Referendariat in OWL (35) – Noch 6 Wochen
Noch (knapp) 6 Wochen sind es bis zu den 8 Klausuren im November. Außer in Momenten wie diesen versuche ich das Thema Klausuren zu verdrängen und den Kopf zum Lernen frei zu bekommen. Das geht noch ganz gut, weil die formelle Ladung des LJPA noch nicht da ist. Inhaltlich ist zwar klar was drinsteht (Klausurort Bielefeld und die üblichen Weisungen). Aber solange man nicht geladen ist, ist noch alles in weiter Ferne. Momentan ist also der Puls noch ruhig und das Lernen völlig stressfrei… mehr…

Die Arbeitsgemeinschaft im Referendariat besteht im Wesentlichen aus dem Schreiben von ausgemusterten Examensklausuren. Kurz vor dem Ende der AG, die Klausuren liegen im November an!, habe ich bereits 7 Aktenordner voll mit diesen Klausuren. Eigentlich müsste man dann ungefähr erahnen können, was in den Klausuren auf einen zukommen wird. Das ist m.E. aus zwei Gründen jedoch alles andere als sicher, was ich nachfolgend etwas begründen will:
In der zivilrechtlichen Anfänger-AG triezte einen der Ausbilder mit allerlei kostenrechtlichen Problemen, insb. der Baumbach´schen Formel, fiktiven Streitwerten und uneinheitlichen Kostenentscheidungen. Wie selbstverständlich setzte man zur Lösung dieser Fälle seinen Taschenrechner ein. Niemand hatte dagegen etwas einzuwenden.
… dann stehen die Examensklausuren ins Haus. Davon fallen die nächsten 2 Wochen weg, weil ich da noch zum Anwalt muss. Da ich die letzte Woche vor den Klausuren möglichst frei haben will, bleiben 8 Wochen zum Lernen. Die Woche frei hat mir vor der Ersten Prüfung schon ganz gut getan. Körperlich ist man erholt und psychisch hat man den Eindruck, gut vorbereitet zu sein. Im Gegensatz zu alldenjenigen, die noch bis unmittelbar vor den Klausuren lernen und da noch die eine oder andere Panikattacke schieben.
Ein Fachbegriff unter Referendaren ist das “Tauchen”. Damit ist gemeint, im letzten Ausbildungsabschnitt vor den Klausuren möglichst von Stationsarbeit beim Anwalt verschont zu bleiben. Also “Urlaub” zum Lernen. Heute wollte ich mal berichten, wie meine Kollegen und ich das mit dem Tauchen so halten. Es gibt da aus meiner Sicht drei verschiedene Modelle:
Meine Anwaltsstation neigt sich langsam dem Ende zu. Ich bin noch bis Ende August beim Anwalt. Anschließend habe ich noch 2 Monate für die Vorbereitung auf die Klausuren im November. Ich hoffe mal 2 Monate “Tauchen” reicht für eine Wiederholung des Stoffes, ein paar Klausuren und Übersichten zu allen wichtigen praktischen Arbeiten.
Die Klausurenwoche in der F-AG ist um. Folgende (ausgemusterte) Examensklausuren sind gelaufen:
Anfang Juni steht die 2. Klausurenwoche in der F-AG an. Damit ist auch der 2. von 4 Teilen der Fortgeschrittenen AG Geschichte. Im Zwangsvollstreckungsrecht gab es 2 Monate lang Vollstreckungsabwehrklage, Klage auf vorzugsweise Befriedigung, Pfändung von Forderungen. Im Strafrecht hatten wir gefühlt nur wenig Zeit und haben daher nur ein paar Strafurteils-Klausuren besprochen. Im öffentlichen Recht gab es die Verpflichtungs- und die allg. Leistungsklage.
Als Referendar ist man in Anwaltskanzleien eine gern gesehene günstige Arbeitskraft. Ich verdiene in einer mittelständischen Kanzlei 200,00 Euro pro Monat. Die Kanzlei hat mich schon am raus, wenn sie einen Vermerk, für den ich 2 Stunden gebraucht habe, dem Mandanten mit einer Stunde a 200,00 Euro in Rechnung stellen kann. Den Rest meiner Arbeit erbringe ich dann für lau. Für die Kanzlei ein lohnendes Geschäft, zumal ich 4 Tage die Woche in der Kanzlei aufschlage. Trotzdem fühle ich mich nicht unbedingt ausgenutzt.
Passend zum letzten Wochenende kam erfreuliche Post vom LBV aus Düsseldorf:
Auch in der F-AG müssen Referendare weiter fleißig Klausuren schreiben. War ja auch anders nicht zu erwarten. Im Unterschied zu vorherigen Arbeitsgemeinschaften hat man in der F-AG aber 3 Fächer parallel. Das führt dann dazu, dass man in einer Woche je eine Klausur pro Fach und zusätzlich noch eine ganz normale Zivilrechtsklausur schreibt. Die Klausurwoche, die je am Ende eines von 4 Abschnitten der F-AG steht, gestaltet sich folgendermaßen:
Heute will ich mal schreiben, welche Literatur ich mir zur Vorbereitung aufs 2. Staatsexamen gekauft habe.
Nach einem Monat Anwaltsstation muss ich sagen, ich bin von der Anwaltstätigkeit positiv überrascht. Vor dem Referendariat hätte ich nicht gedacht, dass ich das einmal sagen werde. Denn hört man sich mal bei Referendaren oder Jurastudenten um, will nur ein verschwindend geringer Bruchteil Anwalt werden. Dies mag an langen Arbeitszeiten (im Vergleich zum öffentlichen Dienst) und am großen Wettbewerbsdruck zwischen den Anwälten liegen.
Mit 10 Monaten ist die Anwaltsstation in NRW die längste Station. Und wenn man nicht nach
Mit der Anwaltsstation startet auch morgen für mich die AG für Fortgeschrittene durch. Und der Zeitplan hat es in sich. Wenn in den jeweiligen Anfänger-AG´s für manche Themen auf die AG für Fortgeschrittene (F-AG) verwiesen wurde, hatte man doch gewisse Skepsis. Denn es sollte ziemlich viel der F-AG vorbehalten bleiben: Strafurteil, strafrechtliche Revision, Zwangsvollstreckungsrecht, verwaltungsrechtliches Urteil und allerlei Details.