Oft hört man die Empfehlung, ein Rep im Referendariat lohne sich eigentlich nur, wenn die AG schlecht sei. Nur wann ist eine AG schlecht? Um einen Vergleich zu ermöglichen, schildere ich mal die Inhalte aus meiner Strafrechts-AG:
– Einführungslehrgang (5 Termine): Anklageschrift, Einstellungsverfügung, Ablauf der Sitzung beim Strafprozess. Es blieb beim Überblick; Unklarheiten wurden erst nach und nach in späteren AG-Terminen beseitigt.
– Theoretische Themen der AG: Einstellung des Verfahrens+Privatklage, Strafrechtsentschädigung, Untersuchungshaft, Durchsuchung + Beschlagnahme, Strafurteil (obwohl eigentlich Thema der Fortgeschrittenen-AG)
– Zu jeder Stunde musste eine Originalexamensklausur vorbereitet werden. Die Lösung wurde dann in der Stunde besprochen (ca. 2 Stunden und damit die Hälfte der AG-Sitzung). Fallbezogen wurden dann einige Probleme (z.B. Beweisverwertung, Rolle des Anwalts) angesprochen. Strukturiert war das nicht besonders. Was angesprochen wurde, hing im Wesentlichen von den Nachfragen der Referendare ab.
– Aktenvortrag: Immer 3 Referendare mussten zum selben Aktenstück Vortrag halten. Dauerte ca. 90 Minuten (20 Minuten lesen, bevor der erste Referent kommt; 3 x 15 Minuten Vortrag und 20 Minuten Präsentation der Lösungsschwerpunkte vom Ausbilder).
– Klausuren: 2 Klausuren aus Sicht der StA (Anklageschrift) waren zu verfassen. Die Themen waren fair (einmal: Straßenverkehrsdelikte, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Zerstörung der Blutprobe) und (andererseits: Brandstiftung, Verwertung einer Zeugenaussage, die durch die Bitte eines Polizisten, die Ehefrau des Täters zu befragen, zustande gekommen ist)
Fazit: Insgesamt war die AG aus meiner Sicht eher durchschnittlich. Literaturempfehlungen gab es selten (Alpmann-Schmidt-Skript bzw. einige ältere JuS-Aufsätze). Der Ausbilder war dennoch motiviert und bei der Benotung wohlwollend. Nachteilig fand ich, dass nach der ersten Woche das Lernpensum stark abgenommen hat. Theoretische Themen wurden kaum behandelt. Es war mehr ein Klausurenkurs, der durch teilweise Ausführungen zu den o.g. Themen ergänzt wurde. Privat habe ich im materiellen Recht mit den Rengier Büchern und im neuen prozessualen Teil mit dem Buch von Chigulla/Ernst (Verfügungstechnik) und Weidemann/Scherf (StPO) vorbereitet. Die Bücher fand ich ganz hilfreich.







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