Promotion nach dem Referendariat
Ich gebe zu, ich hatte nach dem ersten Examen kurz darüber nachgedacht zu promovieren, bin dann aber doch ins Referendariat gestartet. Vielleicht ergibt sich aber ja dann nach dem 2. Examen für mich nochmal die Gelegenheit dazu zu promovieren. Immerhin ertappe ich mich in letzter Zeit desöfteren, dass ich beim Bearbeiten der Akten für meinen Anwalt darüber nachdenke, ob sich nicht das eine oder andere rechtliche Problem der Akte später für eine solche Arbeit eignen könnte (bislang aber leider ohne Erfolg).
In diesem Zusammenhang habe ich vor ein paar Tagen übrigens auch recherchiert, über welches Thema unser neuer Wirtschaftsminister seine Dissertation geschrieben hat. Auf seiner Seite findet sich nur der Hinweis, dass er mit summa cum laude abgeschlossen hat. Laut wikipedia wurde er 2007 an der Universität Bayreuth mit der Dissertation “Verfassung und Verfassungsvertrag: konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU” promoviert.
Ob ich mich dann als Volljurist noch dazu aufraffen kann, wieder an die Uni zu gehen und wissenschaftlich zu arbeiten, oder ob ich nicht doch lieber anfange, Geld zu verdienen, muss sich erst zeigen! Ich bin mir aber ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob nicht die Profs lieber Juristen mit (nur) dem ersten Examen nehmen, weil die noch in dem wissenschaftlichen Arbeiten drin sind, bzw. wie hoch der Anteil an wissenschaftlichen Mitarbeiter mit zwei Staatsexamina ist…

Kommentare zum Artikel:
Wissenschaftliche Mitarbeiter, die auch das zweite Examen haben (mit ordentlicher Note, wenn es geht), sind im allgemeinen gesucht, weil sie wegen des Referendariats mehr Praxisbezug aufweisen, der auch für die Bearbeitung wissenschaftlicher Themen durchaus nicht schädlich ist. Das gilt insbesondere bei stark praxisgeprägten Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Zivilprozessrecht oder Insolvenzrecht. Die Fähigkeit zu wissenschaftlicher Arbeit geht im Referendariat auch noch nicht verloren. Das eigentliche Problem einer Promotion nach dem zweiten Examen besteht eher darin, dass mit Assessorexamen die Tür offen steht zur Berufsausübung und damit zu Geld und Karriere. Leider werden viele Stellen als wiss. Mitarbeiter heute nur noch als halbe Stellen ausgeschrieben. Das dabei zu verdienende Geld steht in keinem Verhältnis zu der verlangten Qualifikation. Vor allem aus diesem Grund überwiegt nach meiner Erfahrung der Anteil wiss. Mitarbeiter nur mit erstem Examen.
Sehr interessante Infos! Das lässt mich hoffen… Und gerade in Bezug auf die Rechtsgebiete (Arbeitsrecht, Insolvenzrecht und insbesondere auch Zivilprozessrecht, wo auch ich zu Studiumszeiten nicht so wirklich Ahnung von hatte) hört sich das wirklich logisch an, eher jemanden zu nehmen, der das Referendariat bereits absolviert hat!
Eine Promotion muss ja auch nicht unbedingt mit einem Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Lehrstuhls verbunden werden. Ich zB stehe gerade am Ende des Referendariates (warte auf die Ergebnisse der Klausuren) und werde ab 01.05. mit einer 40% Stelle in einer Großkanzlei anfangen. Von 40% eines Großkanzlei-Gehaltes lässt es sich ganz ordentlich leben und es bleibt genug Zeit für die Diss (jedenfalls hoffe ich das, die praktische Umsetzbarkeit wird sich eben zeigen müssen).
Ich werde nach meinem jetzt bestandenen 2. Stex noch mal zurück zur Uni gehen und promovieren.
Problematisch finde ich aber, dass an meiner Heimat-Uni zur Zeit nur 1/4-Stellen ausgeschrieben werden. Angesichts der verlangten Qualifikationen und dem was ich zu bieten habe, finde ich alleine schon eine derartige Ausschreibung eine Frechheit.
Eine 1/4-Stelle lässt dann zwar, wenn der Prof einen zeitlich wirklich nicht mehr beansprucht, viel Zeit für das Schreiben der Dissertation. Aber kann man dann von dem Gehalt leben? Da dürfte doch nicht mehr als 500 Euro am Ende des Monats auf dem Konto sein, oder!?
Ja, so 500- 600€, ohne die Fahrtkosten! Und so, wie ich es von der Uni kenne, sind es dann anstatt 10H die Woche (laut Vertrag!!!) mindestens 15H; sorry aber ich bleibe dabei:
diejenigen, die soclhe Stellen ausschreiben, hätten zu ihrer Zeit über solche Angebote selbst nur gelacht.
Ich finds traurig bis dreist!
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