Sollte man so vor Gericht auftreten?!
Ich war vergangene Woche mit meinem Rechtsanwalt bei einer Verhandlung vor einem Amtsgericht. Der Rechtsanwalt der Gegenseite hatte sich offenbar mit dem Fall als solchem und der Rechtsprechung zu zwei entscheidungserheblichen Fragen überhaupt nicht beschäftigt. Peinlich genug für ihn, da die Partei dabei war.
Allerdings ist mein Ausbildungs-RA etwas “in Rage geraten” und hat dem gegnerischen Anwalt zwei, drei Mal deutlich zu verstehen gegeben, dass er von der Sache ja wohl überhaupt keine Ahnung hat. Die Wortwahl und der Tonfall waren dementsprechend. Großartig wehren konnte sich unser Gegner nicht, da er ja wirklich unvorbereitet in die Verhandlung gegangen ist.
Dennoch war mir das Auftreten meines Anwalts, der das ein oder andere Mal auch noch vom Richter gebremst werden musste, etwas zu heftig. Auf der einen Seite kann ich ihn verstehen, wenn man sich selbst auf eine Verhandlung vorbereitet, inhaltlich aber nicht wirklich voran kommt, weil der gegnerische Anwalt keine Ahnung hat. Auf der anderen Seite war klar, dass unsere Partei den Rechtsstreit gewinnen wird, da hätte er vielleicht nicht so emotional reagieren müssen.
Auf jeden Fall war er “so gut in Fahrt”, dass ich ihn nach der Verhandlung darauf mal lieber nicht angesprochen habe. Vielleicht hole ich das aber mal bei Gelegenheit nach…



Kommentare zum Artikel:
Für ein solches Verhalten gibt es mehrere Erklärungen. Entweder hatte Ihr Ausbilder hatte/hat
- einen rabenschwarzen Tag
- noch eine Rechnung mit dem Kollegen offen
- generell wenig Fingerspitzengefühl
- einen zu kurzen … Mantel
Berichten Sie mal gelegentlich wie er sich Ihnen gegenüber geäussert hat.
Ich tippe auf Antwortmöglichkeit Nr. 1, werde aber dann mal hier berichten, woran es seiner Ansicht nach lag (wenn ich denn eine passende Gelegenheit zur Nachfrage gefunden habe)!
also bisher scheint alles ganz normal verlaufen zu sein.
Solche Vorkommnisse sind eigentlich üblich.
Ich frage mich nur, ob hier beide Seiten taktisch agiert haben. Ob jemand wirklich unvorbereitet ist bzw. von einer Sache “noch nie was gehört” hat, oder ob er es nur behauptet, lässt sich schwer feststellen.
Denn der Gegner muss seinem Mandanten später erklären können, dass der Prozess “erforderlich” war (und vor allem Aussicht auf Erfolg hatte). Nur so kann er Kosten fordern. Sich naiv stellen ist da leider eine Taktik. Etwas ähnliches habe ich vor dem Finanzgericht erlebt.
Ich habe heute mal meinen Anwalt auf den Auftritt vor Gericht angesprochen: Er hat eingeräumt, dass er da sehr energisch aufgetreten ist, fand das aber (im Hinblick auf den unvorbereiteten Kollegen – im heutigen Gespräch hat er sich wieder etwas in Rage geredet) jetzt auch nicht unpassend.
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