{"id":11221,"date":"2017-04-10T11:02:07","date_gmt":"2017-04-10T09:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=11221"},"modified":"2017-04-06T13:36:42","modified_gmt":"2017-04-06T11:36:42","slug":"erfahrungsbericht-verwaltungsstation-am-deutschen-generalkonsulat-in-osaka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/ausland\/erfahrungsbericht-verwaltungsstation-am-deutschen-generalkonsulat-in-osaka\/","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht: Verwaltungsstation am Deutschen Generalkonsulat in Osaka"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9235\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/swert.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>clavisto-Talent Dr. Matthias Eiden hat am Japanprogramm f\u00fcr Rechtsreferendare der Robert-Bosch-Stiftung teilgenommen:\u00a0Sowohl die Verwaltungs- als auch die Wahlstation des Referendariats bieten die Gelegenheit zur Ableistung dreier Monate im Ausland. Besonders beliebt d\u00fcrften dabei die Auslandsvertretungen des Ausw\u00e4rtigen Amtes sein. Gleichsam weniger verbreitet d\u00fcrfte f\u00fcr deutsche Referendare die Reise nach Japan sein. Dies \u00fcberrascht, da der japanischen Rechtsordnung starke \u00dcbereinstimmungen mit dem deutschen (Zivil-)Recht zugestanden werden; tats\u00e4chlich sind in heutiger Zeit der Einfluss und die Ausstrahlung des anglo-amerikanischen Rechtskreises vorherrschend.<\/p>\n<p>Motiviert durch das \u2013 mittlerweile eingestellte \u2013 Japanprogramm f\u00fcr Rechtsreferendare der Robert-Bosch-Stiftung machte ich mich also im Herbst 2015 auf nach Osaka, die drittgr\u00f6\u00dfte Stadt Japans nach Tokio und Yokohama. Mich erwartete ein vergleichsweise kleines Generalkonsulat mit 5 deutschen Entsandten und 8 japanischen Ortskr\u00e4ften. Die Existenz des Generalkonsulats ist der enormen Wirtschaftskraft des Kansai-Ballungsraums, in dem sich u.a. die St\u00e4dte Osaka, Kyoto und Kobe und damit rd. 18 Mio. Einwohner befinden, geschuldet.<!--more--><\/p>\n<p>Vermutlich die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen stellten f\u00fcr mich neben dem Erlernen der japanischen Sprache \u2013 die Arbeitssprache am Konsulat ist gl\u00fccklicherweise Deutsch \u2013 die Anpassung an die generellen kulturellen und sozialen Unterschiede dar. So darf z.B. die Visitenkarte nur auf eine bestimmte Weise \u00fcbergeben werden; auch hat sich der Rangniedrigere bei der Begr\u00fc\u00dfung tiefer zu verbeugen als der Rangh\u00f6here: jung vor alt, Angestellter vor Chef und nach in Japan \u201eteilweise vertretener Auffassung\u201c sogar Frau vor Mann \u2026; viele weitere Beispiele k\u00f6nnten folgen.<\/p>\n<p>Zu den einem Referendar anvertrauten Aufgaben an einer Auslandsvertretung geh\u00f6rt traditionell die Beantwortung allgemeiner B\u00fcrgeranfragen. Hier bleiben mir insb. die Sorgen solcher gestrandeten Deutschen in Erinnerung, die sich wunderten, wieso sie an Geldautomaten au\u00dferhalb des Euro-Raums kein Geld mit eurocheque-Karten abheben k\u00f6nnen. Mit etwas mehr Ernsthaftigkeit jedoch wird das Rechts- und Konsularwesen betreut. Teil desselben sind insb. routinem\u00e4\u00dfige Besuche deutscher H\u00e4ftlinge in Japan. Der mit Abstand gr\u00f6\u00dften Gruppe deutscher H\u00e4ftlinge wird vorgeworfen, Drogen illegal ins Land verbracht zu haben. Der Einwand, diese seien ihnen untergeschoben worden, ist dabei regelm\u00e4\u00dfig zum Scheitern verurteilt. Vor dem Hintergrund exorbitanter Straferwartung \u2013 ein 65-j\u00e4hriger \u201efahrl\u00e4ssiger\u201c Erstt\u00e4ter-Rentner mit 2 kg Crystal Meth wurde zu 9 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt \u2013 und unangenehmer Haftbedingungen ist diese Problematik regelm\u00e4\u00dfig Gegenstand diplomatischen Austauschs.<\/p>\n<p>In Erinnerung geblieben sind mir ferner Besonderheiten des japanischen Strafermittlungverfahrens: Einreisende, bei denen Sp\u00fcrhunde Drogen entdecken, arretiert die Polizei in den ersten Tagen z.B. regelm\u00e4\u00dfig in Flughafen-Gef\u00e4ngnissen, ohne ihnen Zugang zu einem Verteidiger zu gew\u00e4hren. Diese Tage enden mit einer Gest\u00e4ndnisquote von etwa 95 %, der eine \u00e4hnlich hohe Anklage- und Verurteilungsquote folgt. Eine \u00dcberpr\u00fcfung dieses Arrests durch einen Richter ist w\u00e4hrend der ersten ca. 6 Wochen nicht vorgesehen; unter Umst\u00e4nden kann diese Zeitspanne sogar durch die Staatsanwaltschaft\/Polizei verl\u00e4ngert werden. Diesen durchaus erstaunlichen Beobachtungen f\u00fcr ein technisch so weit entwickeltes Land liegt u.a. die generalpr\u00e4ventive Erw\u00e4gung zugrunde, die \u00e4u\u00dferst geringe Btm-Quote in Japan auf konstant kleinem Niveau zu belassen.<\/p>\n<p>Einen gr\u00f6\u00dferen Anteil meiner Station nahmen jedoch die Reisevorbereitung und die Reisezeiten selbst ein. Dank dem \u201eJapan Rail-Pass\u201c darf man f\u00fcr geringes Geld mit dem Zug flat-rate durch das Land ziehen. Hier gibt es zu viel zu entdecken, als dass dies in drei Monaten m\u00f6glich oder gar auf 2 Seiten darzustellen w\u00e4re. Als Highlights zu nennen sind sicherlich die alte Kaiserstadt Kyoto, die gl\u00fccklicherweise nicht weit von Osaka liegt, die \u201eInsel der G\u00f6tter\u201c Kyushu, in der sich Vulkane, Wasserf\u00e4lle, hei\u00dfe Badequellen und Str\u00e4nde die Hand reichen sowie ein verl\u00e4ngertes Wochenende auf der Nordinsel Hokkaido, die zu fang-frischem Sushi und Wanderungen durch faszinierend-weite Landschaften einlud. Auch das Probieren verschiedenster japanischer Whiskeysorten kann einen tats\u00e4chlich auf den Geschmack bringen \u2026<\/p>\n<p>Dank der bemerkenswerten Freundlichkeit der Japaner ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Nicht erlernte Sprachkenntnisse verzieh man mir; Sehensw\u00fcrdigkeiten, die sich nicht einmal aus dem Lonely Planet ergaben, wurden mir gezeigt. Exotisches, aber leckeres Essen, das man erst als unappetitlich qualifizieren darf, nachdem man es getestet hat, tat sein \u00dcbriges dazu.<\/p>\n<p>Die Zeit in einer derart fremden Kultur kann man \u2013 so glaube ich \u2013 gar nicht \u00fcberstehen, ohne zu profitieren und sich (hoffentlich) weiterzuentwickeln. Den Faktor \u201eSpa\u00df\u201c hat man ohnehin selbst in der Hand.<\/p>\n<div style=\"padding: 10px; border: 1px solid #0860A8; margin-top: 0px; background-color: #e6e6e6;\">Dieser Artikel erschien erstmals\u00a0am 21.02.2017 als Blogbeitrag auf clavisto.\u00a0clavisto ist das Talentprogramm\u00a0f\u00fcr\u00a0exzellente Nachwuchsjuristen (m\/w) und vernetzt Dich mit Top-Kanzleien. 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