{"id":117,"date":"2011-10-17T18:28:31","date_gmt":"2011-10-17T16:28:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.juristenkoffer.de\/rechtsreferendariat\/?page_id=117"},"modified":"2026-04-09T11:41:16","modified_gmt":"2026-04-09T09:41:16","slug":"wartezeiten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.juristenkoffer.de\/rechtsreferendariat\/wartezeiten\/","title":{"rendered":"Die Wartezeiten im \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"<p>Der \u00dcbergang vom Ersten Staatsexamen in den juristischen Vorbereitungsdienst ist f\u00fcr viele Absolventen mit erheblichen organisatorischen Herausforderungen verbunden, da die Ausbildungskapazit\u00e4ten in den Bundesl\u00e4ndern durch Haushaltsmittel und personelle Ressourcen begrenzt sind. W\u00e4hrend grunds\u00e4tzlich ein Anspruch auf die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst besteht, wird der Zugang bei Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen \u00fcber differenzierte Auswahlverfahren gesteuert. Diese basieren in der Regel auf einem Quotensystem, das die <strong>Leistung<\/strong> (Examensnote), <strong>soziale Kriterien<\/strong> (wie Kindererziehung oder Schwerbehinderung) und die angesammelte <strong>Wartezeit<\/strong> ber\u00fccksichtigt. Wer zeitnah starten m\u00f6chte, muss sich intensiv mit den l\u00e4nderspezifischen Systemen auseinandersetzen, da die Differenzen zwischen einer sofortigen Einstellung und mehrj\u00e4hrigen Wartezeiten deutschlandweit erheblich variieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier ist der \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Situation in den 16 Bundesl\u00e4ndern:<\/p>\n<p><strong>Bundesl\u00e4nder ohne aktuelle Wartezeiten<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bayern:<\/strong> Es gibt derzeit <strong>keine Wartezeiten<\/strong>, da der Freistaat s\u00e4mtliche Ausbildungskapazit\u00e4ten bayernweit voll ausnutzt. Dies erfordert jedoch eine hohe Mobilit\u00e4tsbereitschaft, da Ortsw\u00fcnsche bei \u00dcbernachfrage oft nicht ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Th\u00fcringen:<\/strong> Seit \u00fcber zehn Jahren gibt es hier <strong>keine generellen Zulassungsbeschr\u00e4nkungen<\/strong> oder Wartezeiten, da die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Bewerberzahlen ausreichen.<\/li>\n<li><strong>Sachsen-Anhalt:<\/strong> Aktuell besteht <strong>keine Wartezeit<\/strong>; allen Bewerbern kann zum n\u00e4chstm\u00f6glichen Termin ein Platz angeboten werden.<\/li>\n<li><strong>Rheinland-Pfalz:<\/strong> Bis zum Termin im Mai 2025 konnten faktisch alle Bewerber im ersten Anlauf ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<li><strong>Baden-W\u00fcrttemberg:<\/strong> Es werden <strong>keine Warte- oder Nachr\u00fcckerlisten<\/strong> f\u00fcr beliebte Standorte gef\u00fchrt. Im sogenannten Restplatzverfahren konnte in den vergangenen Jahren fast allen Bewerbern ein Platz angeboten werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Bundesl\u00e4nder mit moderaten Wartezeiten<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Hessen:<\/strong> Landesweit ist derzeit mit einer <strong>Wartezeit von bis zu acht Monaten<\/strong> zu rechnen. Die Vergabe erfolgt \u00fcber ein System von Wartepunkten.<\/li>\n<li><strong>Bremen:<\/strong> Eine sofortige Einstellung ist meist nur mit einem \u201eVollbefriedigend\u201c (ab 9,0 Punkten) m\u00f6glich. Mit 8,0 Punkten betr\u00e4gt die Wartezeit oft <strong>einen Termin (ca. 6 Monate)<\/strong>, bei geringeren Punktzahlen deutlich l\u00e4nger.<\/li>\n<li><strong>Mecklenburg-Vorpommern:<\/strong> Es bestehen Wartezeiten, die jedoch im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern als <strong>moderat<\/strong> beschrieben werden. 55 % der Pl\u00e4tze werden hier nach Wartezeit vergeben.<\/li>\n<li><strong>Brandenburg:<\/strong> Bewerber, die ihre Pr\u00fcfung in Berlin\/Brandenburg abgelegt haben (\u201eLandeskinder\u201c), werden bevorzugt. Externe Bewerber m\u00fcssen oft mit einer Wartezeit von <strong>mehr als sechs Monaten<\/strong> rechnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Bundesl\u00e4nder mit l\u00e4ngeren Wartezeiten<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Berlin:<\/strong> Die Wartezeit ist hier ein zentraler Faktor, wobei pro Halbjahr Wartezeit ein Punkt vergeben wird. Im Februar 2026 ben\u00f6tigte man beispielsweise 4 Punkte, was <strong>zwei Jahren Wartezeit<\/strong> entspricht, um einen Platz zu erhalten.<\/li>\n<li><strong>Hamburg:<\/strong> Aufgrund der hohen Beliebtheit sind die Wartezeiten lang; pro sechs Monate wird ein Wartepunkt vergeben. Ein Bewerber mit einem \u201eAusreichend\u201c muss derzeit mit etwa <strong>2,5 Jahren Wartezeit<\/strong> rechnen.<\/li>\n<li><strong>Nordrhein-Westfalen:<\/strong> Durch die Reduzierung der Einstellungszahlen im Jahr 2024 haben sich die Wartezeiten massiv verl\u00e4ngert. Im Bezirk <strong>K\u00f6ln<\/strong> betr\u00e4gt sie ca. <strong>18 Monate<\/strong>, in <strong>D\u00fcsseldorf<\/strong> ca. <strong>15 Monate<\/strong> und in <strong>Hamm<\/strong> ca. <strong>9 Monate<\/strong>.<\/li>\n<li><strong>Niedersachsen:<\/strong> Die Wartezeit wird \u00fcber Punkte gesteuert (ein Punkt pro abgelehntem Termin). Oft sind <strong>zwei bis drei Wartepunkte<\/strong> (entspricht 1 bis 1,5 Jahren) n\u00f6tig, um mit einem \u201eAusreichend\u201c einen Platz zu erhalten.<\/li>\n<li><strong>Schleswig-Holstein:<\/strong> Da regelm\u00e4\u00dfig mehr Bewerbungen eingehen als die 256 j\u00e4hrlichen Pl\u00e4tze, gibt es eine Warteliste f\u00fcr 35 % der Stellen. Die Zulassungsgrenzen in der Leistungsliste schwanken stark und hingen zuletzt bei bis zu 9,01 Punkten.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Regelungen in weiteren L\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Saarland:<\/strong> 40 % der Pl\u00e4tze werden nach Wartezeit vergeben. Wer <strong>l\u00e4nger als zwei Jahre<\/strong> erfolglos wartet, wird vor der regul\u00e4ren Quotenregelung bevorzugt ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li><strong>Sachsen:<\/strong> Bei Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen wird eine gewichtete Liste erstellt, bei der pro sechs Monate Wartezeit <strong>ein Zusatzpunkt<\/strong> vergeben wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit und Ergebnis<\/strong><\/p>\n<p>Zusammenfassend zeigt sich eine deutliche Zweiteilung der Referendarslandschaft in Deutschland. W\u00e4hrend L\u00e4nder wie <strong>Bayern, Th\u00fcringen oder Sachsen-Anhalt<\/strong> durch eine vollst\u00e4ndige Aussch\u00f6pfung ihrer Kapazit\u00e4ten oder ein geringeres Bewerberaufkommen eine nahezu <strong>verz\u00f6gerungsfreie Einstellung<\/strong> garantieren, bleibt die Lage in Ballungsr\u00e4umen wie <strong>Berlin und Hamburg<\/strong> sowie in bev\u00f6lkerungsreichen L\u00e4ndern wie <strong>Nordrhein-Westfalen<\/strong> extrem angespannt. In diesen Regionen m\u00fcssen Bewerber ohne Pr\u00e4dikatsexamen oft Geduldspunkte \u00fcber mehrere Jahre sammeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr angehende Referendare ist es daher essenziell, die Bewerbung strategisch zu planen, Ausschlussfristen strikt zu wahren und die in vielen L\u00e4ndern obligatorischen <strong>R\u00fcckmeldepflichten<\/strong> (oft alle sechs Monate) nicht zu vers\u00e4umen, da sonst m\u00fchsam angesammelte Wartepunkte unwiderruflich verfallen k\u00f6nnen. Letztlich ist <strong>Mobilit\u00e4t das wirksamste Mittel<\/strong> gegen lange Wartezeiten: Wer bereit ist, seinen Dienstsitz auch an weniger nachgefragten Standorten oder in fl\u00e4chenstarken L\u00e4ndern wie Bayern anzutreten, kann oft unmittelbar nach dem Examen in die praktische Ausbildung starten.<\/p>\n<p>Wenn man sich aber f\u00fcr die Inkaufnahme von Wartezeiten entscheidet, sollte man diese <strong>Zeit in jedem Fall sinnvoll nutzen<\/strong>. Hierbei bieten sich zum einen fachbezogene Fortbildungen an. Zum anderen werden auch sehr interessante Jobs auf Zeit f\u00fcr Juristen mit erstem Staatsexamen explizit ausgeschrieben, zum Beispiel vom Bundestag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00dcbergang vom Ersten Staatsexamen in den juristischen Vorbereitungsdienst ist f\u00fcr viele Absolventen mit erheblichen organisatorischen Herausforderungen verbunden, da die Ausbildungskapazit\u00e4ten in den Bundesl\u00e4ndern durch Haushaltsmittel und personelle Ressourcen begrenzt sind. W\u00e4hrend grunds\u00e4tzlich ein Anspruch auf die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst besteht, wird der Zugang bei Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen \u00fcber differenzierte Auswahlverfahren gesteuert. 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