{"id":10053,"date":"2015-05-04T06:57:13","date_gmt":"2015-05-04T04:57:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/?p=10053"},"modified":"2015-05-03T22:56:13","modified_gmt":"2015-05-03T20:56:13","slug":"sitzungsdienst-bei-der-staatsanwaltschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/strafrechtsstation\/sitzungsdienst-bei-der-staatsanwaltschaft\/","title":{"rendered":"Sitzungsdienst bei der Staatsanwaltschaft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7714\" src=\"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/refblog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/MP900385257-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"160\" \/>Hier kommt er endlich, der versprochene Bericht \u00fcber den Sitzungsdienst. Seit meinem letzten Bericht ist einige Zeit vergangen und die Station liegt \u2013 gef\u00fchlt \u2013 ewig lange zur\u00fcck. Trotzdem will ich euch meine Erlebnisse nicht vorenthalten.<\/p>\n<p>Nachdem ich in der Zivilstation nur passiv neben dem Richter gesessen und die Verhandlungen beobachtet hatte, war die Sitzungsvertretung in der Strafstation f\u00fcr mich eine willkommene Abwechslung.<!--more--> Obwohl ich einen Verhandlungstag zusammen mit einem Amtsanwalt wahrnehmen und damit bereits einen Probelauf machen konnte, war der erste Sitzungstag so ganz auf sich alleine gestellt trotzdem doch etwas Besonderes.<\/p>\n<p><strong>Vorstellen beim Richter?<\/strong><\/p>\n<p>Eine gern diskutierte Frage ist in diesem Zusammenhang, ob man vor den Verhandlungen im B\u00fcro des Richters vorbeizuschauen und sich vorzustellen sollte. Da ich an meinem ersten Sitzungstag noch viel Zeit hatte, habe ich mich spontan dazu entschieden. Der Richter war sehr nett und ich habe mich auch direkt wieder auf den Weg zum Sitzungssaal gemacht. Worin der gro\u00dfe Vorteil liegen soll, dass ich mich vorgestellt habe, hat sich mir aber ehrlich gesagt nicht erschlossen. Denn die Richter wissen bereits vorher, ob sie einen Amtsanwalt oder einen Referendar vor sich haben werden. Sp\u00e4ter bin ich immer gut damit gefahren, die Richterin oder den Richter beim Betreten des Sitzungssaals freundlich zu gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Die Sitzungstage<\/strong><\/p>\n<p>Mein erster Sitzungstag dauerte mit Unterbrechungen kaum zwei Stunden und war daher in der Summe nicht besonders zeitintensiv. Ich hatte aber durchweg mit Delikten zu tun, die man im Studium eher selten pr\u00fcft: Falschaussage, falsche Verd\u00e4chtigung und Beleidigung, die jeweils in etwa einer halben Stunde abgeurteilt waren. In den folgenden Terminen kamen dann unter anderem noch Betrug, Diebstahl, K\u00f6rperverletzungsdelikte, Erschleichen von Leistungen, Sachbesch\u00e4digung und Unfallflucht dazu. In den drei Monaten bei der Staatsanwaltschaft wurde ich acht Mal zur Sitzungsvertretung eingeteilt. Alle Termine haben mir viel Spa\u00df bereitet. F\u00fcr mich war auch die achte K\u00f6rperverletzung noch ganz anders als die davor verhandelten. Die zwei Verhandlungen, die ich am eindrucksvollsten fand, schildere ich euch in einem extra Beitrag. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Ein Sitzungstag fiel (zum Gl\u00fcck \ud83d\ude09 ) aus. An diesem Tag h\u00e4tte ich in einem Termin gehabt, bei dem mit acht Zeugen ausnahmsweise besonders viele Zeugen vernommen werden sollten. Das allein hat mich nicht abgeschreckt. Vielmehr fand ich es beeindruckend, welche komplexen Angelegenheiten Referendaren zugeteilt werden. Ich h\u00e4tte allerdings eine Anklage wegen Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitr\u00e4gen zur Sozialversicherung verlesen m\u00fcssen. Diese beinhaltete eine Tabelle mit vier Spalten, welche sich auf \u00fcber eine ganze DIN A4-Seite erstreckte\u2026 In Anbetracht des wohl langwierigen Verlesens der Anklageschrift war ich doch ziemlich froh, als ich einen Tag vorher benachrichtigt wurde, dass der Termin wegen Erkrankung des Richters aufgehoben werden musste.<\/p>\n<p>Um einen langen Sitzungstag, der noch dazu der interessanteste war :-), bin ich trotzdem nicht herumgekommen. W\u00e4hrend die meisten Sitzungstage gegen 13 Uhr endeten, dauerte einer von neun bis halb f\u00fcnf, wobei wir nur eine Viertelstunde Mittagspause gemacht haben. Die kurze Pause hatte die Richterin mit mir abgesprochen. H\u00e4tte ich eine l\u00e4ngere Pause gebraucht, w\u00e4re das \u00fcberhaupt kein Problem gewesen. An diesem Tag war es \u00fcbrigens Gold wert, dass ich nicht nur eine Flasche Wasser, sondern auch ein Wasserglas dabei hatte. So konnte ich auch w\u00e4hrend der der Verhandlungen trinken, ohne dass sich der Angeklagte oder Zeuge dar\u00fcber wundert, dass die Vertreterin der Staatanwaltschaft die 1,5-Liter-Wasserflasche ansetzt. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Verfahrenseinstellungen<\/strong><\/p>\n<p>Eingestellt habe ich nat\u00fcrlich auch. Daf\u00fcr muss man als Referendar immer die Zustimmung des Einzelausbilders oder des Bereitschaftsdiensts einholen. Also immer kurz raus aus dem Sitzungssaal und telefonieren. Auch hier gilt: mit etwas \u00dcbung schildert sich der Sachverhalt leichter. Die dritte oder vierte Einstellung habe ich dem Bereitschaftsdienst schneller geschildert als die erste. Dabei half es mir, vor dem Anruf stichpunktartig zu notieren, was ich mitteilen wollte. Ob die Zustimmung erteilt wird oder nicht, h\u00e4ngt nicht nur von der eigenen \u00dcberzeugungskraft ab, sondern auch von der Einstellung des Staatsanwalts am anderen Ende der Leitung. So habe ich, nachdem ich mich bei einer Sache wunderte, warum in aller Welt ich keine Zustimmung erhalten hatte, erfahren, dass dieser Staatsanwalt wohl nur \u00e4u\u00dferst restriktiv zustimmt und schon so manchen Referendar verwundert hat. \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt hat mir die Sitzungsvertretung gro\u00dfen Spa\u00df gemacht. Ich habe sehr unterschiedliche Typen von Richtern, Angeklagten, Zeugen und Verteidigern gesehen und gelernt, dass man nicht von allen Angeklagten und Zeugen auf die gleiche Weise vorgehen kann, sondern sich immer auf den Typ Mensch, der vor einem sitzt, einlassen muss, um eine m\u00f6glichst auskunftsreiche Aussage zu erhalten. Das Ger\u00fccht, manche Richter oder Verteidiger w\u00fcrden Referendare schlecht behandeln, kann ich gar nicht best\u00e4tigen. Alle Richter und Verteidiger, mit denen ich zu tun hatte, waren durchweg freundlich, haben sich in den Pausen mit mir unterhalten und machten \u00fcberhaupt nicht den Eindruck, als w\u00fcrden sie mich als Referendar weniger sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Allen, die die Strafrechtsstation noch vor sich haben, kann ich nur raten, diese tolle Chance wahrzunehmen und euch viel Spa\u00df dabei w\u00fcnschen!\u00a0 \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier kommt er endlich, der versprochene Bericht \u00fcber den Sitzungsdienst. Seit meinem letzten Bericht ist einige Zeit vergangen und die Station liegt \u2013 gef\u00fchlt \u2013 ewig lange zur\u00fcck. Trotzdem will ich euch meine Erlebnisse nicht vorenthalten. 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