Welt für Rechtsreferendare Forum für Rechtsreferendare Stationsangebote, Nebenjobs und Veranstaltungen für Rechtsreferendare RefNews Blog mit Neuigkeiten für Rechtsreferendare
Skripte, Kommentare und Vorauflagen für Rechtsreferendare Protokolle, Aktenvorträge und Rechtsprechung für Rechtsreferendare Examenskommentare für das 2. Staatsexamen mieten

KOMMENTARE MIETEN STATT KAUFEN

Kommentare mieten Vorauflagen & Co. ReferendariatNews Ref-Infoseiten Surftipps
Schleswig-Holstein

 

Landeshauptstadt: Kiel

Einwohnerzahl: ungefähr 2,8 Mio.

Neueinstellungen pro Jahr: ca. 360 Referendare

Grundsätzliches zum Auswahlverfahren

In Schleswig-Holstein erfolgt die Auswahl der Referendare, die zu einem Termin eingestellt werden, nach unterschiedlichen Kriterien. Die zur Verfügung stehenden Stellen werden 

  • zu 70 % nach der Wartezeit der Bewerber,
  • zu 20 % nach Leistung (Ergebnis im 1. Staatsexamen) und
  • zu 10 % an Bewerber wegen eines besonderen Härtefalls vergeben. 

Warteliste

Diejenigen, die nicht aufgrund ihres Ergebnisses des ersten Staatsexamens sofort in den Referendardienst eingestellt werden können, erhalten Wartepunkte. Bei der Wartezeit wird wie auch in anderen Bundesländern das Ableisten von Wehr- oder Zivildienst bzw. eines freiwilligen sozialen Jahres berücksichtigt.

Ganz wichtig ist aber folgende Einschränkung: Wartepunkte erhält nur der Bewerber, der sich uneingeschränkt bewirbt, also in der Bewerbung keine Bedingung angibt, was Einstellungstermin oder Einstellungsort angeht.

Bei gleicher Wartezeit entscheidet die Leistung im ersten Staatsexamens; ist auch diese identisch, entscheidet das Los.

Leistungsliste

Bei der Leistung entscheidet – wie oben bereits genannt – das Ergebnis der Bewerber in der ersten juristischen Staatsprüfung. Ist dies bei zwei Bewerbern identisch, entscheidet die höhere Wartezeit. Ist diese ebenfalls gleich, entscheidet das Los.

Besondere Härtefälle

Welche Fälle als „Fälle besonderer Härte“ angesehen werden, wird auch in der Kapazitätsverordnung Schleswig-Holsteins grundsätzlich nur generalklauselartig definiert. Härtefälle können aber insbesondere sein: 

  • die nachgewiesene Schwerbehinderung
  • die Unterhaltsverpflichtung gegenüber einer minderjährigen oder erwerbslosen Person

Ein besonderer Härtefall muss dargelegt und nachgewiesen werden.

Einstellungstermine & Ausbildungsgerichte

In Schleswig-Holstein werden alle zwei Monate Referendare in den Vorbereitungsdienst eingestellt. Ausbildungsgerichte sind die Landgerichte Flensburg, Itzehoe, Kiel und Lübeck.

Zusatz (B) bei Fotos: © by Borgelt & Partner Rechtsanwälte

Zu welchem Monat an den Landgerichten Einstellungen erfolgen, ergibt sich aus der folgenden Tabelle. In Klammern ist die Anzahl an Referendarsplätze angegeben, die in dem jeweiligen Monat maximal besetzt wird:

FlensburgItzehoeKielLübeck
Januar
FebruarX (23)X (47)
März
AprilX (22)X (39)
Mai
JuniX (23)X (47)
Juli
AugustX (22)X (39)
September
OktoberX (23)X (47)
November
DezemberX (22)X (39)

Wartezeit

Diejenigen, die ein gutes Ergebnis im ersten Staatsexamen erreicht haben, können über die Leistungsliste direkt eingestellt werden und müssen keine Wartezeit in Kauf nehmen. In der Vergangenheit waren dafür ca. 8,8 – 10,6 Punkte im ersten Staatsexamen notwendig.

Trotz dieser Punktegrenze der Leistungsliste konnten in der Vergangenheit allen Bewerbern ein Referendarplatz angeboten werden. Eine Wartezeit besteht derzeit also nicht.

Bewerbung und Bewerbungsverfahren

Zuständige Behörde für Auswahl und Einstellung der Referendare ist in Schleswig-Holstein die Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen OLG. Die Anschrift lautet:

Schleswig-Holsteinisches OLG
Gottorfstraße 2
24837 Schleswig

Bewerbungsunterlagen

Bei einer Bewerbung um die Einstellung in den Referendardienst sind folgende Unterlagen einzureichen (Vordrucke stehen auf der Internetseite Schleswig-Holsteins bereit):

  • ein Einstellungsantrag samt Anlagen gemäß Vordruck
  • aktueller Lebenslauf
  • zwei ausgefüllte Personalbögen
  • eine beglaubigte Kopie über das Bestehen der ersten juristischen Staatsprüfung bzw. bei Bewerbern, die das erste Examen bereits in Schleswig-Holstein gemacht haben, nur die Prüfungskennzahl
  • eine Kopie der Geburtsurkunde sowie ggf. weitere Personenstandsurkunden
  • eine Kopie der Wehr- oder Zivildienstbescheinigung
  • eine amtliche Meldebestätigung
  • eine Erklärung zum Gesundheitszustand gemäß Vordruck
  • Erklärung über Straf- und Disziplinarverfahren
  • Erklärung zu anderweitigem Vorbereitungsdienst außerhalb Schleswig-Holsteins
  • Erklärung nach dem Betreuungsgesetz BtG
  • schließlich ist ein Führungszeugnis (Belegart „O“) neueren Datums an das OLG schicken zu lassen

Als Bewerbungsfrist ist zu beachten, dass nur die Bewerbungen für einen Termin berücksichtigt werden, die mindestens 2 Monate vor dem Einstellungstermin vollständig eingegangen sind. Das OLG weist jedoch darauf hin, dass derzeit wegen geringer Bewerberzahlen über das Nachrückverfahren auch solche Bewerbungen berücksichtigt werden können, die erst zum 15. des Folgemonats nach Ablauf der eigentlichen Frist vollständig vorliegen.

Das weitere Verfahren

Die Referendarabteilung weist ausdrücklich darauf hin, dass man grundsätzlich erst dann etwas von der Behörde hört, wenn man zu einem Termin eingestellt werden kann. Es gibt also keine Eingangsbestätigung, keine Information, falls noch Unterlagen für die Bewerbung fehlen und kein Schreiben, falls man bei einem Termin nicht eingestellt werden kann. Telefonische Nachfragen sind aber natürlich möglich.

Nicht angenommene Plätze werden kurzfristig im Nachrückverfahren an die Bewerber verteilt, die als nächstes auf der Leistungs- bzw. Warteliste stehen.

Berücksichtigung von Ortswünschen

Ortswünsche können zwar geäußert werden. Aussagen darüber, ob bzw. unter welchen Umständen ein Ortswunsch berücksichtigt wird, kann man wie immer nicht treffen. Dies hängt davon ab, wie viele Wünsche für einen bestimmten Ort von allen Bewerbern abgegeben wurden bzw. welche Gründe man selbst und die anderen für einen bestimmten Ort genannt hat.

Unterhaltsbeihilfe

Seit Februar 2002 erfolgt auch in Schleswig-Holstein die Einstellung der Referendare in ein „öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis“.

Die Unterhaltsbeihilfe für die Referendare beträgt seit 2013 monatlich 1073,13 € brutto. Die Netto-Vergütung ist je nach Steuerklasse und nach Höhe des Krankenkassenbeitrages von Referendar zu Referendar unterschiedlich. Man muss aber mit ca. 110 € an Abgaben an die gesetzlichen Versicherungen rechnen. Zusätzlich zur Unterhaltsbeihilfe erhalten Referendare spätestens ab dem 01.01.2014 einen Familienzuschlag. Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie vermögenswirksame Leistungen werden in Schleswig-Holstein nicht gezahlt.

Ablauf und Inhalt des Referendariats

Das Referendariat läuft in Schleswig-Holstein nach § 32 der JAVO folgendermaßen ab:

3,5 Monate: Strafrechtsstation   

Einführungslehrgang; wöchentliche AG sowie Zuweisung und Ausbildung bei einem Staatsanwalt, einem Strafrichter

4,5 Monate: Zivilrechtsstation    

3-wöchiger Einführungslehrgang; dann wöchentliche AG und Zuweisung und Ausbildung bei einem ordentlichen Gericht in Zivilsachen

4 Monate: Verwaltungsstation

wöchentliche AG und Ausbildung bei einer Kommunalverwaltung (Stadt, Kreis) oder einer anderen Behörde; möglich ist es auch, sich beim Verwaltungs- oder Finanzgericht ausbilden zu lassen; auch ist es möglich, sich an die Verwaltungshochschule in Speyer zuweisen zu lassen

9 Monate: Anwaltsstation           

3-wöchiger Einführungslehrgang; wöchentliche AG sowie Ausbildung bei einem Anwalt, den man sich selbst sucht; bis zu 3 Monate kann man auch bei einem Notar, einem Verband oder in der Rechtsabteilung eines Unternehmens verbringen

im 21. Monat: schriftliches Examen

8 Klausuren; ausführliche Informationen dazu gibt es weiter unten

22.-24. Monat: Wahlstation

in einem Schwerpunktbereich (Zivilrechtspflege; Strafrechtspflege; Familienrecht; Staat und Verwaltung; Wirtschaft und Steuern; Arbeit und Soziales)

anschließend: mündliche Prüfung

Prüfungsgespräch sowie Aktenvortrag

Ein Tausch der Stationen ist in Schleswig-Holstein – anders als in den meisten anderen Bundesländern – nicht möglich.

Das zweite Staatsexamen in Schleswig-Holstein

Im schriftlichen Examen in Schleswig-Holstein schreibt man 8 Klausuren (4 Zivilrechts-, 2 Strafrechts- und 2 Ö-Rechts-Klausuren). Geschrieben werden die Klausuren am Ende der Anwaltsstation (21. Ausbildungsmonat). Inhaltlich sind in der Regel Urteile oder andere gerichtliche Entscheidungen anzufertigen oder aber aus anwaltlicher Sicht Sachverhalte zu begutachten und den Mandanten daraufhin zu beraten. 

Im schriftlichen Examen zugelassen sind 6 Kommentare (Palandt, Thomas/Putzo, Fischer, Meyer-Goßner, Kopp/Schenke und Kopp/Ramsauer). Da man auf jeden Fall die neueste Auflage der Kommentare im Examen zur Verfügung haben sollte und die Bücher sehr teuer sind, vermieten wir diese Kommentare an Rechtsreferendare. Unser Angebot für Referendare aus Schleswig-Holstein findest Du hier

Nach der Wahlstation kommt dann noch die abschließende mündliche Prüfung. Inhaltlich besteht die mündliche Prüfung aus einem Aktenvortrag, der inhaltlich aus dem vom Kandidaten in der Wahlstation gewählten Schwerpunktbereich stammt und auf dem man sich am Tag der mündlichen Prüfung in einem separaten Raum vorbereitet, und einem Prüfungsgespräch.

Statistik zum zweiten Examen

Für Juristen, die sich überlegen, in welchem Bundesland sie das Referendariat ableisten wollen, ist es sicherlich auch wichtig, einen Blick auf die Examensstatistiken zu werfen, insbesondere wie hoch die Durchfallquote und der Anteil an Prädikatsexamina ist. Für Schleswig-Holstein ergibt sich folgendes Bild:

dyerware


Die Grafik der letzten 10 Jahre zeigt: Die Prädikatsquote sank von einem hohen Niveau deutlich unter den Bundesdurchschnitt, während die Durchfallquote von einem niedrigen Niveau (ca. 11 %) in den letzten Jahren äußerst stark anstieg (nun ca. 29 %).

Notenverbesserung

Auch in Schleswig-Holstein gibt es seit Ende 2007 einen Verbesserungsversuch.

Die Einzelheiten ergeben sich aus dem Änderungsgesetz, aus der dazu gehörenden Gebührenordnung und aus einem Merkblatt des Gemeinsamen Prüfungsamtes für die Länder Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Danach gilt:

  • Der Verbesserungsversuch ist schriftlich beim Gemeinsamen Prüfungsamt zu beantragen.
  • Der Antrag hat spätestens 4 Monate nach Ablegen der mündlichen Prüfung des Erstversuchs zu erfolgen.
  • Die Prüfung ist vollständig zu wiederholen, Leistungen aus dem Erstversuch können nicht angerechnet werden.
  • Der Kandidat wird regelmäßig zum nächstmöglichen Termin nach Antragsstellung geladen. Es gelten dabei folgende Vorlauffristen:

Antragsstellung bis zum 15.02: Klausuren für den Verbesserungsversuch im April

Antragsstellung bis zum 15.04: Klausuren für den Verbesserungsversuch im Juni

Antragsstellung bis zum 15.06: Klausuren für den Verbesserungsversuch im August

Antragsstellung bis zum 15.08: Klausuren für den Verbesserungsversuch im Oktober

Antragsstellung bis zum 15.10: Klausuren für den Verbesserungsversuch im Dezember

Antragsstellung bis zum 15.12: Klausuren für den Verbesserungsversuch im Februar

  • Ein Wechsel des im Erstversuch gewählten Schwerpuntbereichs ist nicht möglich.
  • Es wird eine Prüfungsgebühr in Höhe von grundsätzlich 600 Euro erhoben. Diese Gebühr ermäßigt sich auf 300 Euro, wenn man wegen Nichtteilnahme an den Klausuren nicht besteht oder auf die Fortsetzung des Verbesserungsversuchs innerhalb von 1 Woche nach den Klausuren verzichtet. Verzichtet man auf eine Fortführung des Versuchs innerhalb von 1 Woche nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Klausuren oder ist man nach der Bewertung der Klausuren durchgefallen, ermäßigt sich die Gebühr wenigstens um 100 Euro auf dann 500 Euro.