Während ich zu Beginn meiner Anwaltsstation primär im Rahmen von Firmeninsolvenzen eingesetzt wurde, hatte ich nun Gelegenheit auch bei einigen Privatinsolvenzen “dabei” zu sein. Diesbezüglich sind meine Gefühle gemischt. Auf der einen Seite betreuen wir diverse Verfahren, bei denen die Schuldner einfach Pech gehabt haben. Das kann beispielsweise der selbständige Handwerker sein, der auf einmal einen Bandscheibenvorfall erleidet und schlecht versichert ist, oder der in Anspruch genommene Bürge, der sich bei der Unterschrift für einen Anderen zu bürgen einfach nicht viel dabei gedacht hat. In solchen Fällen kann man durchaus Mitleid haben.

Anders sieht es jedoch bei ca. 75 Prozent der Verfahren aus, bei denen man sich teilweise nur an den Kopf fassen kann. Wie dort teilweise Geld verprasst wird, was man einfach nicht hat, ist unbegreifbar. So nimmt sich eine Einzelperson  mit 900 Euro Nettoeinkommen beispielsweise eine Mietwohnung, die schon kalt 500 Euro kostet – und zwar in einer Kleinstadt und nicht in München. Zum guten Ton gehören auch mindestens zwei laufende Handyverträge, wobei sich mit Sicherheit auch eine Monatsrechnung im vierstelligen Bereich findet. Und natürlich der zweiwöchige All-Inclusive Urlaub auf Mallorca, den man noch kurz vor dem Eigenantrag auf Pump verbracht hat. In solchen Fällen hält sich mein Mitleid dann jedenfalls in Grenzen.