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DAV-Master
Der DAV-Master

 

Start des LL.M.-Programms: 2009

Abschluss: LL.M. Anwaltsrecht und Anwaltspraxis

Kosten: 2.990,00 Euro

Vorab

Die Statistiken zeigen, dass später mehr als 75 % aller Volljuristen als Rechtsanwälte arbeiten werden. Die Justizministerkonferenz hat zwar auf diese Entwicklung reagiert: War der Vorbereitungsdienst ursprünglich auf die juristischen Staatsdiener wie Richter und Staatsanwälte zugeschnitten, entschloss man sich im Jahre 2003 endlich dazu, der Praxis Rechnung zu tragen und der Ausbildung beim Anwalt ein höheres Gewicht beizumessen. Nunmehr beträgt die Rechtsanwaltsstation in den Bundesländern regelmäßig 9 Monate und ist damit die längste der vier Pflichtstationen.

Trotz dieser Reform reicht aber die Rechtsanwaltsstation bei weitem nicht aus, auf den Anwaltsberuf vorbereitet zu werden. Das liegt zum einen daran, dass die Station beim Anwalt die letzte Station vor dem schriftlichen Examen ist und die Referendare zumindest einen Teil der Station zum „Tauchen“ nutzen. Zum anderen beschränkt sich die Ausbildung in vielen Kanzleien auf das Abarbeiten von Akten. Das mag der Kanzlei eine billige Arbeitskraft bescheren. Über für die Praxis wichtige Themen wie Kanzleiorganisation und -marketing bzw. Gebühren– und Kostenrecht lernen die Referendare dagegen meist nichts.

Bedenkt man schließlich, dass immer mehr Juristen auf den Anwaltsmarkt drängen und daher eine Spezialisierung der entscheidende Faktor dafür sein kann, einen guten Einstieg als Rechtsanwalt zu finden, ist es Zeit, den für Rechtsreferendare besonders interessanten Studiengang LL.M „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ des Deutschen Anwaltvereins näher vorzustellen!

Allgemeine Infos zum Masterstudiengang „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“

Der Deutsche Anwaltverein hat sich zum Ziel gesetzt, die staatliche Juristenausbildung um eine auf die Anwaltschaft zugeschnittene Ausbildung zu ergänzen. Dazu wurde der Master-Studiengang „Anwaltsrecht und Anwaltpraxis“ entwickelt. Zwar besteht auch der Vorbereitungsdienst aus einer in der Regel 9-monatigen Rechtsanwaltsstation. Der Deutsche Anwaltverein möchte aber die Schwächen dieser Station („Tauchen“; unterschiedliche Qualität der Ausbildungskanzleien; mangelnde Vermittlung sämtlicher, eigentlich vorgesehener Ausbildungsinhalte) durch den DAV-LL.M. beheben. Ziel ist es daher, den Teilnehmern vertiefte Kenntnisse in anwaltlichen, rechtlichen und unternehmerischen Fragestellungen zu vermitteln.

Der Inhalt und Aufbau des Master Studiengangs im Überblick

Der LL.M „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ wird in Kooperation mit der Fernuniversität Hagen angeboten und durchgeführt. Dank der Infrastruktur der Fernuni ist anders als bei vielen anderen LL.M.-Studiengängen grundsätzlich keine persönliche Anwesenheit erforderlich. Als Referendar kann man also die online zur Verfügung gestellten Studienmaterialien am Ort der eigentlichen Referendarausbildung bearbeiten!

Der Masterstudiengang besteht aus 

  • der theoretischen Ausbildung in Kooperation mit der FernUni Hagen mit dem Abschluss LL.M. „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ sowie 
  • einem viertägigen Präsenzseminar
  • Zudem stellt der DAV den Referendaren zur Unterstützung der Anwaltsstation und zur optimalen Vorbereitung auf den Anwaltsberuf ein eigenes Handbuch bzw. ab Anfang 2012 einen Ratgeber für die Anwaltsstation zur Verfügung, das auflistet, welche Inhalte idealerweise vermittelt werden sollten. 

Die Kosten

Die Studiengebühren für den Masterstudiengang an der FernUni Hagen betragen 2.990,00 €, die grundsätzlich der Referendar selbst zu tragen hat. Wenn man allerdings bedenkt, dass man nach erfolgreichem Abschluss einen LL.M. verliehen bekommt, der in der Praxis ein immer größer werdendes Ansehen genießt, relativieren sich diese Kosten.

Zudem findet sich auf der Homepage des DAV die Info, dass zur Finanzierung des Studiengangs der Deutsche Anwaltverein zusammen mit Kooperationspartnern zinslose Darlehen zur Verfügung stellt. Schließlich sind die Gebühren für den weiterführenden DAV-LL.M. auch steuerlich absetzbar.

Die theoretische Ausbildung: LL.M. „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“

Seit April 2009 wird der „DAV-LL.M“ in Kooperation mit der Fernuniversität Hagen angeboten. Nach Abschluss des theoretischen Studiums wird dem Absolventen durch die rechtswissenschaftliche Fakultät der Grad Master of Laws (LL.M.) „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ verliehen.

Zulassungsvoraussetzungen der FernUni

Man kann mit dem Masterstudiengang „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ beginnen, wenn man das erste juristische Staatsexamen bzw. die erste juristische Prüfung bestanden hat. Hinzu tritt das Erfordernis des Nachweises einschlägiger berufspraktischer Erfahrung von nicht unter einem Jahr. Rechtsreferendarinnen und Rechtsreferendare werden aber abweichend davon zugelassen, sobald sie die verbindliche Zusage über die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst beifügen.

Da die Fernstudiengänge der FernUni Hagen sehr online-basiert sind, ist schließlich weitere Voraussetzung, dass der Bewerber über einen Rechner mit Internetzugang verfügen muss – in der heutigen Zeit aber sicherlich eher eine formale Voraussetzung, die nahezu jeder erfüllt.

Inhalt und Aufbau des Masterprogramms

Der Studiengang „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ ist modulartig aufgebaut. Insgesamt gibt es vier Module, die alle Pflichtelemente des Studiums sind. Im Einzelnen (hier ausführlich):

Modul 1: „Die Anwaltskanzlei“

beinhaltet insgesamt 7 Kurse, unter anderem: Gründung, Kauf und Eintritt in eine Kanzlei; Strategische Ausrichtung und Marketing; Gebührenrecht, Honorargestaltung, Kostenrecht.

Modul 2: „Privatrecht“

beinhaltet insgesamt 7 Kurse, unter anderem: Privates Baurecht; Verkehrsrecht; Versicherungsrecht; Familien– und Erbrecht.

Modul 3: „Wirtschaftsrecht“

beinhaltet insgesamt 7 Kurse, unter anderem: Arbeitsrecht; Steuerrecht; Insolvenzrecht; Grundlagen des Anwaltsberufs.

Modul 4: „Verfahrensrecht“

beinhaltet insgesamt 6 Kurse, unter anderem: Berufung / Revision / Beschwerde im Zivilverfahren, Prozessrecht und –taktik; Zwangsvollstreckung; Mediation und Streitbeilegung.

Da jedes der vier Module ein in sich geschlossenes Stoffgebiet umfasst und grundsätzlich alle Module durchlaufend angeboten werden, ist man in der Reihenfolge der Bearbeitung flexibel. Die Einhaltung der Modulabfolge wird jedoch von der FernUni Hagen empfohlen, „um eine kontinuierliche Gewöhnung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an das steigende inhaltliche Anforderungsniveau der Module zu ermöglichen“.

Sofern man mit dem Masterstudiengang während des Referendariats beginnt, aber erst nach Ende des Referendariats beendet, empfiehlt es sich, examenswichtige Module wie zum Beispiel „Verfahrensrecht“ vorab zu bearbeiten.

Zeitlicher Ablauf des Studiums

Der Masterstudiengang ist bei einem Vollzeitstudium auf zwei Semester angelegt. Bei insgesamt vier zu belegenden Modulen ist also die Bearbeitung von je zwei Modulen pro halbes Jahr vorgesehen.

Möchte man das Studium in Teilzeit absolvieren, was sich gerade für Referendare anbietet, so verlängert sich das Studium auf 4 Semester. Die FernUni Hagen schlägt bei einer Belegung des Studiums in Teilzeit folgende Aufteilung vor: 

1. Semester: Modul „Die Anwaltskanzlei“ sowie die hälftige Bearbeitung des Moduls „Privatrecht“

2. Semester: Vervollständigung des Moduls „Privatrecht“ sowie das Modul „Wirtschaftsrecht“

3. Semester: Modul „Verfahrensrecht“

4. Semester: Teilnahme an der Präsenzveranstaltung sowie Anfertigung der Masterarbeit

Für die Anfertigung der Masterarbeit ist eine Bearbeitungszeit von 12 Wochen (Vollzeitstudium) bzw. 18 Wochen (Teilzeitstudium) vorgesehen.

Prüfungsleistungen

Zu jedem der vier Pflichtmodule ist eine 4-stündige Modulabschlussklausur unter Aufsicht anzufertigen. Hat man zu jedem Modul eine Abschlussklausur erfolgreich bestanden, erfolgt die Zulassung zur Anfertigung der Masterarbeit.

Die Master-Gesamtnote wird aus den Noten der einzelnen Modulabschlussarbeiten und der Masterarbeit gebildet.

Die viertägige Präsenzveranstaltung

Die Präsenzveranstaltung dient dazu, persönliche Schlüsselqualifikationen der Teilnehmer zu erweitern und zu trainieren. Themen dieser Veranstaltung sind insbesondere Rhetorik, Verhandlungsführung und Streitschlichtung. Dazu referieren renommierte Praktikerinnen und Praktiker und ergänzen so die in den Modulen bereits grundlegend vermittelten Inhalte. Darüber hinaus dient das Präsenzseminar auch dem Erfahrungsaustausch und dem Aufbau persönlicher Kontakte. So kann man ein Netzwerk mit Anwaltskollegen aufbauen, das insbesondere beim Start in den Anwaltsberuf genutzt werden kann.

Der Ort der zweimal jährlich stattfindenden Präsenzveranstaltung ist nicht festgelegt. Im Oktober 2009 fand zum Beispiel die Präsensveranstaltung in Timmendorfer Strand statt (dazu ist im Anwaltsblatt ein Erfahrungsbericht erschienen). Im April 2010 war Ort der Veranstaltung dann die Hauptstadt Berlin.

Das Handbuch bzw. der Ratgeber des DAV zur Anwaltsstation

Zur Vorbereitung auf den Anwaltsberuf stellt der Deutsche Anwaltverein den Referendaren zudem ein Handbuch zur Verfügung, das einen Katalog von Ausbildungsgegenständen enthält, welche im Rahmen der Anwaltsstation optimalerweise von der ausbildenden Kanzlei dem Referendar vermittelt werden. Dieses Handbuch wird Anfang 2012 von einem neuen „Ratgeber für die Anwaltsstation“ abgelöst.

Der Mindestkatalog anwaltlicher Tätigkeiten, die dem Referendar vermittelt werden sollten, besteht aus insgesamt 17 Punkten, unter anderem: 

  • Entwürfe von Schriftsätzen mit Anträgen und Begründungen (z.B. Klageschrift oder –erwiderung);
  • interne gutachterliche Stellungnahmen zu verschiedenen Themen;
  • Teilnahmen an Mandantenbesprechungen.

Darüber hinaus werden in über 400 Fragen alle Inhalte rund um die Anwaltskanzlei, Kontakt mit Mandanten, Gerichten und Behörden, Marketing etc. behandelt. Laut Homepage des DAV können Referendarinnen und Referendare so mit Hilfe des Ratgebers ihre Anwaltstation als echte Ausbildung gestalten.

Infos zur Anmeldung / Ansprechpartner

Die Anmeldung zum Masterstudiengang (LL.M.) „Anwaltsrecht und Anwaltspraxis“ kann unmittelbar nach dem ersten Staatsexamen erfolgen. Erforderlich ist dafür die Immatrikulation an der Fernuniversität in Hagen, deren Voraussetzungen wir euch bereits oben aufgeführt haben.

Als Ansprechpartner für Fragen zum „DAV-LL.M.“ stehen euch bei der Fernuniversität Hagen

Dr. Sven Grotendiek
Tel.: 02331 987 – 4339
E-Mail: sven.grotendiek [at] fernuni-hagen.de

sowie

Stefanie Scheifler
Tel.: 02331 987 – 2176
E-Mail: stefanie.scheifler [at] fernuni-hagen.de

zur Verfügung. Und beim Deutschen Anwaltverein wendet euch bei Rückfragen an

RAin Dr. Ulrike Guckes
Sekretariat: Ulrike Buchholz
Littenstraße 11, 10179 Berlin
Tel.: 030 726152 – 188
E-Mail: buchholz [at] anwaltverein.de

Erfahrungsberichte

Zum neuen „DAV-LL.M.“ ist momentan folgender Erfahrungsbericht online abrufbar: 

  • Bericht „Wasser, Wind und Wissensdurst“ zum Präsenzseminar von Tatjana Meyer.