damaligen Examen auch nie wieder zu tun gehabt, da ich beruflich in einem Nischengebiet arbeite. Ich beschloss, relativ entspannt ins Examen zu gehen und \u201eeinfach mal zu gucken.\u201c Aber irgendwie kam mir das im selben Moment wieder idiotisch vor, denn dann k\u00f6nnte ich es mir doch auch direkt ganz sparen und m\u00fcsste immerhin f\u00fcr den Januartermin auch keinen Urlaub einreichen. Dass es ohne lernen was werden w\u00fcrde, davon ging ich jedenfalls nicht aus. Aber mangelnde Motivation, vorbeieilende Zeit und die Frage, <strong>wie<\/strong> man sich nach der Zeit denn \u00fcberhaupt am besten auf die Klausuren vorbereitet, f\u00fchrten dazu, dass pl\u00f6tzlich Ende Dezember war und ich, au\u00dfer der Anmietung der Gesetze und Kommentare f\u00fcr die Januarklausuren, nichts gelernt habe. Ich habe zwar von einem Kumpel noch 2 alte Skripte bekommen \u2013 aber bereits beim Aufschlagen und Lesen der ersten beiden Seiten dachte ich nur \u201eoh nee\u201c und schlug es wieder zuvor. Noch das Wochenende vor den Klausuren Anfang Januar \u00fcberlegte ich, ob ich nicht einfach zur Arbeit gehen und direkt Montagmorgen Bescheid geben soll, dass ich zu den Klausuren nicht antrete. Mir war richtig schlecht. Was eigentlich schon wieder seltsam war, denn bisher hatte ich bei beiden Examina nie mit Aufregung zu k\u00e4mpfen. Aber der Gedanke \u201emacht das \u00fcberhaupt Sinn? Da blamierst du dich doch jetzt v\u00f6llig einfach hinzugehen und rumzuraten\u201c schlug mir irgendwie auf den Magen. Andererseits: was sollte mir (negatives) passieren? Der Urlaub war eingereicht und genehmigt, also beschloss ich, jetzt auch die Klausuren anzutreten (ich hatte mich allerdings gegen die m\u00fcndliche Pr\u00fcfung entschieden, da ich hier nicht die M\u00f6glichkeit einer gro\u00dfartigen Verbesserung sah, denn die lief insgesamt okay und da wollte ich mich nicht vor den Pr\u00fcfern blamieren, mit mittlerweile nur noch rudiment\u00e4ren Kenntnissen in vielen Bereichen; zumal wollte\/konnte ich mir auch nicht einfach noch mehr Urlaub nehmen, um daf\u00fcr anst\u00e4ndig zu lernen).<\/p>\n<p><strong>Die Klausuren im Januar 2017<\/strong><\/p>\n<p>Ich schrieb also \u2013 mit vielen weiteren ehemaligen Referendaren (darunter auch einige, bei denen es damals nicht zu den 28 Vorpunkten gereicht hat und die jetzt die Chance hatten, nach Jahren doch noch Volljurist zu werden) \u2013 im Januar einige Klausuren in Celle erneut. Meine Laune kurz vor der Klausur war ziemlich betr\u00fcbt, aber als die Klausur anfing, f\u00fchlte ich mich wie bei einer Probeklausur in der Arbeitsgemeinschaft damals im Studium und es war verr\u00fcckt; aber es hat mir sogar Spa\u00df gemacht. Da ich kaum \u00fcber Wissen (insbesondere was die Formalien angeht) mehr verf\u00fcgte, war es f\u00fcr mich ein munteres (aus)probieren und auch mit der Zeit hatte ich keine Probleme (ich war immer 15-30 Minuten vor Abgabe fertig). Ich ging nach jeder Klausur zwar raus und dachte \u201evom Sachverhalt fand ich sie deutlich angenehmer als meine damaligen Klausuren und h\u00e4tte man anst\u00e4ndig gelernt w\u00e4re es vielleicht auch was geworden, aber so leider nat\u00fcrlich nicht.\u201c Die Klausurenzeit ging ziemlich schnell vorbei und ich wieder meinem gewohnten Job nach. Wirklich gespannt wartete ich nicht auf die Ergebnisse, da ich mit keiner Verbesserung rechnete. Es dauerte auch \u00fcber ein halbes Jahr, bis dann endlich ein Schreiben mit der Notenbekanntgabe \u2013 zusammen mit dem neuen Zeugnis \u2013 bei mir eintrudelte. Ich habe die Klausuren wirklich besser geschrieben als damals. Zwar nicht deutlich besser, aber immerhin etwas. \u00c4rgerlich, dass ich nicht doch mehr in die Lernerei investiert habe. Andererseits bedeutet mehr Lernen nicht automatisch eine bessere Note und ich h\u00e4tte mich dann auch eher auf andere Gebiete gest\u00fcrzt aus denen ich wirklich ganz raus bin (wie z.B. ImmobiliarsachenR oder ZwangsvollstreckungsR), sodass es mir f\u00fcr die Klausuren in dem Durchgang materiell-rechtlich auch nichts gebracht h\u00e4tte (die Schemata\/Formalien h\u00e4tte ich von daher h\u00f6chstens besser draufhaben k\u00f6nnen).<\/p>\n<p><strong>Neues Zeugnis: ja\/nein? <\/strong><\/p>\n<p>Nachdem (insbesondere in Foren) viel diskutiert und auch viel behauptet wird, hier einmal zur Klarstellung: es ist absoluter Bl\u00f6dsinn, dass das LJPA einem sein Zeugnis wegnimmt oder man jetzt schlechter dasteht als damals. Es bleibt entweder beim damaligen Ergebnis oder es wird besser. Es z\u00e4hlt das neue Klausurergebnis und das f\u00fchrt automatisch zur neuen Endnote. Entscheidungsspielraum hat dann noch die damalige Pr\u00fcfungskommission, ob sie<strong> zus\u00e4tzlich<\/strong> von der Abweichungsklausel nach \u00a7 12 Abs. 5 NJAG Gebrauch machen will und damit dar\u00fcber hinaus bis zu 1 Sozialpunkt oben drauf vergibt. Nachdem die Klausuren korrigiert waren wurden sie n\u00e4mlich der damaligen Pr\u00fcfungskommission zugeleitet, die dar\u00fcber entscheiden konnte, ob sie bis zu einem Sozialpunkt vergibt. Was man vielerorts liest, dass die Kommission entscheiden kann, ob bessere Klausurergebnisse \u00fcberhaupt anerkannt werden, ist falsch. Die neuen Klausurergebnisse z\u00e4hlen, ohne dass da die Kommission einen Einfluss drauf hat oder etwas dr\u00fcber entscheiden kann. Die Kommission wird einzig nochmal gefragt, ob sie hier eine Anwendung f\u00fcr bis zu 1 Sozialpunkt als gegeben sehen. Jeder der nun also bessere Klausuren geschrieben hat bekommt automatisch das neue Zeugnis mit der besseren Gesamtnote. Sind die Klausuren schlechter ausgefallen, bleibt es beim alten Zeugnis, intern sind die schlechteren Einzelnoten jedoch in der Klausurauflistung vermerkt. Auch wenn die Verbesserung bei mir minimal ist, so bin ich froh, dass ich es einfach gewagt habe, denn jede Nachkommastelle kann evtl. hilfreich sein. Ich finde es zwar nach wie vor sonderbar, dass ich die Klausuren nach einer derart langen Zeit und ohne Aufwand besser geschrieben habe als damals, aber nat\u00fcrlich freue ich mich dr\u00fcber. Es zeigt mir aber andererseits auch erneut, wie \u201eunberechenbar\u201c das Examen ist. Denn ich kann f\u00fcr mich absolut nicht behaupten, dass mein Wissensstand besser sei als damals. Auch war ich nicht entspannter als damals, im Gegenteil: ich hatte jetzt sogar eher Panik mich wirklich total zu blamieren (und davor, dass sie mir dann erst recht das Examen wegnehmen, weil sie sich denken \u201ewas ist das denn f\u00fcr ein Vollhorst! Hat der \u00fcberhaupt je Jura studiert? Der kann ja gar nichts.\u201c). Ich fand die Klausurtypen im Januar zwar von den Sachverhalten angenehmer, dennoch habe ich einfach nur geguckt, dass ich neben der materiellen Pr\u00fcfung einen in etwa runden Grundaufbau mit Anfang und Ende irgendwie hinkriege und mehr war dann auch f\u00fcr mich nicht drin. Ich habe daher sicherlich recht viel auch einfach \u00fcbersehen und mich dementsprechend mit einigen Punkten gar nicht oder total falsch befasst, aber immerhin fiel mir daf\u00fcr im Nachhinein auch nicht ein \u201each, dies oder jenes h\u00e4ttest du noch ansprechen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin froh, dass ich die Klausuren einfach nochmal ohne viel Aufwand mitgeschrieben habe. Zwar h\u00e4tte die Verbesserung deutlicher ausfallen k\u00f6nnen, in Anbetracht meines Aufwands ist es aber f\u00fcr mich eine tolle Leistung. Ich habe ein neues Zeugnis mit einer etwas besseren Note bekommen. Das Gef\u00fchl, dass ich damals schon diese (oder sogar eine noch bessere Note) h\u00e4tte haben k\u00f6nnen, wenn diese ganze Sache nicht gewesen w\u00e4re, hat sich mittlerweile gelegt, denn man wird es einfach nicht wissen und muss auch irgendwann mal damit abschlie\u00dfen. Besonders freut es mich nat\u00fcrlich f\u00fcr diejenigen, die damals nicht die erforderlichen 28 Punkte aus den Klausuren geholt und ihr Examen damit nicht bekommen haben, jetzt aber durch die Wiederholung zur m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zugelassen sind und nach Jahren wohl noch Volljuristen werden.<\/p>\n<p>War es also der beste Weg, den das LJPA so gegangen ist? Besser w\u00e4re es sicherlich gewesen, genauer drauf zu achten, welche Personen wo beteiligt sind und wer Zugriff auf die L\u00f6sungen hat, damit es erst gar nicht zu so einem Skandal h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen. Auch die lange Zeit, die seit dem Bekanntwerden des Skandals bis dann zur Mitteilung, ob man Klausuren wiederholen kann vergangen ist, war sicherlich nicht optimal. Denn alleine seit dem Bekanntwerden des Skandals bis zur Mitteilung, dass man Klausuren wiederholen kann, vergingen etwas \u00fcber 2 Jahre (und der eigene Examensdurchgang lag deutlich vor Bekanntwerden des Skandals und der letztlich geschriebene Durchgang zur Wiederholung der Klausuren nun wie gesagt im Jahr 2017). Andererseits muss man auch festhalten, dass es nun einmal passiert ist, man es nicht r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann und menschliches Versagen halt passiert \u2013 und zwar vielerorts. Man sollte daher auch irgendwann mit der Sache abschlie\u00dfen und nach vorne blicken \u2013 egal, ob man nun Klausuren wiederholt hat oder nicht. Vielleicht w\u00e4re ich damals besser bewertet worden, vielleicht w\u00e4re meine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung besser gelaufen \u2013 vielleicht aber auch nicht und meine Klausuren waren einfach nur schlecht und w\u00e4ren auch ohne eine tolle Klausur im Stapel so bewertet worden. Von daher: H\u00e4tte, h\u00e4tte, Fahrradkette. \ud83d\ude09 Dass das LJPA allen Betroffenen die Chance gegeben hat die betroffenen Klausuren zu wiederholen war meines Erachtens der einzig richtige und auch fairste Weg. Ich w\u00fcsste jedenfalls nicht, wie man es besser h\u00e4tte regeln k\u00f6nnen. Es ist gut, dass die ganzen Auswirkungen nun auch endlich \u2013 \u00fcber 3 Jahre nach Bekanntwerden des Skandals \u2013 sein Ende finden und nur noch ein paar m\u00fcndliche Pr\u00fcfungen einiger Betroffener stattfinden.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich hat sich \u00fcbrigens, trotz neuem Zeugnis, nichts ge\u00e4ndert. Ich bleibe weiterhin in meinem juristischen Beruf und das Leben geht wie zuvor weiter. Sollte ich mich einmal beruflich umorientieren habe ich nun eine etwas bessere Note an der Hand, was sicherlich nicht schaden kann. Ob es dazu aber \u00fcberhaupt kommt, kann ich nicht sagen, da ich mich in meinem Job sehr wohl f\u00fchle. Die Freude \u00fcber das neue Zeugnis hielt dann auch \u2013 insbesondere verglichen mit der langen Zeit der Anspannung, Wut und Entt\u00e4uschung \u00fcber diese ganze Sache \u2013 nur recht kurz an. Es ist eigentlich unfassbar und fast schon der Wahnsinn, was f\u00fcr Emotionen so ein simples St\u00fcck Papier bzw. so eine Examensnote hervorrufen kann \u2013 und vor allem, wie sehr die Juristen davon abh\u00e4ngig sind. Das wird sich wohl auch leider so schnell nicht \u00e4ndern, dennoch kann zumindest ich jetzt unter diesen Skandal und seine Auswirkungen auch (gedanklich) endlich einen Schlussstrich ziehen und man kann f\u00fcr alle Beteiligten nur hoffen, dass sich so etwas nicht noch einmal ereignet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchjahr 2014 schlug es wie eine Bombe unter Juristen ein, als die Presse davon berichtete, dass ein Mitarbeiter des Pr\u00fcfungsamtes jahrelang Klausurl\u00f6sungen verkauft hat (Refnews berichtete). 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