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  Ausgabe 42/2017
Mittwoch, der 18.10.2017
     

 / Baden-Württemberg / Wahlstation

Erfahrungsbericht: Wahlstation in einer Konzernrechtsabteilung

von

Felix Rauscher hat seine Wahlstation in der Konzernrechtsabteilung der MAHLE GmbH in Stuttgart absolviert und uns einen Bericht hierzu zukommen lassen, den wir natürlich gerne für alle Referendare veröffentlichen, die noch auf der Suche nach einer interessanten Wahlstation sind!

Für eine erfolgreiche Absolvierung des Referendariats ist die gelungene Wahl der Ausbildungsstationen eine nicht zu unterschätzende, essentielle Voraussetzung. Der vorliegende Erfahrungsbericht zeigt, dass der Gang in ein Industrieunternehmen eine mehr als sinnvolle Ergänzung zu den herkömmlichen Stationen in einer Kanzlei oder einer Behörde sein kann.

Die Wahlstation nimmt innerhalb der Stagen des Referendariats einen ganz besonderen Platz ein, ist sie doch die erste und einzige Station, in der man vom ewigen Examens-Vorbereitungs-Druck befreit ist. Kein „Könnte ich bitte nur 3 Minuten am Tag arbeiten?“ oder „Könnte ich zur Examensvorbereitung 10 Monate frei bekommen?“ mehr. Endlich. Die Wahlstation bietet erstmals die Möglichkeit, seine Fähig- und Fertigkeiten in einem Unternehmen, einer Kanzlei oder an anderer Stelle einzubringen, ohne dies zu einer Alibi-Veranstaltung verkommen zu lassen.

Der Beruf des Unternehmensjuristen bleibt während des Studiums und Referendariats meist im Verborgenen. Zu Unrecht, wie ich finde, ist der juristische Arbeitsmarkt in diesem Bereich doch nach dem klassischen Rechtsanwaltsberuf der zweitgrößte. Es gibt weit mehr Unternehmensjuristen als es Verwaltungsjuristen, Richter oder Staatsanwälte gibt. Allein dies ist schon ein gutes Argument dafür, die Wahlstation in einem Unternehmen zu absolvieren. Im Falle der MAHLE GmbH kommt noch ein entscheidender Punkt dazu: Es macht wirklich sehr viel Spaß da.

Die MAHLE GmbH ist ein international agierendes Industrie- und Handelsunternehmen mit Sitz in Stuttgart. Die Branchen, in denen MAHLE tätig ist, sind breit gefächert: In Straßen-, Schienen-, Luftund Wasserfahrzeugen sind MAHLE-Komponenten im Einsatz. Weltweit beinhaltet jedes zweite Kraftfahrzeug mindestens ein MAHLE-Produkt. Der Konzern beschäftigt über 76.000 Mitarbeiter und generiert einen Umsatz von rund 11,5 Milliarden EUR im Jahr.

Am Standort Stuttgart befinden sich die Geschäftsführung und die zentralen Abteilungen, wie die Konzernrechtsabteilung. Diese besteht aus 13 Juristen/Innen. MAHLE hat große Erfahrung mit der Ausbildung von Referendaren, was man von Anfang an zu spüren bekommt – und zwar im positiven Sitz. Am 1. Arbeitstag gibt es eine mehrstündige Einführungsveranstaltung durch die Kollegen der Personalabteilung. Gemeinsam mit anderen „Praktikanten“ erhält man eine Führung über das Firmengelände, Formalien werden geklärt, alle noch offenen Fragen werden beantwortet.

Ebenso offen und herzlich läuft die Begrüßung in der Rechtsabteilung ab. Kurze Vorstellungsrunde, beziehen des eigenen (!) Büros, Login am PC, E-Mail-Account ist schon eingerichtet; alles funktioniert, alles bestens. Man hat bei MAHLE von Anfang an das Gefühl, ein gern gesehener Gast zu sein. Jeder und Jede begegnet einem offen, neugierig und positiv gestimmt. Es herrscht eine super Atmosphäre.

Der Arbeitsalltag – soweit man davon als Referendar sprechen kann – gestaltet sich nicht weniger angenehm. Die Betreuung durch einen erfahrenen Rechtsanwalt läuft wunderbar. Meist bekommt man 3 bis 4 Aufgaben pro Woche, die ausführlich besprochen werden und dann darf man erstmal frei werkeln. Rückfragen sind gerne gesehen. Druck bekommt man überhaupt nicht. Die Arbeit, die man abliefert, wird verwendet. Man arbeitet nix für die Tonne. Schriftsätzliches wird unter eigenem Namen versendet. Haben die Empfänger Rückfragen, wenden sie sich meist direkt an den Referendar. Natürlich geht man mit seinem Betreuer auch auf Meetings, Vorträge etc. Die Station bei MAHLE gehörte bei mir zu den lehrreichsten, die Studium und Referendariat überhaupt zu bieten hatten.

Inhaltlich bildet das Reviewing von Kauf- und Werkverträgen einen Schwerpunkt der Tätigkeit. Als Handelskonzern kauft und verkauft MAHLE Industriegüter in jeder nur erdenklichen Art, Form, Größe, Menge zu den unterschiedlichsten Preisen an und von den unterschiedlichsten Vertragspartnern weltweit. Die entsprechend vielgestaltigen Verträge werden von der Rechtsabteilung gecheckt und abgesegnet (oder eben nicht). Einen weiteren Schwerpunkt bildete das Transport- und Speditionsrecht. Während meiner Zeit bei MAHLE waren sage und schreibe zwei LKWs und ein Schiff nicht im Stande, das Frachtgut unbeschädigt am Zielort abzuliefern. Die erforderliche Schadensregulierung wurde mir in einem Fall selbständig, in zwei Fällen durch Zuarbeit übertragen. Außerdem sind immobilienrechtliche Fragestellungen ebenso an der Tagesordnung wie gesellschaftsrechtliche. Gelegentlich muss man säumige Schuldner zur Zahlung bewegen, weshalb auch insolvenz- und zwangsvollstreckungsrechtliche Hürden zu überwinden sind. Dies ist aber nur ein kleiner Ausschnitt. Es liegt auf der Hand, dass ein Global-Player wie MAHLE das gesamte Wirtschaftsrecht, und auch weite Teile des Öffentlichen Rechts, bearbeitet. Als Referendar kann man freilich nur einen reduzierten Einblick in die verschiedenen Bereiche erhalten. Dennoch war es eine lehrreiche und sehr spannende Zeit.

Zum Schluss noch ein par nicht ganz unwichtige Parameter: Arbeitszeit 35h/Woche, flexibel gestaltbar, Bezahlung ca. 900 EUR/Monat.

Dr. Felix Rauscher

Der Artikel wurde am 9. Januar 2017 von veröffentlicht. Michael ist ein ehemaliger Referendar aus NRW.