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Thüringen

 

Landeshauptstadt: Erfurt

Einwohnerzahl: ungefähr 2,3 Mio.

Neueinstellungen pro Jahr: ca. 100 Referendare

Grundsätzliches zum Auswahlverfahren

Wie in Thüringen die vorhandenen Referendarsstellen auf die Bewerber verteilt werden, steht in der Kapazitätsverordnung des Landes. Danach werden die Stellen

  • zu 40 % nach Leistung,
  • bis zu 10 % an Härtefälle und
  • die übrigen Plätze nach Wartezeit vergeben. 

Leistung

Die „Leistung“ eines Bewerbers entspricht dem Punktwert, den der Bewerber in der ersten juristischen Staatsprüfung erreicht hat. Bei identischem Punktwert zweier Bewerber entscheidet die Wartezeit. Ist auch diese identisch wird der Bewerber mit dem höheren Lebensalter bevorzugt.

Besondere Härtefälle

Grundsätzlich sind die Umstände des Einzelfalls entscheidend, ob ein Härtefall gegeben ist oder nicht. Nach § 8 der oben genannten Verordnung liegt ein Härtefall aber insbesondere dann vor, wenn 

  • der Bewerber schwerbehindert ist oder
  • der Bewerber gegenüber minderjährigen oder erwerblosen Personen unterhaltspflichtig ist.

Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte

In Thüringen werden 2 Mal im Jahr Referendare in den Vorbereitungsdienst eingestellt, und zwar jeweils zum ersten Werktag in den Monaten Mai und November eines Jahres. Eingestellt werden die Referendare in den Landgerichtsbezirken Erfurt, Gera, Meiningen und Mühlhausen.

Zusatz (B) bei Fotos: © by Borgelt & Partner Rechtsanwälte

Wartezeit

Wir haben keine Infos darüber gefunden, ob momentan Wartezeiten bestehen oder nicht. Es soll in der Vergangenheit so gewesen sein, dass alle Bewerber eingestellt werden konnten. Diejenigen, die in Thüringen ihr Referendariat absolvieren möchten, sollten sich aber dies auf jeden Fall nochmals telefonisch von der Referendarabteilung bestätigen lassen.

Bewerbung und Bewerbungsverfahren

Der Zulassungsantrag ist beim Thüringischen Justizministerium einzureichen. Die Anschrift lautet:

Thüringisches Justizministerium
- Referat J 3 -
Werner-Seelenbinder-Straße 5
99096 Erfurt

Bewerbungsunterlagen

Der Zulassungsantrag ist zweifach einzureichen. Daneben sind der Bewerbung folgende Unterlagen beizufügen:

  • zwei beglaubigte Ablichtungen über das Bestehen der ersten juristischen Staatsprüfung; diese können auch nachgereicht werden, sofern sie bis zum Ende der Bewerbungsfrist (siehe unten) noch nicht vorliegen.
  • ein eigenhändig geschriebener und unterschriebener Lebenslauf laut Muster + eine weitere Kopie dieses Lebenslaufs
  • zwei Lichtbilder, wobei der Name auf der Rückseite zu vermerken ist
  • ein Fragebogen
  • beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde sowie ggf. weiterer Personenstandsurkunden (zweifach)
  • die persönliche Erklärung gesund zu sein
  • ggf. eine beglaubigte Kopie der Dienstzeitbescheinigung über abgeleisteten Wehr- oder Zivildienst
  • schließlich ist ein Führungszeugnis (Belegart „O“) zu beantragen und die Beantragung nachzuweisen

Für Bewerbungen gilt eine Bewerbungsfrist von 3 Monaten vor dem gewünschten Einstellungstermin. Bis dahin müssen grundsätzlich die Bewerbungsunterlagen vollständig eingegangen, um berücksichtigt werden zu können. Das Zeugnis über die erste Prüfung (Gesamtzeugnis) kann aber anbweichend davon bis zum 28./29. Februar (bei Antrag auf Einstellung zum 01. Mai) bzw. bis zum 31. August (bei Antrag auf Einstellung zum 01. November) nachgereicht werden.

Das weitere Verfahren

Allen Bewerbern, die nach den oben genannten Kriterien eingestellt werden können, wird ca. 6 Wochen vor dem Einstellungstermin ein konkretes Angebot unterbreitet. Die Bewerber müssen dann innerhalb von 10 Tagen erklären, ob sie den Referendarplatz annehmen möchten oder nicht. Wird ein Referendarplatz nicht angenommen, so wird diese frei gewordene Referendarstelle im Nachrückverfahren dem nächsten Bewerber angeboten.

Berücksichtigung von Ortswünschen

Auch in Thüringen kann bzw. soll man in dem Zulassungsantrag mehrere Ortswünsche angeben. Ob ein solcher Ortswunsch schließlich berücksichtigt werden kann oder nicht, kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Da aber wohl die meisten Bewerber nach Gera oder Erfurt möchten, wird der Wunsch nach Meiningen oder Mühlhausen zu kommen, in aller Regel berücksichtigt werden können.

Unterhaltsbeihilfe

Das Land Thüringen ist das einzige Bundesland in Deutschland, welches die Referendare grundsätzlich noch als „Beamte auf Widerruf“ ernennt.

Die Bezüge der Referendare belaufen sich in Thüringen auf zurzeit 1244,42 € pro Monat. Gerade weil in Thüringen die Referendare noch Beamte sind und daher keine Abgaben an die Arbeitslosenversicherung anfallen, ist der Nettobetrag, der an die Referendare ausbezahlt wird, höher als in den anderen Ländern. Zudem wird in Thüringen bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen gegebenenfalls ein Familienzuschlag gezahlt. Urlaubsgeld gibt es dagegen auch hier nicht mehr.

Ablauf und Inhalt des Referendariats

Das Referendariat läuft in Thüringen folgendermaßen ab:

1.-5. Monat: Zivilrechtsstation    

Einführungslehrgang (10 Tage); danach regelmäßig Arbeitsgemeinschaft und Zuweisung und Ausbildung bei einem ordentlichen Gericht in Zivilsachen

6.-9. Monat: Verwaltungsstation

Einführungslehrgang (10 Tage); danach Arbeitsgemeinschaft sowie Ausbildung bei einer Kommunalverwaltung (Stadt, Kreis) oder einer anderen Behörde.

10.-12. Monat: Strafrechtsstation     

Einführungslehrgang (5 Tage); wöchentlich AG und Zuweisung und Ausbildung bei einem Staatsanwalt oder einem Strafgericht

13. – 21. Monat: Anwaltsstation  

Einführungslehrgang (5 Tage); begleitende AG; Ausbildung bei einem Anwalt, den man sich selbst sucht

im 20. Monat: schriftliches Examen

8 Klausuren; ausführliche Informationen dazu gibt es weiter unten

22.-24. Monat: Wahlstation

in einem der folgenden Bereiche: Justiz; Verwaltung; Anwaltschaft; Wirtschafts- und Finanzwesen; Arbeits- und Sozialrecht; Internationales Recht und Recht der EU; mögliche Stellen in den einzelnen Bereichen sind in Übersichten zusammengefasst

Das zweite Staatsexamen in Thüringen

In Thüringen schreibt man im schriftlichen Examen 8 Klausuren (3 Zivilrechts-, 2 Strafrechts-, 2 Ö-Rechts-Klausuren sowie 1 Klausuren aus einem der genannten Gebiete, wobei dies mit der Ladung bekannt gegeben wird). Geschrieben werden die Klausuren jeweils während des 19. oder 20. Ausbildungsmonats und zwar innerhalb von 2 Wochen. Inhaltlich sind in der Regel Urteile oder andere gerichtliche Entscheidungen anzufertigen oder aber aus anwaltlicher Sicht Sachverhalte zu begutachten und den Mandanten daraufhin zu beraten. 

Im schriftlichen Examen sind unter anderem folgende 6 Kommentare zugelassen: Palandt, Thomas/Putzo, Fischer, Meyer-Goßner, Kopp/Schenke und Kopp/Ramsauer. Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Thüringen findest Du hier

Nach der Wahlstation folgt dann die abschließende mündliche Prüfung. Die Prüfung besteht aus einem Aktenvortrag (90 Minuten Vorbereitungszeit) und einem Prüfungsgespräch, welches alle Fächer umfasst und vergleichbar mit der mündlichen Prüfung im ersten Examen ist.

Statistik zum zweiten Examen

Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Thüringen ergibt sich folgendes Bild:

dyerware


Was an der Statistik im Jahre 2008 in Thüringen auffällig ist, braucht in Anbetracht der Grafik eigentlich nicht weiter erläutert zu werden. Ein Anstieg der Durchfallquote von 12,25 % auf über 23 % ist schon außergewöhnlich. 2009 sank die Quote dann aber wieder auf Normal-Niveau. Seit 2009 liegen sowohl Durchfallquote als auch Anzahl an Prädikatsexamina unter dem Bundesdurchschnitt.

Notenverbesserung

Auch in Thüringen gibt es „gegen Kostenerstattung“ einen Notenverbesserungsversuch. Die Gebühr beträgt grundsätzlich 500 Euro. Tritt der Kandidat nach Anmeldung zur Verbesserung, aber noch vor Beginn der Klausuren zurück, erhält er 450 Euro zurück. Verzichtet er nach Bekanntgabe des schriftlichen Ergebnisses auf die mündliche Prüfung, bekommt er immerhin 100 Euro zurückbezahlt.