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  Ausgabe 17/2017
Sonntag, der 30.04.2017
     

 / Ausland

Erfahrungsbericht: Verwaltungsstation am Deutschen Generalkonsulat in Osaka

von

clavisto-Talent Dr. Matthias Eiden hat am Japanprogramm für Rechtsreferendare der Robert-Bosch-Stiftung teilgenommen: Sowohl die Verwaltungs- als auch die Wahlstation des Referendariats bieten die Gelegenheit zur Ableistung dreier Monate im Ausland. Besonders beliebt dürften dabei die Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes sein. Gleichsam weniger verbreitet dürfte für deutsche Referendare die Reise nach Japan sein. Dies überrascht, da der japanischen Rechtsordnung starke Übereinstimmungen mit dem deutschen (Zivil-)Recht zugestanden werden; tatsächlich sind in heutiger Zeit der Einfluss und die Ausstrahlung des anglo-amerikanischen Rechtskreises vorherrschend.

Motiviert durch das – mittlerweile eingestellte – Japanprogramm für Rechtsreferendare der Robert-Bosch-Stiftung machte ich mich also im Herbst 2015 auf nach Osaka, die drittgrößte Stadt Japans nach Tokio und Yokohama. Mich erwartete ein vergleichsweise kleines Generalkonsulat mit 5 deutschen Entsandten und 8 japanischen Ortskräften. Die Existenz des Generalkonsulats ist der enormen Wirtschaftskraft des Kansai-Ballungsraums, in dem sich u.a. die Städte Osaka, Kyoto und Kobe und damit rd. 18 Mio. Einwohner befinden, geschuldet.

Vermutlich die größten Herausforderungen stellten für mich neben dem Erlernen der japanischen Sprache – die Arbeitssprache am Konsulat ist glücklicherweise Deutsch – die Anpassung an die generellen kulturellen und sozialen Unterschiede dar. So darf z.B. die Visitenkarte nur auf eine bestimmte Weise übergeben werden; auch hat sich der Rangniedrigere bei der Begrüßung tiefer zu verbeugen als der Ranghöhere: jung vor alt, Angestellter vor Chef und nach in Japan „teilweise vertretener Auffassung“ sogar Frau vor Mann …; viele weitere Beispiele könnten folgen.

Zu den einem Referendar anvertrauten Aufgaben an einer Auslandsvertretung gehört traditionell die Beantwortung allgemeiner Bürgeranfragen. Hier bleiben mir insb. die Sorgen solcher gestrandeten Deutschen in Erinnerung, die sich wunderten, wieso sie an Geldautomaten außerhalb des Euro-Raums kein Geld mit eurocheque-Karten abheben können. Mit etwas mehr Ernsthaftigkeit jedoch wird das Rechts- und Konsularwesen betreut. Teil desselben sind insb. routinemäßige Besuche deutscher Häftlinge in Japan. Der mit Abstand größten Gruppe deutscher Häftlinge wird vorgeworfen, Drogen illegal ins Land verbracht zu haben. Der Einwand, diese seien ihnen untergeschoben worden, ist dabei regelmäßig zum Scheitern verurteilt. Vor dem Hintergrund exorbitanter Straferwartung – ein 65-jähriger „fahrlässiger“ Ersttäter-Rentner mit 2 kg Crystal Meth wurde zu 9 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – und unangenehmer Haftbedingungen ist diese Problematik regelmäßig Gegenstand diplomatischen Austauschs.

In Erinnerung geblieben sind mir ferner Besonderheiten des japanischen Strafermittlungverfahrens: Einreisende, bei denen Spürhunde Drogen entdecken, arretiert die Polizei in den ersten Tagen z.B. regelmäßig in Flughafen-Gefängnissen, ohne ihnen Zugang zu einem Verteidiger zu gewähren. Diese Tage enden mit einer Geständnisquote von etwa 95 %, der eine ähnlich hohe Anklage- und Verurteilungsquote folgt. Eine Überprüfung dieses Arrests durch einen Richter ist während der ersten ca. 6 Wochen nicht vorgesehen; unter Umständen kann diese Zeitspanne sogar durch die Staatsanwaltschaft/Polizei verlängert werden. Diesen durchaus erstaunlichen Beobachtungen für ein technisch so weit entwickeltes Land liegt u.a. die generalpräventive Erwägung zugrunde, die äußerst geringe Btm-Quote in Japan auf konstant kleinem Niveau zu belassen.

Einen größeren Anteil meiner Station nahmen jedoch die Reisevorbereitung und die Reisezeiten selbst ein. Dank dem „Japan Rail-Pass“ darf man für geringes Geld mit dem Zug flat-rate durch das Land ziehen. Hier gibt es zu viel zu entdecken, als dass dies in drei Monaten möglich oder gar auf 2 Seiten darzustellen wäre. Als Highlights zu nennen sind sicherlich die alte Kaiserstadt Kyoto, die glücklicherweise nicht weit von Osaka liegt, die „Insel der Götter“ Kyushu, in der sich Vulkane, Wasserfälle, heiße Badequellen und Strände die Hand reichen sowie ein verlängertes Wochenende auf der Nordinsel Hokkaido, die zu fang-frischem Sushi und Wanderungen durch faszinierend-weite Landschaften einlud. Auch das Probieren verschiedenster japanischer Whiskeysorten kann einen tatsächlich auf den Geschmack bringen …

Dank der bemerkenswerten Freundlichkeit der Japaner ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Nicht erlernte Sprachkenntnisse verzieh man mir; Sehenswürdigkeiten, die sich nicht einmal aus dem Lonely Planet ergaben, wurden mir gezeigt. Exotisches, aber leckeres Essen, das man erst als unappetitlich qualifizieren darf, nachdem man es getestet hat, tat sein Übriges dazu.

Die Zeit in einer derart fremden Kultur kann man – so glaube ich – gar nicht überstehen, ohne zu profitieren und sich (hoffentlich) weiterzuentwickeln. Den Faktor „Spaß“ hat man ohnehin selbst in der Hand.

Dieser Artikel erschien erstmals am 21.02.2017 als Blogbeitrag auf clavisto. clavisto ist das Talentprogramm für exzellente Nachwuchsjuristen (m/w) und vernetzt Dich mit Top-Kanzleien. Du erhältst attraktive Förderleistungen und profitierst von einem starken Karriere-Netzwerk Jetzt clavisto-Talent werden: www.clavisto.de